Glioblastom und Cannabis als Medizin

Autor: Alexandra Latour

Verõffentlicht am: 13. Juni 2018

Geändert am: 3. Juli 2018

Er wächst schnell und ist tödlich: Ein Glioblastom ist ein aggressiver und bösartiger Tumor. Etwa 28 Prozent der Betroffenen überleben ein Jahr. Lediglich etwa drei Prozent erleben das fünfte Jahr. Studien geben Hinweise darauf, dass eine Kombination aus Chemotherapeutika und Cannabinoiden die Lebenszeit der Betroffenen möglicherweise verlängern könnte.

Glioblastom und Cannabis als Medizin

Beim Glioblastom und Astrozytom handelt es sich in beiden Fällen um einen Hirntumor. Dieser entsteht aus bestimmten Zellen des Stützgewebes (Glia) im Gehirn. Beide Hirntumore gehören zu den Gliomen, also Tumore, die sich im Stützgewebe des Gehirns oder Rückenmarks befinden.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) unterscheidet je nach Beschaffenheit der Tumorzellen vier Grade von Gliomen. Je stärker sich die Tumorzellen von den gesunden Zellen unterscheiden, desto höher ist auch der WHO-Grad. Ein Tumor ist also umso bösartiger, je höher der WHO-Grad ist. Das Glioblastom ist der Tumor mit dem höchsten Grad. Es handelt sich hierbei also um einen sehr bösartigen Tumor mit einer ungünstigen Prognose. Bei erwachsenen Männer zwischen dem 45. und 75. Lebensalter ist das Glioblastom der am häufigsten vorkommende Hirntumor.

Das pilozytische Astrozytom ersten Grades lässt sich durch eine Operation meist vollständig entfernen. Die Prognose ist dementsprechend gut. Betroffen sind auch hier vor allem Männer im mittleren sowie höheren Lebensalter.

Glioblastom: Symptome und Beschwerden

Sowohl das Glioblastom als auch das Astrozytom lösen oftmals Symptome wie einen erhöhten Hirndruck oder Krampfanfälle (epileptische Anfälle) aus. Erhöht sich der Hirndruck, kann dies Übelkeit, Erbrechen und Schwindel verursachen.

Das Astrozytom sowie seine bösartige Form das Glioblastom entsteht aus dem Glia (Stützgewebe) des Gehirns. Von hier aus breiten sie sich dann weiter aus. Je nachdem, wo das Glioblastom auftritt, können verschiedene Symptome wie Seh- und Sprachstörungen, Lähmungen und Wesensveränderungen hinzukommen.

Wenn sich das Glioblastom im Rückenmark befindet bzw. im engen Spinalkanal in der Wirbelsäule, äußeren sich die Symptome bedingt durch den Platzmangel schon sehr frühzeitig. Typische Beschwerden sind dann Schmerzen oder auch Sensibilitätsstörungen, wie zum Beispiel Kribbeln oder Taubheitsgefühle. Möglich sind zudem auch Lähmungen und im schlimmsten Fall tritt eine Querschnittlähmung ein.

Astrozytom und Glioblastom: Ursachen sind unbekannt

Bei einem Astrozytom und Glioblastom sind die genauen Ursachen bis heute noch nicht geklärt. Bekannt ist, dass bei der Erbkrankheit Neurofibromatose (Typ 1) ein sogenanntes pilozytisches Astrozytom sehr häufig auftritt. Außerdem wird angenommen, dass eine Strahlenbehandlung das Risiko für ein Astrozytom erhöht. Auch bei der Entstehung eines Glioblastoms spielt eine hohe Strahlenbelastung vermutlich eine Rolle.

Glioblastom: Diagnose

Nach einer ausführlichen Befragung des Patienten zu seiner Krankengeschichte und einer Untersuchung werden bildgebende Verfahren wie die Magnetresonanztomographie (MRT) und die Computertomographie (CT) zur Diagnosestellung genutzt. Hierbei wird dem Patienten ein Kontrastmittel in die Vene gespritzt, damit die Gehirnstrukturen im MRT und CT besser sichtbar werden.

In der Regel kann der Arzt anhand der Aufnahmen bereits entscheiden, ob eine Operation des Gehirntumors erforderlich ist. In Einzelfällen erfordert die Glioblastom-Diagnose auch die Entnahme einer Gewebeprobe (Biopsie), die mikroskopisch untersucht wird. Anhand der Probe kann dann der Schweregrad der Erkrankung bestimmt werden.

Glioblastom: Therapie und Behandlung

Die Therapie kann aus den drei Bereichen Chirurgie (Operation), Strahlenbehandlung und Chemotherapie bestehen. Dabei richtet sich das Vorgehen nach verschiedenen Faktoren:

  • Beschaffenheit des Gehirntumors gemäß WHO-Grad
  • Alter des Patienten
  • körperliches Allgemeinbefinden des Patienten
  • bestehende Symptome wie z.B. Sprachstörungen oder Lähmungen

Ziel der Therapie ist es bei einem Astrozytom, den Gehirntumor bei einer Operation möglichst komplett zu entfernen oder zumindest die Größe des Tumors zu reduzieren. Beim aggressiven Glioblastom ist es darüber hinaus wichtig, dass der Patient zusätzlich zur Therapie auch eine psychisch unterstützende Begleitung erhält.

Operative Entfernung/Reduzierung des Gehirntumors

Ein pilozytisches Astrozytom ersten Grades lässt sich oftmals vollständig operativ entfernen. Die Prognose ist hier günstig, ebenso beim Astrozytom zweiten Grades, sofern der Tumor komplett entfernt werden kann. Hingegen wächst ein Glioblastom schnell in das Nachbargewebe ein, weshalb die Operation dazu dient, den Tumor zu verkleinern. Infolge dessen wird auch der Hirndruck vermindert, umso die Zustandsverschlechterung hinauszuzögern und die Bedingungen für die Chemotherapie oder die Strahlenbehandlung zu verbessern.

Medikamentöse Behandlung

Bevor ein Astrozytom chirurgisch entfernt wird, erfolgt in der Regel eine Therapie mit Kortisonpräparaten, damit das angeschwollene Hirngewebe um den Gehirntumor herum abschwillt. Da viele Patienten mit einem Astrozytom und Glioblastom an epileptischen Anfällen leiden, werden zudem Antiepileptika gegeben. Ggf. werden auch Schmerzmedikamente gegeben.

Chemotherapie und Strahlenbehandlung

Bei einem Astrozytom ersten und zweiten Grades erhält der Patient nach der Tumorentfernung meist eine Strahlenbehandlung. Besonders wichtig ist diese Therapie, wenn sich bei Kontrollaufnahmen im CT zeigt, dass sich im Gehirn noch Tumorreste befinden, die weiter wachsen können. Eine zusätzliche Chemotherapie kommt bei höhergradigen Tumoren und dem Glioblastom zum Einsatz, und zwar unabhängig davon, wie viel Tumormasse nach der chirurgischen Entfernung noch vorhanden ist.

Astrozytom und Glioblastom: Krankheitsverlauf

Der Verlauf der Erkrankung hängt vom jeweiligen Grad des Tumors ab. Meist wachsen pilozytische Astrozytome ersten Grades langsam. Sie sitzen entweder im Kleinhirn oder im Verlauf der Sehbahn. Nur selten wandeln sie sich in bösartige Formen um, weshalb die Prognose günstig ist. Ebenso wachsen Tumore zweiten Grades in der Regel langsam und sind vom gesunden Gewebe gut abgrenzbar. In Einzelfällen sind sie jedoch nicht eindeutig abgrenzbar und wachsen in das umgebende Gewebe ein, was die Prognose verschlechtern kann.

Höhergradige Astrozytome wie das Glioblastom haben einen bösartigen Verlauf und eine entsprechend ungünstige Prognose. Sie wachsen nicht nur schnell, sondern dringen auch schnell in das Nachbargewebe ein, wodurch eine Abgrenzung zum gesunden Gewebe nicht mehr möglich ist. Ohne eine Behandlung führt das Glioblastom innerhalb weniger Monate zum Tod. Und selbst mit einer Behandlung führt dieser aggressive Krebs im Durchschnitt in etwa 15 Monaten zum Tod. Auch nach einer operativen Entfernung oder Verringerung des Tumors kommt der Krebs oftmals zurück. In diesem Fall spricht man von einem Rezidiv.

Wie wirksam sind Cannabinoide gegen ein Glioblastom?

Das Forscherteam um Manuel Guzman von der Complutense University Madrid hat sich bereits vor vielen Jahren mit der Wirksamkeit von Cannabinoiden beim Glioblastom beschäftigt. Im Jahr 2000 hatten die Forscher 45 Laborratten, die unter einem Glioblastom litten, mit Cannabinoiden behandelt. Ein Drittel der Laborratten erhielt THC, ein weiteres Drittel das synthetische Cannabinoid WIN-55,212-2 und das restliche Drittel erhielt keine Behandlung.

Die Ergebnisse waren erstaunlich: Während die unbehandelten Laborratten innerhalb von wenigen Tagen verstarben, konnten die Cannabinoide bei einem Drittel der Tiere die Tumore innerhalb von sieben Tagen zerstören. Bei einem weiteren Drittel verlängerte sich die Lebenszeit um sechs Wochen und beim letzten Drittel zeigten die Cannabinoide keine Wirkung.

Studien bestätigen die Wirkung von Cannabinoiden

In einer späteren Studie nutzten die spanischen Forscher eine Kombination aus THC, CBD und dem Chemotherapeutikum Telozolmid (Temodal) und fanden heraus, dass diese Kombination wirksamer war als jede einzelne Substanz.

In weiteren Studien fanden sich ebenfalls Hinweise auf diese synergistische Wirkung von Standardmedikamenten und Cannabinoiden. Beispielsweise kann CBD die Wirkung von Doxorubicin verstärken. Bei Doxorubicin handelt es sich um ein Chemotherapeutikum, das häufig gegen Brustkrebs eingesetzt wird. THC und CBD können zudem die Wirksamkeit von dem Therapeutikum Vinblastin bei Leukämie erhöhen.

Forscher vom California Pacific Medical Center Research Institute in San Francisco untersuchten ebenfalls die synergistischen Effekte von Cannabinoiden. In den Ergebnissen heißt es, dass die Kombination aus CBD und THC in den Glioblastom-Zelllinien U251 und SF126 zu einer signifikanten Modulation des Zellzyklus und zur Apoptose (Zelltod) führte. Diese spezifischen Veränderungen wurden bei keiner der Verbindungen einzeln beobachtet. Weiter führten die Forscher aus, dass die Kombination aus CBD und THC die Behandlung von Glioblastomen vermutlich verbessern kann.

Besonders interessant und vielversprechend ist eine aktuelle Studie, die von dem Bio-Pharmaunternehmen GW Pharmaceuticals, dem Hersteller des Sprays Sativex, initiiert wurde. An dieser Studie nahmen 21 Patienten mit einem Rezidiv eines Glioblastoms teil. Zwölf Teilnehmer erhielt ein Cannabisextrakt sowie Telozolmid, während neun weitere Patienten Telozolmid und ein Placebo bekamen – von dieser Teilnehmergruppe lebten nach einem Jahr nur noch 53 Prozent. Hingegen betrug die Einjahresüberlebensrate der Cannabis-Gruppe 83 Prozent. Somit betrug die mediane Überlebensdauer der Placebo-Gruppe etwa 370 Tage und bei der Cannabis-Gruppe etwa 550 Tage.

Fazit

Alle diese Studienergebnisse sind äußerst vielversprechend und von hoher Bedeutung, denn sie zeigen auch, dass Cannabinoide eine andere Wirksamkeit als Krebsmedikamente besitzen. So könnte die Zugabe von THC und CBD möglicherweise das Ergebnis der Standardtherapien verbessern. Einer, der das gut beurteilen kann, ist unser Cannabispatient Erik. Seine Patientenakte ist sehr lesenswert zum Thema.

 

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Quellen:

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