Leafly.de Patientenakte: Magda, 33, ADHS, Asthma, Epilepsie

Autor: Uta Melle

Verõffentlicht am: 28. November 2017

Geändert am: 5. Juli 2018

Magda fing früh an, ihre Krankheiten mit Cannabis selbst zu behandeln. Dies ging so lange gut, bis sie es vor ihrer ersten Schwangerschaft absetzte. Als Ersatz bekam sie Benzodiazepine, Opiate und Neuroleptika: Ihr Zustand verschlechterte sich rapide. Seit März 2017  bekommt sie Cannabis als Medizin verschrieben. Doch die Krankenkasse verweigerte die Kostenübernahme.

Leafly.de Patientenakte: Magda, 33, ADHS, Asthma, Epilepsie
""Niemand darf mir meine lebensnotwendigen Medikamente verweigern“"

Dass Magda unter einer genetischen Form der Epilepsie, ADHS und Asthma leidet, stellte sie erst fest, als kurz vor ihrer ersten Schwangerschaft die Eigentherapie mit Cannabis einstellte. Plötzlich begann sie zu zucken, ihre Augen verdrehten sich – Der erste Grand Mal. Kurz danach kam schon der Zweite, der sich auch gleich über drei Tage hinaus streckte – ein Status Epilepticus. Trotz dieser klaren Symptome wurde eine Fehldiagnose gestellt: Magda wurde als drogenabhängig eingestuft.

Benzodiazepine, Opiate und Neuroleptika hinterlassen Spuren

Als ihre Tochter geboren wurde, bekam Magda die gesamte Palette der Medikamente: Benzodiazepine, Opiate und Neuroleptika. Nichts half. Magdas Zustand verschlimmerte sich zusehends. Ihre Asthmaanfälle wurden immer schlimmer, vorher hatte sich dies lediglich durch die Symptome einer Bronchitis gezeigt. Sie hatte ständige Infekte und ihr mussten mehrere Abszesse herausoperiert werden.
Psychosen und ADHS gesellten sich auch zu der Liste ihrer Probleme. Bei einem Präparat bekam sie unglaubliche Schweißanfälle, gegen die ihrein Arzt ein Parkinsonmedikament verschreiben wollte. Spätestens an dem Punkt wurde Magda klar, dass etwas nicht stimmte: Mit Cannabis ging es ihr viel besser – ohne Cannabis hatte sie kein Leben.

Magda Patientenakte

Magda ist eine junge Frau voller Lebensenergie

Magda entscheidet sich für ein Leben mit Cannabis

Nachdem sie alles was sie über Cannabis finden konnte gelesen hatte, entschied sich Magda 2007, es wieder mit Cannabis zu versuchen. Hiervon hielt ihr damaliger Mann jedoch nichts und nahm dies zum Anlass, ihr das Sorgerecht für ihre gemeinsame Tochter zu entziehen. Er wurde von dem Neurologen, der sie als Drogenabhängige mit Borderlinestörung eingestuft hatte, unterstützt. Trotz des Nachweises, dass es sich um eine Fehldiagnose handelte, durfte Magda ihre Tochter über lange Zeiten nicht sehen. So begann Magda Ärzte zu suchen, die Erfahrungen mit der medizinischen Anwendung von Cannabis helfen konnten. Sie wollte sich nicht aufgeben. Sie wollte leben.

Magdas Leben stabilisiert sich durch die regelmäßige medizinische Anwendung von Cannabis

In Doktor Franjo Grotenhermen fand Magda erstmalig einen Ansprechpartner. Er nahm sie ernst, gab ihr Empfehlungen für die beste medizinische Anwendung von Cannabis und empfahl ihr das Präparat Bedrocan. Die Ergebnisse aus dem Anamnesegespräch bekam dann ihr behandelnder Allgemeinmediziner, der Magda entsprechend weiterbehandelte. Die Behandlung war so erfolgreich, dass sie in kürzester Zeit die Opiate, das Neuroleptikum und die diversen Asthmapräparate absetzen konnte. Ihr Leben stabilisierte sich, sie hatte keine Grand Mals oder Asthmaanfälle  mehr und ihr ADHS-Problem bekam sie so gut in den Griff, dass ihr das Leben auch wieder Freude machte. Mit ihrem neuen Freund bekam sie im Februar 2017 eine zweite Tochter. Alles schien gut zu sein.

Magda Patientenakte

Magda mit ihrer Tochter

Die Krankenkasse wehrt sich gegen die Kostenübernahme

Die kleine Familie führte ein stabiles Leben, doch Stolpersteine und Tragödien rissen nicht ab: Ihre Krankenkasse weigerte sich, die Kosten für ihre Behandlung zu übernehmen. Hiergegen klagt die Hartz-IV-Empfängerin noch heute. Und im April 2017 kam es dann zum schlimmsten Schicksalsschlag, der einer Mutter treffen kann: Ihre erste Tochter starb bei einem Asthma-/Epilepsie-Anfall.

Eine Frau, die nach einer solchen Geschichte und diesem Schicksalsschlag noch immer aufrecht stehen kann, ist definitiv nicht verrückt, sondern eine tolle, gerade Frau, die weiß, was sie tut. Sie führt ein geordnetes Leben mit ihrem Freund und ihrer kleinen Tochter.

Anm. der Autorin: Ich verstehe nicht, warum ihre Krankenkasse dies nicht unterstützen will. Ich wünsche ihr alles Liebe für die Zukunft.

Leafly.de wird Magda weiter auf ihrem Weg begleiten und sich für sie einsetzen

Patienteninfos:
Name: Magda Sebelka
Alter: 33
Wohnort/Bundesland: Hessen
Krankenkasse: DAK
Anamnese: ADHS, Epilepsie, Asthma
Medikation: 4 g Bedrocan/Tag verteilt auf acht Mal am Tag
Darreichung: Tee, Verdampfer, Essen

Das Leafly.de Patienteninterview

Leafly.de: Seit wann wendest Du Cannabis als Medizin an?
Magda: In Selbstmedikation schon sehr lange. Auf Rezept seit März 2017.

Leafly.de: Wie bist Du denn darauf gekommen?
Magda: Ich habe vieles darüber gelesen und beim Probieren gemerkt, dass es funktioniert.

Leafly.de: In welchen Momenten wendest Du es an?
Magda: Als Dauermedikation.

Leafly.de: Welchen Wirkstoff hat das Präparat und in welcher Dosierung nimmst Du es?
Magda: Ich bekomme Bedrocan und nehme davon vier Gramm pro Tag. Ich nehme immer kleine Dosen auf acht Mal am Tag verteilt. Mal verdampfe ich, Mal trinke ich es als Tee. Ich stelle mir allerdings auch ein Extrakt her, das ich essen kann.

Leafly.de: Gibt es Schwierigkeiten mit der Krankenkasse?
Magda: Ja, es gibt große Schwierigkeiten. Meine Krankenkasse will die Kosten nicht übernehmen. Ich habe mir einen Anwalt gesucht und mit seiner Hilfe Einspruch erhoben. Ich habe eigentlich alle Voraussetzungen für ein Eilverfahren und mein Antrag soll nun vor den Widerspruchsausschuss kommen. Ich verstehe nicht, wie man mir lebensnotwendige Medikamente verweigern kann. Ich habe auch schon vorgeschlagen, es selbst anzubauen – doch auch das darf man ja nicht.

Leafly.de: Hast Du Angst vor einer Abhängigkeit?
Magda: Nein, überhaupt nicht (lacht). Allein wenn ich daran denke, was der Entzug von verschiedenen Benzodiazepinen und Opiaten mit mir gemacht hat – das war richtig schlimm. Und es ist nicht im entferntesten mit einem Cannabisentzug zu vergleichen

Leafly.de: Vielen Dank, liebe Magda. Leafly.de wünscht Dir viel Erfolg für Deinen Kampf!

Mehr über Magda in diesem TV-Beitrag:

SWR-Beitrag über Magda

Weiterführende Links auf Leafly.de:

https://www.leafly.de/patienten/cannabis-medizin-bei-adhs-ads/
https://www.leafly.de/patienten/kann-der-einsatz-von-cannabinoiden-arzneimitteln-bei-den-symptomen-von-adhsads-helfen/
https://www.leafly.de/patienten/cannabis-bei-adhs-und-ads/
https://www.leafly.de/mediziner/medizinisches-cannabis-gegen-epilepsie/
https://www.leafly.de/patienten/cannabis-bei-epilepsie/

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