Cannabidiol CBD gegen Angst Störungen

Autor: Alexandra Latour

Veröffentlicht am: 1. November 2017

Geändert am: 18. November 2017

Cannabidiol (CBD), das zweitbekannteste Cannabinoid aus der Hanfpflanze, rückt immer mehr in den Fokus der Forschung, denn das Cannabinoid ist unter anderem für seine entzündungshemmende, entkrampfende, angstlösende und antipsychotische Wirkung bekannt. Kann also CBD in der Zukunft eine nebenwirkungsfreie Alternative und/oder Ergänzung zu den aktuell verfügbaren Medikamenten sein? Mehr als vier Millionen Menschen in Deutschland leben mit einer Angststörung, so die Weltgesundheitsorganisation (WHO). Nach Depressionen ist die Angststörung die zweithäufigste psychische Erkrankung. Aufgrund dieser Entwicklung hat die Pharmaindustrie in den vergangenen Jahren zahlreiche Medikamente zur Angstbehandlung entwickelt. Diese versprechen eine Linderung, sind aber nicht nebenwirkungsfrei.

CBD, auch bekannt als Cannabidiol, ist wie Delta-9-Tetrahydrocannabinol, bekannt als THC, eines von ueber 100 Cannabinoiden, die in Cannabispflanzen enthalten sind. Dieses wichtige Phytocannabinoid, macht bis zu 40% des Pflanzenextraktes aus.

Entdeckt wurde das Cannabinoid CBD bereits im Jahr 1963 von Raphael Mechoulam, einem Hochschullehrer an der Hebräischen Universität Jerusalem, Israel.

Im Gegensatz zu THC wirkt CBD nicht psychoaktiv. Vielmehr wird CBD eine mildernder Effekt zugeschrieben, der die psychoaktiven Effekte des THC abschwaecht.

Somit ist CBD ein Wirkstoff, der für den medizinischen Nutzen sehr interessant ist. Es konnte bereits nachgewiesen werden, dass CBD entzündungshemmend, entkrampfend und angstlösend wirken kann. Auch wird dem Cannabinoid eine antipsychotische Wirkung nachgesagt, was aktuell erforscht wird.

Um die angstlösende CBD-Wirkung zu verstehen und wie das Cannabinoid in der Angstbehandlung eingesetzt werden kann, müssen wir zunächst einen Schritt zurückgehen.

Angst Definition: Was ist Angst, und warum ist sie so wichtig?

Angst ist ein wichtiger Instinkt und eine natürliche Reaktion, die seit Urzeiten fest in uns verankert ist. Einst war sie sogar für uns überlebenswichtig. Standen wir einem Säbelzahntiger gegenüber bereitete uns die Angst auf die Flucht oder den Angriff vor. Heute nehmen wir die Angst nicht mehr ganz so bewusst war, sondern verspüren vielleicht nur ein beklemmendes Gefühl oder ein Zögern.

Dennoch schützt uns die Angst. Das zeigt sich beispielsweise, wenn wir über die Straße gehen möchten. Unser Instinkt wittert eine mögliche Gefahr und instinktiv sehen wir nach links und nach rechts, bevor wir die Straße überqueren. Die Angst ist also ein sinnvolles Gefühl und hilft uns dabei, Gefahren zu vermeiden.

Liegt jedoch eine Angststörung vor, kann die Angstreaktion auch in nicht gefährlichen Situationen, wie zum Beispiel an der Kasse im Supermarkt, auftreten und ist unangemessen übersteigert. Die Angst entwickelt dann eine Eigendynamik und es kommt zu einer Fehlsteuerung des Angst-Stress-Reaktionssystems.

Diagnostik: Was wird unter einer Angststörung verstanden?

Die heutige Diagnostik differenziert unter anderem zwischen den folgenden Krankheitsbildern:

Panikstörung (Paniksyndrom): Betroffene leiden an immer wieder plötzlich auftretenden Panikattacken (Angstanfällen), ohne dass eine reale Gefahr besteht. Dabei scheint die körperliche Angstreaktion aus heiterem Himmel zu kommen, was Betroffene als gesundheitliche Bedrohung erleben.

Die Panikattacken-Symptome zeigen sich auf körperlicher Ebene in Form von Herzrasen, Engegefühl in der Brust, Atemnot, Schweißausbrüchen, Hitzegefühle, Kälteschauer, Zittern, Kribbeln oder Taubheitsgefühle sowie Übelkeit. Die psychischen Symptome sind die Angst, verrückt zu werden, die Kontrolle zu verlieren oder zu sterben.

  • Generalisierte Angststörung: Bei der generalisierten Angststörung erleben Betroffene eine anhaltende, generalisierte Angstgefühle, die nicht auf bestimmte Umgebungsbedingungen beschränkt ist. Betroffene leiden an (oftmals) unbegründeten Sorgen/Befürchtungen, der Angst vor Erkrankungen oder zukünftigen Unglücken. Die Angst-Symptome zeigen sich in Konzentrationsstörungen, Nervosität, Hitzewallungen, ständige Angespanntheit, Benommenheit, Spannungskopfschmerzen, Muskelverspannungen und Schlafstörungen.
  • Agoraphobie (Platzangst) und Klaustrophobie (Angst vor engen Räumen): Anders als bei der Panikstörung und der generalisierten Angststörung, deren Symptome meist ohne erkennbaren Grund auftreten, werden die Platzangst und die Klaustrophobie durch bestimmte Orte bzw. Situationen wie Menschengedränge oder enge Räume ausgelöst. Im Extremfall sind Betroffene nicht mehr in der Lage, ihre Wohnung zu verlassen.
  • Soziale Phobie: Betroffene mit einer sozialen Phobie meiden aus unterschiedlichen Gründen gesellschaftliche Zusammenkünfte. Sie befürchten, auf Ablehnung zu stoßen oder dass sie die Erwartungen von anderen nicht erfüllen können. Begleitet wird dies mit der Angst, dass andere ihnen ihre Angst oder Nervosität ansehen könnten. Auch hier werden die Ängste durch verschiedene körperliche Symptome wie Beklemmungs- oder Schwindelgefühle, Übelkeit, Würgereiz, Kopf- und Magenschmerzen und Durchfall begleitet.

Wie entsteht die Angst im Körper?

Angst entsteht im Körper nach einem Schema: Unsere Sinnesorgane nehmen zunächst etwas wahr. Also kann es sein, dass wir etwas sehen, spüren, hören, riechen oder schmecken. Diese Wahrnehmung gelangt in unser Gehirn und die Großhirnrinde interpretiert diese aufgrund unserer vergangenen Erfahrungen – im Falle der Angst als lebensgefährlich.

Diese Meldung gelangt dann in das sogenannte limbische System, das aus der Amygdala (Mandelkern) und dem Hippocampus besteht. Der Hypothalamus löst dann die Angstsymptome, indem er dem Nebennierenmark signalisiert, Adrenalin, Noradrenalin, Kortison und Kortisol auszuschütten.

Infolge dessen werden das sympathische und parasympathische Nervensystem aktiviert. Dieser Prozess entwickelt sich innerhalb von Millisekunden und manchmal entsteht diese Reaktion sogar, ohne dass die Wahrnehmung zunächst interpretiert wird. Das passiert zum Beispiel, wenn wir plötzlich aufschrecken.

Welche Angstsymptome werden durch das Nervensystem hervorgerufen?

Verantwortlich für die körperlichen Reaktionen ist das sympathische Nervensystem, das folgende Symptome hervorruft:

  • Der Herzschlag erhöht sich und infolge dessen erweitern sich die Herzkranzgefäße und der Blutdruck steigt an. Die Blutgefäße der inneren Organe und der Haut verengen sich.
  • Die Skelettmuskeln spannen sich aufgrund der stärkeren Durchblutung an. Wir sind dann bereit zur Flucht oder zum Kampf.
  • Das Blut verdickt sich, was zur Vorbereitung auf mögliche Verletzungen passiert.
  • Die Bronchien erweitern sich, wodurch wir schneller atmen. Der Körper wird besser mit Sauerstoff versorgt.
  • Der Stoffwechsel wird beschleunigt, damit wir mehr Energie bekommen.
  • Die Verdauung, der Harn- und Stuhldrang werden eingestellt und wir verspüren keinen Appetit oder Hunger. Außerdem steigen die Blutfettwerte (Cholesterin) und Blutzuckerspiegel.
  • Die Geschlechtsorgane werden schwächer durchblutet, da der Sexualtrieb weder für die Flucht noch für den Angriff nützlich ist.
  • Damit wir besser sehen können, weiten sich unsere Pupillen.
  • Um genügend Energie zu bekommen, zapft der Körper unsere Energiereserven an.
  • Der Körper entwickelt kalten Schweiß und die Körpertemperatur steigt an.
  • Wir fühlen uns unruhig, erregt und nervös. Dabei sind wir aber hellwach und konzentrieren uns auf die „Gefahr“.

Das parasympathische Nervensystem sorgt dafür, dass unser Körper in den Normalzustand zurückgekehrt.

Angststörungen und ihre Ursachen

Es existieren unterschiedliche Theorien über die Entstehung von Angsterkrankungen. Psychologische und neurobiologische Faktoren spielen hier eine wichtige Rolle und auch genetische Faktoren scheinen bedeutsam zu sein. Langanhaltende stressreiche Phasen, traumatische Erlebnisse, körperliche oder seelische Gewalt können eine Angsterkrankung auslösen.

Mediziner und Forscher gehen davon aus, dass das Gleichgewicht von Botenstoffen (Neurotransmittern), wie zum Beispiel Noradrenalin, Serotonin oder Gamma Aminobuttersäure (GAB) im Gehirn gestört ist. Die Ursachen sind aber dennoch nicht vollends geklärt.

Therapiemöglichkeiten bei einer Angsterkrankung

Bei leichten Ängsten helfen meist schon Entspannungsverfahren und ein Stressabbau. Wenn die Angsterkrankung jedoch so belastend ist, dass Betroffene ihren Alltag nicht mehr meistern können, kann eine Angsttherapie bzw. Verhaltenstherapie eine sinnvolle Hilfe bieten. Diese hat sich insbesondere bei Angststörungen als effektiv erwiesen. Neben der Angsttherapie werden auch häufig angstlösende Medikamente verordnet.

Wie wirksam sind Angstmedikamente?

Mithilfe von Psychopharmaka kann meist nur eine kurzzeitige Besserung der Symptome erreicht werden, solange das jeweilige angstlösende Medikament eingenommen wird. Eine „Heilung“ der Angsterkrankung ist damit nicht möglich. Auch eine Verhaltenstherapie kann durch die Einnahme von Medikamenten nicht ersetzt werden. Problematisch ist zudem, dass Medikamente den Erfolg einer Therapie gefährden können.

So kann unser Gehirn das Erlernte nur zustandsabhängig abspeichern. Nach dem Absetzen der Medikamente können die erworbenen Fortschritte, wie zum Beispiel durch eine Reizkonfrontation, verschwinden, da der Betroffene das Erlernte nicht in den medikamentenlosen Zustand entsprechend übertragen kann.

Es wird immer wieder kontrovers darüber diskutiert, ob überhaupt, und wenn ja, welche Angstmedikamente verordnet werden sollen. Während die eine Seite behauptet, dass Medikamente wie Antidepressiva eine Besserung der Angsterkrankung bringen, führt die andere Seite aus, dass diese Medikamente nur unbefriedigend wirken und ein gefährliches Nebenwirkungsprofil aufweisen.

Beispielsweise wurde im Jahr 2013 im Deutschen Ärzteblatt berichtet, dass Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) wirksam und im Allgemeinen gut verträglich sei. Andererseits berichtet die Weisse Liste gemeinnützige GmbH, dass Angstmedikamente nur bei 54 von 100 Patienten wirken.

Welche Medikamente werden gegen Angst verordnet?

Zu Informationszwecken, und weil eben CBD andere Wirkmechanismen besitzt, werden im nachfolgenden die Medikamente beschrieben, die am häufigsten bei Angsterkrankungen verschrieben werden. Eine Empfehlung für oder gegen diese Medikamente darf hier nicht abgeleitet werden.

Medikamentengruppe Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) Benzodiazepine (Tranquilizer)
Wirkstoffgruppe u.a. Sertralin, Fluoxetin, Citalopram, Paroxetin, Escitalopram, Fluvoxamin u.a. Diazepam, Lorazepam, Alprazolam, Bromazepam
Indikation Milderung von Angsterkrankung, Stimmungsaufhellung bei Depressionen Angststörungen, Epilepsie, Unruhe, schwere Erregungszustände
Wirkung SSRI sollen aktivierend, angstlösend und stimmungsaufhellend wirken und blockieren den Rücktransport von Serotonin („Glückshormon“) in seine zellulären Speicher. Der Botenstoff bleibt hierdurch länger im Synapsenspalt, sodass die Wirksamkeit erhöht wird. Benzodiazepine greifen in den Stoffwechsel der Nervenzellen im Gehirn ein und hemmen die Erregbarkeit der Nervenzellen. Sie gelten als schnell wirkende Beruhigungsmittel bei Angst.
Eintritt der Wirkung nach 2-4 Wochen innerhalb weniger Minuten
Nebenwirkungen u.a. Angst, Mundtrockenheit, Schwindel, Übelkeit, Durchfall, Nervosität, Zittern, vermehrtes Schwitzen Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit, Agitation, Verstopfung, Sexualtriebabnahme, Gewichtszunahme u.a. Benommenheit, Müdigkeit, Schwindel, eingeschränktes Denkvermögen, Blutdruckabfall, Muskelschwäche, Mundtrockenheit, Sexualtriebabnahme
Abhängigkeitspotenzial Körperlich: niedrig

Psychisch: hoch

Körperlich: sehr hoch

Psychisch: sehr hoch

Pflanzliche Mittel gegen Angst

Es gibt einige pflanzliche Mittel gegen Angst bzw. pflanzliche Antidepressiva, die in der Volksmedizin als angstdämpfend, beruhigend und schlaffördernd gelten. Diese sogenannten Phytopharmaka können unter Umständen Angstzustände lindern und für ein besseres Wohlbefinden sorgen. Hierzu gehören:

Pflanzliche Substanz Beschreibung Wirkung
Baldrian Durch Baldrian wird eine Erhöhung der GABA-Konzentration im synaptischen Spalt bewirkt. Außerdem wirkt Baldrian auf die Adenosin-Rezeptoren. beruhigend und schlaffördernd
Melisse Melisse kann den Appetit anregen und wird häufig bei psychosomatischen Beschwerden im Magen-Darm-Trakt angewendet. Außerdem soll es bei nervös bedingten Einschlafstörungen helfen. Die Wirksamkeit wird jedoch als unbefriedigend beschrieben. Magen-Darm-Beschwerden, Einschlafstörungen
Hopfen Der Inhaltsstoff Methylbutenol hat in Tierversuchen eine sedative Wirkung gezeigt. Klinische Studien fehlen jedoch. In Kombinationspräparaten mit Baldrian und Melisse, soll die Hopfen-Wirkung besser zur Geltung kommen. beruhigend und schlaffördernd
Lavendel Die Wirksamkeit von Lavendel ist noch wenig erforscht, jedoch soll sie schwach beruhigend sein. beruhigend und schlaffördernd
Passionsblume Die Wirkung von Passionsblumenextrakt ist nicht erwiesen, jedoch wird es bei Angstzuständen, Einschlafschwierigkeiten und nervöser Unruhe eingesetzt. beruhigend
Johanniskraut In einigen Studien konnte nachgewiesen werden, dass Johanniskrautextrakt bei leichten bis mittelschweren Depressionen wirksam ist. Die Wirksamkeit als Beruhigungsmittel bei Angst ist jedoch nicht gesichert. depressive Verstimmungen

Cannabis Wirkung auf den Körper: Wie wirkt CBD?

Die THC-Wirkung im Körper ist gut erforscht und es ist nachgewiesen worden, dass THC die Cannabinoidrezeptoren im Körper aktiviert. Bekannt sind vor allem die Cannabinoidrezeptoren CB1 und CB2. Werden diese durch das THC aktiviert, entwickelt sich die bekannte psychische Wirkung sowie auch die therapeutisch nutzbaren Wirkungen.

Somit beeinflusst THC das körpereigene Endocannabinoidsystem. Die Wirkmechanismen von CBD, das nicht-psychoaktive Cannabinoid, sind wesentlich vielfältiger und längst sind noch nicht alle erforscht.

Bekannt ist, dass CBD die folgenden Rezeptoren beeinflussen kann:

  • CB1-Rezeptor: Schon vor Jahrzehnten wurde entdeckt, dass der CB1-Rezeptor durch das CBD blockiert wird und die THC-Wirkungen wie die Appetitanregung, die Steigerung der Herzfrequenz sowie die psychoaktive Wirkung hemmt. Des Weiteren hemmt CBD die Aufnahme und den Abbau des körpereigenen Endocannabinoids Anandamid. Da Anandamid den CB1- und CB2-Rezeptor aktiviert, könnte durch die zusätzliche Gabe von CBD eine Anandamid-Aktivierung verstärkt werden. Gerade in Bezug auf Patienten mit Schizophrenie scheint dies interessant zu sein, da diese nachweislich einen erhöhten Anandamid-Spiegel im Gehirn (Nervenwasser) aufweisen.
  • Vanilloidrezeptoren und Glycinrezeptoren: CBD stimuliert aber auch die Vanilloidrezeptoren 1 und 2. Dabei befinden sich die Vanilloidrezeptoren des Typs 1 hauptsächlich auf Nervenendigungen, die als Schmerzrezeptoren dienen. Durch die Aktivierung beider Rezeptoren könnte CBD zu einer schmerzlindernden Wirkung beitragen. Außerdem gehen Forscher davon aus, dass CBD die Glycinrezeptoren aktiviert, die chronische Schmerzreize unterdrücken können.Darüber hinaus verstärkt CBD die Signalgebung durch Adenosin, das die Ausschüttung von aktivierenden Neurotransmittern wie beispielsweise Dopamin, Noradrenalin oder Acetylcholin blockiert. Infolge dessen weiten sich die Blutgefäße und der Blutdruck sinkt. Auf diesem Wirkmechanismus könnte auch die entzündungshemmende Eigenschaft von CBD beruhen.
  • 5-HT1A-Rezeptor: Der 5-HT1A-Rezeptor befindet sich im Gehirn und im Rückenmark und ist für unterschiedliche Effekte (Lernvorgänge, Körpertemperaturregulierung etc.) verantwortlich. Diesen Effekt macht sich bereits jetzt schon die Medizin zunutze. So binden die selektiven Serotonin-Wiederaufnahmeinhibitoren (SSRIs) an den 5-HT1A-Rezeptor. Da CBD ebenfalls an diesen Rezeptor bindet, könnte dies zur Milderung der Angst beitragen.

Studien zeigen CBD-Wirkung gegen Angst

In den vergangenen Jahren beschäftigten sich Studien immer wieder mit dem Cannabinoid THC aus der Hanfpflanze und vernachlässigten das nicht-psychoaktive Cannabinoid CBD. Mittlerweile wird davon ausgegangen, dass CBD ein breites Spektrum therapeutisch wertvoller Nutzen besitzt.

Bereits im Jahr 2011 zeigten Tier- und Humanstudien in Brasilien, dass CBD anxiolytische (angstlösende) Effekte aufweist. Im Rahmen dieser Studie erhielt eine Gruppe von Patienten mit einer generalisierten Angststörung in der ersten Sitzung 400 Milligramm CBD und die zweite Gruppe ein Placebo.

In der zweiten Sitzung bekam die Placebo-Gruppe das CBD und die CBD-Gruppe ein Placebo. Im Ergebnis heißt es, dass CBD die Ängste der Patienten reduzieren konnte und dass CBD vermutlich in den limbischen und paralimbischen Gehirnbereichen wirkt.

Noch im gleichen Jahr wurden ebenfalls an der brasilianischen Universität in Sao Paulo weitere Studien durchgeführt. Unter der Leitung von Mateus M. Bergamaschi konnte festgestellt werden, CBD Sprechern in der Öffentlichkeit oder vor Publikum helfen konnte, ihre Ängste zu lindern, und das mit nur einer Einzeldosis CBD.

In der Daily Mail wurde dann im Jahr 2014 über eine Cannabis-Studie an der Vanderbilt University berichtet. Hier heißt es, dass die Cannabinoidrezeptoren im Körper an der „Kampf oder Flucht Reaktion“ beteiligt sind.

In einem Mausmodell konnten zum ersten Mal Cannabinoidrezeptoren im zentralen Kern der Amygdala, ein Teil des limbischen Systems im Gehirn, identifiziert werden. Hierzu erklären die Forscher, dass diese Entdeckung dabei helfen kann zu verstehen, warum Konsumenten angeben, sie würden Cannabis nehmen, um Angstzustände zu reduzieren.

Interessant ist weiter, dass Forscher zeigen konnten, wie die Nervenzellen in diesem Gehirnareal ihre eigenen natürlichen Endocannabinoide produzieren und freisetzen. Dementsprechend gehen die Forscher davon aus, dass das körpereigene Endocannabinoidsystem die Angst als auch die Reaktion auf Stress durch die Dämpfung spezieller Signale, die den Neurotransmitter Glutamat enthalten, regulieren kann. Auch die durch Cannabis zugeführten Cannabinoide wie CBD docken an die Cannabinoidrezeptoren, was die angstlösende Wirkung erklären könnte.

In einer aktuellen spanischen Studie fanden die Forscher an Tiermodellen heraus, dass eine Verstärkung der Serotonin- und Glutamat-Signalisierung durch die Aktivierung des 5-HT1A-Rezeptors durch das CBD stattfand. Im Ergebnis heißt es, dass CBD ein neuartiges Antidepressivum sein könnte, das schneller wirkt als SSRIs.

Angstzustände lindern mit CBD-Öl

Hanföl bzw. CBD-Öl kann eine Alternative zu den üblichen Panikattacken-Medikamenten sein. Gewonnen wird das CBD-Öl durch die Destillation, wodurch die Cannabis-Inhaltsstoffe gelöst werden. Da die gesetzlich zugelassene THC-Menge von 2 Prozent nicht überschritten wird bzw. enthält CBD-Öl nur Spurmengen von THC oder gar kein THC, kann CBD-Öl legal in einem Geschäft oder Internet gekauft werden.

Auf dem Etikett des CBD-Öls sollte der Inhalt vollständig beschrieben sein. Ebenso sollte die Menge pro Inhaltsstoff (z. B. Alkanenitrogenisier Verbindungen, Terpene, Aminosäuren, Flavonoide, Zucker, Vitamine etc.) sowie die Herstellungsmethode mit Alkohol oder Olivenöl angegeben sein. Das Gleiche gilt für die Anweisungen für die Einnahme sowie die Maximaldosis. Auch die genaue CBD-Konzentration sollte angegeben sein.

Ratsam ist es, auf die Dosierungsempfehlungen des Herstellers zu achten und ggf. mit einem Tropfen CBD-Öl zu beginnen, um die Wirkung zu testen. CBD-Öl gilt als sichere Substanz und hat nur wenige Nebenwirkungen wie beispielsweise niedriger Blutdruck, Schläfrigkeit oder trockenen Mund, die in der Regel auch nur bei einer Überdosierung auftreten.

Resümee: CBD besitzt ein großes therapeutisches Potenzial

Die meisten Untersuchungen und Studien basieren noch auf Tierversuchen. Fakt ist aber, dass CBD das Potenzial besitzt, eine wichtige Rolle bei der Behandlung von Angsterkrankung zu spielen. Weitere Forschungen sind weiterhin notwendig, vor allem umfangreiche randomisierte Kontrollversuche, um die langfristigen Effekte und das Potenzial des CBD zu untersuchen.

So könnte bei nachgewiesener Wirksamkeit und des sehr günstigen Nebenwirkungsprofils, insbesondere im Vergleich zu den derzeit verfügbaren Medikamenten, CBD eine Alternative oder Ergänzung zu den aktuell verfügbaren Psychopharmaka sein.

Quellen:

Department of Medicinal Chemistry and Natural Products, Hebrew University Medical Faculty, Jerusalem 91120, Israel, Mechoulam R1 et al., 2007, “Cannabidiol–recent advances

Departamento de Neurologia, Psiquiatria e Psicologia Médica, Faculdade de Medicina de Ribeirão Preto, Universidade de São Paulo, Ribeirão Preto, SP, Brazil, Zuardi AW1 et al., 2006, “Cannabidiol, a Cannabis sativa constituent, as an antipsychotic drug

Deutsches Ärzteblatt, Bandelow et al., 2013, „Generalisierte Angststörung

Weisse Liste gemeinnützige GmbH, 2017, „Wirken Medikamente bei Angststörungen?“

Department of Neurosciences and Behavior, Division of Psychiatry, University of São Paulo, Ribeirão Preto, São Paulo, Brazil, Crippa JA1 et al., 2011, “Neural basis of anxiolytic effects of cannabidiol (CBD) in generalized social anxiety disorder: a preliminary report

Department of Neuroscience and Behavior, School of Medicine of Ribeirão Preto, University of São Paulo, SP, Brazil, Mateus M Bergamaschi et al., 2011, “Cannabidiol Reduces the Anxiety Induced by Simulated Public Speaking in Treatment-Naïve Social Phobia Patients

Daily News, Bill Snyder, 2014, “Discovery sheds new light on marijuana´s anxiety relief effects

Department of Pharmacology, Medical School of Ribeirão Preto, University of São Paulo, Brazil; Center of Interdisciplinary Research on Applied Neurosciences (NAPNA), University of São Paulo, Sonego AB1, 2016, “Cannabidiol attenuates haloperidol-induced catalepsy and c-Fos protein expression in the dorsolateral striatum via 5-HT1A receptors in mice

Department of Physical and Chemical, School of Pharmaceutical Science of Ribeirão Preto, University of São Paulo, Ribeirão Preto, SP, Brazil, Sartim AG1 et al., 2016, “Antidepressant-like effect of cannabidiol injection into the ventral medial prefrontal cortex-Possible involvement of 5-HT1A and CB1 receptorshttps://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26801828

Instituto de Biomedicina y Biotecnología de Cantabria, IBBTEC (Universidad de Cantabria, CSIC, SODERCAN), Spain, Linge R1 et al., 2016, “Cannabidiol induces rapid-acting antidepressant-like effects and enhances cortical 5-HT/glutamate neurotransmission: role of 5-HT1A receptors

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