Medizinisches Cannabis-Experiment in Frankreich

In Frankreich geht es einen kleinen Schritt voran. Demnächst soll es ein medizinisches Cannabis-Experiment geben. Danach will das Gesundheitsministerium über die Freigabe von Cannabis als Medizin eine Entscheidung treffen.

Medizinisches Cannabis-Experiment in Frankreich

Im Januar 2018 kündigte Frankreichs Regierung einen Gesetzesentwurf für die Freigabe von Medizinalhanf an (Leafly.de berichtete). Der französische Senat hatte nun im Mai diesen Jahres grünes Licht für die Verwendung von pharmazeutischem Cannabis gegeben. Allerdings soll es zunächst ein Cannabis-Experiment über zwei Jahre geben, bis das Gesundheitsministerium seine Zustimmung erteilt hat.

In Kürze könnte Medizinalhanf in Frankreich möglicherweise für Hunderttausende von Patienten legal verfügbar sein, die an schweren, krankheitsbedingten Schmerzen leiden. Je nach Patientengruppe könnten zwischen 300 000 und 1 Million Patienten für die Verwendung in Frage kommen.

„Es wird ungefähr zwei Jahre dauern, bis Versuche mit therapeutischem Cannabis beginnen, sobald das Gesundheitsministerium grünes Licht gibt“, erklärte Professor Nicolas Authier, Leiter der Pharmakologie an der Schmerzklinik des Universitätsklinikums Clermont-Ferrand, gegenüber der Presse.

Zweijähriges Cannabis-Experiment startet in Kürze

Das Cannabis-Experiment soll in den kommenden Wochen starten. Das erklärte Jean-Baptiste Moreau, Abgeordneter von LREM (The Republic on the move), der die Legalisierung von Medizinalhanf unterstützt.

„Die Herausforderung besteht darin, eine französische Lieferkette für die Herstellung [dieser pharmazeutischen Produkte] zu gewährleisten“, so Moreau.

Er hofft, dass sein Distrikt La Creuse, in dem gewählte Amtsträger versuchen, die lokale Wirtschaft anzukurbeln, und 2018 die Genehmigung der Regierung für den Anbau und die Produktion von medizinischem Cannabis einholen wird.

Cannabis-Experiment soll streng kontrolliert werden

Lukrative Geschäftsmöglichkeiten könnten noch in weiter Ferne liegen, heißt es in dem Bericht.

„Derzeit ist die medizinische Cannabisproduktion in Frankreich nicht zugelassen. Die Pflanzen werden auf umzäunten Feldern oder in Gewächshäusern angebaut und erfordern erhebliche Investitionen. Wir müssen die Temperatur, die Luftfeuchtigkeit und das Licht. Es ist keine konventionelle Landwirtschaft“, führte Authier aus.

Das Cannabis-Experiment könnte bis Mitte 2021 dauern.

„Bis dahin müssen wir wahrscheinlich pharmazeutische Produkte [aus Ländern, in denen medizinisches Cannabis legal ist] importieren, bis eine französische Lieferkette eingerichtet ist“, führte Authier weiter aus.

Die französischen Erzeuger müssen nicht nur lernen, Cannabis anzubauen, sondern auch die europäischen Regeln für die Herstellung von Arzneimitteln mit gleichbleibender Qualität einhalten.

Strenge Regulierung für Medizinalhanf

Der Gebrauch von medizinischem Cannabis wird streng kontrolliert. Ärzte dürfen es nur als „letzte Möglichkeit“ verschreiben, nachdem sie andere therapeutische Behandlungen ausprobiert haben. Im Dezember 2018 identifizierte die Nationale Agentur für die Sicherheit von Gesundheitsprodukten mögliche Anwendungen für medizinisches Cannabis. Hierzu gehören Krebs, bestimmte Arten von Epilepsie, Multiple Sklerose, Palliativmedizin und Schmerzen, die nicht auf die üblichen Behandlungen ansprechen.

Keine Legalisierung für den Freizeitgebrauch

Senatoren der Républicains-Partei befürchten, dass medizinisches Cannabis ein „trojanisches Pferd“ ist, das für die Legalisierung von Cannabis für den Freizeitgebrauch dient. Authier teilt diese Bedenken jedoch nicht.

„Es besteht nur ein geringes Risiko, dass medizinisches Cannabis zu Erholungszwecken missbraucht wird. […] Es hat verschiedene Benutzer mit unterschiedlichen Zielen. Diejenigen, die gegen Schmerzen Codein einnehmen, und diejenigen, die Opium rauchen, nehmen die gleiche Substanz, haben aber nicht den gleichen Zweck. In ähnlicher Weise wird medizinisches Cannabis diejenigen, die nach psychoaktiven Wirkungen suchen, nicht befriedigen“, so Authier.

So wird es in medizinischem Cannabis weniger THC geben als in Cannabis, das laut der französischen Beobachtungsstelle für Drogen regelmäßig von 11 Prozent der Franzosen im Alter von 18 bis 64 Jahren geraucht wird.

„Therapeutisches Cannabis ist keine Droge, es ist ein Medikament. Die Frage der Legalisierung wird nicht vor 2021 und erst nach diesem Cannabis-Experiment auftauchen“, führte Authier weiter aus.

Der Abgeordnete Moreau ist jedoch offen für die Idee der Legalisierung. Hierzu erklärte er auch, dass man irgendwann auch Cannabisprodukte [Öle und Nahrungsergänzungsmittel mit sehr niedrigem THC-Gehalt] in Betracht ziehen müsse.

 

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