Krebs Studien: Auswirkungen einer Cannabisbehandlung auf Symptome einer Krebserkrankung

Autor: Dr. Christine Hutterer

Verõffentlicht am: 23. Juli 2018

Geändert am: 26. Juli 2018

Bei Krebspatienten wird Cannabis bereits erfolgreich zur Behandlung von Übelkeit bei Chemotherapie und Appetitlosigkeit eingesetzt. Eine große Studie aus Israel hat sich nun angesehen, wie sich eine Cannabisbehandlung auf zahlreiche weitere typische Symptome einer Krebserkrankung auswirkt.

Krebs Studien: Auswirkungen einer Cannabisbehandlung auf Symptome einer Krebserkrankung

Cannabis in der Palliativbehandlung

Manchen Krankheiten können nicht geheilt werden, haben aber mit Symptome zur Folge, die die Lebensqualität stark einschränken. In der Palliativmedizin geht es darum, solche Beschwerden zu lindern und den Betroffenen ein höheres Maß an Lebensqualität zu ermöglichen. Ausführliche Informationen dazu bietet dieser Artikel.

Studie mit 3.000 Krebs-Patienten

Wissenschaftler aus Israel haben sich eine Gruppe von 2.970 Krebspatienten angesehen, die Cannabis verschrieben bekommen hatten, um die mit der Krebserkrankung verbundenen Symptome zu lindern.

Die Patienten litten im Schnitt an 11,1 (± 7,5) Symptomen (z.B. Schlafstörungen, Schmerzen mit einer hohen Intensität – 8 von 10, Schwäche und Fatigue, Depression, Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit) und waren im Schnitt 59,5 (± 16,3) Jahre alt.

Aufgrund der bestehenden Krebserkrankung und der Symptome konnten sie als “schwer kranke” Menschen eingestuft werden.

Den Patienten wurde Cannabis verschrieben und sie wurden beraten, welche Sorte, Einnahmeart und Dosierung zu empfehlen wäre.

Symptome besserten sich. Cannabis wurde gut vertragen

Die Patienten wurden vor Beginn der Cannabistherapie, nach einem und nach sechs Monaten befragt.

  • Von den knapp 3.000 Patienten zu Beginn der Studie, waren nach sechs Monaten leider 902 der Krebserkrankung erlegen und 682 hatten aufgehört, Cannabis einzunehmen
  • Von den Patienten, die die zweite Befragung mitmachten, gaben 95,6 Prozent an, dass sich ihre Symptome verbessert hätten
  • 3,7 Prozent gaben keine Veränderungen zum Zustand vor der Cannabistherapie
  • 0,3 Prozent berichteten von einer Verschlechterung

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass bei schwer kranken Patienten eine Cannabistherapie in den meisten Fällen gut vertragen wird, die Symptome lindern und die Lebensqualität verbessern kann.

Wie bei allen Medikamenten gibt es bei der Behandlung von Krebspatienten mit Cannabis eine kleine Gruppe von Personen, bei denen die Behandlung nicht die erhofften Erfolge bringt.

Zusammenhang zwischen Cannabis- und Opioid-Anwendung

Zu Beginn der Studie nahmen mehr als 1.000 Patienten zusammengenommen regelmäßig mehr als 4.000 Medikamente ein. Am häufigsten waren in dieser Liste die Opioide, die in der Krebstherapie als wichtiges Medikamente gegen krebsbedingte Schmerzen verordnet und eingenommen werden. Etwa jeder dritte Patient nahm zu Beginn der Studie Opioide ein.

Am Ende der Studie, also sechs Monate nach Beginn einer Cannabistherapie, konnten 36 Prozent dieser Patienten die Opioide komplett absetzen, etwa 10 Prozent konnten die Dosis verringern.

Auch die Einnahme anderer Medikamente konnte durch eine Cannabistherapie reduziert werden, beispielsweise andere Schmerzmittel (Analgetika), fiebersenkende Medikamente, Schlafmittel, Beruhigungsmittel und Kortison.

Welche medizinische Cannabissorte (Strain) half am besten?

Den Patienten wurden Cannabissorten aus vier verschiedenen Kategorien zur Verfügung gestellt.

  1. Kategorie: THC-reiche Indica-Sorten
    12 unterschiedliche THC-reiche Sorten mit zwischen 22 und 28 Prozent THC und weniger als 0,5 Prozent CBD wurden angeboten.
  2. Kategorie: THC-reiche Sativa-Sorten
    3 unterschiedliche THC-reiche Sorten und mit weniger als 0,5 Prozent CBD wurden angeboten.
  3. Kategorie: Gleiche Konzentrationen an THC und CBD
    Eine Sorte mit etwa gleichen Konzentrationen an THC und CBD wurde angeboten.
  4. Kategorie: CBD-reiche Sorten
    Zwei Sorten mit etwa 20 Prozent CBD und weniger als 1 Prozent THC wurden angeboten.

Die meisten Patienten nutzten eine der THC-reichen Indica- oder Sativa-Sorten, gefolgt von CBD-reichen Sorten und der Sorte mit gleichen THC- und CBD-Anteilen. Die meisten Patienten nutzten allerdings auch mehr als eine Sorte bzw. unterschiedliche Einnahmearten.

So kombinierte fast die Hälfte der Patienten Öle, Blüten, Kapseln oder Joints. Wie schon öfter gezeigt wurde bestätigt sich auch in dieser Studienpopulation, dass unterschiedliche Sorten unterschiedliche Wirkungen erzeugen und daher je nach Stärker der Symptome bei Bedarf eingesetzt werden.

Folglich ist es nicht möglich zu beurteilen, welche Sorte nun bei Krebs am besten wirkt. Es hängt von der Kombination der Symptome und der Stärke der jeweiligen Sorte ab.

Die Bedeutung der Ergebnisse für Patienten

Vor Beginn der Therapie gaben 189 Personen an, Vorbehalte gegen eine Cannabistherapie zu haben. Am meisten Angst hatten sie vor möglichen Nebenwirkungen, einer möglichen Abhängigkeit und Kontrollverlust.

Sie gaben auch an zu wenig Wissen über die Wirkungen von Cannabis zu haben und glaubten nicht an den Effekt oder hielten Cannabis für eine gefährliche Droge. Auch die Sorge vor einer Verschlechterung des Zustandes gaben wenige Patienten an.

Die Ergebnisse zeigten dann, dass die Vorbehalte und Sorgen in den meisten Fällen unbegründet waren. Die Nebenwirkungen von Cannabis wurden, wie in anderen Studien auch beobachtet, geringer und weniger schwerwiegend angegeben als bei anderen verschreibungspflichtigen Medikamenten.

Zudem gaben die Patienten an, dass sie gut mit den geringfügigen Nebenwirkungen (Schwindel, Benommenheit, trockener Mund, vergrößerter Appetit, Schläfrigkeit und psychoaktiven Effekten) umgehen könnten.

Gute Ergebnisse, bei denen man genauer hinschauen sollte

Ein wenig Vorsicht ist bei den sehr positiven Ergebnissen der Studie geboten. Zum einen war es nur eine Beobachtungsstudie und es gab keine Kontrollgruppe. Daher können Effekte nicht eindeutig kausal einer Behandlung mit Cannabis zugeordnet werden, da man nicht weiß, wie sich die Krankheit/die Symptome ohne oder mit einer anderen Therapie entwickelt hätte.

Außerdem haben nicht alle Patienten die Fragen nach sechs Monaten beantwortet. Es könnte also sein, dass besonders diejenigen, die nicht zufrieden waren, bei der zweiten Befragung keine Angaben machten.

In einem solchen Fall, in dem das Ergebnis in eine Richtung beeinflusst wird/werden könnte (nicht unbedingt absichtlich, aber im Ergebnis), spricht man von einem bias (engl. Voreingenommenheit, Tendenz). Bias versucht man in der klinischen Forschung durch randomisierte doppelt verblindete Studien zu verhindern.

Fazit

Ein Pluspunkt der Studie ist die große Zahl an Teilnehmern. So zeigt sich, dass Cannabis bei Krebspatienten und deren Symptomen gut vertragen wird und sicher eingenommen werden kann. Zwar profitieren nicht alle Patienten, aber die meisten. Besonders in der Krebs- und Palliativmedizin scheint Cannabis also nachweislich eine gute Option zu sein.

Quellen:

Quellen:

  • Guzman M (2018) Cannabis for the management of cancer symptoms: THC version 2.0?, Cannabis and Cannabinoid Research 3:1, 117–119
  • Lihi Bar-Lev Schleider, Raphael Mechoulam, Violeta Lederman, Mario Hilou, Ori Lencovsky, Oded Betzalel, Liat Shbiro, Victor Novack. Prospective analysis of safety and efficacy of medical cannabis in large unselected population of patients with cancer

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