Großbritannien: CBD-Öl-Nutzeranzahl steigt rasant an

Autor: Alexandra Latour

Verõffentlicht am: 3. Januar 2018

Geändert am: 5. Januar 2018

CBD-Öl findet bei unterschiedlichen Beschwerden und Krankheiten Anwendung. In den vergangenen Jahren stieg die Anzahl der Nutzer enorm, und das nicht nur in den USA. Neuesten Daten zufolge hat sich der Verbrauch von CBD-Öl im Vereinigten Königreich sogar verdoppelt.

Großbritannien: CBD-Öl-Nutzeranzahl steigt rasant an

In Großbritannien gibt es laut den Daten der Aufsichtsbehörde 250 000 CBD-Nutzer. Im vergangenen Jahr waren es lediglich 125 000. Laut der Cannabis Trades Association UK (CTA UK) entscheiden sich rund 1 000 neue Menschen im Monat, CBD-Öl zur Linderung von Schmerzen, psychischen Beschwerden und gegen die Symptome verschiedener Erkrankungen zu nutzen.

Nicht in ganz Großbritannien ist CBD-Öl legal. In Schottland ist CBD-Öl immer noch eine illegale Substanz. Und das obwohl CBD im Gegensatz zum Cannabinoid THC aus der Cannabispflanze keine psychoaktiven Nebenwirkungen besitzt. Allerdings wird der britischen Bevölkerung der Zugang zum CBD-Öl erschwert. So benötigen CBD-Lieferanten eine Lizenz, bevor sie CBD-Öl als Medikament abgeben dürfen. Um dies zu umgehen, verkaufen viele Unternehmen CBD-Öl als Nahrungsergänzungsmittel.

Mike Harlington, der Vorsitzende des CTA UK, erklärt, dass Produkte wie CBD wegen ihres Ursprungs stigmatisiert werden. Weiter führt er aus:

„Jedes Säugetier besitzt ein Endocannabinoid-System. Cannabinoid-Defizite werden in der medizinischen Welt allmählich erkannt und es ist offensichtlich, dass Cannabinoide wie CBD für die allgemeine Gesundheit und das Wohlbefinden tatsächlich essentiell sind.“

Trotz seines unberechtigten Rufs scheint CBD-Öl immer mehr eine brauchbare Behandlung für britische Patienten zu werden. Das zeigen auch die oben genannten Nutzerzahlen, die exponentiell ansteigen.

Cannabinoide Medizinprodukte in Großbritannien

Cannabis als Pflanze ist in Großbritannien illegal, der medizinische Nutzen wird nicht anerkannt. Anders sieht es bei Medizinprodukten aus, die CBD enthalten und nur sehr wenig oder gar kein THC: Sie werden seit Herbst 2016 als Arzneimittel anerkannt. Die medizinische Zulassungs- und Aufsichtsbehörde für Arzneimittel in Großbritannien (kurz MHRA) äußert sich zu der Gesetzesänderung in einem Statement: „Wir sind zu der Einsicht gekommen, dass Produkte, die Cannabidiol (CBD) enthalten, Medizin sind.“ Laut Independent ist diese neue Einschätzung der Regierung das Ergebnis von Beratungen zwischen dem Unternehmen MediPen und der MHRA. Damit ist man in Großbritannien weiter, als in Deutschland.

Bereits seit einigen Jahren ist das synthetische Cannabinoid Nabilone sowie das Cannabis-basierte Fertigarzneimittel Sativex in Großbritannien zugelassen. Ärzte dürfen Nabilone gegen die Nebenwirkungen einer Chemotherapie verschreiben, vor allem bei Übelkeit und Erbrechen. Sativex wird gegen Spastik bei Multipler Sklerose eingesetzt. Sollen Nabilone oder Sativex für andere Krankheitsbilder verschrieben werden, muss der Arzt einen Antrag an die MHRA stellen.

Politiker fordern, medizinischen Nutzen von Cannabis Therapie anzuerkennen

Bereits seit Jahren gibt es in Großbritannien eine engagierte öffentliche und politische Debatte, ob medizinische Cannabinoide legalisiert werden sollten. In Wales spricht sich die Plaid Cymru Partei dafür aus. Leanne Wood, Vorsitzende von Plaid Cymru, fordert, dass Wales dem Vorbild von Irland, Kanada, den Niederlanden und Deutschland folgen und Cannabis für den medizinischen Gebrauch legalisieren sollte. Die Politikerin weist bei Wales Online darauf hin, dass Sativex in vielen Gebieten für Patienten nicht erhältlich ist. „Eine Studie der MS Society hat herausgefunden, dass nur 1 % der Menschen, die berechtigt sind Sativex einzunehmen, auch Zugang dazu haben.“

Die walisischen Konservativen hingegen sind laut Wales Online gegen die Legalisierung, egal für welchen Zweck: „Cannabis, ob für medizinische Anwendungen oder den Freizeit-Konsum, ist eine gefährliche Substanz, die katastrophale Konsequenzen für Gesundheit und Gesellschaft hätte, wenn sie jemals legalisiert werden würde.“

Laut der Online-Ausgabe des Independent hat sich im britischen Parlament eine Parteien-übergreifende Arbeitsgruppe mit dem Thema Reform der Drogenpolitik beschäftigt. Die Politiker kommen zu dem Ergebnis, es sei irrational, den medizinischen Nutzen einer Cannabis Therapie nicht anzuerkennen.

Für diese Untersuchung wurden die Daten von 623 Patienten ausgewertet. Empfehlungen wurden eingeholt von medizinischen Experten sowie von Juristen und Politikern, die in anderen Ländern die rechtlichen Voraussetzungen für die Legalisierung von medizinischem Cannabis geschaffen haben. Die parlamentarische Arbeitsgruppe ruft dazu auf, die de facto Kriminalisierung von Hunderten von Menschen zu beenden, die Cannabis für therapeutische Zwecke nutzen.

Noch hält das britische Innenministerium an der Erklärung fest, es gäbe keinerlei Pläne, Cannabis zu legalisieren. Der Schritt, CBD-haltige Produkte als Medizinprodukte anzuerkennen, kann jedoch nach Einschätzung des Independent ein erster Schritt in Richtung Legalisierung für medizinische Zwecke sein. Denn jetzt ist der Weg frei, verstärkt in die Cannabisforschung zu investieren, den Nutzen von THC und CBD für die Cannabis Therapie zu untersuchen und so evidenzbasierte Regelungen und Gesetze zu schaffen.

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Quelle:

https://hightimes.com/health/cannabis-oil-use-uk-doubles/

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