Hodenkrebs und Cannabis als Medizin

Autor: Alexandra Latour

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Der November steht im Zeichen der Männergesundheit. Zwar kommt der Hodenkrebs nur selten vor, meist betrifft es jedoch Männer zwischen 25 und 45 Jahren. Doch wie kann Medizinalhanf Betroffenen helfen? Und stimmt es, dass der Cannabiskonsum für eine Tumorerkrankung mitverantwortlich ist?

Hodenkrebs und Cannabis als Medizin

Jedes erkranken ungefähr 4 000 Männer an Hodenkrebs. Damit ist der Hodenkrebs eine relativ seltene Tumorerkrankung. Im Vergleich dazu: An Dickdarmkrebs erkranken rund 33 120 Männer jedes Jahr. Obwohl bösartige Hodentumore selten vorkommen, sind sie dennoch bedeutsam, da insbesondere junge Männer zwischen 25 und 45 Jahren betroffen sind. Demnach ist der Hodenkrebs in dieser Altersstufe die häufigste Krebserkrankung.

In der palliativen Behandlung können Cannabinoide gezielt für Patienten eingesetzt werden. So kann Medizinalhanf gegen Beschwerden wie Übelkeit und Erbrechen helfen, wenn diese im Rahmen einer Strahlen- oder Chemotherapie auftreten. Zudem kann Medizinalhanf appetitanregend sein, Schmerzen lindern und die Schlafqualität verbessern.

Inwieweit Cannabis den Krebs möglicherweise selbst bekämpfen kann, ist nicht belegt. Es fehlen hierfür randomisierte klinische Studien. Denn bisher gibt es nur wenige In-vitro-Studien, die allenfalls darauf hinweisen, dass Cannabis eine Apoptose (Zelltod) bedingen kann. Hierauf gehen wir jedoch später im Artikel näher ein.

Hodenkrebs und seine Ursachen

Die Auslöser eines bösartigen Hodentumors, wenn er nicht aus Keimzellen entsteht, sind bis heute nicht bekannt. Allerdings weiß man, wie sich Keimzelltumoren entwickeln. In der Regel beginnt die Entstehung vor Geburt. So bilden sich in den Hoden beim Embryo fehlerhafte Keimzellen. Diese reifen nicht normal, sondern entwickeln sich zu Vorläufern von Krebszellen. Nach der Geburt ruhen diese sogenannten Vorläuferzellen über viele Jahre. Durch den Hormonschub in der Pubertät erfolgt die Aktivierung dieser Zellen, sodass sie zu bösartigen Tumoren wachsen. Jedoch ist unklar, welcher Mechanismus die Keimzellreifung stört. Es wird davon ausgegangen, dass verschiedene Einflüsse eine Rolle spielen:

  • Erbliche Veranlagung: Bei der Entstehung von Hodenkrebs wirken vermutlich Erbanlagen mit, da diese Krebsart in einigen Familien gehäuft auftritt. Wenn also ein Mann erkrankt, besteht für die Brüder ein hohes Risiko, ebenfalls zu erkranken. Das Gleiche gilt für die Söhne, wenn ein Vater einen bösartigen Hodentumor entwickelt.
  • Hormonelle Einflüsse: Wenn der Östrogenspiegel bei einer Frau während der Schwangerschaft erhöht ist, kann sich dies wahrscheinlich auf die Hoden des Embryos auswirken. So geht man davon aus, dass ein Überschuss des Geschlechtshormons Östrogen die Keimzellenreifung beeinträchtigen kann.
  • Hodenhochstand: Wenn die Hoden in der Bauchhöhle des Embryos entstehen, wandern sie in der Regel ab dem 7. Monat in den Hodensack. Von einem Hodenhochstand wird gesprochen, wenn diese Entwicklung fünf Monate nach der Geburt noch nicht abgeschlossen ist. Infolge dessen verbleibt der Hoden in der Leistengegend oder aber im Bauch und ist somit der Hauptrisikofaktor für Hodenkrebs. Das Risiko, an Hodenkrebs zu erkranken, ist bei Jungen und Männern dann zehnmal so groß- auch dann, wenn der Hodenhochstand im Kindesalter operativ behoben wurde.

Kann Cannabis Hodenkrebs verursachen?

In verschiedenen Studien wurde untersucht, ob der Konsum von Cannabis das Risiko für die Entstehung eines Hodentumors erhöhen kann. So analysierten Forscher der University of Otago in Neuseeland drei Studien, die zwischen den Jahren 1980 und 2015 veröffentlicht wurden. Es zeigte sich, dass das Risiko für Nichtseminome um 2,5-mal erhöht war, wenn mindestens einmal in der Woche Cannabis konsumiert wurde im Vergleich zu Nichtkonsumenten. In Bezug auf die Entstehung von Seminomen ergab sich allerdings kein eindeutiges Bild.

An der University of Northern British Columbia verfolgten Forscher 49.434 schwedische Männer im Alter zwischen 18 und 21 Jahren über 42 Jahre lang. Dabei mussten die Probanden auch Angaben zum Drogenkonsum machen. Auch hier zeigte sich im Ergebnis, dass Probanden, die zu Beginn angegeben hatten, über 50-mal Cannabis konsumiert zu haben, ein 2,5-fach erhöhtes Risiko für einen Hodenkrebs hatten.

Auf der Grundlage der bisherigen Studien besteht durchaus eine Wahrscheinlichkeit, dass der Konsum von Cannabis zur Entstehung eines Nichtseminoms beitragen könnte. Mit letzter Sicherheit lässt sich dies aber nicht sagen bzw. beweisen.

Welche Symptome können beim Hodenkrebs auftreten?

Der Hodenkrebs wächst in aller Regel langsam. Meist lässt sich eine Schwellung, Verhärtung oder Knoten am Hoden ertasten. Nur in seltenen Fällen verursacht der Krebs Schmerzen im Hoden oder ein Ziehen in der Leistengegend.

Treten Schmerzen auf, so kann dies auch auf eine Nebenhodenentzündung hinweisen. Diese lässt sich mit Antibiotika gut behandeln.

Diagnose: Wie wird der Hodenkrebs festgestellt?

Häufig entdecken Männer selbst oder aber dessen Partnerin/dessen Partner eine Schwellung oder einen Knoten am Hoden. In solch einem Fall sollte unbedingt ein Arzt aufgesucht werden. Nach einer Anamnese folgt eine körperliche Untersuchung. Dabei tastet der Arzt den Hoden ab. Mithilfe einer Ultraschalluntersuchung lässt sich dann erkennen, ob das Gewebe in dem geschwollenen oder verhärteten Bereich Veränderungen zeigt.

Darüber hinaus erfolgt eine Untersuchung des Blutes auf die Tumormarker Laktatdehydrogenase (LDH), Alpha-­Fetoprotein (AFP) und beta-­humanes Choriongonadotropin (ß-HCG). Es handelt sich hierbei um Stoffe, die von den Tumorzellen freigegeben werden, wobei lediglich ungefähr zwei Drittel der Hodentumore diese Stoffe produzieren.

Sollten die Werte nicht erhöht sein, gilt dies nicht als sicheres Zeichen. Ebenso sind erhöhte Werte noch kein Anzeichen für Hodenkrebs. Aus diesem Grund ist die Untersuchung des Gewebes erforderlich.

Beim Hodenkrebs ist eine Operation für die Sicherung der Diagnose notwendig. Hierbei wird der Hoden freigelegt, sodass sich der Arzt das verhärtete Gewebe ansehen und eine Gewebeprobe entnehmen kann. Noch während des Eingriffs erfolgt die Untersuchung des Gewebes von einem Pathologen. Handelt es sich um einen bösartigen Tumor, wird der betroffene Hoden entfernt.

Darüber hinaus wird auch aus dem nicht betroffenen Hoden eine Gewebeprobe entnommen, denn meist lässt sich auch hier eine Vorstufe von Hodenkrebs feststellen. Mithilfe von bildgebenden Verfahren wie der Computertomografie (CT) oder der Magnetresonanztomografie (MRT) kann der Arzt herausfinden, wie weit die Krebserkrankung fortgeschritten ist, bzw. ob sich bereits Metastasen im Körper gebildet haben.

Formen von Hodenkrebs

Wenn die Diagnose gesichert ist, muss festgestellt werden, um welche Hodenkrebsart es sich handelt. Da der Hoden aus unterschiedlichen Gewebetypen besteht, können hieraus auch verschiedene Krebsarten entstehen. In der Regel entwickelt sich der Hodenkrebs aus den für die Spermienproduktion zuständigen Keimzellen. Diese Keimzelltumoren können aus einer Gewebeart (Seminom) oder verschiedenen Gewebearten (Nichtseminone) bestehen.

Behandlung des Seminom

Nach der Operation stehen beim Seminom verschiedene Therapieoptionen zur Verfügung. Entweder wird zunächst abgewartet und der Patient überwacht oder es folgen eine Chemo- und/oder Strahlentherapie. Wenn der Tumor noch keine Metastasen gebildet hat, reicht meist eine Überwachungsstrategie aus. Da es zu einem Rezidiv kommen kann, sind regelmäßige Kontrollen besonders wichtig.

Sollte ein Seminom bereits Metastasen gebildet haben, erfolgt eine Chemo- und/oder Strahlentherapie. Da meist nach einer Strahlentherapie Rückfälle auftreten, raten viele Ärzte jedoch zu einer Chemotherapie.

Behandlung des Nichtseminom

Wenn sich noch keine Metastasen gebildet haben, erfolgt meist nach der Operation keine weitere Therapie. Dennoch ist es wichtig, dass der Patient engmaschig beobachtet wird. Sollten die Blutgefäße des entfernten Hodens von Krebszellen befallen sein, liegt das Rückfallrisiko bei ungefähr 50 Prozent. Die weiterführende Therapie besteht dann in einer Chemotherapie. Hingegen wird eine Strahlentherapie beim Nichtseminom nicht zum Einsatz, da diese Krebszellen kaum strahlenempfindlich sind.

Folgen der Therapien auf die Fruchtbarkeit und Sexualität

Die Entfernung eines Hodens hat in der Regel keine Auswirkungen auf die Zeugungsfähigkeit oder die Sexualität. Nach der Operation funktioniert der andere Hoden immer noch und bildet weiterhin das männliche Geschlechtshormon Testosteron in ausreichender Menge.

Durch die Chemotherapie kann die Zahl der befruchtungsfähigen Samenzellen zurückgehen. Wenn sich der Betroffene die Option auf einen Nachwuchs offen halten möchte, kann er sein Sperma für eine spätere künstliche Befruchtung konservieren lassen.

Prognose und Heilungschancen

Wenn der Hodenkrebs frühzeitig erkannt und behandelt wird, ist der Verlauf meist günstig. Dabei hat kaum eine andere Krebserkrankung eine bessere Prognose. Sofern der Hodentumor lediglich auf den Hoden begrenzt ist, besteht die Aussicht auf eine dauerhafte Heilung. Aber auch dann, wenn der Hodentumor bereits Metastasen gebildet hat, besteht eine gute Heilungschance. So kann die Mehrzahl der betroffenen Männer wieder gesund werden und ganz normal weiterleben.

Wie kann Medizinalhanf bei Hodenkrebs helfen?

Forscher des St. Joseph’s Hospital im kanadischen Hamilton führten im Jahr 2017 im Rahmen ihrer Studie aus, dass die aktiven Bestandteile von Cannabis und Derivate aufgrund ihrer vielfältigen pharmakologischen Aktivitäten, wie beispielsweise Zellwachstumshemmung und Tumorregression, auf wachsendes Interesse gestoßen sind. Ziel war es, die aktuellen Beweise für die antiproliferativen Wirkungen von Cannabinoiden bei urologischen Malignomen, einschließlich Nierenkrebs, Prostatakrebs, Blasen- und Hodenkrebs, zu untersuchen.

Die Forscher führten eine systematische Überprüfung von Studien durch, die die Wirkung von Cannabinoiden auf die Tumoraktivität untersuchten. Die Suche ergab insgesamt 93 Studien, von denen 23 Studien in die abschließende Analyse einbezogen wurden. Bis heute gibt es verschiedene In-vitro-Studien, die den potenziellen Wirkmechanismus von Cannabinoiden bei urologischen Krebserkrankungen aufklären, sowie populationsbasierte Studien speziell für maligne Hoden. Bisher wurden jedoch keine klinischen Studien für urologische Krebspatienten durchgeführt.

Diese Ergebnisse zeigen, dass die Rolle von Cannabinoiden bei urologischen Malignomen ein aktiver Forschungsbereich ist. Allerdings sind große randomisierte klinische Studien mit urologischen Patienten erforderlich, bevor Cannabinoide als mögliche therapeutische Option für urologische Tumoren eingesetzt werden können.

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