Medizinalhanf gegen chronische Schlafstörungen

Autor: Alexandra Latour

Verõffentlicht am: 29. Juni 2018

Geändert am: 29. Juni 2018

Immer mehr Menschen leiden unter Ein- und Durchschlafproblemen, allein in Deutschland sind es mehr als 34 Millionen Betroffene. Viele Betroffene greifen zu nicht verschreibungspflichtigen Hilfsmitteln oder lassen sich Schlaftabletten von ihrem Arzt verordnen. Eine mögliche Alternative bei chronischen Schlafstörungen, die nebenwirkungsärmer sein dürfte, stellt Cannabis als Medizin dar.

Medizinalhanf gegen chronische Schlafstörungen

Cannabis wird seit Jahrhunderten als schlafförderndes Mittel genutzt. So gab es beispielsweise im 19. Jahrhundert das Schlafmittel „Bromidia“, das aus Cannabisextrakten, Bilsenkrautextrakten, Kaliumbromid und Chloralhydrat bestand und in den USA äußerst populär war. Auch in Deutschland tauchten ähnliche Rezepturen in unterschiedlichen Arzneibüchern auf. Auch aktuelle Studien geben Hinweise, dass Cannabis schlaffördernde Eigenschaft besitzt, insbesondere Cannabis mit einem hohen CBD-Gehalt. Bevor wir auf die aktuellen Studien und die Verwendung von CBD eingehen, sehen wir uns das Thema Schlafstörungen und deren Ursachen genauer an.

Wie entsteht ein Schlafstörung?

Normalerweise besteht der Schlaf aus unterschiedlichen Schlafphasen. Diese bilden regelmäßige Abläufe, die sich während des schlafens wiederholen. Dabei sind die Wiederholungsraten und die Dauer der einzelnen Phasen von Mensch zu Mensch verschieden. Doch etwa jeder fünfte Mensch wird dauerhaft oder gelegentlich von Schlafstörungen geplagt.

Der Körper findet keine Ruhe, man dreht sich von einer auf die andere Seite, es gehen einem die unterschiedlichsten Dinge im Kopf herum und man findet einfach nicht in den Schlaf. Schlafstörungen gehören zu den gesundheitlichen Beschwerden, von denen am meisten Menschen betroffen sind. Sie können dauerhaft auftreten oder an bestimmte Situationen gebunden sein, doch in jedem Fall beeinträchtigen sie die Leistungsfähigkeit und die Gesundheit der Betroffenen.

Sofern Schlafstörungen nur bedingt auftreten und nicht chronisch sind, ist das Problem meistens nicht so groß. Doch sobald die Betroffenen dauerhaft schlecht oder gar nicht schlafen können, kann das gesundheitliche Folgen haben. Denn der Schlaf hat verschiedene Funktionen. Er sorgt dafür, dass der Körper sich in der Nacht vom Stress des Tages erholen und neue Kraft tanken kann. Außerdem wird das Immunsystem durch ausreichend Schlaf beeinflusst. In der Nacht verarbeitet das Gehirn, was es am Tag erlebt hat. Das Gedächtnis wird also ebenso durch den Schlaf geformt.

Was ist eine Schlafstörung?

Man unterscheidet nach der ICSD-2 (International Classification of Sleep Disorders) zwischen verschiedenen Schlafstörungen, die sowohl andere Ursachen, als auch Ausprägungen zeigen können:

  • Insomnie (Schlaflosigkeit)
  • Hypersomnie (erhöhtes Schlafbedürfnis)
  • Parasomnie (Verhaltensauffälligkeit im Schlaf)
  • schlafbezogene Atmungsstörungen (z. B. Schlafapnoe)
  • schlafbezogene Bewegungsstörungen (z. B. Restless-Legs-Syndrom)
  • zirkadiane Rhythmusstörungen (Störungen des Schlaf-Wach-Rhythmus)

Dabei muss nicht jede Störung direkt zum Problem werden. Erst dann, wenn die Störung chronisch auftritt, wird es für den Körper ungesund. Von einer chronischen Schlafstörung spricht man, wenn an drei oder mehr Tagen pro Woche über einen Zeitraum von mehr als einem Monat Schlafprobleme auftreten. Herz-Kreislauf-Erkrankungen werden durch einen dauerhaft gestörten Schlafrhythmus begünstigt und die Konzentrations- und Leistungsfähigkeit schon bei leichten Schlafstörungen negativ beeinflusst.

Die einzelnen Formen der Schlafstörung

Unter dem Begriff Insomnie versteht man Einschlaf- und Durchschlafstörungen, also die typische Schlaflosigkeit, die wahrscheinlich jedem bekannt ist. Diese tritt am häufigsten auf und wird als Einschlafstörung bezeichnet, wenn die Einschlafphase länger als eine halbe Stunde dauert. Eine Durchschlafstörung liegt vor, wenn man in der Nacht aufwacht und dann länger als eine halbe Stunde wach liegt. Auch das zu frühe Aufwachen kann eine Insomnie zur Ursache haben.

Die Insomnie kommt bei zu großer Aufregung oder psychischem Druck häufig vor und muss nicht von Dauer sein. Hier unterscheidet man daher weitere Formen der Insomnie:

  • Akute Insomnie: Diese tritt nur unter bestimmten Lebensumständen auf und beschäftigt den Menschen so stark, dass er vom Schlafen abgehalten wird. Steht zum Beispiel eine wichtige Prüfung oder ein einschneidendes Erlebnis bevor oder ist etwas Schlimmes passiert, kann es zu einer akuten Insomnie kommen. Diese verschwindet in der Regel wieder, wenn der innere Konflikt beendet ist.
  • Psychophysiologische Insomnie: Ausgelöst wird diese Form der Insomnie durch eine sogenannte Übererregbarkeit (Hyperarousal) und ein falsches Schlafverhalten.
  • Pseudoinsomnie (paradoxe Insomnie): Hier wird der Schlaf vom Betroffenen zwar als gestört empfunden, es liegt aber keine wirkliche Störung vor.
  • Idiopathische Insomnie: Solch eine Störung beginnt oft schon in der Kindheit und hat in der Regel keine erkennbare Ursache. Hier handelt es sich oft um angelerntes Verhalten, dass sich in den Alltag eingeschlichen hat. Die verhaltensbedingten Schlafstörungen treten bei Kindern vor allem dann auf, wenn es keine festen Rituale zur Schlafenszeit gibt. Sie drehen dann noch einmal voll auf und kommen nicht zur Ruhe, sodass sie nicht in den Schlaf finden können.
  • Sekundäre Schlafstörungen: Diese Schlafstörung äußert sich infolge einer primären Erkrankung. Dabei kann es sich um körperliche wie psychische Probleme handeln. Auch die Einnahme von bestimmten Medikamenten oder Drogen können Schlafstörungen auslösen.
  • Hypersomnie: Die sogenannte Hypersomnie liegt vor, wenn die Betroffenen zwar gut ein- und durchschlafen können, aber ein erhöhter Bedarf an Schlaf vorliegt. Als Grenze werden hier mehr als zehn Stunden täglich gesetzt. Wer unter Hypersomnie leidet, empfindet seinen Schlaf als angenehm und ist auch tagsüber nicht besonders müde, neigt aber trotzdem zum Einschlafen.
  • Narkolepsie: Die Narkolepsie als eine Form der Hypersomnie ist eine chronische Erkrankung. Sie tritt vermehrt in Altersgruppen zwischen 15 und 25 und zwischen 30 und 40 Jahren auf und zeigt sich in unterschiedlichen Symptomen. Wer unter Narkolepsie leidet, schläft auch tagsüber plötzlich ein. Das kann auch in Situationen geschehen, in denen es völlig unangebracht ist – zum Beispiel mitten in einem Gespräch oder während des Essens. In der Folge von emotionalen Auslösern wie Freude, Trauer oder Aufregung kann es zu plötzlichem Verlust der Muskelspannung kommen. Das bedeutet, dass den Betroffenen zum Beispiel plötzlich die Beine wegknicken. Als Folge einer Kataplexie, die immer bei vollem Bewusstsein erlebt wird, kann es zu Verletzungen kommen.
  • Schlaflähmung (Schlafparalyse): Unter der Schlaflähmung versteht man Muskellähmungen während der Aufwachphase. Wer unter einer Schlaflähmung leidet, kann seine Umwelt zwar wahrnehmen, sich aber weder durch Bewegung, noch durch Sprache bemerkbar machen. Dieser Zustand ist, vor allem wenn man ihn das erste Mal erlebt, sehr beängstigend, gesundheitlich aber nicht gefährlich.
  • Idiopathische Hypersomnie: Hier haben die Betroffenen nachts keine Probleme, neigen jedoch zu einer erhöhten Tagesschläfrigkeit. Sie fühlen sich nicht müde. Ein Mittagsschlaf schafft keine Abhilfe. Betroffene schlafen in der Nacht oft mehr als zehn Stunden und sind nur schwer erweckbar.

Neben den Problemen mit dem Schlaf gibt es außerdem Probleme mit der Atmung in der Nacht. Diese wird im Schlaf nicht bewusst gesteuert, sondern passiert automatisch über das vegetative Nervensystem. Der Schlaf kann die Atmung zum Beispiel durch die Erschlaffung von Muskeln beeinflussen. So kommt es teilweise zu Atemaussetzern, die zwar vom Gehirn direkt bemerkt und behoben werden, trotzdem aber zu einem unruhigen Schlafverhalten führen. Die schlafbezogenen Atmungsstörungen werden in drei Syndrome aufgeteilt: Das obstruktive Schlafapnoe-Syndrom, das zentrale Schlafapnoe-Syndrom und das schlafbezogene Hypoventilationssyndrom.

Der Schlaf kann auch durch auftretende Bewegungsstörungen negativ beeinflusst werden. Dabei sind die häufigsten Störungen das Restless-Legs-Syndrom und die Periodic Limb Movement Disorder. Beim sogenannten Restless-Legs-Syndrom spürt der Betroffene deutliche Missempfindungen in den Beinen, die er durch die Bewegung loswerden kann. Diese unruhigen Beinbewegungen treten in Ruhe auf und können das Einschlafen oder den Schlaf beeinflussen. Periodische Bewegungen werden vom Betroffenen dagegen nicht selbst wahrgenommen. Bei diesem Syndrom bewegen sich die Gliedmaßen (meist die Beine) in periodischen Abständen, was den Schlaf ebenfalls stört. Oft tritt dieses Syndrom gemeinsam mit einer Schlafapnoe auf.

Neben den Störungen, die den Schlafablauf stören, gibt es weitere Auffälligkeiten, die als Parasomnie bezeichnet werden. Es handelt sich dabei um solche Verhaltensweisen, die andere gesundheitliche Probleme zur Folge haben können, darunter zum Beispiel Zähneknirschen, Schlafwandeln, Sprechen im Schlaf oder heftiges Kopfwerfen. Von den Betroffenen wird eine Parasomnie in der Regel nicht unmittelbar wahrgenommen. Sie kann aber gesundheitliche Folgen haben, wenn es zum Beispiel in der Folge des Schlafwandelns zu einem Sturz kommt. Kinder sind häufig von dem sogenannten Nachtschreck oder der Schlaftrunkenheit betroffen. Dabei kommt es im Schlaf zu lautem Schreien, das so plötzlich wieder vorbei ist, wie es kam. Die Kinder können sich nach dem Aufwachen nicht daran erinnern.

Eine zirkadiane Rhythmusstörung liegt vor, wenn der sogenannte Schlaf-Wach-Rhythmus gestört ist. Dieser umfasst normalerweise etwa 24 Stunden. Dabei sind die Dauer der Wach- und Schlafphasen von Mensch zu Mensch individuell und richten sich nach der inneren Uhr, also normalerweise nach Helligkeit und Dunkelheit. Gerät der Rhythmus durcheinander, weil zum Beispiel mehrere Schlaf- und Wachphasen entstehen oder der Zyklus länger als 24 Stunden dauert, liegt eine Störung vor. Dies ist häufig der Fall, wenn es zu einer Zeitverschiebung kommt. Wir sprechen dann von einem Jetlag. Personen, die in der Schichtarbeit arbeiten, leiden häufig unter einer zirkadianen Rhythmusstörung, da sie aufgrund wechselnder Arbeitszeiten keinen regelmäßigen Schlaf-Wach-Rhythmus umsetzen können.

Was können die Ursachen für Schlafstörungen sein?

Schlafstörungen treten häufig als Folge oder begleitend zu Erkrankungen auf. Es handelt sich in diesen Fällen um sekundäre Schlafstörungen. Bei Erkrankungen am Herzen oder bei psychischen Problemen treten Schlafstörungen häufig als Begleiterscheinungen auf. Während es sich bei sekundären Schlafstörungen um Störungen in Folge anderer Erkrankungen handelt, treten primäre Schlafstörungen separat auf und haben keine organische oder psychische Ursache. Sie sind meistens durch die Einnahme von Alkohol, Drogen und anderen Substanzen oder durch Medikamente beeinflusst oder werden durch geänderte Lebensumstände, Schichtarbeit oder Jetlags hervorgerufen.

Stress im Beruf oder Alltag kann das Schlafverhalten beeinflussen und zu Schlafstörungen führen. Oft sind diese aber auch durch psychische und organische Ursachen begründet und quasi Symptome einer anderen Krankheit. Auch durch Schmerzen kann der Schlaf negativ beeinflusst werden, wenn der Körper keine schmerzfreie Position findet und nicht zur Ruhe kommen kann. Äußere, psychische und organische oder physiologische Ursachen für Schlafstörungen werden unterschieden.

Es können aber auch zeitgleich mehrere Ursachen für eine Schlafstörung verantwortlich sein, die sich mit der Zeit verändern. Verschwindet eine Ursache durch erfolgreiche Therapie komplett, muss nicht automatisch auch die Schlafstörung verschwinden. Sie kann sich mit der Zeit so sehr verselbstständigen, dass die bloße Angst vor ihr schon zu weiteren Störungen führen kann.

Nicht jede Schlafstörung hat eine bekannte Ursache. So besteht eine idiopathische Insomnie von Kindheit an ohne erkennbaren Grund. Es kann passieren, dass Kinder das richtige Schlafverhalten nicht erlernen und in der Folge lebenslang mit Schlafstörungen zu kämpfen haben. Deshalb ist es wichtig, von klein auf Rituale und feste Schlafenszeiten einzuführen.

Wie diagnostiziert man eine Schlafstörung?

Eine Schlafstörung zu diagnostizieren, ist gar nicht so einfach. Häufig handelt es sich um verschiedene Ursachen, die auch in der Vergangenheit liegen können und die die Betroffenen gar nicht mehr auf ihre Erkrankung beziehen. Zur Diagnostik werden deshalb verschiedene Verfahren verwendet, die die Beschwerden möglichst genau abbilden sollen.

Wenn der Verdacht einer Schlafstörung besteht, werden in der Regel zunächst Schlaftagebücher und –Fragebögen ausgefüllt. Auffälligkeiten werden vom Betroffenen notiert – aber auch Regelmäßigkeiten spielen natürlich eine Rolle. Folgende Aspekte sollten in einem Schlaftagebuch berücksichtigt werden:

  • Gibt es außergewöhnliche Vorkommnisse wie Zähneknirschen oder Schlafwandeln?
  • Liegt eine besondere Lebenssituation vor?
  • Ist man nachts bewusst wach?
  • Wie wird der Schlaf wahrgenommen?
  • Wie verhält man sich nach dem Aufwachen und vor dem Schlafengehen?
  • Wann ist Schlafenszeit?

Für den Patienten bietet das Schlaftagebuch die Möglichkeit, sein eigenes Verhalten zu reflektieren. Manche Patienten erkennen bereits bei der Auswertung selbst die Ursachen ihrer Schlafprobleme. Außerdem erleichtert die Aufzeichnung den Überblick über die Beschwerden für Patient und Arzt. Der Arzt kann direkt mit einer Analyse beginnen.

Mithilfe der Krankengeschichte des Patienten versucht der Arzt, eine Diagnose zu finden. Das ist aber nicht ganz leicht, da bestehende Krankheiten nicht automatisch die Ursache für Schlafstörungen darstellen müssen und zugleich längst vergangene Erkrankungen zu ihrer Ursache beitragen können. Deshalb wird häufig durch den Arzt zunächst eine organische Insomnie diagnostiziert, deren Diagnose durch die weitere Behandlung angepasst wird. Bei der Anamnese muss der Arzt neben akuten und vergangenen Krankheitsbildern auch die Einnahme von Medikamenten, Substanzen und Drogen abklären. Sie können ebenfalls der Grund für die Schlafstörungen sein.

Verschiedene Analysemöglichkeiten erleichtern die Feststellung einer Schlafstörung. So kann die subjektive empfundene Tagesschläfrigkeit durch die „Epworth Schläfrigkeitsskala“ festgestellt werden. Liegt das Ergebnis bei über 10, leidet der Patient unter einer krankhaften Schlafstörung vor. Mithilfe des „Pittsburgh Sleep Quality Index“ kann außerdem die subjektiv wahrgenommene Schlafqualität ermittelt werden.

Um eine Schlafstörung besser analysieren zu können, müssen die Betroffenen in der Regel eine Nacht im Schlaflabor verbringen. Dabei wird die sogenannte Polysomnographie durchgeführt. Diese umfasst verschiedene Untersuchungen, wie die Kontrolle der Atmung, ein EEG und EKG, ein Elektromyogramm, ein Elektrookulogramm, die Untersuchung der Lage des Körpers und die Messung des Sauerstoffgehaltes im Blut.

Nachdem eine Polysomnographie erstellt wurde, kann der Somnologe die Ergebnisse analysieren und feststellen, ob es Schlafstörungen gibt und ob diese schwer und chronisch oder akut sind. In manchen Fällen können ein Langzeit-EEG oder ein CT und MRT zur weiteren Diagnose herangezogen werden. Zur Analyse von schlafbezogenen Bewegungsstörungen kann eine Aktigraphie gemacht werden, bei der über einen Sensor am Hand- oder Fußgelenk die Bewegungen im Schlaf aufgezeichnet werden.

Wie werden Schlafstörungen therapiert?

Natürlich kann man bei Schlafstörungen kurzfristig mit Schlafmitteln Abhilfe schaffen. Diese beheben aber nicht die Ursache und sofern es sich nicht um eine akute, sondern um eine chronische Schlafstörung handelt, sollte diese Möglichkeit nicht zur Dauerlösung werden. Die chronischen Schlafstörungen sollten auf jeden Fall mit verhaltenstherapeutischen Maßnahmen von einem Experten behandelt werden, da sie auf Dauer gesundheitliche Folgen haben können.

Verschiedene Entspannungstechniken wie Yoga oder autogenes Training können zur Unterstützung der Therapie eingesetzt werden. Sie helfen dem Patienten, Muskeln zu entspannen und abzuschalten, verbessern aber nicht den Erholungswert des Schlafes an sich. Eine Kombination von Therapie und Entspannung ist ideal, um den Schlaf effektiver zu gestalten und zu verlängern.

Schlafstörungen die häufig bei Kindern auftreten, wie der bereits erwähnte Nachtschreck und die Schlaftrunkenheit, sind typisch und müssen nicht behandelt werden. Sie können gelegentlich auftreten und verwachsen sich schließlich wieder. Durch diese Schlafstörungen wird die Erholung im Schlaf nicht beeinflusst, da Kinder ohnehin erst einmal einen eigenen Schlaf-Wach-Rhythmus finden müssen.

Neben der gezielten Therapie kann auch das Umstellen von Lebens- und Essgewohnheiten den Schlaf verbessern. Man spricht dabei von der sogenannten Schlafhygiene, die verschiedene Bereiche umfasst. Wichtige Punkte einer gelungenen Schlafhygiene sind zum Beispiel ein gutes Bett und eine hochwertige Matratze, die für Gewicht und Größe geeignet ist.

Auch die Nahrung sollte entsprechend angepasst sein: Sie sollte nicht zu reichhaltig, zu scharf und nicht zu spät eingenommen werden. Koffeinhaltige Getränke und Zigaretten sollten nicht vor dem Schlafengehen konsumiert werden. Ruhe, Dunkelheit und eine passende Temperatur sind für die Schlafhygiene ebenfalls von Bedeutung.

Das Endocannabinoidsystem und der Schlaf-Wach-Rhythmus

Das Endocannabinoidsystem beeinflusst verschiedene Funktionen im Körper, so zum Beispiel die Schmerzwahrnehmung und den Appetit sowie auch die Schlafregulierung. Das Netzwerk von Cannabinoidrezeptoren (CB1 und CB2) ist im gesamten Körper verteilt, vor allem aber im Nervensystem, Immunsystem und im Gehirn. Man kann sich diese Rezeptoren wie ein Schloss auf den Zellenoberflächen vorstellen. Dieses Schloss wird geöffnet, wenn die körpereigenen Cannabinoide (Endocannabinoide) oder die Cannabinoide aus der Cannabispflanze dort andocken. Infolge dessen können die Cannabinoide ihre unterschiedlichen Wirkungen entfalten.

Dass nun das Endocannabinoidsystem am Schlaf-Wach-Rhythmus beteiligt ist, zeigen verschiedene Studien. Unter anderem haben die Forscher der University of A Coruña in Spanien gezeigt, dass das körpereigene Cannabinoid Anandamid durch die Aktivierung des CB1-Rezeptors die Aktivität im Thalamus erhöht, woraus sie schlussfolgerten, dass Endocannabinoide bei der Regulation des Schlaf-Wach-Zyklus sowie der Wachheit eine Rolle spielen.

Im Rahmen einer weiteren Studie konnte beobachtet werden, dass die Anandamid-Konzentration nachts höher ist und mit anderen Neurotransmittern schlaffördernd wirkt. Hingegen ist das Endocannabinoid 2-Arachidonylglycerol (2-AG) tagsüber in höherer Konzentration vorhanden, sodass angenommen wird, dass dieses körpereigene Cannabinoid vermutlich am Wachwerden/Wachbleiben beteiligt ist.

Wie genau diese Regulationen funktionieren, ist noch nicht geklärt. Hinzu kommt außerdem, dass weitere Systeme im Körper den Schlaf-Wach-Rhythmus steuern bzw. hieran beteiligt sind. Wenn jedoch das Endocannabinoid System in das System des Schlaf-Wach-Rhythmus eingreifen kann, könnte dieses System auch durch von außen zugeführte Cannabinoide aus der Cannabispflanze eine Wirkung zeigen.

In diesem Zusammenhang ist auch eine aktuelle Studie interessant, deren Ergebnisse erst im April 2018 veröffentlicht wurden. Die Forscher der University of Sao Paulo untersuchten CBD auf den Schlaf-Wach-Rhythmus. Ziel der Studie war es, die Wirkung einer klinisch anxiolytischen Dosis von CBD auf den Schlaf-Wach-Zyklus von gesunden Probanden zu bewerten.

An der Studie nahmen 27 gesunde Probanden teil, die CBD oder ein Placebo erhielten. Während die Probanden schliefen, wurden Polysomnographie-Aufnahmen gemacht. Von anxiolytischen und antidepressiven Arzneimitteln wie Benzodiazepinen und selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern ist bekannt, dass diese den Schlaf-Wach-Rhythmus beeinflussen können. Eine schlaffördernde Wirkung wurde von den Forschern zwar nicht beschrieben, jedoch wurde ausgeführt, dass CBD den Schlafzyklus der Probanden nicht negativ beeinträchtigte.

Schlaf-Wach-Rhythmus: Wie schlafen wir eigentlich?

Es existieren zwei Arten von Schlaf, und zwar der sogenannte Non-REM-Schlaf (NREM), der auch als nicht-schneller Augenbewegungsschlaf bezeichnet wird und aus drei Stadien besteht, sowie den REM-Schlaf (schneller Augenbewegungsschlaf), der eine eigene Schlafphase darstellt. Jede Nacht findet fünf- bis sechsmal ein vollständiger Schlafzyklus statt. Dabei dauert der erste volle Zyklus 70 bis 100 Minuten an. Die restlichen Zyklen dauern 90 bis 120 Minuten. Definiert werden die Schlafphasen wie folgt:

  • Stufe 1 (REM-Schlaf): Hier wandelt sich die Wachheit in den Schlaf innerhalb mehrerer Minuten. Der Herzschlag, die Atmung sowie die Augenbewegungen verlangsamen sich. Die Muskeln entspannen und es kann zu Zuckungen kommen.
  • Stufe 2 (NREM-Schlaf): Bevor es in den Tiefschlaf geht, kommt der leichte Schlaf. Die Körperfunktionen verlangsamen sich weiter und die Körpertemperatur sinkt. Auch die Gehirnwellen nehmen an Aktivität ab.
  • Stufe 3 (NREM-Schlaf): Hier handelt es sich um die Tiefschlafphase, die in der ersten Hälfte der Nacht länger auftritt und dafür sorgt, dass wir morgens erholt aufwachen. Während des Schlafzyklus sind die Gehirnwellen wenig aktiv, dafür ist aber der Körper beschäftigt, unter anderem damit, dass Immunsystem zu stärken und das Muskelgewebe zu reparieren.
  • Stufe 4 (REM-Schlaf): Dieses Schlafstadium tritt ungefähr 90 Minuten nach dem Einschlafen ein. Hinter den geschlossenen Augenlidern bewegen sich die Augen sehr schnell und die Aktivität der Gehirnwellen zeigt gemischte Frequenzen an. Zudem atmen wir schneller und Blutdruck sowie Herzfrequenz steigen an, fast so, als wenn wir wach wären. Wenn wir träumen, passiert dies meist während dieser Schlafphase. Aber auch im Nicht-REM-Schlaf können Träume auftreten. Um die Träume auszuleben, wird unsere Arm- und Beinmuskulatur kurzzeitig gelähmt. Wir verarbeiten dann das, was wir am Tag erlebt haben und konsolidieren verschiedene Erinnerungen. Je älter wir werden, desto weniger schlafen wir im REM-Schlaf.

Was sagen Studien zu der schlaffördernden Wirkung von Cannabis?

Dieser Frage nahm sich auch die University of California an und führte in den Studienergebnissen aus, dass Cannabis zur Förderung des Schlafes verwendet wird und dass die Auswirkungen auf den Schlaf je nach Cannabissorte variieren können. An der Studie nahmen 163 erwachsene Probanden teil, die pharmazeutisches Cannabis aus der Apotheke nutzten. Diese sollten unter anderem über ihre Schlafprobleme (Schlaflosigkeit, Albträume etc.), Schlafqualität und die verwendete Cannabissorte Auskunft geben.

81 Teilnehmer berichteten über die Verwendung von Cannabis zur Behandlung von Schlaflosigkeit und 14 Teilnehmer zur Verringerung der Albträume. Diejenigen, die Cannabis zur Verringerung von Albträumen verwendeten, bevorzugten Sativa- gegenüber Indica-Stämmen. Probanden mit einer aktuellen Insomnie und einer größeren Schlaflatenz nutzten Cannabissorten mit einem höheren CBD-Gehalt.

Außerdem heißt es in den Ergebnissen, dass Teilnehmer, die wöchentlich Schlafmedikamente einnahmen, eine niedrigere THC-Konzentration bevorzugten im Vergleich zu jenen, die wöchentlich weniger Schlaftabletten einnahmen. Weiter heißt es, dass kontrollierte prospektive Studien notwendig seien, um den Einfluss bestimmter Komponenten von Cannabis auf den Schlaf besser charakterisieren zu können.

Interessant ist auch ein Bericht von Forschern der University of Colorado. Hier wird von einer zehnjährigen Patientin berichtet, die unter einer posttraumatischen Belastungsstörung und infolge dessen an Schlafstörungen litt. Die Gabe von CBD-Öl führte zu einer stetigen Verbesserung der Qualität und Quantität des Schlafes der Patientin. Die Forscher beschreiben CBD-Öl als eine wirksame Alternative zu pharmazeutischen Medikamenten.

Erwähnenswert ist auch eine Studie von der University of Michigan, bei der Cannabispatienten zu ihren Schlafproblemen befragt wurden. Die meisten Teilnehmer führten die Schlafprobleme auf ihre aktuellen Schmerzen zurück. Ungefähr 80 Prozent der Teilnehmer berichteten, dass sie in den letzten sechs Monaten Cannabis als Medizin konsumiert hatten, um den Schlaf zu verbessern, und unter diesen Teilnehmern wurde Cannabis als hilfreich für die Verbesserung des Schlafs eingestuft. Schlafbedingte Cannabis-Nebenwirkungen waren selten (35 %).

Cannabis als Schlafmittel: Abwägung des Für und Wider

Wenn leichte Schlafstörungen auftreten, können diese mit relativ simplen Methoden behandelt werden. So sollte abends auf koffeinhaltige Getränke und Alkohol verzichtet und das Zubettgehen mit vollem Magen vermieden werden. Zudem ist der Verzicht auf das Mittagsschläfchen sehr wichtig, genauso das Antrainieren eines regelmäßigen Rhythmus. Das heißt, es ist förderlich, wenn es feste Aufsteh- und Zubettgehzeiten gibt. Auch die regelmäßige Bewegung an der frischen Luft kann dabei helfen, abends besser einzuschlafen.

Bei starken und vor allem chronischen Schlafstörungen kann die Einnahme eines Medikamentes in Erwägung gezogen werden. Cannabis, insbesondere THC kann das Einschlafen fördern, da das Cannabinoid den Blutdruck senkt und die Arterien erweitert. Dies kann beruhigend wirken. Grundsätzlich kann also Cannabis eine Alternative zu den klassischen Schlaftabletten sein.

Darüber hinaus kann auch das CBD-Öl als Hilfsmittel in Erwägung gezogen werden. Dieses hat den Vorteil, dass es nicht-psychoaktiv ist und legal in Deutschland erworben werden darf. Je nach Dosierung kann CBD jedoch verschiedene Wirkungen entfalten. So kann CBD in geringen Dosen wachmachend wirken und in höheren Dosen hingegen sedierend. Dennoch könnten Betroffene einen Versuch mit CBD-Öl wagen, da es sehr nebenwirkungsarm ist.

Egal, ob nun Cannabis, CBD-Öl oder Schlaftabletten gegen Schlafstörungen genutzt werden – es muss immer beachtet werden, dass diese bei einer längerfristigen und regelmäßigen Anwendung Schlafstörungen verursachen können. Dies passiert meist, wenn das entsprechende Präparat abgesetzt wird. Derartige „Hilfen“ sollten also nur mit Bedacht eingesetzt werden.

Quellen:

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