Leafly.de Patientenakte: Max, 24, Cluster-Kopfschmerz, Bayern

Max leidet seit acht Jahren an episodischem Cluster-Kopfschmerz. Das bedeutet: Stärkste, einseitige Kopfschmerzen treten über einen Zeitraum gehäuft auf. Danach folgt eine Phase ohne Schmerzen. Durch eine Therapie mit Medizinalcannabis sind die Kopfschmerz-Attacken des jungen Mannes weniger stark und seltener geworden.

Leafly.de Patientenakte: Max, 24, Cluster-Kopfschmerz, Bayern

Max und die nächtlichen Anfälle

Die Clusterkopfschmerzen begannen bei Max, als er erst 16 Jahre alt war. “Anfangs wusste keiner wirklich, was ich habe. Es waren immer extrem stechende Schmerzen hinter meinem rechten Auge und es schwoll an”, erzählt uns der heute 24-Jährige. Die Attacken kamen immer in der Nacht, nie am Tag, in einem Abstand von rund acht Wochen. Als sich die Anfälle häuften, entschied sich Max, bei einem Arzt Hilfe zu suchen.

Das stellte sich aber als schwieriger heraus, als der damals noch jugendliche Max erwartet hatte. Er ging zu seinem Hausarzt, zu zwei Augenärzten und zu anderen Medizinern. Am Ende war ein Neurologe die Rettung:

“Der Neurologe, dem ich die Symptome geschildert habe, wusste direkt, was es ist: episodischer Clusterkopfschmerz. Ich hatte vorher noch nie davon gehört. Er hat mich aufgeklärt, dass die Krankheit zwar behandelbar ist, aber nicht heilbar.”

Episodischer Cluster-Kopfschmerz – was ist das?

Die Erfahrungen, die Max gemacht hat, sind typisch für Clusterkopfschmerzen. Bei dieser Form der Erkrankung treten bei den Betroffenen – meist nachts – stärkste und streng einseitige Kopfschmerz-Attacken im Bereich des Auges auf. Die Schmerzen können als bohrend, stechend oder brennend empfunden werden.

Weitere Symptome sind Rötungen des Auges, Tränenfluss und eine Verengung der Pupille. Der einzelne Anfall kann von 15 Minuten bis zu drei Stunden anhalten. Die Lebensqualität der Patienten wird durch die Cluster-Kopfschmerzen oft massiv beeinträchtigt. Nicht wenige Betroffene entwickeln aufgrund der Belastung eine Depression.

Der Name “Episodischer Cluster-Kopfschmerz” erklärt sich dadurch, dass bei dieser Erkrankung die Kopfschmerzen periodisch gehäuft auftreten, gefolgt von einem Intervall ohne Beschwerden.

Die akute Attacke wird mit sogenannten Triptanen behandelt. Diese Gruppe von Arzneimitteln wird ebenfalls bei der Therapie von Migräne eingesetzt. Das Medikament wird entweder in das Unterhautfettgewebe gespritzt oder als Nasenspray eingenommen. Eine weitere Therapie-Möglichkeit ist die Inhalation von Sauerstoff mithilfe einer Maske.

Max benötigt große Mengen Nasenspray

Vor die Wahl gestellt, Spritze, Sauerstoffmaske oder Nasenspray, entscheidet sich Max für das Spray. Das zeigt gute Wirkung, allerdings ruft es auch starke Übelkeit bei dem jungen Mann hervor. Als sich die Kopfschmerz-Attacken häufen, benötigt Max so viel von dem Medikament, dass ihm der Arzt die großen Mengen nicht mehr verschreiben will – aus Sorge vor unerwünschten negativen Nebenwirkungen.

Über fünf Jahre versucht Max so, seine Cluster-Kopfschmerzen zu bekämpfen. Die Attacken kommen sehr unregelmäßig, wie der Mann aus Bayern erzählt: “Zeitweise hatte ich alle zwei Wochen solche Anfälle, dann hatte ich für zwei Monate keine Schmerzen und danach fünf Mal in einer Woche.”

Medizinalcannabis gegen Cluster-Kopfschmerz

Als die Gesetzesänderung kommt und Cannabis als Medizin legalisiert wird, möchte Max diese Therapieoption ausprobieren. Ein Bekannter empfiehlt ihm einen Arzt. Dieser hat bereits Patienten mit Clusterkopfschmerzen behandelt – einer eher seltenen Erkrankung. Daher verschreibt er auch Max Cannabisblüten gegen seine Schmerzattacken.

Mit Medizinalcannabis haben sich die Abstände zwischen den einzelnen Anfällen verlängert. Inzwischen lassen die Attacken über mehrere Monate auf sich warten. Teilweise ist Max sogar sechs bis neun Monate beschwerdefrei.

“Mir hat Cannabis bei meiner Krankheit wirklich sehr geholfen und auch neue Lebensqualität gebracht. Früher, in den Phasen als sich die Anfälle gehäuft haben und ich jeden Morgen um 2.00 oder 3.00 Uhr von stechenden Schmerzen aus dem Bett gerissen wurde, war bei mir auch ein depressives Verhalten zu erkennen”, so Max.

Der junge Mann hat sich mittlerweile mit einem CBD- und Biohanf-Fachgeschäft in Nürnberg selbstständig gemacht. “Ich versuche, auch dort das ganze Thema Hanf den Menschen näher zu bringen, sie aufzuklären und mein Wissen weiterzugeben”, erzählt Max.

Seine Cannabinoid-Behandlung muss er allerdings selbst bezahlen. Die Krankenkasse hat die Kostenübernahme abgelehnt – seine Erkrankung sei nicht schwerwiegend genug.

 

Patienteninfos

Name: Max

Alter: 24

Wohnort: Bayern

Krankenkasse: Techniker Krankenkasse

Diagnose/n: Episodischer Cluster-Kopfschmerz

Medikation: Cannabisblüten

Fachrichtung des verschreibenden Arztes: Arzt für Naturheilverfahren

 

Das Leafly.de Patienteninterview

 

Leafly: Seit wann wendest Du Cannabis als Medizin an?

Max: Seit Mitte 2018.

Leafly: Wie bist Du denn darauf gekommen?

Max: Ich bin schon lange „Aktivist“ und Unterstützer beim DHV. Ich kenne mich mit dem Thema Cannabis gut aus.

Leafly: Wie war das erste Mal?

Max: Im wahrsten Sinne des Wortes umwerfend. Ich war erst mal vollkommen „geflasht“, im Vergleich zu normalem Cannabis. Es war viel stärker, als ich es gewohnt war, aber mit der Zeit habe ich mich daran gewöhnt.

Leafly: In welchen Momenten wendest Du es an?

Max: Regelmäßig als Dauermedikation. Dadurch haben sich die Abstände, in denen die Attacken kommen, von Tagen auf Wochen und letztendlich auf mehrere Monate verlängert. Wenn ich merke, dass sich ein Clusterkopfschmerz-Anfall anbahnt, nehme ich mein Cannabis-Medikament ein. Wenn es dann immer noch nicht besser werden sollte, was in den seltensten Fällen passiert, nehme ich ab und an noch zusätzlich das Medikament AscoTop Nasal ein. Das ist ein Nasenspray gegen Clusterkopfschmerzen.

Leafly: Hattest Du Schwierigkeiten mit der Krankenkasse?

Max: Auf jeden Fall. Die Techniker Krankenkasse will das leider nicht übernehmen.

Leafly: Hast Du Angst vor einer Abhängigkeit?

Max: Nein, so etwas habe ich noch nie bei Cannabis empfunden. Da ich sehr viel mit dem Auto unterwegs bin und auch darauf angewiesen bin, kann ich nur abends die Medizin zu mir nehmen.

Leafly: War Dein Medikament einmal nicht lieferbar? Was hast Du dann gemacht?

Max: Mit Lieferschwierigkeiten hat, glaube ich, jeder Cannabispatient Erfahrung. Am meisten bei Pedanios, aber auch bei Bedrocan hat es immer Wochen gedauert. Deswegen habe ich mir immer gleich 60-80 Gramm geholt und rechtzeitig nachbestellt.

Leafly: Geht es Dir gut? Bist Du jetzt glücklich?

Max: Mir geht es wirklich gut. Das medizinische Cannabis hat mir neue Lebensqualität gegeben. Jedoch würde ich nicht sagen, dass mein glücklicher Gemütszustand nur am Cannabis liegt.

 

Vielen Dank, lieber Max, für dieses Gespräch und alles erdenklich Gute für Deine Zukunft.

 

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