Medizinalhanf für Kinder: Forscher fassen Studienergebnisse zusammen

Autor: Alexandra Latour

Veröffentlicht am:

Geändert am:

Forscher haben jetzt untersucht, in welchen Fällen Medizinalhanf auch Kindern helfen könnte. Bisher wird Cannabis als Medizin bei Kindern lediglich gegen Epilepsie sowie Übelkeit und Erbrechen im Rahmen einer Chemotherapie eingesetzt.

Medizinalhanf für Kinder: Forscher fassen Studienergebnisse zusammen

In einer aktuellen Auswertung des Fachjournals „Pediatrics“ kommen die Autoren zu dem Schluss, dass Medizinalhanf bei Kindern aktuell nur gegen Chemotherapie-induzierte Übelkeit und Erbrechen sowie gegen Epilepsie Anwendung findet. Und auch in diesen Anwendungsfeldern muss der Nutzen gegenüber den Risiken genau abgewogen werden, da die Risiken für Kinder und Jugendliche höher sind als bei Erwachsenen.

Shane Shucheng Wong von der psychiatrischen Abteilung des Massachusetts General Hospitals erklärt, dass man aktuell keine gute Evidenz habe, dass Medizinalhanf Kindern und Jugendlichen bei Erkrankungen, außer Epilepsie und Chemotherapie-induzierter Übelkeit und Erbrechen, helfen könnte.

Die Autoren sichteten die vorhandene Literatur zum Einsatz von Cannabis als Medizin bei Kindern und Jugendlichen. Im Ergebnis heißt es, dass lediglich 21 Veröffentlichungen mit 795 Studienteilnehmern den Einschlusskriterien entsprachen. Jedoch sei bei vielen dieser Veröffentlichungen der Evidenzgrad als eher niedrig einzustufen.

So waren nur fünf Studien randomisiert kontrolliert, was bedeutet, dass Probanden zunächst nach dem Zufallsprinzip in Gruppen aufgeteilt werden. Anschließend erhält eine Gruppe den zu untersuchenden Wirkstoff, während die andere Gruppe entweder ein Placebo oder gar keinen Wirkstoff erhalten.

Die Wirksamkeit von Medizinalhanf bei Chemotherapie-bedingter Übelkeit und Erbrechen wurde in sechs Studien untersucht, davon waren vier randomisiert kontrolliert. Die Behandlung mit Medizinalhanf war der Standardbehandlung mit antiemetischen Medikamenten überlegen. Zur Wirksamkeit von Medizinalhanf gegen Epilepsie gibt es elf Studien und hier konnte Cannabis die Anfallshäufigkeit reduzieren, sogar bei einigen Patienten, denen Standardtherapien nicht geholfen hatten.

Ärzte als auch Eltern sollten den aktuellen wissenschaftlichen Stand kennen, umso eine Entscheidung bezüglich einer Cannabis-Behandlung treffen zu können. Bei Kindern und Jugendlichen sind stets die Risiken für die Hirnentwicklung zu bedenken, denn das Gehirn eines Kindes ist wesentlich empfindlicher als das eines Erwachsenen.

Vom Cannabiskonsum zu Genusszwecken weiß man, dass hierdurch die Aufmerksamkeit sowie  das Lern- und Erinnerungsvermögen negativ beeinträchtigt werden können. Aus diesem Grund sollte vor einer Behandlung immer ein Spezialist zu Rate gezogen werden.

Mehr zu diesem Thema auf Leafly.de

Quellen:

Ähnliche Artikel