Medizinalcannabis-Bedarf übertrifft Erwartungen

In Deutschland scheint der Medizinalcannabis-Bedarf für medizinische Zwecke doppelt so hoch zu sein, wie die Bundesregierung ihn kalkuliert hat. Bereits im ersten Halbjahr 2019 wurde in etwa die Menge Medizinalcannabis nach Deutschland importiert, die als Anbaumenge für ein ganzes Jahr vom BfArM ausgeschrieben wurde. Zudem zeigen die neuesten Zahlen der Krankenkassen, dass die Cannabis-Verschreibungen stetig ansteigen.

Medizinalcannabis-Bedarf übertrifft Erwartungen

Welche Menge Medizinalcannabis wurde im ersten Halbjahr 2019 nach Deutschland importiert? Diese Frage hat Dr. Kirsten Kappert-Gonther, drogenpolitische Sprecherin der Grünen Bundestagsfraktion und Mitglied im Gesundheitsausschuss, dem Bundesgesundheitsministerium gestellt. Die Antwort liegt Leafly.de vor. Daraus geht hervor, dass die Medizinalcannabis-Importe des ersten Halbjahrs 2019 inzwischen die Größenordnung der geplanten Anbaumenge eines ganzen Jahres erreicht haben. Der Medizinalcannabis-Bedarf scheint höher, als von der Bundesregierung erwartet.

Geplante jährliche Anbaumengen entsprechen Importen nach 6 Monaten

„Im ersten Halbjahr 2019 wurden insgesamt 2.498 kg Medizinalcannabisblüten zur direkten Patientenversorgung nach Deutschland importiert.“ Das erklärt die Parlamentarische Staatssekretärin Sabine Weiss in ihrem Antwortschreiben an die Grünen.

Das BfArM hat im Frühjahr die Lose für den Cannabis-Anbau in Deutschland verteilt. Die Ausschreibung umfasst 2.600 Kilogramm Cannabis pro Jahr. Das ist kaum mehr als die Menge an Medizinalcannabis, die bereits nach einem halben Jahr importiert werden musste. (Leafly.de berichtete.)

Kirsten Kappert-Gonther wollte ebenfalls wissen, wie die Bundesregierung plant, die Differenz des Bedarfs an Medizinalcannabis zu decken. Dazu erklärt die Parlamentarische Staatssekretärin, dass die Bundesregierung weiterhin davon ausgeht, den Bedarf an Medizinalcannabisblüten in Deutschland durch den Anbau im Inland sowie über Importe decken zu können.

Medizinalcannabis-Bedarf: „Die Bundesregierung hat sich verkalkuliert“

Die drogenpolitische Sprecherin der Grünen sieht das anders. Gegenüber Leafly.de erklärt sie, dass die Anbaumengen zu knapp geplant sind:

„Die Bundesregierung hat sich verkalkuliert. Der Bedarf nach medizinischem Cannabis ist etwa doppelt so hoch wie die geplante Anbaumenge. Jetzt muss die Bundesregierung den Anbau schnellstens nach oben korrigieren, damit eine gute Versorgung für die Patientinnen und Patienten zukünftig sichergestellt werden kann. Auch die regionale Wirtschaft sollte Cannabis anbauen dürfen.“

Kritik an Anbaumengen bei Medizinalcannabis-Bedarf nicht neu

Bereits nachdem das BfArM die Anbaumengen gekannt gegeben hatte, kritisierten die Oppositionsparteien Die Linke, die Grünen wie auch die FDP die Mengen als zu gering. Die Liberalen bemängelten, dass der fehlende Cannabis-Anbau in Deutschland und die dadurch verursachte Abhängigkeit von Importen die Versorgung der deutschen Cannabispatienten gefährde.

Niema Movassat von den Linken kritisierte bereits Anfang des Jahres, dass die ausgeschriebenen Mengen an Medizinalcannabis nur einen Bruchteil des tatsächlichen Cannabis-Bedarfs der Patienten abdecken würden.

Und auch die Grünen hatten Ende letzten Jahres die niedrig angesetzte Menge an Medizinalcannabis in der Ausschreibung bemängelt. Kappert-Gonther hatte bereits damals befürchtet, dass die Versorgung der Cannabispatienten nicht gewährleistet sei. Außerdem fragte sie, ob die Bundesregierung kein Interesse daran habe, die Versorgung sicherzustellen.

Verordnungen von Medizinalcannabis legen weiter zu

Besonders vor dem Hintergrund, dass die Nachfrage nach Cannabis als Medizin wächst, stellt sich die Frage, wie die ausgeschriebenen 2.600 Kilogramm Medizinalcannabis den zukünftigen Cannabis-Bedarf der Patientinnen und Patienten decken sollen. Die jüngsten Zahlen der GKV zeigen, dass die ärztlichen Verschreibungen für Cannabisblüten und cannabishaltige Arzneimittel weiterhin stark ansteigen. (Leafly.de berichtete.)

Insgesamt wurden von Januar bis März 2019 rund 60.000 Verordnungen für Cannabis als Medizin ausgestellt. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es nur rund 35.000 Verschreibungen gewesen. Das bedeutet eine Steigerung von 66 Prozent.

Quellen:

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