Medizinalhanf gegen chronische Schlafstörungen

Immer mehr Menschen leiden unter Ein- und Durchschlafproblemen, allein in Deutschland sind es mehr als 34 Millionen Betroffene. Viele Betroffene greifen zu nicht verschreibungspflichtigen Hilfsmitteln oder lassen sich Schlaftabletten von ihrem Arzt verordnen. Eine mögliche Alternative bei chronischen Schlafstörungen, die nebenwirkungsärmer sein dürfte, stellt Cannabis als Medizin dar.

Medizinalhanf gegen chronische Schlafstörungen

Cannabis wird seit Jahrhunderten als schlafförderndes Mittel genutzt. So gab es bereits im 19. Jahrhundert das Schlafmittel „Bromidia“, das aus Cannabisextrakten, Bilsenkrautextrakten, Kaliumbromid und Chloralhydrat bestand und in den USA äußerst populär war. Auch in Deutschland tauchten ähnliche Rezepturen in unterschiedlichen Arzneibüchern auf. Auch aktuelle Studien geben Hinweise, dass Cannabis schlaffördernde Eigenschaft besitzt, insbesondere Cannabis mit einem hohen CBD-Gehalt. Bevor wir auf die aktuellen Studien und die Verwendung von CBD eingehen, sehen wir uns das Thema Schlafstörungen und deren Ursachen genauer an.

Weitere Informationen zu Schlafstörungen und Medizinalcannabis.

Wie entsteht eine Schlafstörung?

Ab und zu leidet jeder mal unter einem schlechten Schlaf. Nach einer unruhigen Nacht wachen wir am nächsten Morgen auf und verspüren eine starke Müdigkeit, Antriebslosigkeit und fühlen uns einfach gerädert. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass eine Schlafstörung (medizinischer Begriff Insomnie) besteht.

Es gibt unterschiedliche Schlafphasen. Diese bilden regelmäßige Abläufe, die sich während des Schlafens wiederholen. Dabei sind die Wiederholungsraten und die Dauer der einzelnen Phasen von Mensch zu Mensch verschieden. Doch etwa jeder fünfte Mensch wird dauerhaft oder gelegentlich von Schlafstörungen geplagt.

Der Körper findet keine Ruhe, man dreht sich von einer auf die andere Seite, es gehen einem die unterschiedlichsten Dinge im Kopf herum und man kann einfach nicht einschlafen. Schlafstörungen können dauerhaft auftreten oder an bestimmte Situationen gebunden sein, doch in jedem Fall beeinträchtigen sie die Leistungsfähigkeit und die Gesundheit.

Sofern der gestörte Schlaf nur bedingt auftritt und nicht chronisch wird, ist das Problem meistens nicht so groß. Doch sobald die Betroffenen dauerhaft schlecht oder gar nicht schlafen können, kann das gesundheitliche Folgen haben. Denn der Schlaf hat verschiedene Funktionen. Er sorgt dafür, dass der Körper sich in der Nacht vom Stress des Tages erholen und neue Kraft tanken kann. Außerdem wird das Immunsystem beeinflusst und in der Nacht verarbeitet das Gehirn, was es am Tag erlebt hat. Das Gedächtnis spielt hier also auch eine Rolle.

Was ist eine Schlafstörung?

Man unterscheidet nach der ICSD-2 (International Classification of Sleep Disorders) zwischen verschiedenen Schlafstörungsformen, die sowohl andere Ursachen, als auch Ausprägungen zeigen können:

  • Insomnie (Schlaflosigkeit)
  • Hypersomnie (erhöhtes Schlafbedürfnis)
  • Parasomnie (Verhaltensauffälligkeit in den Schlafphasen)
  • schlafbezogene Atmungsstörungen (z. B. Schlafapnoe)
  • schlafbezogene Bewegungsstörungen (z. B. Restless-Legs-Syndrom)
  • zirkadiane Rhythmusstörungen (Störungen des Schlaf-Wach-Rhythmus)

Dabei muss nicht jede Störung direkt zum Problem werden. Erst dann, wenn die sie chronisch auftritt, wird es für den Körper ungesund. Von einer chronischen Schlafstörung spricht man, wenn an drei oder mehr Tagen pro Woche über einen Zeitraum von mehr als einem Monat Schlafprobleme auftreten. Herz-Kreislauf-Erkrankungen werden durch einen dauerhaft gestörten Schlafrhythmus begünstigt und die Konzentrations- und Leistungsfähigkeit schon bei leichten Schlafproblemen negativ beeinflusst.

Es gibt verschiedenen Formen von Schlafstörungen.

Die einzelnen Formen

Unter dem Begriff Insomnie versteht man Einschlaf- und Durchschlafstörungen, also die typische Schlaflosigkeit, die wahrscheinlich jedem bekannt ist. Diese tritt am häufigsten auf und wird als Einschlafstörung bezeichnet, wenn die Einschlafphase länger als eine halbe Stunde dauert. Eine Durchschlafstörung liegt vor, wenn man in der Nacht aufwacht und dann länger als eine halbe Stunde wach liegt.

Die Insomnie kommt bei zu großer Aufregung, Stress oder psychischem Druck häufig vor und muss nicht von Dauer sein. Hier unterscheidet man daher weitere Formen:

  • Akute Insomnie: Diese tritt nur unter bestimmten Lebensumständen auf und beschäftigt den Menschen so stark, dass er vom Schlafen abgehalten wird und ein chronischer Schlafmangel auftritt. Also wenn zum Beispiel eine wichtige Prüfung oder ein einschneidendes Erlebnis bevorsteht. Diese verschwindet in der Regel wieder, wenn der innere Konflikt beendet ist.
  • Psychophysiologische Insomnie: Auslöser sind eine Übererregbarkeit (Hyperarousal) und ein falsches Schlafverhalten.
  • Pseudoinsomnie: Hier wird der Schlaf vom Betroffenen zwar als gestört empfunden, es liegt aber keine wirkliche Störung vor.
  • Idiopathische Insomnie: Solch eine Störung beginnt oft schon in der Kindheit und hat in der Regel keine erkennbare Ursache. Hier handelt es sich oft um angelerntes Verhalten, dass sich in den Alltag eingeschlichen hat. Die verhaltensbedingten Schlafstörungen treten bei Kindern vor allem dann auf, wenn es keine festen Rituale zur Schlafenszeit gibt. Sie drehen dann noch einmal voll auf und kommen nicht zur Ruhe, sodass sie nicht einschlafen können.
  • Sekundäre Insomnie: Diese Schlafstörung äußert sich infolge einer primären Erkrankung. Dabei kann es sich um körperliche wie psychische Probleme handeln. Auch die Einnahme von bestimmten Medikamenten oder Drogen können Schlafstörungen auslösen.
  • Primäre Insomnie: Diese primäre Schlafstörung zeichnet sich durch das Fehlen einer körperlichen Ursache oder psychiatrische Erkrankung aus.

Weitere Formen sind:

  • Hypersomnie: Die sogenannte Hypersomnie liegt vor, wenn zwar gut ein- und durchgeschlafen wird, aber ein erhöhter Schlafbedarf vorliegt. Als Grenze werden hier mehr als zehn Stunden täglich gesetzt. Wer unter Hypersomnie leidet, empfindet seine Schlafphasen als angenehm und ist auch tagsüber nicht besonders müde, neigt aber trotzdem zum Einschlafen.
  • Narkolepsie: Die Narkolepsie als eine Form der Hypersomnie ist eine chronische Erkrankung. Sie tritt vermehrt in Altersgruppen zwischen 15 und 25 und zwischen 30 und 40 Jahren auf und zeigt sich in unterschiedlichen Symptomen. Wer unter Narkolepsie leidet, schläft auch tagsüber plötzlich ein. Das kann auch in Situationen geschehen, in denen es völlig unangebracht ist – zum Beispiel mitten in einem Gespräch oder während des Essens. In der Folge von emotionalen Auslösern wie Freude, Trauer oder Aufregung kann es zu plötzlichem Verlust der Muskelspannung kommen. Das bedeutet, dass den Betroffenen zum Beispiel plötzlich die Beine wegknicken. Als Folge einer Kataplexie, die immer bei vollem Bewusstsein erlebt wird, kann es zu Verletzungen kommen.
  • Schlaflähmung (Schlafparalyse): Unter der Schlaflähmung versteht man Muskellähmungen während der Aufwachphase. Wer unter einer Schlaflähmung leidet, kann seine Umwelt zwar wahrnehmen, sich aber weder durch Bewegung, noch durch Sprache bemerkbar machen. Dieser Zustand ist, vor allem wenn man ihn das erste Mal erlebt, sehr beängstigend, gesundheitlich aber nicht gefährlich.
  • Idiopathische Hypersomnie: Hier haben die Betroffenen nachts keine Probleme, neigen jedoch zu einer erhöhten Tagesschläfrigkeit. Sie fühlen sich nicht müde. Ein Mittagsschlaf schafft keine Abhilfe.

Atemprobleme

Neben den Schlafproblemen gibt es außerdem Probleme mit der Atmung in der Nacht. Diese wird nachts nicht bewusst gesteuert, sondern passiert automatisch über das vegetative Nervensystem. Der Schlaf kann die Atmung zum Beispiel durch die Erschlaffung von Muskeln beeinflussen. So kommt es teilweise zu Atemaussetzern, die zwar vom Gehirn direkt bemerkt und behoben werden, trotzdem aber zu einem unruhigen Schlafverhalten führen. Die schlafbezogenen Atmungsstörungen teilen sich in die drei Syndrome obstruktive Schlafapnoe-Syndrom, das zentrale Schlafapnoe-Syndrom und das schlafbezogene Hypoventilationssyndrom auf.

Restless-Legs-Syndrom

Das Schlaverhalten kann auch durch auftretende Bewegungsstörungen negativ beeinflusst werden. Dabei sind die häufigsten Störungen das Restless-Legs-Syndrom und die Periodic Limb Movement Disorder. Bei der Restless Legs Störung spüren Menschen deutliche Missempfindungen in den Beinen, die er durch die Bewegung loswerden kann. Diese unruhigen Beine treten in Ruhe auf und können das Einschlafen oder die späteren Schlafphasen beeinflussen. Es handelt sich hierbei um eine neurologische Erkrankung. Periodische Bewegungen werden vom Betroffenen dagegen nicht selbst wahrgenommen. Bei diesem Syndrom bewegen sich die Gliedmaßen (meist die Beine) in periodischen Abständen, was die Schlafphasen ebenfalls stört. Oft tritt dieses Syndrom gemeinsam mit einer Schlafapnoe auf.

Parasomnie

Neben den Störungen, die den Schlafablauf stören, gibt es weitere Auffälligkeiten, die als Parasomnie bezeichnet werden. Es handelt sich dabei um solche Verhaltensweisen, die andere gesundheitliche Probleme zur Folge haben können, darunter zum Beispiel Zähneknirschen, Schlafwandeln, Schnarchen, Sprechen oder heftiges Kopfwerfen. Eine Parasomnie wird in der Regel nicht unmittelbar wahrgenommen. Sie kann aber gesundheitliche Folgen haben, wenn es zum Beispiel in der Folge des Schlafwandelns zu einem Sturz kommt. Kinder sind häufig von dem sogenannten Nachtschreck oder der Schlaftrunkenheit betroffen. Dabei kommt es nachts zu lautem Schreien, das so plötzlich wieder vorbei ist, wie es kam. Die Kinder können sich nach dem Aufwachen nicht daran erinnern.

Zirkadiane Schlaf-Wach-Rhythmusstörung

Eine Schlaf-Wach-Rhythmusstörung liegt vor, wenn der Schlaf-Wach-Rhythmus gestört ist. Dieser umfasst normalerweise etwa 24 Stunden. Dabei sind die Dauer der Wach- und Schlafphasen von Mensch zu Mensch individuell und richten sich nach der inneren Uhr, also normalerweise nach Helligkeit und Dunkelheit. Gerät der Rhythmus durcheinander, weil zum Beispiel mehrere Schlafphasen und Wachphasen entstehen oder der Zyklus länger als 24 Stunden dauert, liegt eine Störung vor. Dies ist häufig der Fall, wenn es zu einer Zeitverschiebung kommt. Wir sprechen dann von einem Jetlag. Personen, die in der Schichtarbeit arbeiten, leiden häufig unter einer zirkadianen Rhythmusstörung, da sie aufgrund wechselnder Arbeitszeiten keinen regelmäßigen Schlaf-Wach-Rhythmus umsetzen können.

Was können die Ursachen sein?

Schlafstörungen treten häufig als Folge oder begleitend zu psychischen Erkrankungen (z. B. Depressionen) oder körperlichen Erkrankungen auf. Es handelt sich in diesen Fällen um sekundäre Schlafstörungen. Bei Erkrankungen am Herzen oder bei psychischen Problemen treten sie oft als Begleiterscheinungen auf. Die primäre Form tritt separat auf und hat keine organischen oder psychischen Gründe. Sie sind meistens durch die Einnahme von Alkohol, Drogen und anderen Substanzen oder durch Medikamente beeinflusst oder werden durch geänderte Lebensumstände, Schichtarbeit oder Jetlags hervorgerufen.

Stress im Beruf oder Alltag kann das Schlafverhalten beeinflussen. Oft sind diese aber auch durch psychische und organische Ursachen begründet und quasi Symptome einer anderen Krankheit. Auch durch chronische Schmerzen kann das Schlafverhalten negativ beeinflusst werden, wenn der Körper keine schmerzfreie Position findet und nicht zur Ruhe kommen kann.

Es können aber auch zeitgleich mehrere Ursachen infrage kommen, die sich mit der Zeit verändern. Verschwindet eine Ursache durch erfolgreiche Therapie komplett, muss nicht automatisch auch die Schlafstörung verschwinden. Sie kann sich mit der Zeit so sehr verselbstständigen, dass die bloße Angst vor ihr schon zu weiteren Störungen führen kann.

Nicht immer findet sich ein Grund. So besteht eine idiopathische Insomnie von Kindheit an ohne erkennbaren Grund. Es kann passieren, dass Kinder das richtige Schlafverhalten nicht erlernen und in der Folge lebenslang mit Schlafproblemen zu kämpfen haben. Deshalb ist es wichtig, von klein auf Rituale und feste Schlafenszeiten einzuführen.

Bei Schlafstörungen sollte zunächst mit dem Hausarzt gesprochen werden.

Wie diagnostiziert man eine Schlafstörung?

Die Diagnose ist nicht einfach. Häufig handelt es sich um verschiedene Ursachen, die auch in der Vergangenheit liegen können und die die Betroffenen gar nicht mehr auf ihre Erkrankung beziehen. Zur Diagnostik werden deshalb verschiedene Verfahren verwendet, die die Beschwerden möglichst genau abbilden sollen.

Wenn der Verdacht besteht, werden in der Regel zunächst Schlaftagebücher und –Fragebögen ausgefüllt. Auffälligkeiten werden notiert – aber auch Regelmäßigkeiten spielen natürlich eine Rolle. Folgende Aspekte sollten in einem Schlaftagebuch berücksichtigt werden:

  • Gibt es außergewöhnliche Vorkommnisse wie Zähneknirschen, Schnarchen oder Schlafwandeln?
  • Liegt eine besondere Lebenssituation vor?
  • Ist man nachts bewusst wach?
  • Wie wird die Schlafqualität wahrgenommen?
  • Wie verhält man sich nach dem Aufwachen und vor dem Schlafengehen?
  • Wann ist Schlafenszeit?

Für den Patienten bietet das Schlaftagebuch die Möglichkeit, sein eigenes Verhalten zu reflektieren. Manche Patienten erkennen bereits bei der Auswertung selbst die Gründe für ihre Schlafprobleme. Außerdem erleichtert die Aufzeichnung den Überblick über die Beschwerden für Patient und Arzt. Der Arzt kann direkt mit einer Analyse beginnen.

Mithilfe der Krankengeschichte des Patienten versucht der Arzt, eine Diagnose zu finden. Das ist aber nicht ganz leicht, da bestehende Krankheiten nicht automatisch ursächlich für die Schlafprobleme sind und auch längst vergangene Erkrankungen ursächlich sein können. Deshalb wird häufig durch den Arzt zunächst eine organische Insomnie diagnostiziert, deren Diagnose durch die weitere Behandlung angepasst wird. Bei der Anamnese muss der Arzt neben akuten und vergangenen Krankheitsbildern auch die Einnahme von Medikamenten, Substanzen und Drogen abklären.

Analysemöglichkeiten zur Diagnosefindung

Verschiedene Analysemöglichkeiten können die Diagnosefindung erleichtern. So kann die subjektive empfundene Tagesschläfrigkeit durch die „Epworth Schläfrigkeitsskala“ festgestellt werden. Liegt das Ergebnis bei über 10, leidet der Patient unter einer krankhaften Schlafstörung vor. Mithilfe des „Pittsburgh Sleep Quality Index“ ist außerdem die subjektiv wahrgenommene Schlafqualität ermittelbar.

Um die Schlafprobleme besser analysieren zu können, müssen die Patienten in der Regel eine Nacht im Schlaflabor verbringen. Es erfolgt dann die Durchführung der Polysomnographie. Diese umfasst verschiedene Untersuchungen, wie die Kontrolle der Atmung, ein EEG und EKG, ein Elektromyogramm, ein Elektrookulogramm, die Untersuchung der Lage des Körpers und die Messung des Sauerstoffgehaltes im Blut.

Nach Erstellung der Polysomnographie, kann der Somnologe die Ergebnisse analysieren und feststellen, ob es Schlafstörungen gibt, und ob es sich um eine akute oder chronische Insomnie handelt. In manchen Fällen kommen ein Langzeit-EEG oder ein CT und MRT zur weiteren Diagnose zum Einsatz. Zur Analyse von schlafbezogenen Bewegungsstörungen kann eine Aktigraphie gemacht werden, bei der über einen Sensor am Hand- oder Fußgelenk die Bewegungen nachts aufgezeichnet werden.

Therapie und Behandlung

Kurzfristig können Schlafmittel und andere Medikamente Abhilfe schaffen. Diese beheben aber nicht die Ursache und sofern es sich nicht um eine akute, sondern um eine chronische Schlafstörung handelt, sollte diese Möglichkeit nicht zur Dauerlösung werden. Die chronische Erkrankung sollte auf jeden Fall mit verhaltenstherapeutischen Maßnahmen wie eine kognitive Verhaltenstherapie von einem Experten behandelt werden, da sie auf Dauer gesundheitliche Folgen haben können.

Verschiedene Entspannungstechniken wie Yoga oder autogenes Training können zur Unterstützung der Therapie eingesetzt werden und können eine beruhigende Wirkung haben. Sie helfen dem Patienten, Muskeln zu entspannen und abzuschalten, verbessern aber nicht den Erholungswert des Schlafes an sich. Eine Kombination von Therapie und Entspannung ist ideal, um den gesunden Schlaf bzw. erholsamen Schlaf effektiver zu gestalten und zu verlängern.

Schlafstörungen die häufig bei Kindern auftreten, wie der bereits erwähnte Nachtschreck und die Schlaftrunkenheit, sind typisch und müssen nicht behandelt werden. Sie können gelegentlich auftreten und dauern meist nicht über einen längeren Zeitraum an.

Nicht-medikamentöse Behandlung

Neben der gezielten Therapie kann auch das Umstellen von Lebens- und Essgewohnheiten gegen Schlafprobleme helfen. Man spricht dabei von der sogenannten Schlafhygiene, die verschiedene Bereiche umfasst. Wichtige Punkte einer gelungenen Schlafhygiene sind zum Beispiel ein gutes Bett und eine hochwertige Matratze, die für Gewicht und Größe geeignet ist.

Auch die Nahrung sollte entsprechend angepasst sein: Sie sollte nicht zu reichhaltig, zu scharf und nicht zu spät eingenommen werden. Koffeinhaltige Getränke und Zigaretten sollten nicht vor dem Schlafengehen konsumiert werden, denn sie können den guten Schlaf beeinträchtigen. Ruhe, Dunkelheit und eine passende Temperatur sind für die Schlafhygiene ebenfalls von Bedeutung.

Welche Rolle spielt das Das Endocannabinoidsystem?

Das Endocannabinoidsystem beeinflusst verschiedene Funktionen im Körper, so zum Beispiel die Schmerzwahrnehmung und den Appetit sowie auch die Schlafregulierung. Das Netzwerk von Cannabinoidrezeptoren (CB1 und CB2) ist im gesamten Körper verteilt, vor allem aber im Nervensystem, Immunsystem und im Gehirn. Man kann sich diese Rezeptoren wie ein Schloss auf den Zellenoberflächen vorstellen. Dieses Schloss wird geöffnet, wenn die körpereigenen Cannabinoide (Endocannabinoide) oder die Cannabinoide aus der Hanfpflanze dort andocken. Infolge dessen können die Cannabinoide ihre unterschiedlichen Wirkungen entfalten.

Dass nun das Endocannabinoidsystem am Schlafwachrhythmus beteiligt ist, zeigen verschiedene Untersuchungen. Unter anderem haben die Forscher der University of A Coruña in Spanien gezeigt, dass das körpereigene Cannabinoid Anandamid durch die Aktivierung des CB1-Rezeptors die Aktivität im Thalamus erhöht, woraus sie schlussfolgerten, dass Endocannabinoide bei der Regulation des Schlaf-Wach-Zyklus sowie der Wachheit (Tag-Nacht-Rhythmus) eine Rolle spielen.

Im Rahmen einer weiteren Untersuchung konnte beobachtet werden, dass die Anandamid-Konzentration nachts höher ist und mit anderen Neurotransmittern schlaffördernd wirkt. Hingegen ist das Endocannabinoid 2-Arachidonylglycerol (2-AG) tagsüber in höherer Konzentration vorhanden, sodass angenommen wird, dass dieses körpereigene Cannabinoid vermutlich am Wachwerden/Wachbleiben beteiligt ist.

Wie genau diese Regulationen funktionieren, ist noch nicht geklärt. Hinzu kommt außerdem, dass weitere Systeme im Körper den Schlaf Wach Rhythmus steuern bzw. hieran beteiligt sind. Wenn jedoch das Endocannabinoid System in das System des Schlaf-Wach-Rhythmus eingreifen kann, könnte dieses System auch durch von außen zugeführte Cannabinoide aus der Hanf Pflanze einen positiven Effekt haben.

CBD gegen Schlafstörungen

In diesem Zusammenhang ist auch eine aktuelle Studie interessant, deren Ergebnisse erst im April 2018 veröffentlicht wurden. Die Forscher der University of Sao Paulo untersuchten CBD auf den Schlaf-Wach-Rhythmus. Ziel der Studie war es, die Wirkung einer klinisch anxiolytischen Dosis von CBD auf den Schlaf-Wach-Zyklus von gesunden Probanden zu bewerten.

An der Studie nahmen 27 gesunde Probanden teil, die CBD oder ein Placebo erhielten. Während die Probanden schliefen, wurden Polysomnographie-Aufnahmen gemacht. Von anxiolytischen und antidepressiven Arzneimitteln wie Benzodiazepinen und selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern ist bekannt, dass diese den Schlaf-Wach-Rhythmus beeinflussen können. Eine schlaffördernde Wirkung wurde von den Forschern zwar nicht beschrieben, jedoch wurde ausgeführt, dass CBD den Schlafzyklus der Probanden nicht negativ beeinträchtigte.

Während des Schlafens durchlaufen wir verschiedene Phasen.

Schlaf-Wach-Rhythmus: Wie schlafen wir eigentlich?

Es existieren zwei Schlafarten, und zwar der sogenannte Non-REM-Schlaf (NREM), der auch als nicht-schneller Augenbewegungsschlaf bezeichnet wird und aus drei Stadien besteht, sowie den REM-Schlaf (schneller Augenbewegungsschlaf), der eine eigene Schlafphase darstellt. Jede Nacht findet fünf- bis sechsmal ein vollständiger Schlafzyklus statt. Dabei dauert der erste volle Zyklus 70 bis 100 Minuten an. Die restlichen Zyklen dauern 90 bis 120 Minuten. Die Definition der Schlafphasen erfolgt so:

  • Stufe 1: Hier wandelt sich die Wachheit in die Schlafphase innerhalb mehrerer Minuten. Der Herzschlag, die Atmung sowie die Augenbewegungen verlangsamen sich. Die Muskeln entspannen und es kann zu Zuckungen kommen.
  • Stufe 2: Bevor es in den Tiefschlaf geht, kommt der leichte Schlaf. Die Körperfunktionen verlangsamen sich weiter und die Körpertemperatur sinkt. Auch die Gehirnwellen nehmen an Aktivität ab.
  • Stufe 3: Hier handelt es sich um die Tiefschlafphase, die in der ersten Hälfte der Nacht länger auftritt und dafür sorgt, dass wir morgens erholt aufwachen. Während des Schlafzyklus sind die Gehirnwellen wenig aktiv, dafür ist aber der Körper beschäftigt, unter anderem damit, dass Immunsystem zu stärken und das Muskelgewebe zu reparieren.
  • Stufe 4: Dieses Schlafstadium tritt ungefähr 90 Minuten nach dem Einschlafen ein. Hinter den geschlossenen Augenlidern bewegen sich die Augen sehr schnell und die Aktivität der Gehirnwellen zeigt gemischte Frequenzen an. Zudem atmen wir schneller und Blutdruck sowie Herzfrequenz steigen an, fast so, als wenn wir wach wären. Wenn wir träumen, passiert dies meist während dieser Schlafphase. Aber auch im NREM können Träume auftreten. Um die Träume auszuleben, wird unsere Arm- und Beinmuskulatur kurzzeitig gelähmt. Wir verarbeiten dann das, was wir am Tag erlebt haben und konsolidieren verschiedene Erinnerungen. Je älter wir werden, desto weniger schlafen wir im REM.

Was sagen Studien zu der schlaffördernden Wirkung von Cannabis?

Dieser Frage nahm sich auch die University of California an und führte in den Studienergebnissen aus, dass Cannabis zur Förderung des Schlafes verwendet wird und dass die Auswirkungen auf den Schlaf je nach Cannabissorte variieren können. An der Studie nahmen 163 erwachsene Probanden teil, die medizinisches Cannabis aus der Apotheke nutzten. Diese sollten unter anderem über ihre Schlafprobleme (Schlaflosigkeit, Albträume etc.), Schlafqualität und die verwendete Cannabissorte Auskunft geben.

81 Teilnehmer berichteten über den Cannabiskonsum zur Behandlung von Schlaflosigkeit und 14 Teilnehmer zur Verringerung der Albträume. Diejenigen, die Cannabis zur Verringerung von Albträumen verwendeten, bevorzugten Sativa- gegenüber Indica-Stämmen. Probanden mit einer aktuellen Schlafstörung und einer größeren Schlaflatenz nutzten Cannabissorten mit einem höheren CBD-Gehalt und einem niedrigen THC Gehalt.

Außerdem heißt es in den Ergebnissen, dass Teilnehmer, die wöchentlich Schlafmedikamente einnahmen, eine niedrigere THC-Konzentration bevorzugten im Vergleich zu jenen, die wöchentlich weniger Schlaftabletten einnahmen. Weiter heißt es, dass kontrollierte prospektive Studien notwendig seien, um den Einfluss bestimmter Komponenten von Cannabis auf die Schlafqualität charakterisieren zu können.

Weitere interessante Untersuchungen

Interessant ist auch ein Bericht von Forschern der University of Colorado. Hier wird von einer zehnjährigen Patientin berichtet, die unter einer posttraumatischen Belastungsstörung und infolge dessen an Schlafstörungen litt. Die Gabe von CBD-Produkten bzw. CBD-Öl zeigte eine positive Wirkung und führte zu einer stetigen Verbesserung der Schlafqualität und -quantität. Die Forscher beschreiben CBD-Öl als eine wirksame Alternative zu pharmazeutischen Medikamenten.

Erwähnenswert ist auch eine Studie von der University of Michigan, bei der Cannabispatienten zu ihren Schlafproblemen befragt wurden. Die meisten Teilnehmer führten die Schlafprobleme auf ihre aktuellen Schmerzen zurück. Ungefähr 80 Prozent der Teilnehmer berichteten, dass sie in den letzten sechs Monaten Cannabis als Medizin konsumiert hatten, um den Schlaf zu verbessern, und unter diesen Teilnehmern wurde Cannabis als hilfreich für die Verbesserung des Schlafs eingestuft. Nebenwirkungen waren selten (35 %).

Cannabis als Schlafmittel: Abwägung des Für und Wider

Wenn leichte Schlafstörungen auftreten, können relativ simple Methoden helfen. So sollte abends auf koffeinhaltige Getränke und Alkohol verzichtet und das Zubettgehen mit vollem Magen vermieden werden. Zudem ist der Verzicht auf das Mittagsschläfchen sehr wichtig, genauso das Antrainieren eines regelmäßigen Rhythmus, was einen positiven Effekt haben kann. Das heißt, es ist förderlich, wenn es feste Aufsteh- und Zubettgehzeiten gibt. Auch die regelmäßige Bewegung an der frischen Luft kann dabei helfen, abends besser einzuschlafen.

Bei starken und vor allem chronischen Schlafstörungen kann die Einnahme eines Medikamentes in Erwägung gezogen werden. Cannabis, insbesondere THC kann das Einschlafen fördern, da das Cannabinoid den Blutdruck senkt und die Arterien erweitert. Dies kann eine beruhigende Wirkung zur Folge haben. Grundsätzlich kann also Cannabis eine Alternative zu den klassischen Schlaftabletten sein.

Darüber hinaus kann auch der Einsatz von CBD-Öl als Hilfsmittel infrage kommen. Dieses hat den Vorteil, dass es nicht-psychoaktiv und legal in Deutschland käuflich ist. Je nach Dosierung kann CBD jedoch verschiedene Wirkungen entfalten. So kann CBD in geringen Dosen wachmachend wirken und in höheren Dosen eine sedierende Wirkung haben. Dennoch könnten Betroffene einen Versuch mit CBD-Öl wagen, da es sehr nebenwirkungsarm ist.

Egal, ob nun Cannabis, CBD-Öl oder Schlaftabletten gegen Schlafstörungen genutzt werden – es muss immer beachtet werden, dass diese bei einer längerfristigen und regelmäßigen Anwendung Schlafstörungen verursachen können. Dies passiert meist, wenn das entsprechende Präparat abgesetzt wird. Der Einsatz derartiger „Hilfen“ sollte also nur mit Bedacht erfolgen.

 

 

Hinweis: In diesem Artikel berichten wir über rezeptpflichtiges CBD oder auch Cannabidiol. Dieser Artikel macht zur möglichen Zweckbestimmung keinerlei Vorschlag. Nutzversprechen bleiben den Apothekern überlassen.

 

 

 

Quellen:

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