Israel: Apotheken verkaufen Medizinalhanfprodukte

Autor: Sandrina Koemm-Benson

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Am 20. April werden ausgewählte israelische Apotheken beginnen, verschreibungspflichtige Cannabisprodukte als Teil eines Pilotprogramms für die Regulierung des Verkaufs von Marihuana in Israel zu verkaufen. Das von der Regierung im Jahr 2016 genehmigte Programm sieht die Teilnahme von 20 Apotheken im Rahmen einer breiter angelegten Erweiterung des Gesundheitsministeriums vor.

Israel: Apotheken verkaufen Medizinalhanfprodukte

Das Pilotprogramm in Israel soll vor allem die Wartezeiten der 30.000 Cannabispatienten verkürzen sowie den geplanten Export von Cannabisprodukten unterstützen. Wenn sich die Pläne der Regierung durchsetzen und das Programm wie geplant läuft, wäre Israel das erste Land, das medizinische Cannabisprodukte standardisiert.

Das Gesundheitsministerium wird die Ausweitung des medizinischen Cannabisprogramms überwachen. Die Abteilung wird Anbauer, Verarbeiter, Händler und Apotheken auswählen und beaufsichtigen. Die Richtlinien werden die gleichen sein, die für die pharmazeutische Industrie gelten, heißt es in dem Bericht. Diese enthalten Vorschriften zur Kennzeichnung, Haltbarkeit und Wirkstoffkonzentrationen.

Der Weg zum Export ist lang

Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Zwar wurde das Programm bereits 2016 genehmigt, doch im Februar dieses Jahres hatte Premierminister Benjamin Netanjahu die medizinischen Cannabisexporte gebremst, bis der Gesundheitsminister und der Vorsitzende des Wirtschaftsrates den Plan überprüft haben. Das ist eine weise Entscheidung, denn noch ist Medizinalhanf aus Israel nicht für den deutschen Markt geeignet. Leafly.de berichtete 

Nach Medienberichten hat Ministerpräsident Benjamin Netanjahu aber nicht auf die Bremse getreten, aus Sorge um die Qualität seiner Exportware, sondern weil er den US-Präsidenten Donald Trump nicht verärgern wollte, da dieser gegen eine Legalisierung von Cannabis sei.

Justizministerin Ayelet Shaked reagierte mit Unverständnis: „Wir dürfen den Zug nicht verpassen. Heute sind wir die Lokomotive, wenn wir zögern, werden wir zu Waggons“, twitterte Shaked nach dem Besuch einer Cannabisplantage im Norden des Landes. Medizinische Cannabisprodukte im Wert von bis zu einer Milliarde US-Dollar (mehr als 800 Millionen Euro) könne die israelische Industrie exportieren, schrieb die Ministerin.

Branchenvertreter bemühen sich um Gelassenheit. Noch in diesem Jahr werde die Erlaubnis kommen Produkte zu exportieren sagen Insider. Die Verzögerung durch die Regierung sei nur ein kleines Hindernis auf dem Weg.

Zwischen 250 und 300 Millionen Dollar (200 bis 240 Millionen Euro) setzten israelische Firmen im vergangenen Jahr mit medizinischem Cannabis um. Insider sehen ein Milliardengeschäft auf die israelische Industrie und den Staat zukommen. Die meisten der israelischen Firmen beschäftigten sich mit Forschung und Entwicklung von Cannabismedikamenten. Und deren Produkte könnten auch im Ausland produziert werden sagen die Insider. In Israel würden dann weniger Arbeitsplätze entstehen und Steuereinnahmen wegfallen.

Quellen:

  • KORR-Bericht, dpa

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