Ist GPR55 der dritte wichtige Cannabinoidrezeptor?

Autor: Alexandra Latour

Verõffentlicht am: 9. Juli 2018

Geändert am: 10. Juli 2018

Anfang der 90er Jahre wurden die beiden Cannabinoidrezeptoren CB1 und CB2 entdeckt. Im Jahr 2007 wurde der Rezeptor GPR55 identifiziert. Handelt es sich hierbei um den dritten Cannabinoidrezeptor? Wenn ja, könnte dieser der Schlüssel für ein besseres Verständnis des breiten Wirkungsspektrums von Cannabinoiden sein.

Ist GPR55 der dritte wichtige Cannabinoidrezeptor?

Den Forschungen zufolge soll der GPR55-Rezeptor der dritte identifizierte Rezeptor im menschlichen Endocannabinoidsystem sein. Die Forscher der University of Washington entdeckten den neuen Rezeptor im Rahmen einer Studie, in der die Wirkung des Cannabinoids CBD auf das Dravet-Syndrom (schwere Form der Epilepsie) untersucht wurde.

Studien zum neuen Cannabinoidrezeptor GPR55

Im Endocannabinoidsystem interagieren die Cannabinoidrezeptoren mit den aktiven Cannabinoidverbindungen. Bekannt sind bisher nur die Rezeptoren CB1 und CB2. Im Jahr 2007 wurde der Rezeptor GPR55 bereits als „neuartiger Rezeptor“ beschrieben. In den darauffolgenden Jahren berichteten verschiedene Forscher über den Rezeptor, der an der Regulierung der Osteoklastenfunktion (Knochenbildung/-heilung) beteiligt sein soll. Zudem soll er bei der Bekämpfung von Entzündungen eine wichtige Rolle spielen.

Interessant ist ein veröffentlichter Überblick, der zeigt, dass zwei Orphan-Rezeptoren ebenso wie der GPR55-Rezeptor vielversprechende therapeutische Ziele mit verschiedenen physiologischen Rollen darstellen können, die von gastrointestinalen Erkrankungen bis zu Knochenerkrankungen reichen.

Was ist der GPR55-Rezeptor genau?

Der GPR55-Rezeptor – der 55. in der Reihe der G-Protein-gekoppelten Rezeptoren, die auch CB1 und CB2 umfassen – wurde im Gehirn und im Magen-Darm-Trakt gefunden. Das G steht für Guanin, das eine Nukleotidbase ist, was bedeutet, dass es einer der sogenannten „Bausteine“ der DNA ist. Guanin wird mit den G-Proteinen assoziiert, weil diese Rezeptoren mit Zellen interagieren.

Der Rezeptor „empfängt die Chemikalie und sendet Nachrichten an Zellen wie Neuronen“, so Robert Sindelar, Chief Science Officer und Leiter der Produktentwicklung bei BAS Research, einem Hersteller von Cannabisprodukten. „Das Endocannabinoidsystem ist seit vielen Jahren eine Blackbox, teilweise aufgrund von Forschungsbeschränkungen des Bundes. Im Grunde fangen wir erst jetzt an herauszufinden, was das Endocannabinoidsystem eigentlich macht“, so Sindelar. “Mit der neuen Arbeit am GPR55-Rezeptor holt die wissenschaftliche Forschung das nach, was traditionelles Wissen und anekdotische Zeugnisse seit hunderten von Jahren dokumentiert“, führt er weiter aus.

CBD gegen epileptische Anfälle

Als Beispiel weist Sindelar auf das Dravet-Syndrom hin: „Es handelt sich um eine seltene Krankheit, die im Grunde als unbehandelbar galt. Viele Betroffene haben durch die regelmäßige Einnahme von CBD über eine Linderung der Symptome berichtet. Jetzt wurde der Mechanismus gefunden, mit dem CBD eine „Nachricht“ an das Gehirn sendet, das einem Kind mit dem Dravet-Syndrom sagt, dass es einen Anfall hat oder nicht.“, führt Sindelar aus.

Da der GPR55-Rezeptor immer mehr in den Fokus der Wissenschaft rückt, so wie in der Studie von 2017, die die Rolle des GPR55-Rezeptors bei der Behandlung des Dravet-Syndroms entdeckte, will Sindelar mehr Druck auf die Forschung ausüben, um den GPR55-Rezeptor weiter zu erforschen, insbesondere im Hinblick darauf, wie es mit CBD interagiert.

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