Leafly.de Insider: Branchenreport mit Marla Luther von Tilray Deutschland

Autor: Alexandra Latour

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Ein neuer Leafly.de Insider Branchenreport, diesmal mit Tilray Deutschland. Tilray gehört zu den weltweit führenden Unternehmen im Bereich der Erforschung und Herstellung von pharmazeutischem Cannabis. Seit Oktober 2017 sind die Cannabisvollspektrumextrakte von Tilray bundesweit in deutschen Apotheken verfügbar. Es handelt sich hierbei um pflanzliche, dosier- und titrierbare Cannabisprodukte, die neben THC und CBD auch sämtliche weitere wertvolle Wirkstoffe wie Terpene der Cannabisblüten enthalten.

Leafly.de Insider: Branchenreport mit Marla Luther von Tilray Deutschland

Leafly.de hat in der Vergangenheit immer wieder über Tilray, den kanadischen Produzenten von pharmazeutischem Cannabis und cannabinoiden Arzneimitteln, berichtet. Jetzt haben wir ein spannendes Interview mit Marla Luther (s. Foto), der Geschäftsführerin von Tilray Deutschland, geführt.

Tilray, Marla Luther

Leafly.de: Vielen Dank Frau Luther, dass Sie mit uns sprechen. Möchten Sie sich kurz vorstellen?

Luther: Ja, sehr gerne. Ich bin seit zwei Jahren bei Tilray und habe in der Geschäftsentwicklung für Deutschland und Europa angefangen. Schwerpunktmäßig natürlich für Deutschland, da das Inkrafttreten des neuen Gesetzes kurz bevorstand. Inzwischen hat Tilray eine GmbH hier in Deutschland gegründet und wir sind hier 13 Mitarbeiter. Jetzt bin ich Geschäftsführerin der Landesgesellschaft.

Leafly.de: Womit verdient Tilray eigentlich Geld?

Luther: Tilray ist ein forschender Hersteller von medizinischen Cannabis-Produkten. Der kanadische Markt ist unser Zuhause und wir sind einer der größten Player dort. Seit 2014 liefern wir Cannabis-Produkte in pharmazeutischer Qualität an schwerkranke Patienten in Kanada. Inzwischen liefern wir pharmazeutisches Cannabis in besonders hoher Qualität als getrocknete Blüten, Extrakte und Kapseln in unterschiedlichen standardisierten Wirkstoffkombinationen an über 20.000 Patienten weltweit. Damit verdienen wir unser Geld und wir geben unser Geld auch aus, und zwar für die Forschung und Entwicklung für patentierbare Cannabinoide bzw. Präparate in der sogenannten API-Qualität, für die wir dann auch eines Tages gerne eine Zulassung für die größten Märkte weltweit beantragen möchten.

Leafly.de: Das sind sehr aufwendige Verfahren oder? Und hier gibt es bestimmt viele Hürden zu überwinden.

Luther: Genau. Man kann sagen, dass Tilray wirklich die gesamte Wertschöpfungskette von medizinischem Cannabis beherrscht. Wir haben auch 30 Millionen US-Dollar in eine hochmoderne Anlage in Kanada investiert, die wirklich in der Industrie seines gleichen sucht. Hier haben wir mehrere Wissenschaftler aus ganz unterschiedlichen Forschungsbereichen zusammengebracht, um die Cannabispflanze und ihre Eigenschaften sowie auch ihre Produktion und Anwendung an Patienten bei unterschiedlichen Wirkstoffkombinationen zu erforschen.

Leafly.de: Und wie sieht es hier in Deutschland aus? Wie viele Apotheken beliefert Tilray?

Luther: Wir können jede Apotheke in Deutschland beliefern. Wir verkaufen unsere Produkte an den pharmazeutischen Großhandel und durch ihre Warenvorräte sind die Großhändler in der Lage, jede Apotheke in Deutschland sehr schnell zu beliefern. Das heißt, wir verkaufen an die Großhändler und diese übernehmen dann die restliche Logistik an die Apotheken und können die Produkte innerhalb von zwei Stunden in jede Apotheken liefern. Hier hat Tilray ein Alleinstellungsmerkmal in Deutschland.

Leafly.de: Also die Apotheken bestellen das pharmazeutisches Cannabis nicht direkt bei Tilray?

Luther: Sie können auch bei unserem Partner direkt bestellen, aber für die Apotheken ist es der einfachste Weg, über den Pharmagroßhandel zu bestellen.

Leafly.de: Bekommt Tilray auch Feedbacks von Patienten, die Tilray-Produkte anwenden?

Luther: Als Betäubungsmittelhersteller treten wir nicht in Kontakt mit Patienten. Jedoch wissen wir von Ärzten, die unsere Produkte verschreiben, dass viele Patienten schon erfolgreich mit Tilray-Produkten eingestellt sind. Wir wissen auch von Fällen, von denen wir berichten können, dass die Verwendung von anderen Arzneimitteln wie starken Schmerzmitteln durch die Einnahme der Cannabis-Produkte reduziert werden konnte. Das ist eine wirklich erfreuliche Entwicklung. In Kanada wächst der Markt für Cannabisextra sehr dynamisch (siehe Grafik) und dort haben wir auch Kapseln mit standardisierten Dosierungen. Gerade die dosierbaren Faktoren bei den Extrakten sind für den medizinischen Gebrauch von Cannabis sowohl für Ärzte als auch für die Patienten vorteilhaft, um eine optimale Einstellung zu erreichen. In diesem Jahr wird unser Produktportfolio deutlich ausgebaut, auch um unsere Premiumblüten.

Tilray

Leafly.de: Wie kommen die Cannabisvollspektrumextrakte nach Deutschland? Verfügt Tilray über einen eigenen Cannabistresor und/oder Lagerhallen oder arbeiten Sie mit einem Partner?

Luther: Wir arbeiten aktuell mit einem pharmazeutischen Unternehmer zusammen, der seit Mitte der 60er Jahre im Pharmamarkt agiert und sich auf den Import und die Logistik für pharmazeutische Produkte spezialisiert hat, insbesondere auch auf Betäubungsmittel. Dieses Unternehmen importiert unsere Produkte aus Kanada. Und ja, wie bei allen Betäubungsmitteln müssen diese fachgerecht nach dem deutschen Betäubungsmittelgesetz gelagert und dokumentiert werden.

Leafly.de: Worin unterscheiden sich die Tilray Extrakte in den Inhaltsstoffen und wofür sind diese geeignet?

Luther: Wir fokussieren uns besonders auf die standardisierten Wirkstoffkombinationen und haben zwei Produkte auf dem Markt. Das eine ist ein hochdosiertes THC-Produkt mit 25 mg THC pro Milliliter, also eine recht hohe Dosierung. In der Regel wird dieses unter anderem gegen starke Schmerzen verschrieben. Da es sich hier um ein Vollspektrumextrakt handelt, sind hierin auch Restmengen von CBD enthalten sowie auch andere Cannabinoide und Terpene. Das ist ja das Besondere an einem Vollspektrumextrakt. Das andere Produkt, was wir auf den Markt gebracht haben, enthält 10 mg THC und 10 mg CBD pro Milliliter.

Leafly.de: Wird die Qualität der Tilray-Produkte hier in Deutschland noch einmal überprüft?

Luther: Ja, wie bei allen Arzneimitteln, die aus einem Land außerhalb der EU importiert werden, findet in der Europäischen Union eine Re-Analyse statt, wo noch mal die mikrobiologische Qualität und der Wirkstoffgehalt festgestellt wird.

Leafly.de: Und von wem werden diese Qualitätsprüfungen durchgeführt?

Luther: Wir arbeiten mit dem Zentrallabor der Apotheken in Eschborn zusammen, ein sehr renommiertes Labor in Deutschland.

Leafly.de: Was macht Tilray besonders?

Luther: Ich denke, was Tilray wirklich besonders macht, ist der sehr wissenschaftliche Anspruch, um ein Maximum an Produktqualität zu erreichen. Die Qualität von unseren Cannabis-Produkten, ob es getrocknete Cannabisblüten oder Extrakte sind, ist einmalig in der Industrie. Die Tatsache, dass wir eben hier den Markt sehr langfristig sehen und dass wir auch ein forschendes Unternehmen sind und somit auch viele Ressourcen in die klinische Forschung stecken, zeichnet uns ebenfalls aus. Und natürlich auch die Tatsache, dass wir eng sowohl mit Ärzten und Patienten als auch mit Organisationen und Gesetzgebern zusammenarbeiten und deshalb auch über eine hervorragende Datenbasis darüber verfügen, wie unsere Produkte in welchen Wirkstoffkombinationen eingesetzt werden. Wir schreiben uns sehr groß auf die Fahne, dass wir die Datenlage für die Cannabis-Therapie verbessern müssen. Immer wieder hört man ja, dass die Evidenz sehr dünn ist. Und wir sehen das als einen ganz wichtigen Beitrag, diese Evidenzlage zu verbessern sowie auszubauen und das machen wir systematisch.

Leafly.de: Mit welchen Schwierigkeiten hat Tilray in Deutschland zu kämpfen?

Luther: Das Gesetz ist sehr, sehr neu und alle, die damit zu tun haben und damit in Berührung kommen, treffen auf diese Thematik zum aller ersten Mal und erfordert viel Arbeit und viel Geduld, sich durch die vielen Fragen zu arbeiten. Es gibt keine Erfahrungswerte, was Cannabis betrifft. Viele, ob nun Ärzte, Apotheker, Patienten oder Behörden, müssen erst einmal Erfahrungen sammeln. Es dauert einfach, bis die Cannabistherapie Routine wird.

Leafly.de: Wo sehen Sie das Unternehmen in zwei bis fünf Jahren?

Luther: Tilray hat vor einigen Monaten bekannt gegeben, dass in Portugal in die Cannabis-Produktion investiert wurde. Wir sehen, dass sich immer mehr europäische Länder mit dem Thema Cannabis-Therapie auseinandersetzen, auch wenn Deutschland hier im Vordergrund steht und einer der Pioniere ist. Aber viele andere europäische Länder haben gleichzeitig mit Deutschland ein Programm gestartet bzw. überlegen gerade jetzt, eines ins Leben zu rufen. Ich denke in zwei bis fünf Jahren wird Tilray einfach einen stärkeren Fußabdruck hinterlassen haben sowohl hier in Deutschland als auch in der Europäischen Union. Ich sehe uns als starken Partner für europäische Ärzte und Patienten und wir wollen auch eng zusammenarbeiten und unsere Erfahrungen aus Kanada teilen.

Leafly.de bedankt sich für das interessante Gespräch. Wir werden auch weiterhin die Entwicklung
von Tilray auf dem deutschen Markt beobachten und darüber berichten.


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