Gebärmutterhalskrebs und Cannabis als Medizin

Gebärmutterhalskrebs kann in den meisten Fällen gut verhindert werden, zum Beispiel durch Krebsvorsorge und die HPV-Impfung. Dennoch erkranken jedes Jahr tausende Frauen. Was kann Cannabis als Medizin hier leisten?

Gebärmutterhalskrebs und Cannabis als Medizin

Jedes Jahr erkranken in Deutschland etwa 4.300 Frauen neu an Gebärmutterhalskrebs. Die Krankheit entwickelt sich langsam. Meist dauert es Jahre oder sogar Jahrzehnte, bis tatsächlich ein Tumor entsteht. Der Gebärmutterhals ist die Verbindung zwischen der Scheide und der Gebärmutter. In die Scheide hinein ragt das untere Ende des Gebärmutterhalses, auch Muttermund genannt. Krebs entsteht dort fast immer durch die Infektion mit bestimmten Viren, den sogenannten Humanen Papilloma Viren (HPV).

Von diesen Viren gibt es über 200 verschiedene Typen. Einige von ihnen, die sogenannten Hochrisikotypen, können Krebs auslösen. Neben Gebärmutterhalskrebs ist es sehr wahrscheinlich, dass auch Scheiden- und Vulvakrebs, sowie Penis- und Analkarzinome durch HP-Viren ausgelöst werden. Werden die Viren in den Mundraum übertragen, können sie dort auch Mund-, Hals- und Rachentumore hervorrufen. Abgesehen von den bösartigen Tumoren können andere HPV-Typen auch Warzen an Haut und Schleimhäuten im Genitalbereich, im Mund oder am Kehlkopf verursachen.

Übertragung der Viren

Die Übertragung der Viren erfolgt am häufigsten durch sexuelle Kontakte – beim Geschlechtsverkehr, egal ob vaginal, anal oder oral. HP-Viren sind sehr häufig. Im Laufe des Lebens infizieren sich die meisten Menschen mindestens einmal mit HPV. Im Alter von 20 bis 25 Jahren sind etwa 35 Prozent der Frauen mit einem Hochrisiko-HPV-Typ infiziert.

In den meisten Fällen bekämpft der Körper die Infektion. Doch bei etwa 10 Prozent der Betroffenen heilt die Infektion nicht aus. Bleibt die Infektion über viele Jahre bestehen, kann sich ein Tumor entwickeln. Gebärmutterhalskrebs ist der häufigste durch HPV bedingte Tumor. Eine ausgeheilte Infektion führt übrigens nicht zu einer Immunität! Das bedeutet, man kann sich immer wieder mit HPV anstecken; mit unterschiedlichen HPV-Typen sowieso, aber sogar vor einer Ansteckung mit denselben Typen ist man nicht geschützt.

HPV-Impfung – Impfung gegen Krebs?

Es gibt eine Impfung gegen die Virustypen, die für die meisten Krebserkrankungen verantwortlich sind. Da die Ansteckung mit HP-Viren meist relativ bald geschieht, wenn junge Menschen beginnen, Sex zu haben, sollte die Impfung davor erfolgen, und zwar bei Kindern (Mädchen und Jungen) zwischen 9 und 14 Jahren. Spätestens bis zum 18. Geburtstag sollten versäumte Impfungen nachgeholt werden. Bei jüngeren Kindern erzeugt der Impfstoff eine etwas bessere Schutzwirkung. Die Kosten der Impfung übernimmt die Krankenkasse.

Zahlreiche Studien konnten inzwischen zeigen, dass durch die Impfung die Anzahl der Frauen mit Vorstufen eines Gebärmutterhalskrebses stark zurückgegangen sind. Das ist bereits ein toller Erfolg, denn Krebsvorstufen verunsichern Frauen teilweise stark und beeinträchtigen so die Lebensqualität. Unter Umständen wird es auch notwendig, das betroffene Gewebe am Gebärmutterhals mit einer Operation zu entfernen. Das kann sich ungünstig auf spätere Schwangerschaften auswirken.

Wie stark durch die Impfung auch die Anzahl an Krebserkrankungen gemindert wird, kann noch nicht genau gesagt werden, da die Impfung erst 2006 eingeführt wurde und die Dauer bis zur Entwicklung eines Gebärmutterhalskrebses häufig deutlich länger als 10 Jahre dauert. In den nächsten 10 Jahren sollte es hierzu Daten geben.

Gebärmutterhalskrebs – Krebsvorsorge

Doch nicht nur junge Mädchen können einer Gebärmutterhalskrebs-Erkrankung vorbeugen! Seit vielen Jahrzehnten gibt es die Möglichkeit der Krebsvorsorge beim Frauenarzt. Der Gynäkologe entnimmt mit einem Wattestäbchen Zellen vom Gebärmutterhals und untersucht diese auf Veränderungen. Wird dieser sogenannte Pap-Abstrich ab dem 20. Lebensjahr jährlich durchgeführt, werden Veränderungen frühzeitig erkannt und können behandelt werden.

Ergänzend gibt es HPV-Tests. Damit wird untersucht, ob die Zellen am Gebärmutterhals von HP-Viren befallen sind. Diese Tests sind sehr empfindlich. Allerdings können sie nicht anzeigen, ob sich die befallenen Zellen auch in Richtung Tumorzellen entwickeln. Da der Körper es schafft, die meisten Infektionen von selbst zu bekämpfen, sagt es noch nichts über das Krebsrisiko aus, wenn eine Infektion nachgewiesen wird. Darum wird der HPV-Test in der Regel nur in Kombination mit dem Pap-Test eingesetzt: Werden dort auffällige Zellen entdeckt, kann man mithilfe des HPV-Tests feststellen, ob daran eine Virusinfektion schuld ist. Sind die Zellveränderungen unabhängig von einer HPV-Infektion, ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie sich zu einer Krebserkrankung entwickeln, deutlich geringer.

Wenn Gebärmutterhalskrebs entstanden ist

Wie beschrieben, lässt sich einer Gebärmutterhalskrebs-Erkrankung an sich gut vorbeugen – mit der HPV-Impfung und regelmäßigen Krebsfrüherkennungsuntersuchungen beim Frauenarzt. Trotzdem erkranken jedes Jahr mehrere tausend Frauen an Gebärmutterhalskrebs. Eine Ursache dafür liegt auch darin, dass der Krebs in frühen Stadien keine Beschwerden verursacht. Erst wenn der Tumor eine gewisse Größe erreicht hat, können leichte Blutungen oder ein gelblich-brauner Ausfluss auftreten. Diese Beschwerden treten vor allem nach dem Geschlechtsverkehr auf.

Je nach Stadium der Erkrankung wird Gebärmutterhalskrebs mit einer Operation, Bestrahlung und Chemotherapie behandelt. Die Behandlung einer Gebärmutterhalskrebs-Erkrankung gehört unbedingt in die Hände erfahrener Tumorspezialisten.

Cannabis zur Behandlung von Nebenwirkungen der Krebstherapie

Zur Behandlung von Nebenwirkungen einer Chemotherapie, wie Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit, oder auch bei krebsbedingten Schmerzen können Cannabinoide die Symptome lindern. Auch im Rahmen einer Palliativbehandlung kann Cannabis sinnvoll eingesetzt werden.

Kann Cannabis bei Gebärmutterhalskrebs helfen?

Zu den Möglichkeiten, Cannabinoide bei Krebserkrankungen einzusetzen, wird viel geforscht. Mehrfach wurde beobachtet, dass Cannabinoide Tumorzellen zum Absterben bringen könne, dass sie das Wachstum neuer Krebszellen hemmen könnten, dass sie die Versorgung eines Tumors mit Blutgefäßen hemmen könnten und dass sie die Bildung von Metastasen hemmen könnten.

Doch all diese Untersuchungen sind noch nicht so weit, standardmäßig bei Krebspatienten eingesetzt werden zu können.

Wissenschaftler aus der Schweiz haben sich vor einigen Jahren angesehen, ob (Endo)Cannabinoide bei Zellen aus einem Gebärmutterhalskrebs günstige Wirkungen haben. Dabei beobachteten sie widersprüchliche Ergebnisse. Wirkte das körpereigene Cannabinoid Anandamid über den Vanilloid-Rezeptor 1, so führte das zum programmierten Zelltod von Karzinomzellen. Wirkte Anandamid hingegen über die beiden klassischen Cannabinoidrezeptoren CB1 oder CB2, so hatte das eine schützende Wirkung auf die Krebszellen.

Ebenso interessant sind die Ergebnisse der Rostocker Pharmakologen Robert Ramer und Burkhard Hinz. Diese entdeckten im Jahr 2017 einen Mechanismus, der die Wirkung von Cannabis gegen Krebs erklären könnte. In Tests mit Gebärmutterhals- und Lungenkrebszellkulturen wiesen sie nach, dass Cannabinoide womöglich auch in der Lage sind, das Eindringen von Tumorzellen in das Blut- und Lymphsystem zu verhindern bzw. zu blockieren. Damit könnte verhindert werden, dass sich die Tumorzellen im Körper ausbreiten und Metastasen bilden. In den Ergebnissen heißt es, dass das Cannabinoid THC offenbar einen Hemmstoff gegen bestimmte Enzyme bildet, die die Krebszellen produzieren. Infolge dessen werden die Tumorzellen lahmgelegt.

Forschungsergebnisse aus Südafrika

Gebärmutterhalskrebs ist nach wie vor ein globales Gesundheitsproblem.  Allein in Afrika südlich der Sahara sterben jährlich über eine Viertelmillion Frauen an Gebärmutterhalskrebs. Forscher der North-West University in Südafrika vergleichen die antiproliferativen Wirkungen von Cannabisrohextrakten und seiner Hauptverbindung Cannabidiol auf verschiedene Zervixkrebszelllinien.

Die Ergebnisse zeigen, dass sowohl Cannabidiol- als auch Cannabisextrakte die Zellproliferation in allen Zelllinien bei unterschiedlichen Konzentrationen stoppen konnten. Zusammenfassend erklärten die Forscher, dass diese Daten darauf hinweisen, dass Cannabidiol-Rohextrakte anstelle von Cannabisrohextrakten das Zellwachstum verhindern und in Zervixkarzinomzellen den Zelltod induzieren können.

 

Hinweis: In diesem Artikel berichten wir über rezeptpflichtiges CBD oder auch Cannabidiol. Dieser Artikel macht zur möglichen Zweckbestimmung keinerlei Vorschlag. Nutzversprechen bleiben den Apothekern überlassen.

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