Patientenakte: Pascal, Fibromyalgie, Depressionen, Angstzustände, Saarland

Pascal leidet seit seiner Kindheit an Schmerzen, Depressionen und Angstzuständen. Dann kamen die Diagnosen Fibromyalgie und Epilepsie hinzu. Dank Cannabis als Medizin konnte Pascal seine zahlreichen Medikamente bis auf eines absetzen. Wir haben in einer Patientenakte über seinen Fall ausführlich berichtet. Wie ist es ihm in der Zwischenzeit ergangen?

Patientenakte: Pascal, Fibromyalgie, Depressionen, Angstzustände, Saarland

Update vom 08.03.19: Pascals Krankenkasse trägt inzwischen die Kosten für seine Cannabis-Behandlung

Heute geht es Pascal gut. Nach einiger Zeit des Ausprobierens hat er die Blütensorte gefunden, die ihm hilft und die er gut verträgt. Damit hat er seine Schmerzen und Beschwerden „gut im Griff“, wie er selbst sagt. Inzwischen zahlt auch seine Krankenkasse die Cannabis-Behandlung problemlos. Das war allerdings nicht von Anfang an so.

Krankenkasse übernimmt erst Kosten – dann Rückzieher

Kurz nachdem Pascal die Kostenübernahme bei seiner Krankenkasse eingereicht hatte, kam auch prompt die Genehmigung. Zwei Wochen später jedoch schrieb die Krankenkasse, dass es sich in der Bestätigung um einen Schreibfehler gehandelt habe – und lehnte nachträglich ab. Besonders eigenartig war die Erklärung, dass der Schreibfehler darin bestand, das Wort „nicht“ hinter Kosten vergessen zu haben.

Zum Glück liegen diese Probleme inzwischen hinter Pascal. Heute übernimmt die Krankenkasse die Kosten für die Cannabis-Therapie und Pascal hofft, dass das auch in Zukunft so bleiben wird. Vor einigen Monaten hat er den Pflegegrad 2 erhalten.

 

Ursprüngliche Patientenakte vom 07.11.17:

Im Alter von sechs Jahren plagten Pascal die ersten Lendenwirbelsäulen-Schmerzen durch eine Beinverkürzung rechts, Beckenschiefstand, Hohlkreuz und Skoliose. Hier begannen seine Therapien. Krankengymnastik und orthopädische Schuhe waren noch kinderverträglich – die Stromtherapie und die lokale und orale Schmerzmittel-Therapie führte jedoch nicht zu einer Stabilisierung des jungen Körpers. Eher unterstützten die Medikamente mit elf Jahren auftretende Panikattacken, Depressionen, Gefühlsschwankungen und Hyperventilation, als sich eine Eltern scheiden ließen.

Opiate, Morphine und ihre gravierenden Nebenwirkungen

Neben den psychischen Nebenwirkungen, die ihm eine Einzeltherapie und fünf Rettungseinsätze einbrachten, litt Pascal auch sehr früh an den klassischen physischen Nebenwirkungen: Magenschmerzen, Schweißausbrüche, Schlaflosigkeit und Übelkeit bis er 2008 mit 20 Jahren wegen Blasen- und Nierensteinen erneut stationär eingewiesen wurde. Doch wieder wurde Pascal neben einer Endoskopie eine Schmerz-Therapie verschrieben. 2012 kam Pascal erneut ins Krankenhaus, weil er bei der Arbeit aufgrund von Bauchnabelschmerzen zusammenbrach. Sein Urachus wies eine Fehlbildung auf, es konnte sich somit eine Zyste bilden. Stationär wurde ihm der Bauchnabel entfernt. Auch gegen diese von der gereizten Narbe andauernden Schmerzen im Bauchnabelbereich bekam Pascal Schmerzmittel.

2013 geht alles wieder von vorne los – bis zur Arbeitsunfähigkeit

Mit 25 Jahren, ein Jahr nach dem beschriebenen Krankenhausaufenthalt, ging das Leiden aus der Kindheit in eine „zweite Runde“: Das Lendenwirbelsyndrom zeigte sich wieder mit all seinen Begleitproblemen: Schmerzen, Panikattacken und Depressionen zwangen Pascal erneut zum Handeln. Es folgten neue Medikamente und eine Gesprächstherapie.

Anfang 2017 hatte Pascal in seinem noch jungen Leben wahrscheinlich schon alle Schlaf- und Schmerzmittel sowie Antidepressiva ausprobiert: Opiate, Morphine, Derivate, Opiramol, Diazepam, Ibuprophen, Novalgin, Sertralin, Citalopram, Lorazepam, Opipramol. Jedes einzelne hinterließ Spuren von mehr oder weniger heftigen Nebenwirkungen – manche hinterließen bleibende Schäden, manche konnten durch das Absetzen wieder halbwegs aus dem Weg geräumt werden.

Eine der schlimmsten Nebenwirkungen jedoch trat 2015 auf: Pascal litt unter Panikstörungen und somatoforme Schmerzstörung und eine Epilepsie in Form von Grand Mal-Anfällen machte sich breit. Im Januar 2017 stellte der Arzt Pascal dann nach der Diagnosestellung einer Fibromyalgie eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung aus. Doch alle Medikamente konnten seine Schmerzen nur zu 25 Prozent lindern.

Endlich ein wenig Ruhe für Pascal – dank Cannabis

Im März 2017 ging Pascal zu einem neuen Arzt, der ihm ein neues Mittel verschrieb: Medizinisches Cannabis. Eigentlich war dies für Pascal vorher undenkbar, doch er dachte sich: Dieses Mittel zu probieren wird wohl am wenigsten schaden. Und es half. Es nahm 80 Prozent der Schmerzen! Und somit gab es für ihn das erste Mal nach vielen, vielen Jahren Ruhe. In den anschließenden Monaten konnte er 22 von 23 Medikamenten absetzen.

Zwei Wochen nach dem Bescheid der Kostenübernahme der Krankenkasse kommt die Ernüchterung

Kurz nachdem Pascal die Kostenübernahme bei seiner Krankenkasse eingereicht hatte, kam auch die Bestätigung – alles war gut. Doch zwei Wochen später stand die Welt plötzlich wieder Kopf. Die Krankenkasse schrieb, dass es sich in der Bestätigung um einen Schreibfehler gehalten hat – und lehnte nachträglich ab. Bizarr daran: Der Schreibfehler besteht angeblich darin, dass das Wort „nicht“ hinter Kosten vergessen wurde.

Patienten wie Pascal, denen medizinisches Cannabis in der richtigen Dosis hilft, sollte der Zugang zu ihren dringend benötigten Medikamenten nicht durch Flüchtigkeitsfehler von Sachbearbeitern verweigert werden. Leafly.de wird bei Pascals Krankenkasse nachfragen und weiter über den Fall berichten.

Lieber Pascal, Leafly.de wünscht Dir alle Kraft der Welt, auch diese Hürde meistern zu können!

Patienteninfos:
Name: Pascal S.
Alter: 28
Wohnort/Bundesland: Saarland
Krankenkasse: IKK Südwest
Diagnose: Fibromyalgie, Depressionen, Angstzustände
Medikation: 50:50 Mischung zwischen Bedrolite und Bedica, 3-4 x tagsüber. Abends 1x Bedica.

Das Leafly.de Patienteninterview

Leafly.de: Seit wann wendest Du medizinisches Cannabis an?
Pascal: Seit der Legalisierung im März 2017.

Leafly.de: Wie bist Du denn darauf gekommen?
Pascal: Das Thema ging im Rahmen der Legalisierung durch die Medien. Da habe ich gehört, dass es mir auch helfen könnte. Da ich zu dem Zeitpunkt 22 Medikamente nahm, ergriff ich jede Möglichkeit diesen Zustand zu ändern.

Leafly.de: In welchen Momenten wendest Du es an?
Pascal: Als Dauermedikation. Seit dem ich medizinisches Cannabis nehme, habe ich 22 von 23 Medikamenten absetzen können.

Leafly.de: Welchen Wirkstoff hat das Präparat und in welcher Dosierung nimmst Du es?
Pascal: Ich mische morgens eine 50:50 Mischung zwischen Bedrolite und Bedica und abends nehme ich nur Bedica für die Nacht.
Die Dosis ist vier bis fünf mal am Tag 0,2 Gramm zur Inhalation durch Verdampfung.

Leafly.de: Gibt es Schwierigkeiten mit der Krankenkasse?
Pascal: Zunächst habe ich eine Zusage bekommen, zwei Wochen später kam plötzlich ein Schreiben von meiner Krankenkassen, in dem sie die Zusage mit der Begründung zurück nahmen, dass es in der Zusage einen Schreibfehler gegeben hätte.

Leafly.de: Hast Du Angst vor einer Abhängigkeit?
Pascal: Nein, ich habe gar keine Angst vor einer Abhängigkeit.Wie gesagt, ich habe 22 unterschiedliche Medikamente eingenommen – teilweise hatte ich Entzugserscheinungen, als ich sie abgesetzt habe. Aber auch bei den Entzugserscheinungen hat mir das medizinische Cannabis geholfen.

Hier finden Sie weitere Informationen zu Fibromyalgie und Medizinalcannabis.

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