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Kinder und Jugendliche mit Cannabis therapieren?

Kinder und Jugendliche können ebenso schwer erkranken wie Erwachsene. Können sie dann auch von einer Cannabistherapie profitieren, wie das bei vielen Erwachsenen der Fall ist? Oder setzt man ein Kind einem Risiko für Nebenwirkungen und Spätfolgen aus? Ein Grundlagenartikel

Kinder und Jugendliche mit Cannabis therapieren?

Medizinisches Cannabis hilft vielen Menschen mit unterschiedlichen Krankheiten, Störungen und Syndromen. Für einige Erkrankungen oder Symptome ist die Evidenz besser. Für andere gibt es Hinweise, bei wieder anderen gibt es bisher nur Patientenberichte. Doch in den allermeisten Fällen geht es um erwachsene Patienten und deren Krankheiten. Doch wie ist es mit der Therapie für Kinder?

Cannabis-Therapie und Kinder: Die häufigste Frage

Es gibt doch auch kranke Kinder und Jugendliche mit Schmerzen, Schlafstörungen oder Krebs. Kann man denen auch Cannabis geben? Ist das medizinisch und ethisch vertretbar? Das fragen sich viele Eltern, die ihre Kinder unter bestehenden Therapien weiter leiden sehen, die sich von Ärzten unverstanden fühlen oder nicht den erwünschten Erfolg einer Therapie feststellen können.

 

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Kinder sind keine kleinen Erwachsenen!

Der kindliche Organismus befindet sich im Wachstum und in der Entwicklung. Bei Kindern und Jugendlichen vor der Pubertät ist auch die hormonelle Situation und Steuerung zahlreicher Prozesse noch nicht vorhanden oder nicht mit den Abläufen bei älteren Menschen vergleichbar. Ab etwa 10 Jahren beginnt der Körper den Umbau zu einem erwachsenen Körper.

Am deutlichsten sichtbar wird das, weil sich die sekundären Geschlechtsmerkmale ausprägen. Mädchen bekommen rundere Körperformen und Brüste, Jungen wachsen stark und bekommen ausgeprägte Muskeln. Erst wenn diese Vorgänge – innerlich wie äußerlich – komplett abgeschlossen sind, ist aus dem kleinen Menschen ein erwachsener Mensch geworden. Die Reifung des Gehirns und somit auch des Endocannabinoidsystems ist erst mit etwa 20 Jahren abgeschlossen.

Da bei Kindern und Jugendlichen einiges anders läuft, gibt es Kinder- und Jugendärzte, die sich mit den spezifischen Eigenschaften und Besonderheiten des kindlichen Organismus bestens auskennen. Ebenso gibt es aus diesem Grund spezielle Medikamente bzw. Medikamente, die für die Behandlung von kleinen Patienten zugelassen sind. Zudem gibt es eine große Anzahl von Medikamenten, die nicht oder nur unter besonderer Überwachung gegeben werden dürfen.

Leider können aber auch Kinder und Jugendliche schon schwere, belastender und/oder lebensbedrohliche Krankheiten bekommen, die bestmöglich behandelt – im Optimalfall geheilt – werden müssen. Häufig stellt sich für Eltern daher die Frage, warum bestimmte Medikamente oder Therapien, die bekanntermaßen bei älteren Menschen gut wirken, nicht auch dem Kind gegeben werden können.

Sind pflanzliche Medikamente ungefährlich?

Viele Menschen neigen dazu, Arzneimittel aus pflanzlichen Inhaltsstoffen oder die Wirkungen von Pflanzen als sicher oder ungefährlich einzustufen. Zumindest haftet pflanzlichen Medikamenten, zu denen auch Cannabis gehört, an, vielleicht oder vielleicht auch nicht zu nützen, sogar gesund zu sein, aber bestimmt nicht zu schaden. Diese Betrachtungsweise ist leider falsch. Auch rein pflanzliche Präparate – oder medizinisches Cannabis haben unerwünschte Nebenwirkungen.

Cannabis und das kindliche Gehirn

Im Fall von Cannabis weiß man, dass das sich im Wachstum befindliche Gehirn durch den Konsum von Cannabis negativ beeinflusst wird. Bei jüngeren Menschen mit Cannabis Konsum steigt das Risiko, später im Leben an psychischen Erkrankungen zu leiden. Zudem hat der Konsum von Cannabis ungünstige Auswirkungen auf die Gedächtnis- und Merkfähigkeit und den Spracherwerb.

Dabei gilt die Regel, dass die Auswirkungen umso größer sind, je früher mit dem Cannabiskonsum begonnen wurde. Aber auch strukturell finden sich bei Anwendern von Cannabis Änderungen im Gehirn. Besonders im Hippocampus und der Amygdala, zwei Hirnregionen des limbischen Systems, die für die Gedächtnisbildung und das Verarbeiten von Emotionen verantwortlich sind, finden sich nachweisbare Veränderungen.

Das Endocannabinoidsystem bei jüngeren Menschen

Wie viele andere Prozesse im Körper, muss auch das Endocannabinoidsystem reifen:

  • Erst im Alter von etwa 20 bis 22 Jahren ist es vollständig ausgebildet.
  • Bei Kindern unter diesem Alter funktioniert das Endocannabinoidsystem im Regelfall bereits, denn es reguliert wichtige Prozesse.
  • Alle Endocannabinoide, die der Körper braucht, kann er selbst in den dafür notwendigen Mengen produzieren.
  • Bei gesunden Kindern braucht es daher keine Zufuhr von Cannabinoiden von außen, also über einer Verabreichung von Cannabis oder cannabinoidhaltigen Lösungen oder Ölen.
  • Junge Menschen reagieren auf einen Eingriff in das Endocannabinoidsystem viel empfindlicher als Erwachsene.
  • Ein zu viel an Cannabinoiden könnte zudem das kindliche System aus dem Gleichgewicht bringen und zu irreparablen Schäden führen. Zu diesem Ergebnis kamen Forscher in ihrer Studie.

Immer mehr Forschungsergebnisse zeigen, bei welchen Krankheiten auch das Endocannabinoidsystem beteiligt ist. Es scheint daher naheliegend, mit externen Cannabinoiden aus der Cannabispflanze behandeln zu wollen.

Doch trotz der neuen Erkenntnisse ist häufig nicht klar, ob Unregelmäßigkeiten im Endocannabinoidsystem die Ursache einer Erkrankung ist, oder ob die Veränderungen als Folge anderer gestörter Prozesse auftreten. Daher ist nicht in jedem Fall medizinisches Cannabis das Mittel der Wahl.

Keine Selbstbehandlung mit THC und CBD

Wie auf Leafly.de bereits häufig aufgegriffen, kann Cannabis bzw. die enthaltenen Phytocannabinoide wie Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD) bei vielen Krankheiten und Symptomen wie chronischen Schmerzen günstige Wirkungen haben. Wichtig ist in jedem Fall die genaue Überwachung durch einen Arzt.

Bei jungen Patienten kann Cannabis für medizinische Zwecke, wie schon beschrieben, langfristige Auswirkungen auf die Gehirnentwicklung haben. Doch auch kurzfristig kann es zu Schäden kommen. Bei Präparaten mit einem hohen THC-Gehalt oder Blüten können Vergiftungserscheinungen, Übelkeit, Erbrechen und Angstzustände auftreten.

Doch auch das nicht-psychogen wirkende CBD darf jungen Patienten nicht ohne Rücksprache mit dem behandelnden Arzt gegeben werden. Denn auch hier sind akute Nebenwirkungen und langfristige Schädigungen nicht auszuschließen.

Typische Nebenwirkungen bei der Behandlung von jungen Patienten mit reinem CBD in Studien waren:

  • Durchfall
  • Schlaflosigkeit
  • verringerter Appetit
  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Gewichtsverlust
  • abnormes Verhalten
  • Verwirrtheit
  • und andere

Auch wenn CBD keine psychoaktive Substanz ist, ist der Wirkstoff keinesfalls harmlos!

Mehr zum Thema CBD-Therapie bei Kindern und Jugendlichen.

Phytocannabinoide für die Behandlung – was weiß man?

Die Forschung zu Cannabis in der Behandlung von Krankheiten bei jungen Patienten ist noch weniger weit fortgeschritten. Das hat zu einem wichtigen Anteil ethische Gründe. Die Risiken sind für Kinder um ein Vielfaches höher und müssen daher noch viel sorgfältiger gegen einen möglichen Nutzen abgewogen werden. Zudem können junge Patienten die Entscheidung nicht selbst treffen, sondern müssen durch die Eltern vertreten werden.

Immer wieder liest man von erfreulichen Erfolgsgeschichten, bei den schwerkranke Kinder durch die Gabe von Cannabinoiden deutliche Linderung erfahren und sich ihr Zustand stark verbessert. So etwas kann eintreten. Es kann aber auch ganz anders gehen!

Die aktuelle Datenlage spricht bisher nur bei zwei Krankheitsbildern für den Einsatz von medizinischem Cannabis, wo positive Effekte beobachtbar waren. Das sind zum einen Übelkeit und Erbrechen aufgrund einer Chemotherapie sowie Epilepsie.

Epilepsie Kinder

Das hat eine im Oktober 2017 veröffentlichte Studie ergeben, in der alle verfügbaren Studien herangezogen wurden. Doch selbst bei diesen beiden Anwendungsbereichen seien die Risiken deutlich höher als bei den gleichen Zuständen bei älteren Menschen.

Zum Einsatz von medizinischem Cannabis bei Spastiken, neuropathischen Schmerzen, posttraumatischer Belastungsstörung und Tourette-Syndrom war die Studienlage und die Qualität der Studien so schlecht, dass sich leider keine Aussage treffen lässt, ob – und in welchem Umfang – Kinder und Jugendliche profitieren und ob die Risiken akzeptabel sind.

Aus diesen Gründen ist es immer wichtig, einen erfahrenen Arzt bzw. Spezialisten hinzuzuziehen. Momentan können einfach keine gesicherten Aussagen zur Wirkung und zum Nutzen gemacht werden, während die Gefahren für eine beeinträchtigte Hirnentwicklung beim Cannabiskonsum zweifelsfrei bewiesen wurden.

Ohne Verordnung Cannabinoide geben? Das sind die rechtlichen Folgen

Die Gabe von Cannabis an Kinder und Jugendliche – egal in welcher Form – sowie von CBD-Ölen ohne eine ärztliche Verordnung kann neben den gesundheitlichen Folgen auch strafrechtliche Folgen haben.

Bei illegal erworbenem Cannabis kann zunächst ein Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz vorliegen. Von größerer Bedeutung ist aber die Verletzung des Rechts auf Gesundheit, welches jedem Minderjährigen zusteht – auch gegenüber den Eltern.

“Wenn ein Arzneimittel nicht ärztlich verordnet wurde oder medizinisch indiziert ist, liegt gegenüber dem Minderjährigen eine Verletzung der Personensorgepflicht vor. Je nach Lage des Einzelfalles und den eingetretenen Schäden kann unter Umständen das Sorgerecht eingeschränkt oder sogar entzogen werden”, erklärt Prof. Dr. Andreas Spickhoff, Experte für Medizinrecht an der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Das Ausmaß der juristischen Folgen hängt von verschiedenen Faktoren ab. Relevant sind dann Fragen zur Verletzung des Kindeswohls, ob eine gefährliche oder schwere Körperverletzung vorliegt, oder ob sogar von Misshandlung Schutzbefohlener gesprochen wird. Auch bei legal käuflichem CBD-Öl können Eltern für gesundheitliche Schäden des Minderjährigen in Haftung genommen werden.

Daher: Die Behandlung eines Kindes mit Cannabis gehört IMMER in die Hände eines erfahrenen Mediziners.

 

 

Hinweis: In diesem Artikel berichten wir über rezeptpflichtiges CBD oder auch Cannabidiol. Dieser Artikel macht zur möglichen Zweckbestimmung keinerlei Vorschlag. Nutzversprechen bleiben den Apothekern überlassen.

 

 

 

Quellen:

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