Cannabisblüten aus der Apotheke: keine Preissenkung

Autor: Gesa Riedewald

Verõffentlicht am: 28. November 2017

Geändert am: 5. Januar 2018

Die Gespräche laufen seit Anfang September und noch immer ist keine Einigung in Sicht: Die Gesetzliche Krankenkasse und der Deutsche Apothekerverband verhandeln über eine Reduzierung der Preise für Cannabisblüten aus der Apotheke

Cannabisblüten aus der Apotheke: keine Preissenkung

Seit dem Cannabisgesetz vom März 2017 haben sich die Preise für Cannabisblüten nahezu verdoppelt. Durch die Neuregelung gilt pharmazeutisches Cannabis als Rezepturarzneimittel, für das Aufschläge in der Apotheke von bis zu 100 Prozent anfallen. Die Apothekerkammer rechtfertigt den hohen Preis mit dem Mehraufwand: Die Blüten werden auf ihre Qualität geprüft, sie werden zerkleinert und gesiebt.

Um die explodierten Preise in den Griff zu bekommen, hatte das Gesundheitsministerium den Deutschen Apothekerverband wie den Spitzenverband der Krankenkassen aufgefordert, über eine Preissenkung für Cannabisblüten zu verhandeln. Die beiden Partner können sich theoretisch darauf verständigen, von den Zuschlägen nach der Arzneimittelpreisverordnung abzuweichen. Für Patientinnen und Patienten würde das eine massive Preissenkung bedeuten.

Der Haken an der Sache ist, dass den Vertragspartnern keine Frist gesetzt wurde.
Auf Nachfrage von Leafly.de hat sich herausgestellt: Apotheken und Krankenkassen verhandeln immer noch – jetzt bereits seit fast 3 Monaten.

Der Wille, eine Einigung herbeizuführen, scheint nicht besonders hoch zu sein. Beim Deutschen Apothekerverband heißt es dazu allerdings nur lapidar: „Zu laufenden Verhandlungen äußern wir uns nicht.“

Unter den hohen Preisen für Cannabis aus der Apotheke leiden vor allem die Selbstzahler – also diejenigen, die ihr Cannabis mit einem Privatrezept in der Apotheke erhalten, aber gesetzlich versichert sind. Das sind zum Beispiel Patientinnen und Patienten, deren Antrag auf Kostenübernahme von ihrer Krankenkasse abgelehnt wurde.

Im Fall einer Ablehnung können die Betroffenen bei ihrer Kasse Widerspruch einreichen. Aber selbst wenn diese den Widerspruch akzeptiert, werden rückwirkend keine Kosten ersetzt. Das bedeutet, die Betroffenen müssen ihre Cannabismedikamente selbst bezahlen – und das übersteigt schlichtweg das Budget vieler Patienten.

Diejenigen gesetzlich Versicherten, deren Krankenkasse die Cannabistherapie übernimmt, zahlen lediglich einen Aufschlag von 10 Euro pro Arzneimittel.

Weiterführende Links auf Leafly.de:

https://www.leafly.de/news/cannabis-therapie-krankenkassen-uebernehmen-kosten-nur-nach-pruefung/
https://www.leafly.de/news/gerichte-uneinig-bei-kostenerstattung-fuer-cannabis-therapie/
https://www.leafly.de/patienten/cannabistherapie-kritik-krankenkassen-bundesregierung/

Quelle:

ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände e.V.

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