Fünf vielversprechende Studien zu den Auswirkungen von Cannabinoiden auf den menschlichen Körper

Verõffentlicht am: 28. April 2017

Geändert am: 30. November 2017

Die 25. Fachkonferenz der International Cannabinoid Research Society (kurz ICRS) war mit einer Vielzahl von hoch angesehenen Wissenschaftlern eine gelungene Plattform für den Austausch von Ideen und Erfahrungen im Bereich der Cannabinoidforschung. Die viertägige Konferenz, die jährlich abgehalten wird, bot ein breites Informationsspektrum, von neuen chemischen Cannabinoideinheiten über Methoden zur Qualitätskontrolle für Cannabis bis hin zu Nicht-THC-Cannabinoiden, wie CBD (Cannabidiol) und CBG (Cannabigerol). Nachfolgend sind die fünf vielversprechendsten Studien aufgeführt, die in diesem Rahmen hervorgehoben wurden. Wie bei jeder wissenschaftlichen Konferenz ist es wichtig, sich aufgeschlossen und kritisch gegenüber neuen Ideen und dem bisher Geglaubten zu geben und neue Erfahrungswerte zu sammeln. Oder wie der amerikanische Schriftsteller Alvin Tofler einmal sagte: „Die Ungebildeten des 21. Jahrhunderts werden nicht diejenigen sein, die nicht lesen oder schreiben können, sondern die, die nicht lernen, verlernen und neu lernen können.“

Fünf vielversprechende Studien zu den Auswirkungen von Cannabinoiden auf den menschlichen Körper

Ihr Endocannabinoid-System könnte sich auf Ihren Stoffwechsel auswirken

Die Forschungsgruppe von Dr. George Kunos des National Institutes of Health/Abteilung für Neuroendokrinologie stellte einige ihrer Forschungsergebnisse zu einem antagonistisch wirkenden Dual-Target-Cannabinoid-Rezeptor 1 (CB1r) vor, der auch andere Rezeptoren für Leberfibrosen und Entzündungen beeinflusst. Eine Leberfunktionsstörung resultiert häufig aus dem Zusammenspiel von alkoholbedingten Lebererkrankungen, Virusinfektionen und Typ-2-Diabetes/Übergewicht/Fettleber (metabolisches Syndrom). Die Forschungsgruppe stellte eine ganze Reihe von Stoffen in synthetischer Form her, die funktionelle Vorteile in Bezug auf die Fettreduzierung, einen verbesserten Blutzuckerstoffwechsel und Fettleber bringen, wobei weitaus weniger Substanzen in das Gehirngewebe eindringen. Diese Stoffe hemmen die Wirkung von CB1-Rezeptoren in den Peripheriebereichen (Leber, Fett, Muskeln) und verhindern gleichzeitig Nebenwirkungen im Gehirn/Verhalten. Obwohl sie sich noch in einer frühen Entwicklungsphase befinden, geben diese Stoffe Grund zur Hoffnung und eröffnen die Möglichkeit, dass natürlich vorkommende Stoffe das Endocannabinoidsystem zur Bekämpfung von Übergewicht, des metabolischen Syndroms, einer Kohlenhydratintolerenz und zur Reduzierung von Bauchfett und viszeralem Fettgewebe beeinflussen können. In anderen Worten: Wir können möglicherweise einen Teil des unermüdlichen Stoffwechsels unserer Jugend wieder zurückgewinnen, der es uns möglich machte, uns nicht so viel Gedanken ums Essen zu machen und dabei trotzdem in Form zu bleiben.

Wie wirken sich verschiedene Cannabiswirkstoffe auf unterschiedliche CB1-Rezeptoren aus?

D. Lu, HI Ali et al. von Texas A&M und UConn erläuterten eine neue Methode zur Untersuchung und Bezeichnung von Wirkstoffen in Cannabis (und darüber hinaus), die sich anders auf den CB1-Rezeptor auswirken als THC. THC ist als orthosterischer Agonist oder Ligand von CB1 bekannt, was bedeutet, dass THC der „Schlüssel“ ist, der direkt an den CB1-Rezeptor (das „Schloss“) bindet. Allosterische Liganden hingegen sind Stoffe, die an einer alternativen Stelle an den Rezeptor binden können, um die Intensität, Dauer oder Art der nachgeschalteten Signalkaskade dieses Rezeptors zu beeinflussen. Dies bedeutet also, dass die Verwendung von allosterischen Bindungsstellen bei Rezeptoren gegenüber orthosterischen Bindungsstellen (herkömmliche Andockstellen) differenziertere Reaktionen ermöglichen, die einige Effekte (z. B. eine entzündungshemmende Wirkung, einen Schmerzlinderungseffekt) ermöglichen, während gleichzeitig jedoch unerwünschten Nebenwirkungen (z. B. Psychoaktivität, Angstzustände, Verfolgungswahn) auftreten können.

CBD kann antipsychotische Eigenschaften aufweisen

Schizophrenie ist eine psychische Erkrankung, die sich durch Wahnvorstellungen, Halluzinationen, Verwirrtheit und formale Denkstörungen auszeichnet. Die allgemein übliche medikamentöse Behandlung von Schizophrenie erfolgt in Form von Medikamenten, die auf Dopaminrezeptoren abzielen. Während THC als Cannabinoid gerade in hohen Dosen für einige Nebenwirkungen verantwortlich ist, wie Angstzustände, paranoide Symptome und Halluzinationen, hat CBD in diesen Bereichen ein erfolgsversprechendes Potenzial gezeigt. J. Renard, J. Loureiro et al. von der University of Western Ontario präsentierten in diesem Zusammenhang Untersuchungsergebnisse, die die antipsychotischen Eigenschaften von CBD noch weiter unterstützen, einschließlich einiger der grundlegenden molekularen Signalmechanismen in bestimmten Bereichen des Gehirns.

CBD könnte sich auch für verschiedene neurodegenerative Erkrankungen eignen

C.E. Herron et al. vom University College of Dublin, Irland, hat CBD als nicht psychotropen Bestandteil von Cannabis als potenzielles Therapeutikum für eine Reihe von neurodegenerativen Erkrankungen, darunter Alzheimer-Demenz, untersucht. CBD hat entzündungshemmende und neuroprotektive Effekte auf toxische Beta-Amyloid-Plaques und Gehirnzellen, in denen sich Proteinbündel aus dem so genannten Tauprotein gebildet haben. Mit diesen neuen Daten wurde an Tiermodellen gezeigt, dass mit einer Vorbehandlung mit CBD die Defizite bei der Langzeitpotenzierung (LTP) geschützt und wiederhergestellt werden konnten, die für die Gedächtnisfunktion im Hippocampus des Gehirns unerlässlich ist. Diese positiven Effekte wurden trotz unveränderter Oligomerisierung der Tau- bzw. Beta-Amyloid-Proteine beobachtet.

CBG kann Muskelschwund bei verschiedenen Krankheiten vorbeugen

D.I. Brierley et al. von der University of Reading, Berkshire, Großbritannien, stellte interessante Daten darüber bereit, wie CBG (Cannabigerol) den Muskelschwund des für Krebs typischen Anorexie-Kachexie-Syndroms abschwächen können, der bei 80 % der Patienten mit fortgeschrittenem Krebsstadium auftritt. Diese Komorbidität mindert nicht nur die Lebensqualität und den Behandlungserfolg, sondern führt auch zu einer höheren Sterberate. Es gibt mittlerweile genug Beweise, die zeigen, dass sowohl Krebs als auch Chemotherapien aufgrund der von den Chemotherapien selbst hervorgerufenen systemischen Entzündungen, Stoffwechselstörungen und zytotoxischen Effekte progressiven Muskelschwund hervorrufen. Diese neuen Daten belegen, dass sich bei einer oralen Verabreichung von CBG bei Ratten, die eine Chemotherapie mit Cisplatin erhielten, nicht nur das Fressverhalten verbesserte, sondern auch der Gewichtsverlust und Muskelschwund, die mit der Gabe von Cisplatin einhergingen, teilweise rückgängig gemacht werden konnten. Die so wichtigen Muskelfasertypen IIa und IIx (die am effektivsten bei Belastungen sind und eine hohe Kraftkapazität, großes Wachstumspotenzial und einen hohen Ermüdungswiderstand haben) schienen in der Behandlungsgruppe mit CBG vom Muskelschwund verschont zu werden. Es sind noch weitere Untersuchen notwendig, um den diesem schützenden Effekt zugrunde liegenden Mechanismen weiter auf den Grund zu gehen. Das Ganze könnte sich auf die Wege auswirken, die die Synthese/den Anabolismus von Muskelproteinen oder den Abbau/Katabolismus von Muskelproteinen steuern… oder beides!

 

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