Leafly.de Patientenakte: Susanna, 29, Bayern

Autor: Uta Melle

Verõffentlicht am: 26. September 2017

Geändert am: 19. Juni 2018

Vor knapp zwei Jahren wurde bei der heute 29-jährigen Susanna durch Zufall ein Adenokarzinom festgestellt. Ein Krebs am Dickdarm, der leider schon in die Lymphen gestreut hatte. Susanna will nicht sterben. Sie kämpft und setzt sich in ihrem großartigen Facebook-Blog Krebskriegerin mit ihrer Erkrankung auseinander, teilt ihre Erfahrungen, hilft so nicht nur sich selbst, sondern auch vielen anderen.

Leafly.de Patientenakte: Susanna, 29, Bayern
"Krebskriegerin "

Bis zu ihrer Diagnose lief in Susannas Leben alles super. Eine dynamische, attraktive, sportliche, reiselustige Marketing-Managerin, der lediglich eine chronische Darmentzündung zu schaffen machte. Als diese Beschwerden jedoch radikal schlimmer wurden, unterzog sie sich weiteren Untersuchungen, bei denen ein Konglomerattumor – eine Verwachsung von Organen, die wie ein Tumor aussieht – entdeckt wurde, der in einer langen OP entfernt werden musste.

Die OP lief gut, die pathologische Untersuchung des Gewebes brachte dann allerdings die böse Überraschung: ein 6,5 cm großes Adenokarzinom hatte sich darin versteckt und bereits in die Lymphknoten gestreut.

Odyssee durch die Krankenhauswelt

Eine Odyssee begann: Nach einer Lymphknoten-Gewebeprobeentnahme im Bauchraum durch Punktion erkrankte Susanna an einer Pilzinfektion, die zur Folge hatte, dass der gerade eingesetzte Port wieder entfernt und durch eine PICC-Line, einem zentral-venösen Oberarm Venenkatheter, ersetzt wurde. Im Rahmen der Pilzinfektion Behandlung fanden die Ärzte dann Metastasen in der Leber.

Da die Lymphknoten immer größer wurden, fingen sie an, auch auf ihren Rücken und Magen zu drücken. Schwere Schmerzen plagten sie so sehr, dass Bewegungen zur Qual wurden und sie konnte nichts mehr essen. Sie bekam Schmerztherapien mit Morphium und die Chemotherapie begleitet von einem Antikörper namens Panitumumab ging los. Die Nebenwirkungen waren hart: Leberschmerzen und eine Polyneuropathie (Empfindungsstörung) in den Händen und Füßen waren kaum zu ertragen. Hinzu kam, dass ihre Schleimhäute so sehr litten, dass ihre Nase und Haut wund waren.

Hoffnung und Verzweiflung liegen nah beieinander

Zunächst schrumpften die Metastasen, doch dann fingen sie wieder an zu wachsen. Zweit- und Drittmeinungen brachten nichts Neues: Susanna wurde als Palliativpatientin eingestuft. Lange lag sie auf der Palliativstation, viele Monate konnte sie nichts mehr zu sich nehmen. Susanna konnte nicht mehr laufen, der Rollstuhl wurde zu ihrem Begleiter. Da kein Präparat half, musste sie lange Zeit künstlich ernährt werden.

Dann bekam sie Dronabinol, fünf bis sieben Tropfen am Tag: nach kürzester Zeit bekam sie Hunger und fing an, wieder selbstständig zu essen. Nach drei Monaten konnte sie das Dronabinol wieder absetzen. Der Sieg über die Appetitlosigkeit war errungen! Als Folge dessen kam die Stärke in den Körper zurück, sie konnte wieder laufen. Susanna ist inzwischen wieder obenauf und geniesst jeden Tag.

Nebenbei ist zu erwähnen, dass das Dronabinol auch die Laune von Susanna in dieser Zeit merklich verbessert hat. Auch das ist bei Langzeittherapien enorm wichtig, denn ein Patient, der nicht mehr will und nur noch leidet, ist schwer zu kurieren.

Ihre Erlebnisse teilt sie auf ihrem wunderbaren Facebook-Blog Krebskriegerin

Patienteninfos:
Name: Susanna
Alter: 29
Wohnort: Bayern
Krankenkasse: AOK
Anamnese: metastasierter Darmkrebs, Appetitlosigkeit, Polyneuropathie
Medikation: Dronabinol, 5-7 Tropfen

DAS LEAFLY PATIENTEN INTERVIEW

Leafly.de: Seit wann wendest Du medizinisches Cannabis an?
Susanna: Heute wende ich kein Cannabis mehr an, weil ich keinen Bedarf mehr daran habe. Aber ich habe gute drei Monate Dronabinol bekommen.

Leafly.de: Wie bist Du darauf gekommen?
Susanna: Ich hatte ständig schlimme Übelkeit mit starkem Erbrechen, die mit keinem Medikament in den Griff zu bekommen war. Außerdem konnte ich nicht essen und wurde künstlich ernährt. Auf der Palliativstation meines Klinikums wurde mir dann bei einem stationären Aufenthalt Dronabinol als Versuch zur Senkung der Übelkeit und zur Appetitanregung vorgeschlagen.

Leafly.de: In welchen Momenten wendest Du es an?
Susanna: Ich habe es regelmäßig jeden Tag eingenommen, damit mir nicht schlecht wird und mein Appetit angeregt wird.

Leafly.de: Welchen Wirkstoff hat das Präparat und in welcher Dosierung nimmst Du es?
Susanna: Ich hatte Dronabinol und 5-7 Tropfen auf einem Stück Brot oder Zucker.

Leafly.de: Hattest Du Schwierigkeiten bei der Beantragung der Kostenübernahme durch Deine Krankenkasse?
Susanna: Meine Krankenkasse hat die Kosten für Dronabinol nicht übernommen. Für mich ist das allerding ok, denn ich fühle mich insgesamt von meiner Krankenkasse sehr gut betreut.

Leafly.de: Gibt es heute noch Probleme mit der Verschreibung?
Susanna: Da ich keines mehr benötige, kann ich die Frage nicht beantworten.

Leafly.de: Hast Du Angst vor einer Abhängigkeit?
Susanna: Nein, überhaupt nicht. Ich neige nicht zu Suchtverhalten und konnte auch nach langem Konsum von BTM (gegen meine Tumor-Schmerzen) ohne Weiteres absetzen. Für mich sind Medikamente eine Mittel zum Zweck, ich nehme sie nur solange sie notwendig sind und immer nach dem Motto „so viel wie nötig und so wenig wie möglich.“ Deshalb lasse ich den Gedanken einer eventuellen Abhängigkeit gar nicht erst aufkommen.

Ähnliche Artikel