Ist CBD aus Hanf das gleiche wie CBD aus Cannabis?

Autor: Leafly Redaktion

Veröffentlicht am: 1. Juni 2017

Geändert am: 20. Oktober 2017

Auch wenn es sich auf den ersten Blick um eine rhetorische Frage handelt, wird sie doch immer wieder in Foren, Apotheken und Spezialshops für natürliche Cannabis-Produkte sowie auf diversen Medienplattformen diskutiert. In diesem Artikel werfen wir einen Blick auf die verschiedenen Arten von CBD, um eine Antwort auf die Frage zu finden.

CBD aus Hanf vs. CBD aus Cannabis-Derivaten

Es ist allgemein bekannt, dass es sich bei Hanf um eine nicht psychoaktive Art der Gattung Cannabis Sativa L. handelt. Häufig tritt allerdings die Frage auf, ob das in THC-armen / CBD-reichen Cannabis-Sorten (u.a. Indica, Sativa) enthaltene Cannabidiol (CBD) (in dem Fall landwirtschaftlich angebautes Hanf mit einem THC-Gehalt von weniger als 0,3 %) mit dem CBD vergleichbar ist, das aus THC-reichem / CBD-armen Cannabis (also Marihuana) stammt.

Ob das Cannabidiol (CBD) aus einer THC-armen gegenüber einer THC-reichen Pflanze durch das Vorhandensein anderer Nicht-CBD-Moleküle besser, schlechter oder gleich gut ist (auch bekannt als „Entourage-Effekt“), wäre übrigens eine völlig andere Frage. Die Beantwortung hängt sowohl von der Art der zu behandelnden Erkrankung als auch von den unterschiedlichen psychologischen Rahmenbedingungen der Betroffenen ab.

CBD-reiche Cannabis-Sorten, welche die Pflanze als „Hanf“ (weniger als 0,3 % THC-Gehalt) kategorisieren, werden gegenüber „Marihuana“ (mehr als 0,3 % THC-Gehalt) durch den Ausdruck der Genotypen bestimmt, die ihre phänotypischen Eigenschaften steuern.

Die Genotypen verschiedener Cannabis-Sorten geben die Biosynthesewege vor, die in verschiedenen Phänotypen und Variationen der Profile von Cannabinoid, Terpen, Stilben und Flavonoid („chemischer Fingerabdruck“) resultieren.

Organisch-chemische Zusammenhänge von CBD

Im Wesentlichen gelten, dieselben Gesetze hinsichtlich Physik, Chemie, physikalischer Chemie und Biochemie unabhängig davon, ob ein Molekül in einer Hanf- oder Marihuana-Cannabispflanze synthetisiert und produziert wurde,.

Moleküle einer beliebigen Stoffverbindung werden über eine bestimmte Anordnung und Konfiguration von Atomen mit einem bestimmten Verbindungsmuster zusammengesetzt. Diese fundamentale Regel gilt auch für alle Sorten der Cannabispflanze, ganz gleich, wie hoch der prozentuale Anteil oder das Verhältnis von Cannabidiol (CBD) zu THC ist.

Zudem kann der menschliche Körper in physiologischer Hinsicht nicht erkennen, ob ein CBD-Wirkstoff aus Hanf oder einer THC-reichen Cannabis-Sorte gewonnen wurde. Alle biologischen Aktivitäten und Interaktionen mit verschiedenen Enzymen und CBD-spezifischen Rezeptoren des Körpers bleiben unverändert. Im Rahmen der menschlichen Physiologie wird nicht bewusst entschieden, CBD anders zu behandeln, weil es aus voll pflanzlichem Hanf beziehungsweise Marihuana stammt.

Verschiedene Cannabis-Sorten – ein Wirkstoff

Auch wenn der CBD-Wirkstoff selbst der gleiche ist, besteht ein Unterschied dahingehend, dass CBD aus unterschiedlichen Pflanzen jeweils auf einzigartige Weise mit den einzelnen Cannabinoid- und Flavonoid-Profilen interagiert. In Cannabis wurden über 90 verschiedene Cannabinoid-Wirkstoffe nachgewiesen, von denen die meisten hinsichtlich biologischer Systeme noch zunehmend untersucht werden müssen.

Wir tappen also noch im Dunkeln darüber, wie genau diese Cannabinoide miteinander interagieren und ob sie als Teil eines „Entourage-Effekts“ an den nicht euphorischen entzündungshemmenden, anxiolytischen, antipsychotischen, Stoffwechsel-fördernden und neuroprotektiven Wirkungsfeldern beteiligt sind.

In diesem Zusammenhang lässt sich ein Vergleich zum Vitamin C aus Orangen ziehen, das „anders“ ist als das Vitamin C aus Grapefruits oder Acerolakirschen. Es unterscheidet sich nur darin, dass es in einer anderen Frucht produziert wurde. Ansonsten weist es unabhängig von der Herkunft dieselben chemischen und biologischen Eigenschaften auf.

Wie steht Cannabidiol im Vergleich zu anderen Cannabinoiden da?

Das Gleiche lässt sich auch über CBD, CBN, CBC, CBG, THC und beliebige andere Cannabinoide sagen, die sich ausschließlich darin unterscheiden, dass sie aus unterschiedlichen Cannabis-Sorten stammen. Es ist bekannt, dass der CBD-Wirkstoff selbst identisch ist, egal ob er aus landwirtschaftlichem Hanf oder einer THC-reicheren Cannabis-Sorte gewonnen wurde. Folglich wird er vom menschlichen Körper in gleicher Weise behandelt.

Allerdings sind weitere Untersuchungen zum Verhältnis von CBD und anderen Cannabinoiden erforderlich, um herauszufinden, ob diese Wirkstoffe auf eine Weise interagieren, durch die eine Wirkung beim Patienten beeinflusst wird.

Zukünftig wird es vermutlich leichter einzuschätzen sein, inwieweit die durch das Zusammenwirken der verschiedenen Cannabis-Wirkstoffe entstehenden Entourage-Effekte eine Synergie an Wirkungen erzielen. Dies ist nur eine der vielen Fragen, die zu dieser vielfältigen Pflanze noch zu klären sind.

Referenzen:
Peschel W, Politi M. ¹H NMR and HPLC/DAD for Cannabis sativa L. chemotype distinction, extract profiling and specification. Talanta. 2015 Aug 1;140:150-65.
Onofri C, de Meijer EP, Mandolino G. Sequence heterogeneity of cannabidiolic- and tetrahydrocannabinolic acid-synthase in Cannabis sativa L. and its relationship with chemical phenotype. Phytochemistry. 2015 Aug;116:57-68.
Hillig KW, Mahlberg PG. A chemotaxonomic analysis of cannabinoid variation in Cannabis (Cannabaceae). Am J Bot. 2004 Jun;91(6):966-75.

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