Kürzlich haben Wissenschaftler an den akademischen Einrichtungen der Universidade de Lisboa in Portugal und der Universität Lancaster im Vereinigten Königreich eine Studie über den langfristigen Cannabiskonsum und seine potenziellen Gefahren durchgeführt. Studienautorin Ana Sebastião erklärte, dass Cannabis zunehmend legalisiert und für therapeutische Zwecke genutzt werde, weshalb man darüber nachdenken solle, welche Nachteile der Cannabiskonsum für das Gehirn haben könnte und wie man sie angehen könnte.
Gehirn: Regelmäßiger Cannabiskonsum kann das Gedächtnis beeinträchtigen
In der neuen Studie konzentrierten sich Sebastião und ihre Kollegen auf den Cannabinoid-Rezeptor-Agonisten WIN 55,212-2 und beobachteten die Auswirkungen auf das Gehirn.
Dabei arbeiteten die Forscher mit einem Mausmodell und stellten fest, dass die Nagetiere nach längerer Exposition gegenüber dieser Substanz „signifikante Gedächtnisstörungen“ aufwiesen. Sie waren tatsächlich nicht in der Lage, zwischen einem Objekt, mit dem sie vertraut sein sollten, und einem neu hinzugekommenen Objekt zu unterscheiden.
Durch die Verwendung von bildgebenden Verfahren im Gehirn haben die Forscher auch festgestellt, dass diese Substanz Hirnregionen beeinflusst, die an Prozessen des Lernens, Speicherns und Zugreifens auf Erinnerungen beteiligt sind. Ein chronischer Kontakt mit dieser Substanz, erklärte Sebastião und ihr Team, wirkte sich auf das Gehirn aus und beeinträchtigte die „Kommunikation“ zwischen Hirnregionen, die das Lernen und das Gedächtnis vorantreiben.
„Unsere Arbeit zeigt deutlich, dass eine regelmäßige Cannabinoid-Aufnahme, wenn sie nicht aus medizinischen Gründen verwendet wird, negative Auswirkungen auf die Gehirnfunktion und das Gedächtnis hat. Es ist wichtig zu verstehen, dass das gleiche Arzneimittel unter bestimmten Krankheitszuständen wie bei Epilepsie oder Multipler Sklerose wieder ein Gleichgewicht herstellen kann, aber bei gesunden Personen zu starken Ungleichgewichten führen kann.“, erklärte Sebastião.
Weiter führte die Studienautorin aus, dass Cannabinoid-basierte Therapien nicht nur positive Wirkungen, sondern auch negative Nebenwirkungen haben können.
Ausgleich der negativen Auswirkungen
„Diese Ergebnisse sind sehr wichtig für die Entwicklung von pharmakologischen Strategien, die darauf abzielen, die kognitiven Nebenwirkungen der derzeit verwendeten Cannabinoid-basierten Therapien zu reduzieren, die sich bei mehreren Erkrankungen des Nervensystems als wirksam erwiesen haben“, erklärte Sebastião.
In Zukunft hoffen die Wissenschaftler, dass ein besseres Verständnis der schädlichen Wirkungen von Cannabinoid-Medikamenten zur Entwicklung von Gegenstrategien führen wird.
„Diese Arbeit bietet wertvolle neue Einblicke in die Art und Weise, wie sich langfristige Cannabinoid-Therapien auf das Gehirn auswirken. Diese Mechanismen zu verstehen, ist von zentraler Bedeutung, um zu verstehen, wie eine langfristige Cannabinoid-Exposition das Risiko der Entwicklung von psychischen Problemen und Gedächtnisproblemen erhöht; nur ihr Verständnis wird es ermöglichen, sie zu mildern“, führte Co-Autor der Studie Neil Dawson aus.