Leafly.de Patientenakte: Patrick Emmler, 38, Fibromyalgie, Baden-Württemberg

Patrick Emmler ist verheiratet und Vater von zwei kleinen Kindern. Seit neun Jahren leidet der junge Mann aus Baden-Württemberg an Fibromyalgie. Über viele Jahre hatte er so starke Schmerzen, dass er kaum noch arbeiten konnte und seine Existenz bedroht sah. Inzwischen hat sich der 38-Jährige als E-Commerce Coach selbstständig gemacht. Seine Schmerzen lindert er mit Medizinalcannabis. So ist der Familienvater produktiv und kann seinen Alltag bewältigen.

Leafly.de Patientenakte: Patrick Emmler, 38, Fibromyalgie, Baden-Württemberg

Der Unfall

Ob die Fibromyalgie von Patrick Emmler etwas mit seinem Unfall zu tun hat, ist nicht geklärt. Was feststeht ist nur, dass das Schmerzsyndrom nach dem Unfall des freiwilligen Feuerwehrmanns auftrat.

Nur ein paar Tage nach der Geburt seines ersten Sohnes Ende 2010 hat der damals 29-Jährige einen Feuerwehreinsatz: ein Wohnungsbrand mit Personenrettung. Eigentlich wollte sich Patrick Emmler so kurz nach der Geburt im Hintergrund halten – das funktionierte jedoch nicht, denn bei dem Einsatz ging es um Minuten.

Mit Atemschutzgeräten ausgestattet suchen die Männer die Wohnung nach der vermissten Person ab, für die jedoch jede Hilfe zu spät kommt. Die Wohnung ist extrem vermüllt – der Boden rund 30 cm hoch mit Müll bedeckt. Patrick rutscht auf einer Bierflasche aus und reißt sich den Meniskus. Es folgen zwei Operationen am Knie. Darüber hinaus verliert der junge Familienvater seinen Job, denn er befindet sich noch in der Probezeit.

Patrick – Arbeiten mit Schmerzsyndrom

Nach den Operationen entwickelt der Mann aus Baden-Württemberg ein Schmerzsyndrom. Sein Hausarzt schreibt ihn ein Dreivierteljahr lang arbeitsunfähig. Allerdings trifft der Arzt keine medizinischen Maßnahmen. Im Anschluss an diese Phase wird Patrick gut zwei Wochen lang in einer Schmerzklinik behandelt. Der junge Mann leidet jedoch weiterhin an Schmerzen, die sich mit kurzen, symptomfreien Phasen von einigen Tagen oder Wochen abwechseln. Dieser Zustand hält über Jahre an.

Im März 2016, sechs Jahre nach dem unglücklichen Feuerwehreinsatz, macht sich Patrick als E-Commerce Coach selbstständig. Diese Art der Arbeit bringt mehr Flexibilität für den Schmerzpatienten: Er kann seine Zeit selbst einteilen und kann mehr Rücksicht darauf nehmen, ob er gerade schmerzfrei und konzentriert arbeiten kann – oder eben nicht.

“Seitdem plane ich meine beruflichen und privaten Termine quasi um die Schmerzphasen herum”, erzählt uns Patrick.

Schmerzen machen das Arbeiten für Patrick immer schwieriger

Vor allem nach dem Essen steigen die Schmerzen bei Patrick an. An bestimmten Nahrungsmittel liegt das aber nicht: “Ich vermute einen Zusammenhang mit dem Stoffwechsel, denn eine konkrete Eingrenzung auf bestimmte Lebensmittel gibt es dabei nicht”, so der Schmerzpatient.

Patrick nutzt seine Freiheit als Selbstständiger, um sich insbesondere nach dem Mittagessen für ein bis zwei Stunden auszuruhen. Aber auch unabhängig von dieser Pause verringert sich die tägliche Arbeitsleistung des jungen Mannes deutlich. Teilweise kann er nur noch zwei bis drei Stunden am Tag effektiv arbeiten.

Dadurch verschlechtert sich die finanzielle Situation der Familie zunehmend:

“Die Erkrankung und die damit verbundenen Einschränkungen im privaten und beruflichen Bereich hatten ein Maß erreicht, welches ich mir buchstäblich nicht mehr leisten konnte und wollte”, erzählt Patrick.

Cannabis als Medizin: “betriebswirtschaftlich sinnvolle Investition”

Patrick hatte zu diesem Zeitpunkt bereits gute Erfahrungen mit CBD-Öl gemacht. Die Schmerzlinderung war allerdings für ihn nicht effektiv genug. Außerdem waren die Kosten hoch, da Patrick drei bis vier Flaschen CBD-Öl pro Monat benötigte, um eine deutliche Verbesserung der Symptome zu erfahren.

In den vergangenen neun Jahren hat Patrick Emmler verschiedenste Ärzte und Unikliniken aufgesucht. Im Dezember 2018 hat er an der Uniklinik Würzburg an einer Fibromyalgie-Studie teilgenommen. Anfang des Jahres 2019 macht er sich auf die Suche nach einem Arzt, der ihm Cannabis auf Rezept verschreibt. Zunächst findet er allerdings nur eine Privatärztin in Baden-Baden.

“Die Kosten dieser „Privataudienz“ und auch die eigene Übernahme der Kosten der Cannabisblüten sehe ich derzeit ganz nüchtern und betriebswirtschaftlich als sinnvolle Investition im Vergleich zu der nunmehr deutlich gestiegenen produktiven Arbeitsleistung. Ich bin dadurch mittlerweile im Stande, den kompletten Tag fast schmerzfrei zu arbeiten.”

Inzwischen hat Patrick eine kassenärztliche Praxis gefunden, die Cannabisblüten verschreibt. “Bei dieser steht in Kürze ein Termin an. Eine Apotheke in der Nähe gibt es auch schon. Lediglich die Kostenübernahme der Krankenkasse steht dann noch aus”, so der Schmerzpatient.

Darüber hinaus hat Patrick einen Antrag auf Schwerbehinderung gestellt. Wird dieser genehmigt, bedeutet das eine finanzielle Entlastung für die Familie.

Alltagsprobleme mit Cannabis als Medizin

Patrick Emmler lebt mit seinen zwei Kindern und seiner Ehefrau etwas außerhalb. Die Familie ist auf das Auto angewiesen. Da Patricks Frau aber aufgrund einer Augenerkrankung kein Auto fahren darf, muss er alle Fahrdienste übernehmen. Daher plant der Familienvater “die Inhalation des Cannabis so, dass zwischen der Einnahme und der nächsten Autofahrt ein möglichst langer Zeitraum liegt.”

 

Patienteninfos

Name: Patrick Emmler

Alter: 38

Wohnort: Baden-Württemberg

Krankenkasse: DAK Gesundheit

Diagnose/n: Fibromyalgie / myofasziales Schmerzsyndrom

Medikation: Cannabisblüten Bediol inhalativ (Vaporisator)

Fachrichtung des verschreibenden Arztes: Schmerzmedizinerin, Fachärztin für Anästhesiologie

Das Leafly.de Patienteninterview

Leafly: Seit wann wendest Du Cannabis als Medizin an?

Patrick: Seit insgesamt rund 1,5 Jahren. Seit 5. Februar 2019 offiziell mit BtM-Rezept.

Leafly: Wie bist Du denn darauf gekommen?

Patrick: Nach ausführlichen Recherchen und nach jahrelanger, durch die Schulmediziner unbehandelter Schmerzerkrankung, quasi durch Zufall.

Leafly: Wie war das erste Mal?

Patrick: Ich habe vor Glück geweint, als ich merkte, dass meine Schmerzen plötzlich weg waren.

Leafly: In welchen Momenten wendest Du es an?

Patrick: Ich nehme Cannabis als Medizin dreimal täglich ein, abhängig von den Schmerzattacken. Durch den Trigger bei der Nahrungsaufnahme meist nach dem Essen. Die Cannabisblüten verdampfe ich mit einem Vaporisator.

Leafly: Hattest Du Schwierigkeiten mit der Krankenkasse?

Patrick: Mein Besuch bei einer kassenärztlichen Praxis bezüglich Medizinalcannabis und der damit verbundene Antrag auf Kostenübernahme bei der Krankenkasse stehen noch aus. Ich bin froh, endlich einen Neurologen in der Region gefunden zu haben, der einer Therapie mit Cannabis offen gegenüber steht.

Leafly: Hast Du Angst vor einer Abhängigkeit?

Patrick: Nein. Denn was wäre die Alternative? Nie wieder will ich diese Schmerzen erleben!

Leafly: War Dein Medikament einmal nicht lieferbar? Was hast Du dann gemacht?

Patrick: Hier in der Region gibt es drei Apotheken, welche Cannabis haben. Doch nur eine Apotheke ist aufgrund eines größeren Lagers immer lieferfähig. Die Apotheke, bei welcher ich mein Rezept einlöse, sendet sogar regelmäßig eine Bestandsliste an meine Ärztin. So weiß diese immer, was ab wann lieferbar ist. Damit bin ich immer auf der sicheren Seite, wenn es wieder um das Rezept geht.

Leafly: Geht es Dir gut? Bist Du jetzt glücklich?

Patrick: Ich bin seit drei Jahren selbstständig, bin verheiratet und habe zwei Kinder. Anfang dieses Jahres stand ich mit 37 Jahren zum zweiten Mal am Rande einer Berufsunfähigkeit. Mit Cannabis als Medizin geht es mir jetzt endlich gut, ich bin leistungsfähig und stehe voll im Leben.

 

Lieber Patrick, vielen Dank, dass Du Deine Geschichte erzählt hast. Dir und Deiner Familie wünschen wir alles Gute.

 

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