Kriminalitätsraten: Legalisierung in USA unbedeutend

In einer aktuellen Studie wurde die Entwicklung der Kriminalitätsraten in den US-Bundesstaaten Colorado und Washington untersucht. In beiden ist der Verkauf Cannabis legalisiert. Die Forscher stellten keine bedeutenden Auswirkungen auf Gewalt- und Eigentumskriminalität fest.

Kriminalitätsraten: Legalisierung in USA unbedeutend

Untersuchung von Kriminalitätsraten

In einer jüngst veröffentlichten Analyse des Fachbereichs für Strafjustiz und Kriminologie an der Washington State University, wurde die mittel- und langfristige Entwicklung von Kriminalitätsraten in Bezug auf die Legalisierung von Cannabis in den US-Bundesstaaten Colorado und Washington untersucht.

So erzielten frühere Studien, die auf schwachen analytischen Daten ohne Kontextualisierung und geeignete Vergleiche basierten, widersprüchliche Ergebnisse, sodass die Legalisierung von Cannabis manchmal die Kriminalität erhöht und hin und wieder verringert habe.

Das Forscherteam wollte in einer ausdifferenzierten Analyse feststellen, ob und wie die Kriminalitätsraten in Colorado und Washington tatsächlich beeinflusst wurden. Diese beiden US-Bundesstaaten hatten Cannabis zuerst legalisiert.

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Legalisierung und der Verkauf von Cannabis nur minimale bis gar keine Auswirkungen auf schwere Verbrechen in diesen Bundesstaaten hatten.

Es wurden dabei keine statistisch signifikanten langfristigen Auswirkungen von den neuen Cannabisgesetzen auf Gewalt- oder Eigentumsdelikte in den beiden untersuchten Bundesstaaten ermittelt.

Kriminalität und Cannabiskonsum

Ob sich ein erhöhter Cannabiskonsum letztendlich auf die Kriminalitätsrate auswirkt, sei noch lange nicht abschließend geklärt. Frühere Untersuchungen lieferten gemischte und nicht schlüssige Beweise für die Wirkung des Cannabiskonsums auf die Kriminalität.

Auf der einen Seite fanden eine Reihe von empirischen Studien, dass der Cannabiskonsum die Wahrscheinlichkeit erhöht, an Gewalt- und Eigentumsdelikten und anderen Formen schweren kriminellen Verhaltens beteiligt zu sein.

Die Forscher stellten fest, dass ein früherer jugendlicher Cannabiskonsum mit einem breiten Spektrum an problematischem Verhalten verbunden sein kann. Problematisches Verhalten wie Rebellion, Jugendkriminalität, schlechte Schulleistungen und die Verbindung zu straffälligen Gleichaltrigen seien die Folgen.

Diese Studien wurden auf der Grundlage von selbstberichteten Daten von Jugendlichen und jungen Erwachsenen durchgeführt. Sie scheinen einen plausiblen Zusammenhang zwischen dem frühen Beginn des Cannabiskonsums und dem Risiko, gewalttätiges und delinquentes Verhalten während des Übergangs zum Erwachsensein aufzuweisen.

Eine wichtige Erkenntnis der Studien war, dass einige Beweise darauf hindeuteten, dass der Cannabiskonsum entweder keine Auswirkungen auf Gewalttendenzen hatte oder diese sogar lindern konnte.

Cannabis kann Gewaltniveau unterdrücken

In einer Studie über Gewalt in der Ehe fand man heraus, dass, wenn Entlassene von einem Alkoholproblem, aber nicht von einem Drogenproblem berichten, ihr Gewaltniveau zugenommen hatte. Stichproben zeigten auch, dass auf Bewährung Entlassenen die von Alkohol- und Drogenproblemen berichten, ein konstantes Gewaltniveau haben.

Diese Ergebnisse wurden derart interpretiert, dass der Cannabiskonsum die durch den Alkoholkonsum induzierte Gewalt unterdrücken könnte.

Eine weitere Studie, die den Zusammenhang zwischen Drogenkonsum und gewalttätiger Kriminalität unter mexikanischstämmigen Jugendlichen untersuchte, ergab, dass, als diese Gruppe ihren Cannabiskonsum schrittweise erhöhte, ihre Bereitschaft zu Gewaltverbrechen zurückging.

Eine mögliche Ursache dafür sei, dass Cannabis oft als Ersatz für andere kontrollierte Substanzen verwendet wurde, die konsequenter mit gewalttätigen Verhaltensweisen in Verbindung stehen, wie Alkohol, Kokain und Amphetaminen.

Cannabisgeschäft und Kriminalitätsraten

Laut den Forschern bestand vor der Legalisierung von Cannabis unter anderem die Sorge, dass die Genehmigung der staatlich lizenzierten Produktion und des Verkaufs von Cannabis unweigerlich zu boomenden Geschäften führen musste. Die Sorge galt Apotheken, Landwirten und Produktionsstätten in Gemeinden, die durch den Zusammenschluss zu attraktiven Zielen für Verbrechen hätten werden können.

Dies sei darauf zurückzuführen, dass Handelsunternehmen stark auf Bargeldtransaktionen und gestohlene Produkte angewiesen sind, die leicht verkauft und konsumiert werden können.

Da Cannabis nach wie vor als Droge der Klasse 1 eingestuft und auf Bundesebene verboten ist, waren auch die Banken nicht bereit, Transaktionen im Zusammenhang mit Marihuana-Geschäften durchzuführen. Sie befürchteten das Risiko einer Strafverfolgung durch die Bundesbehörden.

Daher waren Cannabisunternehmer, insbesondere in den ersten Jahren der Legalisierung, gezwungen, Bargeschäfte zu tätigen und große Mengen an Bargeld vorzuhalten.

Daraus resultierte, dass sich insbesondere in einigen kleineren Gemeinden staatlich gecharterte Spar- und Krediteinrichtungen etablierten, die Cannabis-Geschäfte gegen eine hohe Zuschlagsgebühr abwickeln.

Um jedoch nicht als Ziel potenziellen Verbrechen auserkoren zu werden und diesen entsprechend vorzubeugen, seien die Schutzmaßnahmen in den Apotheken und in den Gemeinden durch Sicherheits- und Überwachungssysteme verstärkt worden.

Dies habe genügend abschreckende Wirkung erzielt, sodass die Kriminalitätsraten trotz der deutlich erhöhten Bargeldsummen in den Apotheken und Gemeinden nicht signifikant gestiegen seien.

In Colorado stiegen die Steuereinnahmen, während die Kriminalitätsrate stagnierte. Leafly.de berichtete.

Gegensätzliche Forschungsparadigmen

Als Ergebnis fassten die Forscher zusammen, dass die Literatur über Cannabiskonsum und Legalisierung bzw. Entkriminalisierung zwei widersprüchliche Paradigmen aufzeigten, wie Konsum, Missbrauch und Kriminalität sich beeinflussen.

Unter dem ersten Forschungsparadigma, das eine negativ konnotierte Sichtweise der Legalisierung stützt, habe die Lockerung der Cannabisgesetze zu mehr Cannabiskonsum motiviert und die Einstellung der Menschen zu dieser Substanz hin zu einem sorglosen Umgang verändert.

Die Prävalenz des Cannabiskonsums, insbesondere der frühe Beginn des Cannabiskonsums von Jugendlichen, hätte dabei das Risiko von Gewalt und Kriminalität bei Jugendlichen erhöht.

Die Verwundbarkeit von Cannabisunternehmen (d. h. bargeldbasierte Unternehmen mit leicht verkauften und konsumierbaren Waren) könne grundsätzlich auch zu Verbrechen wie Einbruch, Ladendiebstahl und Raub führen, da diese Unternehmen attraktive Ziele für Verbrechen sind.

Daher gibt es unter dem ersten Paradigma mit einer negativen Sicht auf die Auswirkungen der Legalisierung theoretisch eine Zunahme der Gewalt- und Eigentumsdelikte nach der Cannabis-Legalisierung.

Ein alternatives Forschungsparadigma, welches eine positive Sicht auf die Auswirkungen der Legalisierung unterstützte, deutete jedoch darauf hin, dass die Legalisierung von Cannabis keinen Einfluss auf die Kriminalität hat.

Die Gewalttaten seien nach dieser Betrachtungsweise gesunken, da einige Untersuchungen darauf hindeuten, dass die Gewalttendenzen einer Person durch den Konsum von Cannabis unterdrückt werden können.

Es gebe auch Hinweise darauf, dass Cannabiskonsumenten allgemein nicht anfälliger für Verbrechen sind als andere.

Demnach gebe es keine nachweisbare Wahrscheinlichkeit dafür, dass Konsumenten von Cannabis vermehrt gegen das Gesetz verstoßen, nur allein dadurch, weil der Konsum legalisiert worden sei. Vielmehr sei das Gegenteil der Fall.

Deutung der Forschungsergebnisse

Im Allgemeinen deuten die Ergebnisse darauf hin, dass die Cannabis-Politik und -Gesetze wenig Einfluss auf die Kriminalität in Colorado oder Washington State gehabt haben.

Die wichtigsten Datenauswertungen seien diejenigen, die den Unterschied in den Veränderungen der unmittelbaren Kriminalitätsraten zwischen den Kontrollstaaten und Colorado/Washington beschreiben. Sowie die diejenigen, die den Unterschied in den Trends zwischen den Kontrollstaaten und Colorado/Washington beschreiben.

So gab es für Gewaltverbrechen keine statistisch signifikanten Schwankungen vor und nach der Legalisierung. Dieser Trend der nicht-signifikanten Ergebnisse galt für die meisten statistischen Erhebungen beider Staaten.

Die Forscher kamen zu dem Schluss, dass es zum Zeitpunkt der Legalisierung zu einem kurzfristigen Anstieg der Kriminalität gekommen sein könnte, es aber im Wesentlichen keine langfristigen Veränderungen der Kriminalitätsraten aufgrund der Legalisierung gab.

Tatsächlich konnte sogar ein Rückgang der Einbruchsdelikte in Washington aus den Statistiken entnommen werden.

Fazit der Analyse der Kriminalitätsraten

Angesichts der Wahrscheinlichkeit einer weiteren Liberalisierung der staatlichen und womöglich der Bundesgesetze in Bezug auf Cannabis sei es laut den Forschern unerlässlich, dass politische Entscheidungsträger und Forschungsförderer die notwendigen Ressourcen bereitstellen, um diese strengeren und intensiveren Arten von kontextualisierten Studien durchzuführen.

Groß angelegte politische Veränderungen können viel Zeit in Anspruch nehmen, um stabile und verständliche Effekte zu erzielen. Es dauerte 40 Jahre nach der Aufhebung des Alkoholverbots für den Alkoholkonsum, um ein Niveau vor dem Verbot zu erreichen.

Die Untersuchungen zur Cannabislegalisierung legen nahe, dass es wahrscheinlich zu früh ist, die Auswirkungen der Legalisierung in den Vereinigten Staaten vollständig zu verstehen.

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