Gießener Uniklinik setzt auf Cannabis als Medizin

Autor: Gesa Riedewald

Verõffentlicht am: 16. Mai 2018

Geändert am: 3. Juli 2018

Für die Schmerzklinik des Gießener Uniklinikums (UKGM) ist Cannabis als Medizin eine Therapiealternative, um Menschen mit chronischen Schmerzen zu helfen. Bei wem Medizinalhanf eingesetzt wird, ist eine individuelle Entscheidung der Ärzte. Der Bedarf für Cannabis als Medizin sei jedoch groß, denn Schmerz ist eine Volkskrankheit.

Gießener Uniklinik setzt auf Cannabis als Medizin

Hartmut Kopp leidet seit Jahren an einer Gürtelrose. Die Viruserkrankung verursacht Schmerzen, die bei ihm im Laufe der Zeit immer stärker wurden, bis sie schließlich chronisch waren. Auf der von Medizinern aufgestellten Schmerzskala, die von null bis zehn reicht, lagen die Schmerzen von Herrn Kopp bei einem Wert von acht. Geholfen hat dem Schmerzpatienten am Ende Cannabis als Medizin. Das bekommt er von der Gießener Uniklinik.

Schmerzpatienten kann Cannabis als Medizin helfen

In der Schmerzklinik des Gießener Uniklinikums (UKGM) verordnete Privatdozent Dr. Hagen Maxeiner seinem Patienten Hartmut Kopp Tetrahydrocannabinol (THC). Dieses nimmt er dreimal am Tag in Form von Dronabinol-Tropfen ein.

Seit September läuft die von der Krankenkasse bezahlte Cannabis-Therapie nun schon. Hartmut Kopp ist mit dem Ergebnis sehr zufrieden: Seine Schmerzen seien „bedeutend besser geworden“, wenngleich sie nicht komplett verschwunden sind. Der Zustand sei aber „sehr erträglich“, so der Schmerzpatient.

Auch der behandelnde Arzt, Dr. Maxeiner, zieht eine positive Bilanz: „Das Cannabis zeigte bei Hartmut Kopp von Anfang an einen guten Effekt. Seit einem halben Jahr ist die Wirkung stabil.“

In der Gießener Schmerzklinik werden laut Maxeiner „vorwiegend neuropathische Schmerzen, also Nervenschmerzen wie zum Beispiel auch Chemotherapie- oder HIV-induzierte Polyneuropathien“ mit Cannabis als Medizin behandelt. Die Palliativmedizin des UKGM behandelt schmerzgeplagte Krebspatienten mit Cannabis.

Cannabis als Medizin gut verträglich

Schmerzpatienten haben häufig bereits über viele Jahre unterschiedliche Medikamente ausprobiert, bevor sie bei Cannabis als Medizin landen. Im Falle von Hartmut Kopp reicht die Palette von Chili-Pflastern bis hin zu Opioiden – also sehr starke Schmerzmittel mit morphinartigen Eigenschaften. „Wir haben alles ausprobiert, was der Markt hergibt“, erläutert sein Arzt.

Der Schmerzpatient Kopp nimmt eine Gesamttagesdosis von zehn Milligramm Dronabinol-Tropfen zu sich – eine vergleichsweise geringe Dosierung. Damit kommt er gut zurecht: „Ich habe bisher jedenfalls keinen Drogen-Effekt verspürt“, erklärt Kopp. Die appetitsteigernde Nebenwirkung stört den Cannabispatienten nicht. Weitere Nebenwirkungen, die Cannabis als Medizin auch in geringen Dosen haben kann, sind beispielsweise ein trockenes Gefühl im Mund, Müdigkeit oder Aufmerksamkeitsstörungen.

Leafly.de berichtete bereits mehrfach in Ratgebern und Patientenakten über die gute Wirkung von Cannabis als Medizin bei Schmerzpatienten.

Gießener Schmerzmediziner befürworten den Einsatz von Cannabis als Medizin

An der Gießener Schmerzklinik wurden bisher elf Patienten mit Cannabis als Medizin behandelt. Dr. Maxeiner prognostiziert allerdings, dass diese Zahl in Zukunft ansteigen wird. „Cannabis ist jedoch kein pflanzliches Wundermittel“, schränkt der Mediziner ein. Er und seine Kollegen entscheiden bei jedem Betroffenen individuell, ob die Person für eine Cannabis-Behandlung infrage kommt oder nicht.

„Wir wollen es nicht inflationär einsetzen, sondern nur dann, wenn es sinnvoll ist.“ Der Bedarf für Cannabis sei aber da: „Schmerz ist eine Volkskrankheit“, so Dr. Maxeiner.

Der Arzt befürchtete allerdings auch, dass Cannabis als Medizin bei manchen Betroffenen Hoffnungen wecke, die das Arzneimittel nicht erfüllen kann.

Zu viel Bürokratie

Obwohl der Mediziner Dr. Maxeiner das „Cannabis-Gesetz“ begrüßt, das den Einsatz von Medizinalhanf erst möglich macht, beklagt er sich gleichzeitig über den lästigen und hohen Bürokratieaufwand. Damit meint der Arzt sowohl die Rückmeldungen für die Begleiterhebung der Bundesopiumstelle wie auch die Anträge an die Krankenkassen, die „erst einmal pauschal abgelehnt, dann aber nach einem Einspruch in der Regel genehmigt“ würden. Hier wünscht sich der Schmerzmediziner ein einfacheres Verfahren.

Quellen:

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