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Medizinisches Cannabis bei Multipler Sklerose

Autor:
Dr. Christine Hutterer

Die Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, d.h. dass sowohl das gesamte Gehirn als auch das Rückenmark betroffen sind. Multiple Sklerose ist eine fortschreitende Erkrankung, die meist zwischen 20 und 40 Jahren auftritt und sich in Schüben entwickelt. Bislang gibt es keine Heilung; einzig der Verlauf kann unter Umständen verlangsamt werden. Verschiedene Studien liefern Hinweise darauf, dass Medizinalcannabis die Symptome der Erkrankung lindern kann.

Medizinisches Cannabis bei Multipler Sklerose

Die Hauptursache der MS ist die Entzündung des Nervengewebes. Das eigene Immunsystem löst diese Entzündung aus: Es richtet sich gegen das eigene Gewebe. Multiple Sklerose (MS) ist daher eine Autoimmunerkrankung.

Das Immunsystem zerstört die wichtige Schutzschicht um die Nervenzellen, die sogenannten Myelinscheiden. Diese haben eine sehr wichtige Funktion bei der Übertragung von Informationen über die Nervenzellen. Die Schädigung führt zu den neurologischen Symptomen der Krankheit:

    • Muskelschwäche
    • Kontrollverlust über die Bewegungen
    • Spasmen/Spastiken
    • Stimmungsschwankungen
    • Müdigkeit

Die ersten Anzeichen einer MS Erkrankung sind meist motorische Störungen (z.B. Lähmungserscheinungen, vermehrtes Stolpern) und Sehstörungen (z.B. verschwommenes oder wie durch Nebel sehen). MS-Kranke leiden auch oft unter Missempfindungen der Haut (z.B. Kribbeln, Taubheitsgefühle).

Diese Anzeichen können aber auch durch andere Krankheiten ausgelöst werden. Daher ist es wichtig, bei einem Arzt bzw. Neurologen die unterschiedlichen Untersuchungen zu durchlaufen, die für die Diagnose notwendig sind. Weitere Informationen und Adressen bietet die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft.

Medizinisches Cannabis wirkt entzündungshemmend bei Multipler Sklerose

Die Therapie der Multiplen Sklerose basiert auf drei Säulen, die miteinander kombiniert werden:

      • Therapie des akuten Schubs
      • Langfristige verlaufsmodifizierende Therapie
      • Therapie der Symptome und Rehabilitationsmaßnahmen (symptomatische Therapie)

Wie bereits erwähnt, gibt es (noch) keine Möglichkeit, die Krankheit Multiple Sklerose zu heilen.

Im Rahmen umfangreicher Forschungen wurde festgestellt, dass Cannabis entzündungshemmend wirkt und besonders bei MS-bedingten Entzündungen einen positiven Effekt haben kann. Diese Erkenntnisse waren die Grundlage dafür, dass das Medikament Sativex® zugelassen wurde.

Bei Sativex handelt es sich um ein Mundspray, das aus dem Extrakt der Cannabisblüten und -blättern der Hanfpflanze mit dem Wirkstoff Delta-9-Tetrahydrocannabinol (THC) und dem Wirkstoff Cannabidiol (CBD) besteht. Dieses Cannabis-Extrakt können Patienten in Form des Mundsprays auf Rezept erhalten. Seit März 2017 darf jeder Arzt (außer Tierärzte) Cannabis als Medizin in unterschiedlichen Formen (z. B. Cannabis-Präparate wie Sativex, getrocknete medizinische Cannabisblüten).

Durch das THC wird die Immunantwort abgeschwächt und die Entzündung gelindert. Getrocknete Cannabisblüten oder Medikamente auf Cannabisbasis (Sativex®, Dronabinol, Nabilon) spielen daher eine Rolle in der Behandlung der MS.

Mehr zu Multiple Sklerose und Medizinalcannabis.

Cannabis als Medizin wirkt gegen chronische Schmerzen und spastische Symptome

Medizinisches Cannabis ist ein wirksames Mittel gegen bestimmte Schmerzen. Viele Patienten mit Multipler Sklerose leiden unter starken Schmerzen entweder als Folge des entzündeten Nervengewebes oder als Folge von Spastiken und Krampfanfällen. In mehreren Studien wurde gezeigt, dass Cannabis bei MS-bedingten Schmerzen wirksam ist. Im Prinzip erfolgt die Wirkung vor allem indirekt. Dadurch, dass die Entzündungen durch Cannabis abgeschwächt werden, treten auch weniger Schmerzen im Rahmen der Erkrankung auf.

Ein weiteres Krankheitszeichen, das Patienten mit Multipler Sklerose (MS) entwickeln, sind Spastiken. Spastiken sind plötzliche, unkontrollierbare Kontraktionen von Muskeln, deren Dauer unterschiedlich sein kann. Je länger sie anhalten oder je angespannter die Muskulatur ist, desto stärker können die Schmerzen sein. Auch Verspannungen und ein steifes Körpergefühl sind Folgen. In Studien wurde festgestellt, dass Cannabis bzw. Cannabinoide sowohl die Stärke der Krämpfe verringern kann als auch die Häufigkeit. THC bindet an die Endocannabinoid-Rezeptoren und fördert die Weitergabe von Informationen. Dies scheint für die Reduktion der Spastiken eine Rolle zu spielen. Denn blockiert man die Rezeptoren mit einem Gegenspieler, der die Weiterleitung verhindert, verschlimmern sich die Symptome.

Medizinsches Cannabis bei depressiven MS-Patienten

Eine häufige Folgeerkrankung der Multiplen Sklerose (MS) ist die Depression. Diese Erkrankung entsteht nicht nur aufgrund der psychischen Belastung durch die Krankheit, sondern auch durch die Schäden an den Nervenzellen. Eine Depression kann aber auch die Nebenwirkung von Medikamenten sein, die gegen die Krankheit bzw. deren Symptome eingenommen werden.

Bislang sind sich Experten noch nicht einig, ob Cannabis bei Depressionen wirksam ist. Es gibt Hinweise und Studien, die dafürsprechen, aber auch solche, die dagegensprechen. Bekannt ist, dass das Endocannabinoidsystem an der Steuerung der Stimmung beteiligt ist. Daher scheint es naheliegend, dass Cannabinoide wie THC und CBD eine Wirkung auf das Stimmungssystem im Gehirn entfalten können.

Eine generelle Aussage zur Wirkung bei Depressionen ist jedoch (noch) nicht möglich. Eventuell basiert die beobachtete positive Wirkung bei MS-Patienten ebenfalls darauf, dass die Entzündung der Nervenzellen gelindert werden, sodass diese Ursache einer Depression wegfällt oder zumindest abgeschwächt wird. Aber auch die Verminderung der Schmerzen oder die Reduktion der Spastiken könnte indirekt dazu beitragen, dass sich die seelische Verfassung der Patienten bessert.

 

 

Hinweis: In diesem Artikel berichten wir über rezeptpflichtiges CBD oder auch Cannabidiol. Dieser Artikel macht zur möglichen Zweckbestimmung keinerlei Vorschlag. Nutzversprechen bleiben den Apothekern überlassen.

 

 

Quellen:

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