Medizinalhanf – Import nicht ausgeschöpft

Viele Cannabispatienten haben Erfahrungen mit Lieferengpässen machen müssen. Die benötigte Cannabissorte ist nicht immer in der Apotheke erhältlich. Eine Anfrage der Linken hat jetzt gezeigt: Die Bundesregierung hat 2018 die möglichen Einfuhrmengen von Medizinalcannabis nicht ausgeschöpft.

Medizinalhanf – Import nicht ausgeschöpft

Weniger Medizinalhanf eingeführt als möglich

Nach Deutschland wurde im Jahr 2018 weit weniger Medizinalhanf eingeführt, als rechtlich möglich wäre. Das ergab eine Kleine Anfrage des Linken-Politikers Niema Movassat. So wurden im Jahr 2018 lediglich 3,1 Tonnen an Medizinalcannabis eingeführt. Möglich wäre aber der Import von insgesamt 42,8 Tonnen gewesen.

„Die Bundesregierung nimmt die medizinische Versorgung von Cannabis noch immer nicht ernst“, kommentierte Movassat gegenüber der PNP.

„Der Markt ist leer“

Medizinalhanf wird derzeit aus Kanada und den Niederlanden nach Deutschland eingeführt. Allerdings gab im Januar 2019 auch die israelische Regierung medizinisches Cannabis zum Export frei. Ob Deutschland auch Medizinalhanf aus Israel einführen wird, ist noch unklar. (Leafly.de berichtete)

„Die tatsächlichen Importmengen verdeutlichen, wie extrem die Lieferengpässe sind“, erklärt Niema Movassat: „Der Markt ist schlicht leergefegt.“

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat im April die Genehmigung für den Anbau von 7,2 Tonnen medizinischem Cannabis für die kommenden vier Jahre genehmigt. Mit einer ersten deutschen Ernte kann aber laut BfArM frühestens Ende 2020 gerechnet werden.

Patienten versorgen sich häufig illegal

In ihrer Not versorgen sich Cannabispatienten häufig über illegale Wege mit Cannabis. Das ergab eine Befragung der Universität des Saarlandes unter Ärztinnen und Ärzten. Denn mehr als 40 Prozent der Ärzte haben den Eindruck, Patienten würden sich zusätzlich illegal mit Cannabis-Produkten versorgen. Die Hälfte der Ärzte sieht den Grund dafür in der mangelnden Verfügbarkeit von pharmazeutischem Cannabis.

Einsatzgebiete von Medizinalhanf

Die Linke hat in ihrer Kleinen Anfrage auch nach dem Einsatzgebiet von Cannabis als Medizin gefragt. Aus der Antwort der Bundesregierung geht hervor, dass sich der Einsatz von Cannabis in der Medizin ausdehnt. Mit Abstand am häufigsten wird es bei chronischen Schmerzen verschrieben. Es kommt aber auch bei Spastik, Anorexie sowie Übelkeit und Erbrechen zum Einsatz. Danach folgen Depressionen und ADHS. Die Antwort der Bundesregierung beruht auf den ersten Ergebnissen der Begleiterhebung, die parallel zu einer Behandlung mit Cannabis erhoben wird. Mehr zu den Ergebnissen der Begleiterhebung hier.

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