Kaffee, Cannabis und das Endocannabinoidsystem

Kaffee und Cannabis scheinen auf den ersten Blick nichts gemeinsam zu haben. Allerdings wirken sich beide Substanzen auf das Gehirn aus. Forscher haben nun interessante Zusammenhänge entdeckt und erklären, dass kleine Mengen Koffein das Verlangen nach Cannabis unterdrücken kann.

Kaffee, Cannabis und das Endocannabinoidsystem

Wir sind auf eine interessante Studie gestoßen, die an der Northwestern University Feinberg School of Medicine in Chicago durchgeführt wurde. Laut den Forschern beeinflusst Kaffee unseren Stoffwechsel weitaus mehr, als wir uns vorstellen können.

Über die gesundheitlichen Vor- und Nachteile des Kaffeekonsums existieren zahlreiche Studien. Bei Kaffee bzw. Koffein handelt es sich um ein sogenanntes Alkaloid, das zu der Stoffgruppe der Xanthie gehört und ungefähr 30 bis 45 Minuten benötigt, um in unseren Blutkreislauf zu gelangen. Dabei beträgt die Halbwertzeit im Körper durchschnittlich etwa vier Stunden, wobei diese von unterschiedlichen Faktoren (z. B. Alter und Körpergewicht) abhängt.

Koffein kann in geringen Dosen das Herz-Kreislaufsystem stimulieren sowie die Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit steigern. Außerdem kann Koffein die Stimmung aufhellen und gilt als „Muntermacher“. Darüber hinaus ist Koffein aufgrund seiner Wirkung auch ein wichtiger Inhaltsstoff in verschiedenen Medikamenten, die beispielsweise bei Schmerzen, Herzschwäche, Migräne und Neuralgien zum Einsatz kommen.

Kaffee beeinflusst Stoffwechselvorgänge im Körper

An oben genannten US-Studie nahmen 47 Probanden teil, die ihre Kaffeegewohnheiten zunächst einen Monat lang aufgeben mussten, um dann anschließend einen Monat lang jeden Tag vier Tassen Kaffee zu trinken. Hiernach erhöhten sie ihren Konsum auf acht Tassen pro Tag einen weiteren Monat lang.

Die US-Forscher entnahmen den Probanden in regelmäßigen Abständen Blut. Je höher der Kaffeekonsum, desto größer waren die Veränderungen an den Blutmetaboliten. Im Grunde machten die Forscher also „Momentaufnahmen“ des Stoffwechselprozesses. Denn schließlich verändern sich die Metaboliten in ihrer Beschaffenheit stetig im Verlauf eines Stoffwechselprozesses.

Im Ergebnis heißt es, dass 115 Metaboliten vom Kaffeekonsum beeinflusst wurden. Insgesamt 82 dieser Chemikalien waren bereits bekannt und konnten auf 33 Stoffwechselwegen abgebildet werden, von denen einige völlig neu waren.

(Erklärung: Bei Metaboliten handelt es sich um Substanzen (Zwischenprodukte), die im biologischen Metabolismus, also dem Stoffwechsel, umgesetzt werden. Die im Stoffwechsel aufgebauten Substanzen werden als Anaboliten und die abgebauten Substanzen als Kataboliten bezeichnet.)

„Dies sind völlig neue Wege, wie sich Kaffee die Gesundheit auswirken kann. Jetzt wollen wir tiefer eintauchen und untersuchen, wie sich diese Veränderungen auf den Körper auswirken“, erklärte die Hauptautorin der Studie Marilyn Cornelis.

Kaffee zeigte entgegengesetzte Wirkung wie Cannabis

Die Forscher führten aus, dass unser Körper dazu neigt, die Produktion von Endocannabinoiden in Stresssituationen zu reduzieren, wenn Kaffee konsumiert wird.

„Der erhöhte Kaffeekonsum während der zwei Monate der Studie hat möglicherweise genug Stress erzeugt, um eine Abnahme der Metaboliten in diesem System auszulösen. Es könnte die Anpassung unseres Körpers sein, um zu versuchen, das Stressniveau wieder ins Gleichgewicht zu bringen“, erklärte Cornelis.

Die Forscher stellten außerdem fest, dass mit der Ausscheidung von Steroiden verbundene Metaboliten mit dem Kaffeekonsum einhergingen, was auf einen Zusammenhang zwischen dem Kaffeetrinken und der Ausscheidung von Steroidverbindungen aus unserem Körper hindeutet. Welche Bestandteile des Kaffees genau für diese Art von Änderungen verantwortlich sind, ist noch nicht klar.

Die Ergebnisse könnten erklären, warum Kaffee so viele gesundheitliche Vorteile zu haben scheint, wie die Gewichtsreduktion und die Verringerung des Risikos von Typ-2-Diabetes.

„Es wird oft angenommen, dass dies auf die Fähigkeit von Koffein zur Steigerung des Fettstoffwechsels oder auf die Glukose regulierende Wirkung von Polyphenolen (aus Pflanzen stammenden Chemikalien) zurückzuführen ist“, führte Cornelis aus.

Weiter erklärte sie, dass die neuen Erkenntnisse, die Kaffee mit Endocannabinoiden verbinden, alternative Erklärungen bieten, die es wert sind, weiter untersucht zu werden.

Cannabis und das Endocannabinoidsystem

Wenn Cannabis konsumiert wird, binden sich die Cannabinoide an die Rezeptoren des Endocannabinoidsystems. Infolge dessen lösen sie unterschiedliche Reaktionen im Körper aus, wie zum Beispiel eine schmerzlindernde Reaktion, weil vermehrt die Hormone Serotonin oder Dopamin ausgeschüttet werden. Außerdem kann sich der Cannabiskonsum auf unseren Stoffwechsel auswirken, sodass wir eine Heißhungerattacke bekommen.

Die US-Forscher erklärten, dass der tägliche Kaffeekonsum dazu führte, dass sich die Dichte der Neurotransmitter im Endocannabonidsystem verringert. Hieraus könnte man also schlussfolgern, dass die gleichzeitige Einnahme von Kaffee und Cannabis dazu führen könnte, dass die Cannabinoide schlechter bzw. in geringerer Anzahl an die Rezeptoren im Endocannabinoidsystem andocken. Infolge dessen wäre beispielsweise die Hemmung von Heißhungerattacken möglich.

Die Neurotransmitter sorgen dafür, dass Signale von einer Nervenzelle in die nächste Nervenzelle gelangen. Wenn sich die Dichte der Neurotransmitter im Endocannabinoidsystem wie in der Studie verringert, so findet die Signalübertragung unvollständig oder langsamer statt. Beim Cannabiskonsum könnte es also theoretisch sein, dass es schwächer wirkt, da Neurotransmitter fehlen.

Kaffee gegen Cannabisabhängigkeit?

Sehr interessant ist in diesem Zusammenhang eine Studie von Forschern aus Baltimore. Diese stellten fest, dass Affen, die eine kleine Menge Koffein konsumierten, sich weniger häufig THC verabreichten. Als Grund nahmen die Forscher an, dass kleine Kaffeemengen die präsynaptischen A2A-Rezeptoren blockieren können. Größere Mengen können hingegen die postsynaptischen A2A-Rezeptoren blockieren. Deshalb stellten die Forscher die Theorie auf, dass die Blockierung der präsynaptischen A2A-Rezeptoren gegen eine Cannabisabhängigkeit hilfreich sein könnte. Es gibt aber auch eine Zwickmühle: hohe Dosierung an Kaffee könnten aber demnach die Eigenverabreichung von Cannabis erhöhen.

Verbindung zwischen THC und Koffein

Dass THC und Koffein Auswirkungen auf die prä- und postsynaptischen Adenosinrezeptoren haben können, zeigten auch italienische Forscher in ihrer Studie. Hier untersuchten sie die mögliche Verbindung zwischen Koffein und dem Endocannabinoidsystem. Im Ergebnis erklärten sie, dass ein chronischer Koffeinkonsum die Empfindlichkeit striataler GABAerger Synapsen für die Stimulierung von Cannabinoid-CB1-Rezeptoren erhöht.

Weiter heißt es, dass das Endocannabinoidsystem an den psychoaktiven Wirkungen vieler Verbindungen beteiligt sei, und dass Adenosin-A2A-Rezeptoren (das Hauptrezeptorziel von Koffein) eine permissive Wirkung auf CB1-Rezeptoren auslösen. Dies deutet daraufhin, dass die Interaktion von A2A-CB1-Rezeptoren eine wichtige Rolle bei der Erzeugung und Aufrechterhaltung der Koffeinwirkung spielt.

Fazit

Koffein sorgt im Körper dafür, dass der Zufluss von Adenosin in das Gehirn gehemmt wird. Bei Adenosin handelt es sich um eine chemische Substanz, die Bestandteil verschiedener energiereicher Verbindungen ist. Unter anderem ist Adenosin für Müdigkeits- und Entspannungsgefühle zuständig. Koffein kann Adenosin imitieren und blockiert die entsprechenden Rezeptoren, die an Adenosin binden. Infolge dessen erleben wir auch den „Kaffeekick“ am Morgen.

Die Cannabinoide wie THC oder CBD in der Cannabispflanze wirken unterschiedlich auf das Gehirn, das zentrale Nervensystem und das Endocannabinoidsystem. Auch die Cannabinoide binden an verschiedene Rezeptoren, um ihre Wirkung zu entfalten. Jeder Mensch reagiert allerdings anders auf Cannabis, da die Wirkung von verschiedenen Faktoren abhängig ist (z. B. Einnahmeart, Dosierung, Umgebung und Gefühle etc.).

Wie sich nun letztendlich der Konsum von Cannabis und kleinen oder großen Mengen Kaffee auswirkt, hängt vermutlich ebenso von verschiedenen Faktoren und am Ende auch von der eigenen Person ab. Während der eine vielleicht eine Auswirkung dieser Kombination spürt, kann ein anderer vermutlich keine Veränderung wahrnehmen.

 

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