Leafly.de Patientenakte: Frank, 43, Bayern, Fibromyalgie

Autor: Uta Melle

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Bereits in seiner Jugend hatte Frank Schmerzen. Diese wurden zu seinem ständigen Begleiter. Jahrzehntelang suchte er nach seiner Diagnose, ging von Arzt zu Arzt, versuchte alle Präparate. Erst vor einem Jahr fand er Erlösung. Die medizinische Behandlung mit Cannabis schlug bei ihm ausgezeichnet an. Nun ist er zu 90 % Prozent schmerzfrei.

Leafly.de Patientenakte: Frank, 43, Bayern, Fibromyalgie

Teenager haben normalerweise andere Sorgen, doch Franks Leben war ab seinem 15. Lebensjahr von Schmerzen geprägt. Er litt unter Spannungsschmerz im Kopf, Nacken und Schulter und wurde früh mit Tabletten und Spritzen behandelt. Mit 20 war es bereits so schlimm, dass er nachts aufwachte, kaum noch schlafen konnte. Vor allem die Schulter machte Frank zu schaffen. Aber auch die Knie und andere Gelenke schmerzten enorm.

Ein Unglück kommt selten alleine: Borreliose

Bis zu seinem 35. Lebensjahr konnte Frank den schubweise auftretenden Schmerz noch gut in sein Leben integrieren. Ein Zeckenbiss machte ihm jedoch einen Strich durch die Rechnung.

Er vertrug die Behandlung der hervorgerufenen Borreliose mit Antibiotika nicht. Franks ganzer Körper, vor allem die Gelenke und das Gesicht, begann zu schmerzen. Da diese Reaktion sehr untypisch war, suchte Frank Hilfe.

Es wurde zu einer Ärzte-Odyssee, denn keiner fand etwas. Mit 36 Jahren ging er ins Krankenhaus. Dort machte er erst einmal einen Alkoholentzug mit viermonatiger Entgiftung. Seit dem Jahr 2010 ist Frank komplett trocken. Die Ursache seiner Beschwerden fand jedoch niemand. Gegen seine Schmerzen bekam er Ibuprofen, Diclofenac und Voltaren.

Panikattacken und andere Nebenwirkungen

Im Jahr 2007 ging es dann leider wieder bergab. Zu Franks Beschwerden gesellten sich Panikattacken, Schwindel und Kreislaufbeschwerden. Wieder konnte keine Ursache definiert werden. Lediglich Antidepressiva kamen zu seinen Medikamenten hinzu, denn Franks Ärzte stellten immer mehr eine diagnostizierte Depression in den Vordergrund.

2015 wurde die Praxis seines Hausarztes von einer neuen Ärztin übernommen. Diese verschrieb Frank Ibuprofen, Novalgin und Diclofenac. 2016 kam das Lyrics Gabapentin hinzu. Nichts schlug an.

Von März bis Mai 2017 erlebte Frank die schwersten Nebenwirkungen, denn er versuchte auf Anweisung die Opioide Tilidin und Tramadol. Schwindel und Panikattacken, Gliederschmerzen, Schmerzen in Schulter, Knie, Fuß, Brustbereich in Höhe des Herzens, Gesichtsschmerzen sowie Handgelenke begleiteten ihn in dieser Zeit permanent. Jährlich besuchte Frank Kardiologen, Neurologen und Orthopäden.

Frank sucht nach einer Alternative

Im März 2017 wurde die medizinische Behandlung mit Cannabis freigegeben. In den Medien wurden sehr viel über die schmerzstillenden Möglichkeiten geschrieben. Auch Frank schöpfte Hoffnung und sprach seine Hausärztin an. Diese wollte ihm jedoch lieber Opioid-Pflaster verschreiben.

Schließlich überwies sie ihn in eine Schmerzklinik. Noch bevor er dort eincheckte, im Mai 2017, besuchte er einen anderen Allgemeinmediziner, der sich besser mit dem Thema Cannabis-Behandlung auskannte.

Hier bekam er ein Privatrezept, sodass er endlich den Test machen konnte, ob Cannabis bei ihm wirkte oder nicht. Und der Test war erfolgreich. Sofort stellte sich eine Entspannung im ganzen Körper ein und er beobachtete eine Schmerzfreiheit bis zu 90 %.

Das Tollste an allem war jedoch, dass Frank nach Jahrzehnten endlich wieder schlafen konnte. Das Ziel war klar: Eine Cannabis-Behandlung ist das Richtige für ihn.

Schmerzklinik und Diagnose Fibromyalgie

Im Juni 2017 ging Frank dann in die Schmerzklinik. Dort fand man die Ursache für alle seine Schmerzen. Bei ihm wurde eine Fibromyalgie diagnostiziert. Nun hatte er die Unterstützung von mehreren Ärzten bei der Antragstellung zur Kostenübernahme. Entsprechend schnell hatte er die Bestätigung.

Inzwischen geht es Frank den Umständen entsprechend gut. Er schläft wieder regelmäßig, ist für seine vier Kinder da und kann seiner Arbeit als Klinikmitarbeiter sehr gut nachkommen.

Anm. d. Autorin: Persönlich halte ich Fibromyalgie aus zweierlei Gründen für eine extrem schlimme Krankheit. Primär selbstverständlich wegen der permanenten Spannungsschmerzen in den schlimmsten Teilen des Körpers. Hinzu kommt jedoch, dass diese Krankheit einfach noch zu unbekannt und noch nicht überall akzeptiert ist. Patienten machen eine Odyssee durch, um ihre Diagnose zu erhalten. Erfolgreiche Behandlungsmethoden gibt es leider nicht. Des Weiteren bewundere ich jeden Menschen, der erfolgreich einen Alkoholentzug durchgezogen haben und trocken bleiben. Auch hier handelt es sich um eine katastrophale Krankheit, die in unserer Gesellschaft leider zu sehr akzeptiert ist. Ich habe den größten Respekt vor Franks Stärke!

Patienteninfos
Name: Frank
Alter: 43
Wohnort/Bundesland: Bayern
Krankenkasse: AOK
Diagnose: Fibromyalgie
Medikation: Bedrocan 0,2 – 0,5g pro Tag, abends Pedanios 16/1
Fachrichtung des verschreibenden Arztes: Hausarzt

Das Leafly.de Patienteninterview

Leafly.de: Seit wann wendest Du Cannabis als Medizin an?
Frank: Seit Juni 2017

Leafly.de: Wie bist Du darauf gekommen?
Frank: Es war damals ja in allen Medien. Und da ich Schmerzpatient bin und der Fokus auf die Behandlung von Schmerzen lag, wurde ich schnell hellhörig.

Leafly.de: Wie war das erste Mal mit Cannabis als Medizin?
Frank: Ich habe es sofort von Kopf bis Fuß gemerkt. Alles entspannte sich. Es war unglaublich und ich konnte endlich wieder schlafen. Ich bin nun zu 90 % Schmerzfrei.

Leafly.de: In welchen Momenten wendest Du es an?
Frank: Als Dauermedikation. Tagsüber Bedrocan, abends zum einschlafen Pedanios 16/1.

Leafly.de: Hattest Du Schwierigkeiten mit der Krankenkasse?
Frank: Nein, ich war gut vorbereitet, meine Ärzte auch. Zunächst habe ich mit einem Privatrezept ausprobiert, ob es bei mir wirkt. Danach haben mir auch die Ärzte geholfen und dann ging alles sehr schnell – innerhalb von fünf Tagen während meines Krankenhausaufenthaltes habe ich die unbefristete Zusage zur Kostenübernahme von meiner Krankenkasse bekommen. Aber auch ich hatte mich vorbereitet, sodass der Antrag sehr gut formuliert war.

Leafly.de: Wie sieht es mit Deinem Job aus?
Frank: Ich bin Klinikmitarbeiter. Das hat mir im ganzen Prozeß natürlich geholfen. Ich fühle mich gut und klar im Kopf.

Leafly.de: Bist Du glücklich?
Frank: Ja, ich bin verheiratet und habe vier Kinder. Meine Kinder sehen das Cannabis, welches ich zur Behandlung bekomme auch als ganz normales Medikament an.

Großartig, vielen Dank, lieber Frank, dass Du uns deine Geschichte erzählt hast. Wir wünschen Dir und Deiner Familie alles erdenklich liebe und viel Gesundheit.

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