Erstes deutsches Hanf-Selbstpflückfeld mit Haken

Autor: Alexandra Latour

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Im bayerischen Landkreis Kronach wurde jetzt das erste Hanf-Selbstpflückfeld eröffnet – es gibt nur einen Haken: Nutzen dürfen das Feld lediglich Gewerbetreibende!

Erstes deutsches Hanf-Selbstpflückfeld mit Haken

Josef Bayer aus dem oberfränkischen Landkreis Kronach in Bayern hat seine ersten Erfahrungen mit Hanf während seiner Ausbildungszeit zum Gärtner (Fachrichtung Obstbau) gemacht. Bereits damals faszinierte ihn die Pflanze, insbesondere in Bezug auf die medizinische Wirkung. Viele Jahre litt Josef an dem chronischen Reizdarmsyndrom. Eine gesundheitliche Besserung fand erst statt, nachdem er Cannabis als Medizin nutzte. Und dann kam ihm die Idee zum Hanf-Selbstpflückfeld.

Die Idee zum Hanf-Selbstpflückfeld

Als Produktionsleiter im Familienbetrieb „Bayer´s Franken Erdbeeren“ beabsichtigte Josef, sich nach Inkrafttreten des neuen Cannabis-Gesetzes bei dem Ausschreibungsverfahren zum Anbau, Weiterverarbeitung, Lagerung und Verpackung für pharmazeutisches Cannabis zu bewerben. Nachdem jedoch die Bewerbungskriterien bekannt wurden, war schnell klar, dass er hier keine Chance hat. (Leafly berichtete bereits umfangreich über die Cannabis-Ausschreibung)

Josef kam dann die Idee des Hanf-Selbstpflückfeldes, wobei die Idee im Grunde nichts Neues ist. Auf dem elterlichen Betrieb gibt es seit mehr als 30 Jahren eine Erdbeeren-Selbstpflückplantage. Warum also kein Hanf, dachte sich Josef.

„Es geht darum, dem Hanf eine Bühne zu geben, auf der er sich sachlich, fachlich, informativ und interaktiv präsentieren kann“, führt Josef auf seiner Webseite aus.

… und dann kamen die Behörden

Josef begann damit, die erforderlichen rechtlichen Fragen zu klären und holte sich entsprechende Genehmigungen bei der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE), beim Landwirtschaftsamt, Gesundheitsamt und bei der Bundesopiumstelle bzw. dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM).

Der Hanf wurde Mitte Mai 2017 ausgesät und die erste Ernte wird Mitte Juli diesen Jahres erwartet. Wir haben mit Josef gesprochen und gefragt, um welche Hanfsorte es sich handelt und wie hoch der THC- und CBD-Anteil ist. Aufgrund der strengen Gesetze darf er hierzu leider keine Aussagen machen.

Obwohl den Behörden Josefs Projekt seit vielen Monaten bekannt ist, wurde ihm nun mitgeteilt, dass er auf sein Hanf-Selbstpflückfeld keine Privatpersonen lassen darf. Um Nutzhanfprodukte an Privatpersonen abgeben zu dürfen, muss er laut Aussagen des BfArM den Hanf einer gewerblichen Weiterverarbeitung unterziehen, umso sicherzustellen, dass ein Missbrauch zu Rauschzwecken ausgeschlossen werden kann. Denn Nutzhanf gilt gemäß dem Betäubungsmittelgesetz (BtMG) als Betäubungsmittel, sofern er an Privatpersonen abgegeben wird.

Erlaubt sind nur Gewerbetreibende

Josef darf aktuell lediglich Gewerbetreibende auf sein Hanf-Selbstpflückfeld lassen. Somit dürfen diese also tonnenweise Hanfblüten ernten und diese für Produkte wie Hanftee, Hanfcremes etc. weiterverarbeiten. Sollte jedoch nur eine Privatperson Hanf kaufen, so muss Josef mit einer Strafanzeige wegen des Verstoßes gegen das BtMG rechnen.

Sachliche Argumente zählen nicht

Eine sachliche Argumentation findet bei den Behörden kein offenes Ohr. Josef brachte das Vergleichsmodell mit der Erdbeeren-Selbstpflückplantage an und dass theoretisch jeder aus Erdbeeren ein Rauschmittel herstellen könne. Denn so in Erdbeerwein ist schließlich schnell angesetzt. Hingegen ist der Aufwand, aus Nutzhanf die Wirkstoffe zu extrahieren und daraus ein Rauschmittel herzustellen, wesentlich größer und erfordert sogar spezielle Laborbedingungen. Doch all dies scheint die Behörden nicht zu interessieren.

Josef gibt nicht auf

Josef will sich nicht geschlagen geben und jetzt verschiedene Institutionen eingeschaltet, die seinen Fall erneut prüfen. Wir wünschen Josef viel Kraft, Geduld und „Glück“ auf diesem Weg und freuen uns auf baldige (hoffentlich gute) Neuigkeiten.

Nun steht die erste Ernte an

Via Facebook sucht Josef fleißige Erntehelfer. Am 14. Juli wird in der Zeit von 11:11 Uhr bis 16:20 Uhr geerntet, was das Gras hergibt. Damit es nicht zu langweilig wird, wird versucht mit einer Drohne und einem Balkenmäher ein Motiv ins Feld zu schneiden! Der abgeschnittene Hanf muss dann noch aufgearbeitet werden d.h. die Blüten müssen von der Pflanze geschnitten werden, eine sehr klebrige Angelegenheit. Handschuhe und Schere sollten mitgebracht werden. Auch hier noch mal der Hinweis, dass die dicken, himmlisch duftenden, frische CBD Hanfblüten zum selbst Ernten ausschließlich für Gewerbetreibende zur Ernte zur Verfügung stehen. Weitere Informationen unter der Bayer’s Franken Hanf Ernte Hotline ☎ 0151/50108306

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