Leafly.de Patientenakte: Franziska Quadri, 43, Zürich, Tetraphlegikerin

Autor: Uta Melle

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Bei einem Gleitschirmunfall brach sich Franziska die Halswirbel C3, C4 und C5. Seitdem kann sie lediglich den Kopf bewegen. Ihr Körper ist ein einziger, verkrampfter Schmerz. Alleine die Wirkstoffe THC und CBD helfen ihr bei den Verspannungen, Spasmen und gegen die andauernden Schmerzen.

Leafly.de Patientenakte: Franziska Quadri, 43, Zürich, Tetraphlegikerin

Am 17. Mai 2009 wollte Franziska, erfolgreiche Grafikerin einer Werbeagentur, mal wieder ihrem geliebten Hobby nachgehen. Der Gleitschirm lag bereit, sie lief los und stolperte. Ein falscher Schritt und sie brach sich den Hals. Viele Eingriffe waren nötig, um ihr das Leben zu retten, doch die Schädigung der Halswirbel waren so gravierend, dass alle Gliedmaßen gelähmt waren: Franziska hatte die Kontrolle über ihren Körper verloren – man spricht von einer Tetraphlegie.

Die üblichen Schmerzmittel und ihre Nebenwirkungen

Franziska konnte ab diesem Moment lediglich den Kopf bewegen. Ungefähr zwei bis drei Monate nach dem Unfall begannen Schmerzen, Krämpfe und Spasmen ihren gesamten Körper zu peinigen. Um dem entgegenzuwirken, bekam sie zehn verschiedene Schmerzmittel: Morphine, Antidepressiva, Opiate, Benzodiazepine, Muskelrelanzien. Eben alles, was der Markt hergab, landete in ihrer Pillendose.

Die Nebenwirkungen ließen nicht lange auf sich warten: Magen- und Darmverätzungen, Unruhe und Depressionen. Die Opiate musste sie aufgrund einer Unverträglichkeit sofort wieder absetzen. Dies löste bei ihr eine Kettenreaktion aus, die in einen Abwärtsstrudel führte. Hinzu kam die Verarbeitung des Unfalls, der ihr komplettes Leben, ihre Pläne und ihre Zukunft in den Grundfesten erschüttert hatte.

Der Engel mit dem Cannabis-Tipp

Eine gute Freundin von Franziska gab ihr bei einem Krankenhausbesuch im September 2009 den entscheidenden Tipp. Sie hatte im Internet gelesen, dass Cannabis, Schmerzen, Krämpfe und Spasmen lindern könne.

Franziska ließ sich auf einen Test ein. Und ihr Körper entspannte sich. Auch ihre mentale Verfassung verbesserte sich rasant. Franziska fasste wieder Mut.

Ärzte willigen ein, doch die monatlichen Kosten sind schwer zu tragen

Nachdem Franziska für sich herausfand, dass Cannabis ihr extrem gut half, unterstützten ihre Freunde sie zunächst sehr. Doch Franziska wollte mehr. Sie sah nicht ein, dass das einzige Mittel, das ihr half nicht von der Unfallkasse getragen wurde. Sie sollte stattdessen weiterhin viele Schmerzmittel und Antidepressiva mit all den Nebenwirkungen nehmen.

So suchte Franziska sich einen Arzt, der ihr medizinisches Cannabis verschrieb. Damit war aber nur eine Hürde genommen, denn die Unfallkasse wollte lediglich ein Viertel des monatlichen Bedarfs decken.

Trotz der relativ guten Frührente konnte Franziska diese zusätzlichen Kosten von ca. 1.000 Franken (ca. 865 Euro) pro Monat nicht tragen, da sie zudem noch die Kosten für ihre beiden täglich benötigten Assistentinnen auf sich nehmen musste. Ohne diese menschliche Hilfe könnte sie nicht aktiv am Leben teilnehmen.

Franziska findet ihre eigene Lösung

So begann sich Franziska ins Thema hinein zu lesen. Hilfe fand sie im Medical Cannabis Verein Schweiz. Als der damalige Präsident starb, übernahm sie die Präsidentschaft. Der Verein und die erfahrenen Mitglieder halfen ihr, die Therapie richtig einzustellen.

Bei einem Spanienaufenthalt knüpfte sie Kontakte zu den dort ansässigen Cannabis-Clubs. Dort hatte sie die Möglichkeit die richtige Dosierung herauszufinden, da sie bei diesen Produkten immer genau wusste, wie viel darin enthalten ist. Das dringend benötigte CBD-Öl (THC-CBD-Öl) war dort sehr viel günstiger, als in der Schweiz.

Seitdem schreibt und engagiert sich Franziska liebevoll für die Cannabispatienten in der Schweiz. Auf ihrer Webseite schreibt sie über die verschiedenen Präparate und Anwendungsgebiete, neue Gesetzestexte und deren Interpretationen und macht auf Patientenvereinigungen aufmerksam. Franziska freut sich über jede Mitarbeit!

Franziska verdient jegliche Bewunderung.
Trotz der großen Hürden in ihrem Leben meistert sie dies mit großem Mut, Willen und Engagement.
Sie gibt nicht auf – seit acht Jahren!

Franziska ist ein sehr positiver Mensch. Ihrer ehemaligen Tätigkeit als Grafikerin kommt sie auf ihre Art noch immer nach. Sie läßt sich durch die extremen Bewegungseinschränkungen nicht bremsen und malt wunderschöne Bilder, die sie auf ihrer eigenen Seite präsentiert.

Sie gibt nie auf, testet jedes neue Gerät, welches auf den Markt kommt, ob es ihr helfen kann. Eine großartige Frau.

Liebe Franzi, Du bist eine wahre Heldin!

Patienteninfos:
Name: Franziska Quadri
Alter: 42
Wohnort/Bundesland: Zürich, CH
Krankenkasse: Unfallversicherung
Anamnese: Tetraplegikerin – schmerzhafte Lähmung der Gliedmaßen mit Spasmen, Depressionen
Medikation: 40 mg Lioresal (1/0/1/2), 40 mg THC (10/10/10/10), 100 mg CBD (20/20/20/40)

Das Leafly.de Patienteninterview

Leafly.de: Seit wann wendest Du medizinisches Cannabis an?
Franzi: Seit September 2009

Leafly.de: Wie bist Du denn darauf gekommen?
Franzi: Eine gute Freundin, hat im Internet darüber gelesen. Daraufhin haben wir uns zusammengesetzt und es getestet. Und siehe da: es funktionierte.

Leafly.de: In welchen Momenten wendest Du es an?
Franzi: Als Dauermedikation gegen meine Schmerzen, Spasmen, Krämpfe und Depressionen

Leafly.de: Welchen Wirkstoff hat das Präparat und in welcher Dosierung nimmst Du es?
Franzi: Von der Cannabistinktur morgens, mittags und abends je THC 10mg und CBD 20mg. Nachts THC 10mg und CBD 40 mg. Zusätzlich wurde mir 40mg Lioresal über den Tag verteilt verschrieben. Ich nehme aber noch zusätzlich meine illegalen Tropfen und rauche Cannabisblüten. Alles in allem habe ich bestimmt 200 mg THC und 200 mg CBD am Tag. Vielleicht auch mehr.

Leafly.de: Gibt es Schwierigkeiten mit der Krankenkasse?
Franzi: Ja. Durch den Unfall werde ich von der Unfallkrankenkasse betreut. Sie trägt lediglich einen Teil der Kosten. Im Prinzip kann man sagen, dass sie den Bedarf der Medikamente von einer Woche pro Monat trägt.

Leafly.de: Hast Du Angst vor einer Abhängigkeit?
Franzi: Absolut nicht. Es war sehr viel schlimmer mit den Präparaten, die ich vorher nehmen musste. Die hatten eine schwere Abhängigkeit zur Folge, deren Entzugserscheinungen ich mit dem Cannabis sehr lange bekämpfen musste. Inzwischen kann man sagen, dass ich es überwunden habe.

Links Franzi:

http://franziskaquadri.ch/
https://www.youtube.com/watch?v=9SrSnKc-V8o
https://www.srf.ch/sendungen/dok/eine-tetraplegikerin-und-ihr-kampf-um-ein-selbstaendiges-leben
http://www.behindertenseelsorge.ch/videos-zur-inklusion-1/tetraplegikerin-franziska-quadri-mein-koerper-mein-schmerz
https://www.facebook.com/MedCanZH/
http://www.medcan.ch/

Weiterfuehrende Links auf Leafly.de

https://www.leafly.de/mediziner/medizinisches-cannabis-oder-opioide/
https://www.leafly.de/mediziner/depressionen-cannabis-medizin/
https://www.leafly.de/patienten/was-sind-cannabis-topicals-und-wie-wirken-sie/

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