Gentest: Wie reagiert der Körper auf THC?

Ein Gentest, der verrät, wie der Körper auf THC reagiert? Lobo Genetics in Toronto bietet jetzt solch einen Test an. Aber funktioniert dieser Test wirklich, und welche Gene sollen bestimmen, wie sich der Cannabiskonsum auf uns auswirkt?

Gentest: Wie reagiert der Körper auf THC?

Einem interessanten Medienbericht zufolge ist der Gentechnik-Experte John Lem jetzt der Frage nachgegangen, warum die Menschen unterschiedlich auf THC reagieren. Die Antwort darauf sucht der Forscher in den Genen und entwickelt nun einen Gentest mit seinem neu gegründeten Unternehmen Lobo Genetics in Toronto.

„Wenn wir uns die Wissenschaft ansehen, sind wir zu dem Schluss gekommen, dass es tatsächlich eine genetische Grundlage für die Reaktion auf THC gibt“, erklärte Lem.

Lobo Genetics untersucht mit einem einfachen Wangenabstrich drei Gene, um festzustellen, wie der Körper auf THC reagiert. Laut Lem zeigen diese Gene dann, wie der Körper THC metabolisiert, ob man anfällig für Gedächtnisdefizite ist, und ein erhöhtes Risiko für Paranoia Schizophrenie besteht.

„Wenn die Menschen verstehen, wie ihr Körper auf Cannabis reagiert, ist das eine gute Sache“, führte Lenn zu seinem neuen Gentest weiter aus.

Lobo Genetics ist im Übrigen nicht das einzige Unternehmen, das einen Gentest entwickelt hat. Auch das kanadische Unternehmen AnantLife verkündete im Sommer letzten Jahres, einen entsprechenden Test auf den Markt bringen zu wollen (Leafly.de berichtete).

Kritik am Gentest

Dr. Bernard Le Foll war Teil eines Teams des Zentrums für Sucht und psychische Gesundheit, das Empfehlungen zum Cannabiskonsum erarbeitete. Dieser zweifelt an dem Gentest von Lem.

„Es wurden nur begrenzte Forschungsarbeiten zu Cannabis durchgeführt. Die Arten von Studien, auf denen Lobo Genetics Tests basieren, werden an einer sehr kleinen Anzahl von Probanden durchgeführt. Ich denke, dass diese Studien an einer größeren Anzahl von Probanden durchgeführt werden müssen, damit sie wirklich gültig sind“, so Le Foll.

Gentest: Um welche Gene geht es?

Bei dem Gentest geht es um die folgenden Gene:

  • CYP2C9 beeinflusst, wie wir Medikamente metabolisieren. Eine Mutation in diesem Gen kann sich darauf auswirken, wie lange jemand braucht, um THC abzubauen. Dies bedeutet, dass eine Person die THC-Wirkung länger spürt als eine andere Person, die dieselbe Dosis einnimmt.
  • Das Gen AKT1 ist an vielen Zellfunktionen beteiligt. Einige Studien haben gezeigt, dass eine Variation dieses Gens das Risiko einer Psychose birgt.
  • COMT spielt eine Rolle beim Abbau von Dopamin im Gehirn. Ein hoher Dopamin-Spiegel kann die kognitiven Funktionen beeinflussen. Eine Variation dieses Gens kann das Gedächtnis beeinträchtigen.

Mit Blick auf die Gene, die Lobo Genetics testet, erklärte Le Foll, dass sie damit zusammenhängen, wie der Körper mit Cannabis interagiert. Aber er warnt davor, denn es gibt so viele andere Faktoren, einschließlich weiterer Gene, die hier eine Rolle spielen könnten.

„Irgendwann werden wir in der Lage sein, fundierte Vorhersagen zu treffen, aber wir sind noch nicht da. Die Art der Umgebung, die Art der vorherigen Drogenexposition, die Dosis – das ist alles sehr wichtig, möglicherweise wichtiger als die Genetik“, führte Le Foll weiter aus.

Wie funktioniert der Gentest?

Der Gentest kann bei Lobo Genetics bestellt werden und ist einfach durchzuführen. Es handelt sich hierbei um einen einfachen Speicheltest. Einige Tage später können die Ergebnisse dann im persönlichen Kundenaccount nachgesehen werden. Diese sind in drei Kategorien unterteilt: Stoffwechsel, Psychoserisiko und Risiko für Gedächtnisdefizite. Das Risiko wird von niedrig bis hoch eingestuft.

„Wir ermutigen die Menschen, mit einem Berater oder einem Arzt zu sprechen, wenn sie ihre Ergebnisse haben. Zu wissen, wie der Körper reagiert, kann hilfreich sein. Wenn jemand THC langsamer metabolisiert, möchte dieser möglicherweise eine geringere Dosis verwenden“, erklärte Lem.

Gegenwärtig bietet Lobo Genetics den Gentest im eigenen Online-Shop sowie in fünf Nova Cannabis-Läden in Alberta an. Eine weitere Expansion ist geplant.

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