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Lungenkrebs und Medizinalcannabis

In Deutschland erkranken jedes Jahr ungefähr 50.000 Menschen an Lungenkrebs. Bei Männern ist diese Krebserkrankung sogar die häufigste Krebstodesursache, bei Frauen die zweithäufigste. Doch was kann Medizinalcannabis bei dieser Krebsart leisten?

Lungenkrebs und Medizinalcannabis

Anfang diesen Jahres haben thailändische Forscher die Ergebnisse ihrer Studie veröffentlicht, worüber im folgenden Artikel später ausführlich berichtet wird. Die Ergebnisse machen Hoffnung. Denn ein Cannabinoidextrakt konnte das Wachstum von Lungenkrebszellen bei Mäusen stoppen. Nun sollen Studien an Patienten mit Lungenkrebs folgen. Zunächst sehen wir uns diese Krebsart aber genauer an.

Was sind die häufigsten Ursachen für Lungenkrebs?

Bei der Entstehung eines Bronchialkarzinoms wirken unterschiedliche Einflüsse zusammen. An oberster Stelle stehen hier schädigende Substanzen. Diese gelangen mit der Atemluft in die Lunge und sorgen dafür, sich die Zellen des Lungengewebes oder die Schleimhautzellen der Bronchien mit der Zeit in Krebs umwandeln.

Das Rauchen von Tabak ist eine der Hauptursachen. So sind oder waren etwa 90 Prozent aller Betroffenen Raucher. Wie hoch das Risiko ist, hängt vor allem davon ab, wie viele Zigaretten geraucht wurden. Hier gilt: Je mehr Zigaretten konsumiert wurden, desto höher ist auch das Risiko, an einem Bronchialkarzinom zu erkranken. Darüber hinaus erhöht auch das Passivrauchen das Krebsrisiko.

Ungefähr fünf Prozent der Lungenkrebserkrankungen werden durch krebserregende Stoffe (z. B. Asbeststaub, Arsenverbindungen, radioaktive Stoffe) ausgelöst. Daneben bergen Lungennarben, die sich infolge von Verletzungen oder Entzündungen gebildet haben, ein erhöhtes Lungenkrebsrisiko. Zudem kann auch eine erbliche Vorbelastung das Krebsrisiko erhöhen. So steigt das Lungenkrebsrisiko eines Kindes um das Zwei- bis Dreifache, wenn ein Elternteil an Lungenkrebs erkrankt ist.

Welche Symptome treten bei einer Lungenkrebserkrankung auf?

Wie bei den meisten Krebsarten ist es so, dass sich zu Beginn keine Symptome bemerkbar machen. Wenn die ersten Anzeichen auftreten, können diese einer harmlosen Erkältung mit Husten ähneln.

  • chronischer Husten
  • Kurzatmigkeit
  • Brustschmerzen
  • Abgeschlagenheit

Deshalb kommt es häufig vor, dass ein Bronchialkarzinom erst spät entdeckt wird. Wenn die zuvor aufgezählten Symptome länger als drei Wochen anhalten, sollte ein Lungenfacharzt zur Abklärung aufgesucht werden.

Symptome im fortgeschrittenen Stadium

Im fortgeschrittenen Stadium ist es so, dass Betroffene innerhalb kürzester Zeit viel Gewicht verlieren. Hinzu kommt ein häufiger Auswurf, der auch blutig sein kann. Zudem können Symptome wie Fieber, Nachtschweiß und Atembeschwerden auftreten.

Wenn der weiter fortgeschritten ist, können sich auch Tochtergeschwülste (Metastasen) unter anderem im Gehirn, der Leber und in den Nebennieren bilden. Dabei können Metastasen im Gehirn Nervenschädigungen auslösen. Betroffene leiden dann unter Übelkeit, Kopfschmerzen, Seh- und Gleichgewichtsstörungen sowie Lähmungen. Und da einige Tumor Hormone in das Blut abgeben, können sie zudem den natürlichen Hormonhaushalt beeinflussen.

Welche Lungenkrebsarten gibt es?

Mediziner unterscheiden zwischen den zwei folgenden Arten:

  • Kleinzelliges Bronchialkarzinom (small cell lung cancer – SCLC): Jeder etwa fünfte Lungenkrebspatient erkrankt an diesem Tumor, der wesentlich aggressiver ist als das nicht-kleinzellige Karzinom. Der Tumor wächst schnell und bildet schon früh Metastasen in anderen Organen. Aus diesem Grund ist die Lebenserwartung der Patienten eher gering.
  • Nicht-kleinzelliges Bronchialkarzinom (non-small cell lung cancer – NSCLC): Etwa 80 Prozent der Patienten leiden unter dieser Lungenkrebsart. Dieser Tumor besteht aus größeren Zellen, die nur relativ langsam wachsen und das überwiegend nur in begrenzten Bereichen der Lunge. Außerdem bildet dieser Tumor langsamer Metastasen, weshalb sie sich im Anfangsstadium operativ entfernen lassen.

Wie wird die Diagnose gestellt?

Wenn der Verdacht auf ein Bronchialkarzinom besteht, beginnt die Diagnose in der Regel mit einer Röntgenuntersuchung oder einer Computertomografie (CT) der Lunge. Derartige bildgebende Verfahren kommen dabei sofort zum Einsatz, wenn der Patient langjähriger Raucher ist und unter einem Gewichtsverlust, Husten, Atemnot und blutigen Auswurf leidet.

Um die Diagnose zu sichern, können weitere Untersuchungen durchgeführt werden:

  • Lungenspiegelung (Bronchoskopie)
  • Spiroergometrie (Funktionsdiagnostik des Lungenorgans)
  • Knochen-Szintigrafie zur Prüfung, ob sich Knochenmetastasen gebildet haben
  • Magnetresonanztomografie (MRT) des Kopfes zur Prüfung, ob sich Metastasen im Gehirn gebildet haben
  • Ultraschall (Sonografie) der Leber zur Prüfung, ob sich Metastasen gebildet haben

Bronchialkarzinom: Wie gestaltet sich die Therapie?

Die medizinische Therapie (Krebstherapie) hängt von verschiedenen Faktoren wie dem Stadium der Krankheit sowie von der Art des Tumors ab. Denn kleinzellige und nicht-kleinzellige Tumore sprechen auf Therapieverfahren unterschiedlich an.

Behandlung des nicht-kleinzelligen Tumors

In der Regel kann der nicht-kleinzellige Lungentumor operativ entfernt werden, sofern sich noch keine Metastasen gebildet haben. In solch einem Fall sind die Heilungschancen gut. Der Einsatz einer Strahlentherapie wird empfohlen, wenn der Tumor in das benachbarte Gewebe eingewachsen ist oder die Lymphknoten in unmittelbarer Nähe befallen sind. Haben sich Metastasen in weiter entfernten Organen gebildet, kann zusätzlich eine Chemotherapie zum Einsatz kommen. Beim nicht-kleinzelligen Tumor erhalten Krebspatienten dann häufig das Medikament mit dem Wirkstoff Cisplatin, das mit weiteren Zytostatika kombiniert wird.

In einigen Fällen erhalten Krebspatienten auch zunächst erst eine Radiochemotherapie, also eine Kombination aus Strahlen- und Chemotherapie, damit der Tumor kleiner wird. Anschließend kann dieser operativ besser entfernt werden.

Behandlung des kleinzelligen Tumors

Bei Patienten, die unter dem kleinzelligen Bronchialkarzinom leiden, kommt eine Operation in der Regel nicht zum Einsatz. Denn zum Zeitpunkt der Diagnose hat der Tumor bereits in etwa 75 Prozent der Fälle Metastasen in anderen Organen gebildet.

Der der kleinzellige Tumor reagiert empfindlich auf eine Chemotherapie. Deshalb erhalten Patienten dann Zytostatika, die Zellgifte enthalten, damit diese das Wachstum der besonders schnell wachsenden Krebszellen stoppen. Auch die Krebszellen in den Fernmetastasen werden hier gleich mitbehandelt. Nach der Chemotherapie erfolgt dann meist noch eine Strahlentherapie. Diese dient unter anderem dazu, Hirnmetastasen vorzubeugen oder aber um die Lungenbeschwerden zu lindern.

Eine Operation ist nur dann sinnvoll, wenn der kleinzellige Tumor noch sehr klein ist. Allerdings ist das bei dieser Tumorart nur selten der Fall.

Welche Lungenkrebsstadien gibt es?

Die Krebserkrankung wird in die folgenden vier Stadien eingeteilt:

  • Stadium I: Der Haupttumor ist örtlich begrenzt. Die Lymphknoten sind nicht befallen und es haben sich keine Fernmetastasen gebildet.
  • Stadium II: Der Tumor ist noch klein und die Lymphknoten sind befallen. Oder der Tumor ist größer und die Lymphknoten sind noch nicht befallen.
  • Stadium: III: Der fortgeschrittene Tumor hat die Lymphknoten befallen.
  • Stadium IV: Unabhängig davon, ob der Tumor klein oder groß ist, haben sich bereits Fernmetastasen gebildet.

Im Stadium IV ist die Krebserkrankung nicht mehr heilbar. Nur in wenigen Ausnahmefällen konnten Betroffene in diesem Studium geheilt werden. Die Lebenserwartung ist gering, denn Schätzungen zufolge überlebt nur einer von 100 Patienten dieses Stadium die kommenden fünf Jahre.

Erhöht der Cannabiskonsum das Lungenkrebsrisiko?

Das Rauchen von Zigaretten mit Tabak schadet den Lungen, denn durch das Inhalieren gelangen giftige sowie krebserregende Substanzen in den Körper. Das Gleiche gilt für die Kombination Cannabis und Tabak. Nun stellen sich Lungenkrebspatienten, die Medizinalcannabis verdampfen natürlich die Frage, ob dies schädlich ist. Mit hundertprozentiger Sicherheit kann nicht ausgeschlossen werden, dass die Lungen einen Schaden nehmen können. Deshalb wird den Lungenkrebspatienten, die Medizinalcannabis verwenden, in der Regel empfohlen, die orale Verabreichung (Rezepturarzneimittel) dem Verdampfen vorzuziehen.

Inzwischen gibt es eine große Zahl an Studien, die sich mit diesem Thema beschäftigt haben. Am bekanntesten ist hier die Studie des US-amerikanischen Wissenschaftlers Donald Tashkin von der University of California in Los Angeles (1). Im Rahmen einer Fall-Kontroll-Studie verglich Tashkin mit seinem Forscherteam 611 Lungenkrebspatienten, 601 Patienten mit Lungen-, Kopf- und Halskarzinomen mit 1040 gesunden Menschen. Im Ergebnis heißt es, dass selbst regelmäßige Cannabiskonsumenten kein erhöhtes Lungenkrebsrisiko aufwiesen.

Neuseeländische Forscher kommen zu einem anderen Ergebnis

Das Ziel der Forscher des Medical Research Institute in Neuseeland war es, das mit dem Rauchen von Cannabis verbundene Risiko für eine Lungenkrebserkrankung zu bestimmen. So führten die Forscher eine Fall-Kontroll-Studie bei Erwachsenen im Alter von <= 55 Jahren in acht Bezirksgesundheitsämtern in Neuseeland durchgeführt (2). Dabei wurden die Fälle aus dem neuseeländischen Krebsregister und den Krankenhausdatenbanken ermittelt. Die Auswahl der Kontrollen fand nach dem Zufallsprinzip aus dem Wählerverzeichnis statt.

Insgesamt wurden 79 Fälle mit einer Lungenkrebserkrankung und 324 Kontrollen in die Studie aufgenommen. Das Krebsrisiko stieg um 8% für jedes Jahr des Cannabisrauchens. Die Forscher erklärten, dass die Ergebnisse dieser Studie darauf hindeuten, dass der langfristige Cannabiskonsum das Lungenkrebsrisiko bei jungen Erwachsenen erhöht.

Aktuelle Studie: Cannabinoide gegen Lungenkrebszellen

Im April diesen Jahres erklärte ein Forscherteam von der Rangsit University in Thailand, dass ein Cannabinoidextrakt bei der Behandlung von Lungenkrebs helfen kann. So hat das Forscherteam im Rahmen ihrer wissenschaftlichen Studien herausgefunden, dass die Cannabinoide Delta-9-Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabinol (CBN), das Wachstum von Lungenkrebszellen in Mäusen stoppen konnten.

„Unsere klinischen Studien im Labor und an Tieren mit den drei wichtigen Cannabinoidverbindungen Delta-9-Tetrahydrocannabinol (THC), Cannabidiol (CBD) und Cannabinol (CBN) haben gezeigt, dass vor allem THC und CBN vermutlich krebshemmende Eigenschaften besitzen und das Krebswachstum in den Versuchen wirksam hemmen konnten. Auch wenn es zu früh ist, um behaupten zu können, dass Cannabis eine Krebserkrankung heilen kann, wird dieses vielversprechende Forschungsergebnis durch eine Phase klinischer Studien am Menschen weiterentwickelt. Wir hoffen, dass wir in naher Zukunft eine wirksame Behandlung für diese Krebserkrankung Lungenkrebs finden werden“, erklärte Professor Surang Leelawat in einem Medienbericht (3).

Klinische Studien in Planung

Weiter heißt es in dem Bericht, dass die Universität bereits einige große Krankenhäuser kontaktiert habe, um gemeinsam die klinische Forschung voranzutreiben. Ebenso ist geplant, neue Medikamente mit Cannabinoiden zu entwickeln.

„Da die Universität Rangsit das Medical Cannabis Research Institute als zentrale Einrichtung für die Entwicklung von Medikamenten und neuen medizinischen Behandlungstechniken aus Cannabis eröffnet hat, konzentrieren wir uns nicht nur auf die Entwicklung konventioneller Cannabinoid-Medikamente. Wir wollen auch die Verwendung von medizinischem Cannabis in der traditionellen thailändischen Medizin verbessern sowie andere medizinische Produkte aus Cannabis zu entwickeln“, führte Arthit Ourairat, Rektor der Universität Rangit aus.

Famira Madaka, Forscherin am Medical Cannabis Research Institute, erklärte darüber hinaus, dass das Institut bereits eine Technik entwickelt hat, um reine Cannabinoidverbindungen wie THC, CBD und CBN aus Cannabis zu extrahieren, die zur Entwicklung neuer Medikamente verwendet werden sollen.

Cannabinoide und Krebszellen

Erst kürzlich haben israelische Forscher die Ergebnisse ihrer Studie präsentiert (4). Hierin untersuchten sie die Wirkung von 12 Cannabisextrakten auf 12 verschiedene Krebszelllinien. Eine wichtige Rolle spielten hier vor allem die Konzentrationen der unterschiedlichen Cannabinoide in den Extrakten. Während einige Extrakte beispielsweise hohe Anteile von CBD und CBD (Cannabichromen) enthielt, wies ein anderes Extrakt einen hohen Anteil an THC auf. Letzt genanntes Extrakt zeigte die stärkste zytotoxische Wirkung auf die Krebszelllinien.

Bereits frühere Forschungen haben die positive Wirkung von Cannabinoiden gezeigt. Bei Krebsbehandlungen scheint vor allem das Zusammenspiel der einzelnen Cannabinoide eine wichtige Schlüsselrolle zu spielen. Insbesondere ist THC in Kombination mit anderen Cannabinoiden womöglich in der Lage, die Apoptose (Zelltod) von Krebszellen hervorzurufen. Bisher fehlen jedoch Studien an Patienten, um diese Annahmen bestätigen zu können.

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Hinweis: In diesem Artikel berichten wir über rezeptpflichtiges CBD oder auch Cannabidiol. Dieser Artikel macht zur möglichen Zweckbestimmung keinerlei Vorschlag. Nutzversprechen bleiben den Apothekern überlassen.

Quellen:

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