Krebs und Cannabinoide: Mehr Forschung notwendig

Autor: Alexandra Latour

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Cannabinoide in der Krebswissenschaft (Onkologie) sind eine viel diskutiert Substanzgruppe. Aufgrund ihrer analgetischen (schmerzlindernd) und antiemetischen (übelkeit- und brechreizlindernd) Eigenschaften eignen sich Cannabinoide zum Symptommanagement, wobei es hierzu noch weiterer Studien bedarf.

Krebs und Cannabinoide: Mehr Forschung notwendig

In der Onkologie ist der Einsatz von Cannabinoiden ein immer mehr intensiv diskutiertes Thema. Zum Beispiel besteht Evidenz für den therapeutischen Effekt von Cannabis zur Linderung von chronischen Schmerzen sowie in der Behandlung von Chemotherapie-induzierter Übelkeit und Erbrechen. Weiter weiß man, dass zur kurzzeitigen Verbesserung des Schlafes eine moderate Evidenz vorliegt. Zu den Risiken zählen nach wie vor psychische Symptome, kognitive Defizite beim akuten Einsatz, die Entwicklung von Psychosen, die Gefahr des Missbrauchs sowie eine mögliche Überdosierung, vor allem bei Kindern. Dies berichtet Declan Walsh, Charlotte, NC/USA in der aktuellen Ausgabe des Magazins „Im Fokus Onkologie“.

Wirkung von Cannabinoiden

Walsh führte weiter aus, dass das Cannabinoid Delta-9-THC (Tetrahydrocannabinol, THC) vorwiegend an den Cannabinoidrezeptoren 1 (CB1) in zentralen und peripheren Nervenzellen wirkt, sodass das Gehirn, Nerven und Organe beeinflusst werden. Im Gegensatz dazu wirkt das Cannabinoid Cannabidiol (CBD) hauptsächlich an den Cannabinoidrezeptoren 2 (CB2) in den B-Lymphozyten sowie den natürlichen Killerzellen des Immunsystems.

Darüber hinaus erklärte Walsh, dass verschiedene Cannabis-Medikamente (z. B. Dronabinol (THC) und Nabiximols (THC und CBD) zur Verfügung stehen. Zudem wies er darauf hin, dass beim Cannabiskonsum über 400 Substanzen, mehr als 60 Cannabinoide sowie Karzinogene (krebsfördernde Substanzen) aufgenommen werden. Dronabinol entfalte hingegen keine karzinogene Wirkung.

Widersprüchliche Wirkung von Cannabis in der Onkologie

Walsh beschrieb eine widersprüchliche Rolle von Cannabis in der Krebswissenschaft. Zum einen könne eine Antitumoraktivität in vitro und in Tiermodellen beobachtet werden. Zum anderen erhöhe das Rauchen von Cannabis das Krebsrisiko. Weiter heißt es, dass die wichtigsten Einsatzgebiete in der Krebswissenschaft die Symptomlinderung bei Tumorpatienten sowie die Linderung von Nebenwirkungen im Rahmen einer Chemotherapie seien.

Des Weiteren erklärte Walsh, dass Cannabinoide keine Atemdepression verursachen würden. Auch das Suchtpotenzial sei geringer als wie bei Nikotin und Alkohol. Im Vergleich zu einer Opioid-Therapie seien auch die Entzugssymptome milder. Auch die Nebenwirkungen seien bei moderaten Dosen lediglich mild ausgeprägt und die psychoaktive Wirkung an den CB1-Rezeptoren sei dosislimitierend.

Wirkung auf das Endocannabinoid-System

Walsh wies auch auf die Wirkung von Cannabis auf das Endocannabinoid-System hin. Zudem betonte er nochmals, dass sich Cannabinoide für das Symptommanagement bei Tumorpatienten aufgrund der analgetischen, antiemetischen und appetitanregenden Wirkung eignen würden. Die klinische Studienlage sei jedoch begrenzt. So konnte die antitumorale Wirksamkeit bisher nur im Labor oder aber in individuellen Fallberichten gezeigt werden.

Werden mehr falsche Cannabinoide getestet?

Der Londoner Forscher Paul Farquhar-Smith beleuchtete die Rolle der Cannabinoide in der Behandlung von Tumorschmerzen. Im Rahmen dessen verwies er auf die Nebenwirkungen im zentralen Nervensystem (ZNS) sowie die möglichen Langzeitnebenwirkungen hin. Gleichzeitig wies er aber auch darauf hin, dass in klinischen Studien vielleicht bisher die falschen Cannabinoide untersucht wurden. So forderte er  mehr klinische Daten. Weiter erklärte er, dass anti-inflammatorisch wirksame transdermale Cannabinoide günstig seien, da sie keine Nebenwirkungen am ZNS hätten.

 

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