Update: Kolling: Saar-Ärzteschaft verordnet zu großzügig

Autor: Alexandra Latour

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Erst vor kurzem hatte der Landesdrogenbeauftragte im Saarland Stephan Kolling (CDU) die Cannabis-Legalisierung in Luxemburg kritisiert. Jetzt schießt er auch gegen die Mediziner im Saarland, die zu viel Medizinalhanf verordnen würden.

Update: Kolling: Saar-Ärzteschaft verordnet zu großzügig

Update 09.01.2019

Gegenüber der Presse hat sich jetzt Ärztekammer-Präsident Josef Mischo gegen die Vorwürfe von dem Drogenbeauftragten und Gesundheits-Staatssekretär Stephan Kolling gewehrt.

„Gegen den Vorwurf der Beihilfe zum Missbrauch würde ich mich entschieden wehren wollen. Es sind fachkundige Ärzte, die das notwendige Fachwissen haben. Als Kammer haben wir überhaupt keine Hinweise, dass ein Missbrauch betrieben wird“, erklärte Mischo.

Darüber hinaus hat sich auch der Palliativmediziner Sven Gottschling vom Zentrum für Palliativmedizin und Schmerztherapie der Homburger Uniklinik geäußert und erklärte, dass man zwischen Cannabis und der Verordnung von Cannabinoiden differenzieren müsse.

„Die Unterscheidung ist mir wichtig: Wir verordnen nicht Cannabis, also nicht Blüten zum Rauchen, sondern cannabisbasierte Medikamente. Wir tun das wohlüberlegt, wenn wir Erkrankungen haben, die durch keine andere Therapie wirkungsvoll zu lindern sind“, so Gottschling.

Kolling kritisiert saarländische Ärzte

Im Dezember 2018 hatten die Äußerungen von Stephan Kolling (CDU), Drogenbeauftragter der Landesregierung im Saarland, zur geplanten Cannabis-Legalisierung in Luxemburg für Aufsehen und reichlich Diskussionsstoff gesorgt (Leafly berichtete). Aus gesundheitspolitischer Sicht könne die Legalisierung von Cannabis unterstützt werden, so Kolling. Außerdem befürchtete Kolling einen Drogentourismus.

Einem Medienbericht zufolge schießt Kolling jetzt auch gegen Mediziner, die Cannabis als Medizin verordnen. Der Landesdrogenbeauftragte erklärte, dass Ärzte im Saarland im Jahr 2017 209-mal pro 100 000 Einwohner Medizinalhanf verordnet hätten. Dies gehe aus einer Studie der Techniker Krankenkasse hervor.

„In Mecklenburg-Vorpommern waren es 52, in Sachsen 96 Verordnungen“, führte Kolling aus. Das Saarland belege damit einen Spitzenplatz. „Die Saar-Ärzteschaft verordnet zu großzügig“, führte er weiter aus.

Der Grund für die „hohen“ Verordnungszahlen sei, dass die Kriterien für den Einsatz von Medizinalhanf nicht klar genug definiert seien.

Kolling plant Drogenhilfezentrum

Gleich danach führte der Politiker aus, dass er in Saarbrücken ein Drogenhilfezentrum errichten wolle und nennt im gleichen Atemzug die hohe Zahl der Drogentoten im Saarland. So seien im Jahr 2017 insgesamt 28 Menschen und im Jahr 2018 insgesamt 26 Menschen infolge eines Drogenkonsums verstorben. Aktuell werde mit den Ärzten, Hilfsorganisationen und Kommunen in Saarbrücken über den Standort des Drogenhilfezentrums verhandelt. Denn das alte Drogenhilfezentrum in der Brauerstraße entspreche nicht mehr den Anforderungen.

„Das jetzige Drogenhilfezentrum ist nicht mehr zeitgemäß. Wir wollen im neuen Zentrum mehr Hilfen, Schutzräume und sozialpädagogische Hilfen anbieten“, erklärte Kolling.

Mit der Realisierung des neuen Drogenhilfezentrums soll Ende 2020 begonnen werden. Allerdings erwarte der Politiker auch, dass es wohl „heftige“ Diskussionen mit den Anwohnern am neuen Standort gebe.

Und wieder der Drogentourismus…

Das Thema Drogentourismus lässt Kolling nicht los. Und so erklärte er wiederum, dass er davon ausgehe, dass Cannabiskonsumenten – nicht nur aus dem Saarland, sondern aus ganz Deutschland – die neue Freiheit in Luxemburg nutzen werden. Deshalb stellen sich die Saar-Strafverfolgungsbehörden schon jetzt auf die Freigabe von Cannabis in Luxemburg ein.

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