Leafly.de Insider: Der neue Branchenreport. Den Auftakt macht der pharmazeutische Cannabisgroßhändler Cannamedical

Autor: Alexandra Latour

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Der Leafly.de Insider ist unser neuer Branchenreport. Hier gibt es Einblicke in die Cannabisindustrie. Wir sprechen mit den wichtigsten Unternehmen, stellen auch mal unangenehme Fragen und bieten so einen Blick hinter die Kulissen dieses boomenden Marktes. Der neue Leafly.de Insider erscheint in der Regel immer am letzten Tag im Monat. Den Auftakt macht die Firma Cannamedical aus Köln.

Leafly.de Insider: Der neue Branchenreport. Den Auftakt macht der pharmazeutische Cannabisgroßhändler Cannamedical

Leafly.de hat immer wieder über den Kölner Cannabisgroßhändler Cannamedical Pharma GmbH in den News berichtet. Jetzt haben wir das Unternehmen besucht und mit Niklas Kouparanis, dem Sales-Director, ein interessantes und spannendes Interview geführt.

Leafly.de Insider – Das Interview

Leafly.de: Vielen lieben Dank Herr Kouparanis, dass Sie mit uns sprechen. Möchten Sie sich für unsere Leser kurz vorstellen?

Kouparanis: Sehr gerne. Wir freuen uns, mit Leafly.de zusammenzuarbeiten. Als Sales-Director bei Cannamedical bin ich unter anderem für die Apotheken- und Ärzteberatung zuständig und natürlich für die Marketing-Abteilung.

Leafly.de: Seit wann gibt es die Cannamedical Pharma GmbH, und zu welchem Zweck wurde sie gegründet?

Kouparanis: Die Cannamedical Pharma GmbH wurde im September 2016 gegründet mit der Absicht, schwerkranken Patienten Zugang zu alternativen Therapieformen zu ermöglichen. Wir möchten den Patienten helfen, indem wir sie konstant mit hochwertigen pharmazeutischen Produkten versorgen. Somit leisten wir unseren Beitrag für eine bessere Gesellschaft in Deutschland und das ist ganz klar unser Ziel.

Leafly.de: Was sind die Haupt- und Nebengeschäfte? Womit verdient das Unternehmen Geld?

Kouparanis: Unser Hauptgeschäft ist der Vertrieb von pharmazeutischen Cannabis-Produkten. Wir vertreiben auch sämtliche Hilfsmittel, die die Einnahme vereinfachen, wie zum Beispiel Vaporizer oder Cannabismühlen.

Leafly.de: Und diese Hilfsmittel verkaufen Sie direkt an die Patienten?

Kouparanis: Nein, wir liefern diese nur an die Apotheken, wo Patienten sie abholen können.

Leafly.de: Aktuell werden von der Cannamedical fünf verschiedene Cannabissorten von Bedrocan vertrieben. Kommen weitere Cannabisprodukte hinzu? Wie viele Apotheken beliefert die Firma aktuell in Deutschland?

Kouparanis: Genau, wir importieren aktuell pharmazeutisches Cannabis von Bedrocan aus den Niederlanden und vertreiben dieses ausschließlich an deutsche Apotheken. Aktuell beliefern wir in Deutschland mehr als 1.400 Apotheken. Tendenz steigend. Infolge des Cannabis-Gesetzes vom 10. März 2017 ist die Nachfrage nach Medizinalhanf natürlich enorm gestiegen – nicht nur in Deutschland, sondern auch in ganz Europa. Der Höhepunkt ist noch lange nicht erreicht. Es hat sich bei uns gezeigt, dass die Kapazitäten von Bedrocan allein die Nachfrage bei weitem nicht decken kann.

Wir werden im ersten Quartal 2018 – und das ist ein Versprechen meinerseits – in der Lage sein, jeden Patienten in Deutschland mit der dringend benötigten Medizin zu versorgen. Wir sind jetzt eine langfristige Partnerschaft mit einem der größten kanadischen Produzenten eingegangen. Den Namen des Produzenten werden wir in den kommenden Wochen bekannt geben. Diese Partnerschaft garantiert uns eine feste Abnahmemenge, die wir auch in Zukunft beliebig erhöhen können. Das bedeutet, dass wir der einzige Cannabisgroßhändler in Deutschland sind, der derzeit dieses Versprechen abgeben kann. Es gibt sonst keinen.

Leafly.de: Wie kann man sich den Verkauf von Cannabis vorstellen? Ruft eine Apotheke bei Ihnen an und gibt eine Bestellung auf? Wie geht es dann weiter?

Kouparanis: Unsere Produkte können ausschließlich über den Direktvertrieb bestellt werden. Apotheken erhalten von uns eine umfangreiche, professionelle und kostenlose Beratung am Telefon. Unser Kundendienst steht montags bis freitags von 8 bis 20 Uhr telefonisch und per Mail zur Verfügung. Wir beantworten alle Fragen ausführlich und umfangreich. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass gerade Neukunden viele Fragen rund um das Thema Cannabis haben und deshalb ist dieser Service besonders wichtig. Nach der Beratung kann der Apotheker dann unsere Produkte ganz einfach über ein Bestellformular per Fax oder E-Mail bestellen. Nachdem wir die BTM-Nummer und die Betriebserlaubnis geprüft haben, liefern wir die bestellten Produkte an die Apotheke deutschlandweit innerhalb von 24 Stunden aus.

Leafly.de: Man hört immer wieder davon, dass Cannabis im Versand verloren geht. Wie werden der Transport und die Verschickung der Ware in Ihrer Firma garantiert und gesichert?

Kouparanis: Das ist bei uns noch nicht vorgekommen. Eine Bestellung geht auf dem Versandweg bei uns nicht verloren. So etwas wird auch in Zukunft nicht bei uns vorkommen. Da Cannabis unter das Betäubungsmittelgesetz fällt, wird der Transport extrem gut gesichert und Sicherheit schreiben wir bei uns groß. Der gesamte Transportweg vom Produzenten bis zu unserem BTM-Lager wird streng überwacht und dokumentiert. So können wir garantieren, dass die Cannabis-Produkte auch vollständig am Bestimmungsort eintreffen. Wie gesagt, das ist ein extrem und streng dokumentierter und überwachter Prozess, da geht nicht einfach was verloren.

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Leafly.de: Verfügt die Cannamedical über einen eigenen Cannabistresor und/oder Lagerhallen? Wie werden diese gesichert? Wie kommt die Ware dorthin?

Kouparanis: Wir beantragten zunächst eine Einfuhrgenehmigung bei der deutschen Bundesopiumstelle und schicken diese dann in die Niederlande, an das Office of Medical Cannabis. Hier wird uns dann ein Kontingent zugeteilt, das dann von einem ausgewählten Spediteur an unser 900 quadratmetergroßes BTM-Lager verschickt wird, das mit Sicherheitszäunen, Sicherheitspersonal und Überwachungssystemen gesichert ist. Das ist in Deutschland auch so vorgeschrieben.

Leafly.de: Mit welchen Schwierigkeiten kämpft Cannamedical?

Kouparanis: Ich möchte nicht von Schwierigkeiten sprechen, sondern von Herausforderungen. Die hohe Nachfrage nach Medizinalhanf führt immer wieder zu Engpässen. Das ist ja allgemein bekannt. Trotzdem ist es uns in der Vergangenheit gelungen, unsere Kunden konstant mindestens einmal im Monat mit Cannabis zu beliefern. Erreicht haben wir das durch eine kontinuierliche Prozessoptimierung, vorzeitige Planung und einem hervorragenden Liquiditätsmanagement. Und wie schon vorhin erwähnt, wird es bei uns dank der Partnerschaft mit dem kanadischen Unternehmen keine Lieferengpässe geben.

Leafly.de: Wie sind Sie auf die Idee mit dem Patientenausweis gekommen? Wie und wo bekommt man diesen?

Kouparanis: Der Patientenausweis von Cannamedical unterstützt die Patienten dabei zu belegen, dass sie vom Arzt verordnetes Cannabis für medizinische Zwecke besitzen und benutzen dürfen. Die Bestellung dieses Ausweises kann nur in Verbindung mit einem Apotheker erfolgen. So kann man gewährleisten, dass kein Missbrauch begangen wird. Im Grunde ist der Cannamedical-Ausweis also ein zusätzliches Dokument, das den Patienten dabei unterstützt, sich bei Polizeikontrollen auszuweisen.

Leafly.de: Und gibt es schon Rückmeldungen bzw. Erfahrungswerte? Wird der Ausweis von der Polizei angenommen?

Kouparanis: Wir haben bisher durchweg positives Feedback bekommen. Natürlich muss der Patient auch eine Kopie des BTM-Rezeptes mit sich führen. Aus den Rückmeldungen entnehmen wir, dass der Ausweis eine tatsächliche Hilfe für die Patienten ist.

Leafly.de: Was macht Cannamedical besonders?

Kouparanis: Ich denke, dass unsere Vielfalt uns ausmacht. Wir haben viele Mitarbeiter mit medizinischem Hintergrund und genauso viele mit betriebswirtschaftlichem Hintergrund. Wir haben jetzt erst wieder sechs weitere Mitarbeiter eingestellt. Wir hatten den Mut, in einen komplett neuen Markt vorzustoßen und uns als Marktführer zu etablieren. Wir haben es auch geschafft, enorm schnell zu wachsen und gleichzeitig Prozess und Strukturen zu etablieren, um ein nachhaltiges Fundament zu schaffen. Unser Ziel ist, Patienten langfristig mit der dringend benötigten Medizin zu versorgen.

Leafly.de: Sie haben zu Beginn des Gespräches noch erwähnt, dass Ihnen etwas auf dem Herzen liegt.

Kouparanis: Ja, ich habe noch eine Herzensangelegenheit. Wir hätten uns gerne für den Cannabis-Anbau in Deutschland 2019 beworben. Nur hat der Gesetzgeber unerklärlicher Weise deutsche Unternehmen von der Ausschreibung systematisch ausgeschlossen. Um an der Ausschreibung teilnehmen zu können, musste man drei Kriterien erfüllen. Das erste Kriterium war Kapital – das haben wir. Das zweite Kriterium war die Erfahrung im Heilkräuteranbau und auch dieses konnten wir erfüllen. Als dritte Referenz müssen Erfahrungen im Cannabis-Anbau vorgelegt werden, was wir natürlich nicht können, da der Cannabis-Anbau in Deutschland schließlich illegal ist.

Wir erwarten vom Gesetzgeber, dass dieser diese Voraussetzung in Zukunft streichen wird und wir an einer neuen Ausschreibung teilnehmen dürfen. Es ist wirklich dringend zu empfehlen, dass dies geschieht. Wir würden uns wirklich freuen, wenn die Ausschreibung für deutsche Unternehmen noch mal neu eröffnet wird. Das ist ganz wichtig.

Leafly: Wo sehen Sie das Unternehmen in zwei bis fünf Jahren?

Kouparanis: Das ist natürlich immer schwer zu sagen, weil es so ein extrem schnell wachsender Markt ist. Aber ganz klar haben wir das Ziel, sämtliche Cannabis-Patienten hierzulande dauerhaft mit Cannabis-Produkten zu versorgen. Wir haben enorme Risiken auf uns genommen und das ganz klar mit Erfolg. In naher Zukunft werden wir der einzige Cannabislieferant in Deutschland sein, der in der Lage sein wird, jeden Patienten mit Medizinalhanf versorgen zu können, und zwar immer dann, wenn er es braucht – unabhängig davon, wie hoch der Bedarf ist. Das ist glaube ich eine Aussage, die sonst keiner treffen kann.

Leafly.de freut sich schon jetzt auf das Interview mit Cannamedical,  sobald die neue Partnerschaft mit dem kanadischen Unternehmen offiziell bekannt gegeben wird.

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