Medizinisches Cannabis bei Depressionen

Autor: Alexandra Latour

Veröffentlicht am: 4. September 2017

Geändert am: 24. September 2017

Jeder fünfte Deutsche erkrankt an einer Depression. Experten schätzen die Zahl die Erkrankten weitaus höher, denn nicht jeder begibt sich in ärztliche Behandlung. Begeben sich Betroffene in Behandlung, werden oftmals Medikamenten wie Antidepressiva verordnet, die nicht ohne Nebenwirkungen und Risiken sind. Medizinisches Cannabis kann in der medikamentösen Behandlung eine nebenwirkungsarme Alternative darstellen.

"18 Prozent der deutschen Bevölkerung leidet an Depressionen"

Die Depression ist eine ernste psychische Erkrankung. Im Jahr 2015 litten weltweit 322 Millionen Menschen an Depressionen, so eine Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Das ist eine Steigerung von rund 18 Prozent in den vergangenen zehn Jahren. In Deutschland wird die Zahl der Betroffenen laut der WHO auf 4,1 Millionen geschätzt. Das sind 5,2 Prozent der deutschen Bevölkerung.

Die Deutsche Depressionshilfe erklärt, dass Depressionen bereits eine Volkskrankheit sind und zu den häufigsten Erkrankungen gehören. Alarmierend sind auch die Zahlen und Fakten der WHO, dem Statistischen Bundesamt der Bundesrepublik Deutschland (Destatis), dem Kompetenzzentrum Depression und dem Bündnis gegen Depressionen:

  • 35 von 100 Betroffenen suchen sich professionelle Hilfe
  • Es vergehen durchschnittlich 11 Monate, bis sich Betroffene ärztliche Hilfe suchen
  • Bei jedem dritten Notarzt-Einsatz handelt es sich um eine psychische Krise
  • Immer mehr Menschen zwischen 15 und 34 Jahren berichten von psychischen Problemen wie Depressionen oder Angststörungen
  • Bei Depressionen besteht ein erhöhtes Risiko für Suizid
  • Als Folge einer Depression ist der Suizid bei den 15- bis 34-jährigen die zweithäufigste Todesursache
  • In Deutschland begeht etwa alle 53 Minuten ein Mensch Selbstmord

Cannabis als Medizin neues Antidepressiva?

Die Therapiemaßnahmen bei Depressionen sehen in der Regel eine Psychotherapie oder Verhaltenstherapie vor. Auch Antidepressiva können zum Einsatz kommen. Diese wirken vielfältig, sind jedoch auch umstritten aufgrund der Nebenwirkungen. Medizinisches Cannabis könnte hier ein natürlicher und nebenwirkungsarmer Ersatz sein. Denn Cannabis ist seit langem für seine stimmungsregulierende Wirkung bekannt. In jüngsten Arbeiten sprechen Forscher sogar davon, dass die Cannabinoide aus der Hanfpflanze ein neues schnell wirkendes Antidepressiva sein könnten.

Im Jahr 2016 wurden 1.131 US-amerikanische Bürger befragt, die medizinisches Cannabis einnahmen. Die am häufigsten genannten Gründe für Nutzung waren Angst, Depressionen, Schmerzen, und Arthritis. Und auch in vielen weiteren klinischen Studien zur Untersuchung der Cannabis-Wirkung wurde immer wieder als Nebeneffekt die stimmungsaufhellende Wirkung beschrieben. In einer ausführlichen Arbeit zum Nutzen von Cannabis-Medikamenten zur Behandlung von Übelkeit und Erbrechen bei einer Chemotherapie wurde die stimmungsaufhellende Wirkung, die bei hohen Dosen sogar bis zur Euphorie gehen kann, als ausdrücklich erwünschte Nebenwirkung von Cannabis charakterisiert.

Depressionen und ihre Symptome

Eine Depression entsteht immer aus unterschiedlichen individuell zusammenwirkenden Ursachen. Deshalb können sich Depressionen in vielfältigen Symptomen äußern. Ein eindeutiges Symptombild existiert hingegen nicht. Allerdings gibt es einige charakteristische Anzeichen, die auf eine Depression hindeuten:

  • Grübelneigung (Grübeln, ohne jedoch zu einem Ergebnis zu kommen)
  • Morgendliches Aufstehen fällt schwer
  • Lustlosigkeit/keine Motivation
  • ständige Müdigkeit/schnelle Erschöpfung
  • Interesselosigkeit
  • fehlendes Durchhaltevermögen
  • Konzentrationsstörungen
  • pessimistische Sichtweise
  • Schuldgefühle/Selbstvorwürfe
  • innerliche Unruhe
  • Gefühl der Wertlosigkeit (ggf. in Verbindung mit Suizidgedanken)
  • bei kleinsten Problemen oder Fehlern kommt es zur starken Verzweiflung
  • Schwierigkeiten, Entscheidungen zu treffen
  • fehlendes sexuelles Interesse

Darüber hinaus können sich Depressionen auch auf der körperlichen Ebene zeigen:

  • Verdauungsbeschwerden (Durchfall/Verstopfung)
  • Kraftlosigkeit
  • Druckgefühl im Magen oder in der Brust
  • Gewichtsverlust oder Gewichtszunahme
  • Muskelverspannungen
  • das Gefühl, einen „Kloß im Hals zu haben“
  • Schwindelgefühle
  • chronische Schmerzen bspw. im Kopf oder im Rücken
  • Atemnot
  • Herz-Kreislauf-Schwäche

Der Freunde fürs Leben e.V. in Berlin bietet auf seiner Webseite einen Selbsttest an. Darüber hinaus finden Betroffene, Informationen zum Krankheitsbild Depressionen sowie Unterstützungs- und Hilfsangebote.

Depressionen: Ursachen und Auslöser

In der Regel haben Depressionen mehrere Ursachen. Infrage kommen psychische/psychosoziale Auslöser, als auch körperliche und genetische Einflüsse, die sich gegenseitig verstärken. Aufgrund dieses Wechselspiels existiert weder ein typisches Depressionsbild noch der typische Depressive.
Treten Depressionen als Folge einer körperlichen Erkrankung auf, so wird von einer somatogenen Depression gesprochen. Häufige Ursachen für eine somatogene Depression können die folgenden Erkrankungen sein:

  • Morbus Parkinson
  • Chorea Huntington
  • Multiple Sklerose
  • Nierenentzündung (Nephritis)
  • Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose)
  • Wechseljahre
  • Hormonstörungen
  • Krebserkrankungen
  • Schlaganfall / Herzinfarkt

Eine US-amerikanische Studie hat zudem gezeigt, dass jeder fünfte Diabetiker an Depressionen erkrankt. Weiter berichten die Forscher, dass Menschen mit körperlichen Erkrankungen ein zwei- bis viermal höheres Risiko haben, an einer Depression zu erkranken.

Depressionen – mögliche Risikofaktoren

Welche, und wie viele Einflüsse nun genau zu einer Depression führen oder welche Ursachen zugrunde liegen, ist von Mensch zu Mensch verschieden. Mögliche Risikofaktoren können sein:

  • Tod eines geliebten Menschen
  • Trennungen und Verluste in der Kindheit
  • Beziehungsprobleme
  • Liebeskummer
  • Missbrauch / Gewalterfahrungen
  • Arbeitslosigkeit
  • Stress / lang andauernde Überforderung
  • Alkohol-, Tabletten- oder Drogenmissbrauch
  • Persönliche Eigenschaften (z. B. mangelndes Selbstvertrauen oder Drang zum Perfektionismus)

Sind Depressionen vererbbar?

Ein spezifisches Depressionsgen existiert nicht. Jedoch ist es wissenschaftlich bewiesen, dass eine genetische Veranlagung bei der Entstehung von Depressionen mitverantwortlich sein kann. Wenn also die Mutter oder der Vater depressiv sind, besteht für das Kind ein höheres Risiko, selbst an Depressionen zu erkranken. Studien belegen sogar, dass für Kinder ein dreifach erhöhtes Risiko besteht, wenn ein Elternteil an Depressionen leidet.

Unklar ist, ob dieses Risiko durch die Gene oder etwaige Umweltfaktoren (z. B. Atmosphäre in der Familie) entsteht. Zwillingsuntersuchungen haben gezeigt, dass bei der Erkrankung eines eineiigen Zwillings der andere Zwilling häufig auch erkrankt.

Welche Arten von Depressionen gibt es?

Die Symptome, die im Rahmen einer Depression auftreten, ähneln sich zwar, jedoch gibt es unterschiedliche Formen der Depression. Am häufigsten kommt die sogenannte Major-Depression (unipolare Depression) vor, die sich in der Regel über mehrere Wochen einschleicht und in Episoden auftritt. Eine weitere Form ist die bipolare Depression. Hier wechseln sich depressive und manische Episoden ab. Weitverbreitet ist auch die Winterdepression (saisonal-affektive Störung), die während der dunklen Jahreszeit auftritt.

Bei einigen Betroffenen verläuft die depressive Erkrankung nicht in Episoden, sondern sie leiden kontinuierlich unter den Symptomen. In diesen Fällen wird dann von einer chronischen Depression (Dysthymia) gesprochen.

Relativ selten tritt eine somatogene Depression auf. Diese steht in direktem Zusammenhang mit einer körperlichen Erkrankung. Sie kann durch verschiedene Krankheiten, wie zum Beispiel Morbus Cushing, Vitaminmangel oder Schilddrüsenstörungen ausgelöst werden.

Behandlung von Depressionen

Die Behandlung einer Depression baut auf den drei Grundpfeilern auf:

  • Psychotherapie
  • Pharmakotherapie
  • Therapeutische Maßnahmen (z. B. Ergo- oder Bewegungstherapie)

Neben der Psychotherapie, die einer der wichtigsten Bausteine der Gesamttherapie ist, erhalten Patienten je nach Schwere der Erkrankung ein Antidepressivum. Hierunter wird eine Gruppe von Medikamenten zusammengefasst, die den Antrieb normalisieren und die Stimmung aufhellen sollen. Gleichzeitig sollen Antidepressiva die körperlichen Symptome, wie zum Beispiel Schlafstörungen, Magen-Darm-Beschwerden, Kopf- oder Rückenschmerzen, verringern.

Was passiert bei Depressionen im Gehirn?

Bei Depressionen geraten unterschiedliche Botenstoffe bzw. Neurotransmitter aus der Balance. Infolge dessen verändert sich der Hirnstoffwechsel. Besonders wichtige Botenstoffe stellen das Serotonin und Noradrenalin dar. Neurotransmitterstoffe sind im Körper unverzichtbar. Bei jeglichen Gefühlsregungen, wenn gesprochen oder zugehört wird, wenn ein Bild betrachtet wird und so weiter werden im Gehirn zig Nervenzellen aktiviert. Diese besitzen wiederum Kontaktstellen (Synapsen), mit hilfe dessen Informationen bzw. elektrische Impulse von einer Nervenzelle zur anderen Nervenzelle weiterzuleiten. Für diese Weiterleitung benötigt das Gehirn die Neurotransmitter, denn sie sorgen für eine reibungslose Übermittlung der Informationen.

Ein anderes biochemisches Erklärungsmodell nimmt an, dass bei Depressionen das Stresshormon Cortisol eine wichtige Rolle spielt. So sollen Depressionen eine Erhöhung dieses Hormons verursachen. Dabei beruht diese Überaktivität auf einem komplizierten Stresssystem, der tiefliegende Gehirnteile mit der Nebenniere verbindet. Tierexperimentelle und klinische Befunde weisen darauf hin, dass dieses System aufgrund biographischer oder auch genetischer Einflüsse derart verändert ist, dass Betroffene besonders intensiv auf Belastungen reagieren. Kommt es zu Stressbelastungen führt dies zu einer stärkeren Cortisol-Ausschüttung.

Wie wirken Antidepressiva?

Antidepressiva sollen den Mangel an den Botenstoffen Serotonin und Noradrenalin ausgleichen. Unterschieden wird unter anderem zwischen den folgenden Antidepressiva:

Antidepressiva Wirkung Indikation
Selektive Serotonin-Wiederaufnahme-

Hemmer (SSRI)

SSRI blockieren das Transportmolekül, das Serotonin wieder in seine Speicher befördert. Leichte bis mittelgradige Depressionen, Angst- und Zwangsstörungen
Selektive Serotonin- Noradrenalin -Wiederaufnahme-Hemmer (SNRI) SNRI hemmen den Rücktransport von Serotonin und Noradrenalin. Antriebssteigernde und stimmungsaufhellende Wirkung. Leichte bis mittelgradige Depressionen,
Noradrenalin-Dopamin-

Wiederaufnahme-Hemmer (NDRI)

NDRI hemmen den Rücktransport von Dopamin und Noradrenalin. Schwere Depressionen
Noradrenalin-

Wiederaufnahme-Hemmer (NARI)

NARI hemmen den Rücktransport von Noradrenalin. Leichte bis mittelgradige Depressionen bei starker Antriebslosigkeit

Vor vielen Jahren standen die tri- und tetrazyklischen Antidepressiva im Mittelpunkt der Pharmakotherapie. Mittlerweile haben sich aber die selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer etabliert. Gemeinsam haben alle Antidepressiva, dass sie in die unterschiedlichen Neurotransmittersysteme eingreifen. Dabei hängen die Wirkungen und Nebenwirkungen der einzelnen Medikamente davon ab, welche und wie viele Neurotransmitter im Gehirn beeinflusst werden.

Eine symptomatische Verbesserung macht sich bei der Einnahme von Antidepressiva erst nach etwa 10 bis 14 Tagen bemerkbar.

Nebenwirkungen von Antidepressiva

Antidepressiva können wie alle Medikamente unerwünschte Nebenwirkungen haben. Zu den häufigsten Nebenwirkungen zählen:

  • Mundtrockenheit
  • Magenbeschwerden
  • Verdauungsstörungen
  • Schlafstörungen
  • Müdigkeit
  • starkes Schwitzen (u.a. Nachtschweiß)
  • Appetitmangel
  • Gewichtszunahme
  • Blutdruckschwankungen
  • Schwindel
  • sexuelle Funktionsstörungen

Besonders alarmierend ist, dass Antidepressiva zwar gegen Depressionen verordnet werden, dennoch zu Suizidgedanken und -handlungen führen können. Vor allem dann, wenn die Depression mit Antriebslosigkeit und Mutlosigkeit einhergeht.

Des Weiteren kann es durch die Einnahme von Antidepressiva zu gefährlichen Herzrhythmusstörungen kommen. Zumindest stehen verschiedene antidepressive Wirkstoffe unter dem diesem Verdacht.

Ärztlicherseits wird immer wieder betont, dass Antidepressiva körperlich nicht abhängig machen. Die Gefahr einer psychischen Abhängigkeit besteht jedoch. Außerdem dürfen Antidepressiva nicht abrupt abgesetzt werden. Um Absetzerscheinungen wie Schlaflosigkeit, Unruhe, Magen-Darm-Beschwerden, Gefühlsstörungen und grippeähnliche Symptome zu verringern, muss das Medikament langsam ausgeschlichen werden.

Wie effektiv sind Antidepressiva?

Es existieren zahlreiche Studien, bei denen die Wirksamkeit von Antidepressiva untersucht wurde. Während es viele Studien gibt, die auf eine positive Wirkung hinweisen, zeigen andere Studien das Gegenteil. Fasst man die Ergebnisse der Untersuchungen von der neuseeländischen University of Auckland aus dem Jahr 2009 und der italienischen University Verona aus dem Jahr 2011 zusammen, so ergibt sich folgendes Ergebnis:

  • Bei rund 20 bis 40 von 100 Patienten, die Placebos (Tabletten ohne Wirkstoff) bekamen, besserten sich die depressiven Beschwerden innerhalb von 6 bis 8 Wochen.
  • Bei rund 40 bis 60 von 100 Patienten, die ein Antidepressivum bekamen, trat die Verbesserung der depressiven Symptomatik innerhalb von 6 bis 8 Wochen ein.

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch die Studie von dem britischen Wissenschaftler Irving Kirsch. Im Jahr 2009 publizierte er die Ergebnisse einer Meta-Analyse. Im Ergebnis heißt es, dass alle untersuchten SSRI, die bei leichten Depressionen eingesetzt wurden, in der Wirkung eines Placebos nicht überstiegen. Auch bei schweren Depressionen zeigte sich nur ein geringer Effekt.

Medizinisches Cannabis bei Depressionen

Seit Jahrhunderten wird medizinisches Cannabis eingesetzt, um Depressionen zu behandeln. Bereits im Jahre 1621 erklärte der englische Geistliche Robert Burton, dass Cannabis eine hilfreiche Arznei bei depressiven Zuständen wäre. In Indien wurde Cannabis vor mehr als 400 Jahren gegen Depressionen verschrieben und englische Ärzte gaben im 17. Jahrhundert Depressionskranken Extrakte aus der Hanfpflanze. Der britische Arzt JR Reynolds analysierte im Jahr 1890 den Konsum von Cannabis in den vergangenen 30 Jahren und stellte fest, dass die Langzeitanwendung von medizinischem Cannabis zur Behandlung von Depressionen positive Wirkungen zeigte.

CBD gegen Depressionen

Besonders interessant ist eine aktuelle Studie aus dem Jahr 2016. Spanische Forscher von der Universidad de Cantabria entdeckten potenzielle Wirkmechanismen, wie die Cannabinoide Delta-9-Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD) aus der Hanfpflanze gegen Depressionen wirken könnten. Vor allem das Cannabinoid CBD, das keinen psychoaktiven Effekt besitzt, könnte ein schnell wirkendes Medikament gegen Depressionen sein, da CBD an den 5-HT1A-Rezeptor (Serotonin-Rezeptor) bindet.

Bereits im Jahr 2014 berichteten Forscher von der Federal University of Rio de Janeiro über das psychiatrische Potenzial des CBDs, das eine antidepressive und angstlösende Wirkung besitzt. Experimente mit CBD zeigten die Nichtaktivierung der Cannabinoidrezeptoren CB1 und CB2 sowie eine gute Wechselwirkung zwischen dem 5-HT1A-Rezeptor und CBD.

CBD rückt immer weiter in den Mittelpunkt vieler Forschungen, um die Einsatzmöglichkeiten von medizinischem Cannabis sowie die Zusammenhänge bei der Depressionsbehandlung zu klären. So könnte CBD ein schnell wirksames und vor allem nebenwirkungsarmes Medikament bei der Behandlung von Depressionen sein.

Terpene – Cannabis hat noch mehr zu bieten als THC und CBD

Terpene sind ätherische Öle in Pflanzen und sind für den Geruch sowie für den Geschmack verantwortlich. Die Hanfpflanze enthält ebenfalls Terpene, die im Körper beruhigend, erregend, krampf- oder angstlösend wirken. Das ist besonders wichtig, wenn es darum geht, die richtige Cannabis Sorte auszusuchen.

Ätherische Öle wirken im Körper auf vielfältige Weise. Eukalyptusöl oder Kiefernnadelöl wirken beispielsweise auf die Bronchien und helfen dabei, das Abklingen einer akuten Erkältung zu beschleunigen. Die Terpene in der Hanfpflanze wirken mit den Cannabinoiden zusammen. Außerdem können zwischen den Cannabinoiden und den Terpene auch Synergien entstehen, sodass sich deren Wirkung verstärkt.

Das Cannabinoid THC bindet sich an die Cannabinoidrezeptoren im körpereigenen Endocannabinoidsystem und lösen dadurch einen psychoaktiven Effekt aus. Bekannt ist, dass einige Terpene ebenfalls an die Cannabinoid Rezeptoren andocken und deren Aufnahmefähigkeit beeinflussen. Wie viel THC an der Blut-Hirn-Schranke passiert, wird ebenfalls von den Terpene beeinflusst. Gleichzeitig wirken Terpene auch auf die Neurotransmitter Serotonin und Dopamin, die bekanntermaßen für die Stimmungsregulierung zuständig sind. Deshalb rücken die Terpene aus der Hanfpflanze immer weiter in den Fokus der Forscher, da sie tatsächlich einen medizinischen Nutzen haben.

Einige Cannabissorten helfen Patienten besser, weil sie vielleicht schwächer oder stärker wirken. Das liegt aber nicht nur an der THC- und CBD-Konzentration, sondern auch an dem Verhältnis unterschiedlicher Terpene, und welche Wechselwirkung von ihnen begünstigt wird. Da diese nützlichen Wechselwirkungen bei synthetisch hergestelltem THC ausbleiben, greifen viele Patienten weiterhin auf Cannabisblüten zurück.

Cannabissorten gegen Depressionen

Medizinisches Cannabis kann gegen Depressionen helfen. Es muss aber auch erwähnt werden, dass es kein Heilmittel für Depressionen ist. Die Psychotherapie sollte bei der Depressionsbehandlung stets im Vordergrund stehen. Medizinisches Cannabis kann hingegen nur eine vorübergehende Erleichterung bieten.

Häufig sind sativa lastige Hybride die erste Wahl, da die Wirkung von reinem Sativa zu stark sein kann. Sativa-Hybride wirken leicht sedierend und anregend. Reine Indica-Sorten sind nicht zu empfehlen, da hier der High-Effekt zu stark ist und bei Depressionen kontraproduktiv ist. Empfohlen werden häufig die folgenden Cannabissorten:

  • Blue Dream: Der sativa lastige Hybrid kann die Stimmung heben sowie Angst, Stress und Anspannung lindern. Es handelt sich hierbei um eine Kreuzung zwischen den Cannabis Sorten Blueberry und Haze.
  • AK-47: Auch bei dieser Cannabis-Züchtung handelt es sich um einen sativa lastigen Hybrid, der bereits aufgrund seiner Qualität mehrere Auszeichnungen erhielt. Die Wirkung zeigt sich in Form von Entspannung und Angstlösung.
  • Amnesia Haze: Diese Cannabissorte ist bekannt dafür, den Geist zu entspannen.
  • Jack Herer: Diese Cannabissorte ist eine Mischung aus Red Skunk und Haze. Es handelt sich um eine weltweit sehr begehrte Sorte, die ebenfalls einige Auszeichnungen erhalten hat. Jack Herer wirkt entspannend und anregend zugleich.

Quellen:

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