Marlene Mortler wehrt sich gegen „Fake News“-Anschuldigung. Leafly.de fragt nach

Autor: Gesa Riedewald

Veröffentlicht am: 15. September 2017

Geändert am: 18. November 2017

Nach der Vorstellung des aktuellen Drogen- und Suchtberichts 2017 ist die Drogenbeauftragte des Bundes, Marlene Mortler, von verschiedenen Seiten unter Beschuss geraten: Allen voran der Deutsche Hanfverband kritisiert sie dafür, „höchst zweifelhafte Quellen“ zu nutzen. Gegenüber Leafly.de bezieht die CSU-Politikerin Stellung.

Deutscher Hanfverband kritisiert Drogenbeauftragte für falsche Zahlen

Es ist eine harte Anschuldigung: Sie verbreite Fake News, schreibt der Deutsche Hanfverband. Marlene Mortler ist in die Kritik geraten, nachdem sie am 18. August 2017 bei der Vorstellung des aktuellen Drogen- und Suchtberichts Colorado als angebliches Negativ-Beispiel für die Legalisierung von Cannabis heran zog: Die Zahl jugendlicher Konsumenten in Colorado soll nach der Legalisierung massiv gestiegen sein.

Der Deutsche Hanfverband kritisiert, dass Mortler die Daten einer unseriösen Quelle entnommen habe, die angibt, der Cannabiskonsum von Jugendlichen sei nach der Legalisierung um 20% gestiegen. Die offiziellen Zahlen des Gesundheitsministeriums von Colorado dagegen zeigten laut Hanfverband keinen Anstieg des Konsums Jugendlicher.

Mortler: „eine vertrauenswürdige Quelle“

Leafly.de hat bei der Drogenbeauftragten nachgefragt, was sie zu der Anschuldigung sagt, Fake News zu verbreiten und sich auf zweifelhafte Quellen zu beziehen. Der Arbeitsstab von Marlene Mortler kann diese Kritik nicht nachvollziehen und wehrt sich entschieden dagegen:

„Die von Ihnen angesprochenen Aussagen der Drogenbeauftragten beziehen sich auf den Vergleich der Daten des National Survey on Drug Use and Health (NSDUH) für Kinder und Jugendliche zwischen 12 und 17 Jahren vor und nach der Legalisierung in Colorado. Der NSDUH ist in den USA das primäre nationale Erhebungsinstrument zu Prävalenz, Konsummustern und Konsequenzen des Konsums und Missbrauchs von Alkohol, Tabak und illegalen Drogen. Dieser wird erhoben und veröffentlicht durch die Substance Abuse and Mental Health Services Administration (SAMHSA), welche dem nationalen U.S. Department of Health and Human Services unterstellt ist. Dies ist in den Augen der Drogenbeauftragten der Bundesregierung eine vertrauenswürdige Quelle.“

Der Deutsche Hanfverband hat inzwischen auf die Aussage aus Mortlers Stab reagiert und Stellung bezogen: Die vorhandenen Daten des NSDUH, die sich auf den Cannabiskonsum von 12- bis 17-jährigen Jugendlichen in Colorado beziehen, zeigen nur einen minimalen Anstieg.

Daher könne die Drogenbeauftragte sich nicht auf diese Quelle gestützt haben bei ihrer Aussage. Und das Gesundheitsministerium in Colorado bestätigt laut Hanfverband, dass der Cannabiskonsum unter Colorados Teenagern fast identisch ist mit dem nationalen Durchschnitt.

Drogenbeauftragte zieht positive Bilanz ihrer Arbeit

Kritik an Marlene Mortler und ihrer Drogenpolitik kommt regelmäßig von Befürwortern eines liberaleren Umgangs mit Cannabis. Die CSU-Politikerin stellt sich selbst dagegen ein positives Zeugnis ihrer Arbeit aus: In der Pressekonferenz vom 18. August 2017 zum Drogen- und Suchtbericht erklärt sie, im Bereich der Gesetzgebung alle ihre Ziele erreicht zu haben.

Allein das Tabakwerbeverbot, für das sie sich mit “so ziemlich jedem angelegt“ habe, konnte sie nicht durchsetzen, so die Drogenbeauftragte. Außerdem sei die Trendwende bei Alkohol und Tabak geschafft.

Mortler: Cannabis-Gesetz funktioniert

Auch das im März 2017 in Kraft getretene Cannabis-Gesetz ist laut Marlene Mortler ein Erfolg. Wie sie selbst betont, hat die Politikerin sich seit Beginn der Legislaturperiode stark für den Gesetzesentwurf engagiert. Jetzt können Ärztinnen und Ärzte schwerkranken Patienten, wenn es medizinisch indiziert ist, Cannabis verschreiben.

„Und das Gesetz funktioniert“, erklärt die Drogenbeauftragte bei der Vorstellung des Drogen- und Suchtberichts. „Seit Inkrafttreten des Gesetzes wurden von März bis Mai 80% mehr Cannabis-Arzneimittel verordnet.“

Im März belief sich das Volumen auf rund 3.600 abgerechnete Verordnungen, im Mai auf knapp 6.500 Verordnungen. Laut ABDA wurden im ersten Halbjahr in Apotheken rund 10.600 Cannabishaltige Zubereitungen oder unverarbeitete Cannabis Blüten zu lasten der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) abgegeben. Leafly.de berichtete

Allerdings klagen viele Betroffene über praktische Schwierigkeiten mit dem neuen Cannabis-Gesetz: Beispielsweise stockt die Versorgung mit bestimmten Sorten Cannabisblüten – um nur ein Problem zu nennen.

Auf Nachfrage von Leafly.de ließ Marlene Mortler mitteilen, dass die Bundesbehörden in engem Kontakt mit exportierenden Ländern stehen, um die Versorgung in Deutschland auch bei der aktuell erhöhten Nachfrage möglich zu machen. So soll in den kommenden Monaten der Import größerer Mengen Cannabis Blüten möglich sein.

Unsere Frage, ob Marlene Mortler auch in der nächsten Legislaturperiode das Amt der Drogenbeauftragten des Bundes anstrebt, ließ sie leider offen.

Bildquelle: Elaine Schmidt

Quellen:

https://hanfverband.de/nachrichten/news/mortler-verbreitet-erneut-fake-news-aus-colorado

https://hanfverband.de/nachrichten/news/mortler-besteht-weiter-auf-fragwuerdige-zahlen

https://www.vice.com/de_at/article/qvvapd/die-deutsche-drogenbeauftragte-verbreitet-fake-news-weil-offizielle-cannabis-zahlen-nicht-genug-schocken

https://www.youtube.com/watch?v=X5kNWY92Uus

http://www.heute.de/drogenbeauftragte-mortler-warnt-vor-us-cannabis-lobby-47788412.html

http://www.n-tv.de/panorama/Mortler-fordert-eine-Anti-Cannabis-Politik-article19990098.html

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