Keine Cannabis-Blüten für österreichische Patienten

Auch in Zukunft wird es keine Cannabis-Blüten für Patienten in Österreich geben. Denn verschiedene Behörden sind der Ansicht, dass Cannabis-Blüten im Vergleich zu Cannabispräparaten keine Vorteile bieten und die wissenschaftliche Datenlage nicht ausreichend ist.

Keine Cannabis-Blüten für österreichische Patienten

Ende November haben wir bereits darüber berichtet, dass die Lage in unserem Nachbarland Österreich angespannt bleibt. Seit Jahren kämpft der Bürgerrechtssprecher Peter Kolba von der Liste (früher Liste Pilz) für die Freigabe von Cannabis als Medizin inkl. Cannabis-Blüten in Österreich. Um seiner Forderung Nachdruck zu verleihen, hatte er vor einiger Zeit eine Online-Petition gestartet (Leafly berichtete). Insgesamt haben 10 850 Österreicher die Forderung „Liberalisierung von Cannabis als Medizin“ unterstützt.

Cannabis-Blüten: Keine ausreichende Evidenz

Im Juni hatte der Gesundheitsausschuss des Nationalrates das Gesundheitsministerium gebeten, unter Einbeziehung von Experten bis Ende 2018 einen Bericht zum Einsatz von Medizinalhanf zu erstellen. Damals wurde der Antrag von Kolba einstimmig verabschiedet.

Die vom Gesundheitsministerium um Stellungnahmen gebetenen Behörden, wie die Apothekenkammer, die Ärztekammer, der oberste Sanitätsrat sowie die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (Ages) kamen laut den Medien zu dem Ergebnis:

„Für den Einsatz von Cannabis, im Sinne von getrockneten Blüten- oder Fruchtständen der Cannabispflanze, als Arzneimittel in Österreich fehlt der wissenschaftliche Nachweis der Vorteile im Vergleich zu jenen cannabisbasierten Präparaten, die bereits der ärztlichen Verschreibung zur Verfügung stehen.“

Weiter heißt es, dass die bereits erhältlichen Cannabis-Medikamente optimal dosiert werden können. Bei Cannabis-Blüten wäre dies nicht möglich.

Kolba spricht von schwerer Enttäuschung

„Dieser Bericht ist eine schwere Enttäuschung für die 1,5 Millionen Schmerzpatienten in Österreich“, kritisierte Kolba in den Medien.

Darüber hinaus heißt es, dass Österreich damit gegen den internationalen Trend handele. So seien beispielsweise in Deutschland seit März 2017 Cannabis-Blüten gegen ein entsprechendes Rezept erhältlich.

Im April zeigten sich die Parlamentsparteien bei einem Rundruf des Magazins STANDARD nicht abgeneigt, Medizinalhanf zu liberalisieren. Jedoch benötige man mehr Daten. Zumindest herrschte Einigkeit darüber, dass die Bewilligungspraxis der Krankenkasse für die aktuell erhältlichen Cannabispräparate problematisch sei. Im oben genannten Bericht wurde jedoch nicht darauf eingegangen. Dafür lieferte der Hauptverband Zahlen zur Cannabispatientenzahl. Im ersten Halbjahr erhielten 7 325 Patienten eine erstattete Verordnung mit Cannabis als Medizin in Österreich.

 

 

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