Kopf-Hals-Tumor und der Einsatz von Cannabis

Autor: Alexandra Latour

Verõffentlicht am: 17. August 2018

Geändert am: 17. August 2018

Kanadische Forscher berichteten jetzt, dass Patienten mit einem Kopf-Hals-Tumor, die wöchentlich Cannabis konsumierten, hiervon profitierten. Sie berichteten über reduzierte Schmerzen sowie Angstgefühle und Depressionen.

Kopf-Hals-Tumor und der Einsatz von Cannabis

Was ist ein Kopf-Hals-Tumor?

Ein Kopf-Hals-Tumor kann in der Mundhöhle, im Rachen, am Kehlkopf, in der Nase oder den Nasennebenhöhlen sowie am äußeren Hals, vor allem an der Schilddrüse auftreten. Hierbei handelt es sich in den meisten Fällen um Plattenepithelkarzinome, die von Oberflächenzellen ausgehen. Seltener sind hingegen Adenokarzinome, also Tumore, die aus drüsenartigem Gewebe entstehen. In Deutschland erkranken schätzungsweise 50 von 100 000 Menschen an Tumoren im Kopf-Halsbereich.

Studiendesign

Forscher der McMaster University in Hamilton Ontario (Kanada) berichteten jetzt im Rahmen einer Studie, dass Patienten mit einem neu diagnostizierten Kopf-Hals-Tumor, die einmal in der Woche Cannabis konsumierten, von weniger Schmerzen, Müdigkeit, Depressionen und Ängsten berichteten im Vergleich zu Nichtkonsumenten. Zudem verbesserten sich der Appetit und das allgemeine Wohlbefinden bei den Cannabiskonsumenten.

Michael K. Gupta, einer der Forscher, erklärte zu den Ergebnissen, dass die Literatur über Cannabis sehr unklar und begrenzt sei, insbesondere bei Patienten mit Kopf-Hals-Tumoren. Die Ergebnisse würden aber zeigen, dass eine Cannabis-Behandlung vielversprechend sei.

Für die Studie nahmen die Forscher von 2011 bis 2015 nacheinander 148 Patienten nach der Diagnose von Kopf-Hals-Tumore im Krebszentrum auf. Die Patienten waren durchschnittlich 62 Jahre alt und die meisten waren männlich (83,5 %). Es gab keine signifikanten Unterschiede in Alter, Geschlecht, Tumorunterseite, klinischem TNM-Staging, Behandlungsmodalität oder mittleren Karnofsky-Werten (92,4 bzw. 90,8) zwischen den 74 Freizeit-Cannabis-Konsumenten und 74 Nicht-Konsumenten.

Cannabis als Medizin gegen Schmerzen, Angst und Depressionen

Weiter führte Gupta aus, dass die Ergebnisse der Studie mit denen, die bei Patienten mit posttraumatischem Stresssyndrom berichtet werden, korrelieren. Wie von einem Wilcoxon Rangsummentests bestätigt, hatten Patienten, die Cannabis konsumierten, ebenfalls berichtet, dass sich die Schmerzen, Ängste und Depressionen reduzierten. In ähnlicher Weise wurden auf dem Edmonton-Symptombewertungssystem statistisch signifikante Verbesserungen festgestellt.

Fazit der Studie

Trotz begrenzter Forschungsdaten haben der Zugang und die Akzeptanz von Cannabis als Medizin in den letzten zehn Jahren zugenommen, schrieb Guptas Gruppe und wies auf Cannabis-Studien als medikamentöse Therapie mit antiemetischen und analgetischen Wirkungen bei Patienten mit Krebs, Patienten mit posttraumatischem Stresssyndrom und als Ergänzung für neuropathische Schmerzen bei Patienten mit chronischem Schmerzsyndromen.

„Eine der großen Schwächen dieser Ergebnisse ist, dass wir nicht wissen, wie viel oder wie das Cannabis verwendet wurde. Schmerzspezialisten verwenden verschiedene Titrationen von CBD und THC. Ich denke, jedes neue Medikament muss titriert werden, um eine Wirkung zu erzielen – es ist möglich, dass erfahrene Anwender wissen, wie man das bereits tut, und neue Benutzer möglicherweise nicht“, führte Gupta aus.

Weiter erklärte Gupta, dass weitere Studien geplant seien, die Einblicke in die Wirkung von Cannabis geben sollen.

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