Miris Herzensgeschichten: Feste feiern, wann man will

Autor: Mirian Lamberth

Verõffentlicht am: 24. April 2018

Geändert am: 19. Juni 2018

Wenn man mit unheilbar erkrankten Kindern arbeitet, lernt man schnell, dass unser Konzept von Zeit nicht immer Sinn macht. Weihnachtszeit, Faschingszeit, Fastenzeit, Urlaubszeit, Teilzeit, Übergangszeit, Amtszeit, Tageszeit, Jahreszeit. So viel Zeit, auf die wir entweder sehnsüchtig warten oder hoffen, dass sie möglichst schnell vorüberzieht. Deshalb werden Rituale über Bord geschmissen und man kann feiern, wann man will.

Miris Herzensgeschichten: Feste feiern, wann man will

Während meiner Hospizarbeit durfte ich schon sehr oft beobachten, dass viele eingefleischte Rituale und Traditionen ganz plötzlich an Wert verlieren. Manchmal kommen Neue dazu und letztendlich sind die jeweiligen Zeitfenster völlig egal. Da werden im September schon mal die Weihnachtskostüme anprobiert und im Winter ein Grillnachmittag im Garten organisiert. Die Bewohner feiern die Feste, wie sie wollen.

Die zahlreichen Rituale, die wir mit unserer Familie und unseren Lieben teilen, werden von uns oft ohne Wenn und Aber begangen. Und manchmal merken wir dabei gar nicht, dass sie uns oft weniger Freude bereiten, als wir denken. Meistens werden sie zwanghaft eingehalten und weitergegeben, ohne dass wir hinterfragen, ob es unser Leben eigentlich bereichert oder uns eher so sehr unter Druck setzt, dass wir am Ende mehr Stress als Spaß empfinden.

Wenn wir nur noch kurze Zeit zu leben hätten, welche Rituale, Zeiten oder Gewohnheiten würden wir eigentlich behalten und welche würden wir sofort über Bord werfen?

Ich glaube von mir sagen zu können, dass ich mich schon jetzt in gesundem Maße von den meisten unerwünschten Zwängen und Erwartungen befreien konnte. Nichtsdestotrotz spüre ich vehement den Druck meiner Umwelt, wenn immer ich mich freundlich aber direkt den allgemeinen Vorstellungen enthalte.

Ob es nun um den weihnachtlichen Müllwahnsinn geht oder die völlig außer Rand und Band geratenen Geburtstagsrituale, die von Jahr zu Jahr mehr Raum, Zeit und Superlative einnehmen: Ich versuche stets zu hinterfragen, was das soll und ob es sich lohnt diese Traditionen in meinem Leben zu behalten.

Bitte versteht mich nicht falsch, ich liebe es Feste zu feiern, dabei viele Personen zu bekochen, Geschenke zu basteln oder mir bunte Überraschungen auszudenken. Nur bin ich gern ungebunden was das wann, wo und wie angeht.

Ich will einfach nur so feiern. Einfach nur so, weil ich an jemanden denke. Einfach nur so schenken, weil ich etwas Besonderes gefunden habe, was jemandem gefallen könnte. Einfach nur so weil heute, heute ist.

Der Muttertag zum Beispiel ist völlig aus den Fugen geraten. Ich weiß genau, dass meine Kinder mich wertschätzen, denn sie zeigen es mir täglich. Dennoch bahnt sich schließlich an dem so gut vermarkteten Tag eine gewisse Erwartung an, die keine Chance hat je erfüllt zu werden.

Zumal der Muttertag einst ein heidnischer Brauch war, der sich erst mit der Zeit zu dem Tag entwickelte, den wir heute feiern.

Hinterfragen lohnt sich fast immer!

Das wieso, weshalb, warum muss wieder Einzug in unsere Wahrnehmung finden. Und wir sollten uns öfter die Frage stellen: „Tut es mir eigentlich gut?“ Diese Überlegungen kommen oft erst, wenn wir keine Zeit mehr zum Überdenken haben. Dann wollen wir viel mehr im Hier und Jetzt sein, als von Urlaub zu Urlaub oder von Feiertag zu Feiertag zu leben.

Wir merken, dass wir die Familie auch außerhalb aller erdrückenden Feste sehen wollen. Und wir merken auch, dass Schenken und Feiern viel schöner ist, wenn es einem nicht von unserem Kalender diktiert wird. Im Hospiz passiert das wie von selbst!

Oft darf ich beobachten, wie Familien ihre Rituale mir nichts dir nichts der Vergangenheit wiedergeben, um intensiver und ganz anders im Jetzt beisammen sein zu können. Die Zeit, die miteinander verbracht wird, läuft dann ganz ohne Erwartungen ab und jeder darf einfach SEIN.

Feiern, wann und wie man will

Silvester wird oft verschlafen und an Weihnachten darf Chinesisches essen bestellt werden. Muttertag ist immer und am Vatertag bekommen alle Schnurrbärte angeklebt. Alles kann, nichts muss.

Das macht unheimlich frei und immer wieder darf ich den Wahnsinn erkennen, den wir uns von Jahr zu Jahr aufhalsen, um ja nicht aus der Spur zu geraten. Wir Menschen fürchten uns vor Veränderung. Und doch ist es oft genau dieser stete Fluss der Bewegung und Veränderung, der uns heilt und am Leben hält. Schon Hippokrates wusste: Stagnation macht krank.

Das alles ist natürlich besonders schwierig für die Eltern von schwer kranken Kindern. Denn nicht nur die Unfähigkeit den eigenen Kindern zu helfen lässt uns verzweifeln, es bricht auch eine Welt zusammen mit allem, was wir kennen. Mit einem Wimpernschlag ist alles anders.

Mit CBD-Öl dem Alltag entfliehen und Ruhe finden

Vielen Menschen hilft während dieser Zeit des Loslassens, der Veränderungen und des Neubeginns vor allem CBD-Öl. Das CBD-Öl ist ein sehr mildes, pflanzliches Mittel was den Organismus unterstützt in schwierigen Zeiten Frieden zu finden. Es ist natürlich kein Wundermittel aber ein sanfter Anstoß in die richtige Richtung!

Das CBD-Öl hilft auch, wenn die fein säuberlich etablierten und jahrelang zelebrierten Rituale plötzlich und mit sofortiger Wirkung gesprengt oder gründlich hinterfragt werden.

Die vermeintlich wichtige Skireise zu Weihnachten wird undenkbar. Und die Vorstellung von Geschenkbergen ist weit weg. Sogar der handgemachte Adventskalender hat plötzlich nichts mehr mit der Wirklichkeit zu tun.

Das Einzige was zählt ist dann der Moment – das Jetzt. Punkt aus und Schluss. Und so hangeln sich die Betroffenen und ihre Familien von Moment zu Moment und zum ersten Mal darf alles anders sein.

Hinter dem Hügel unserer eingefleischten Rituale gibt es viel Neues zu entdecken. Wir basteln uns neue Rituale, die mehr mit unserer Realität zu tun haben als das, was im Kalender steht. Dazu gehören dann regelmäßiges Tanzen im Rollstuhl, Klangschalenbäder, Fasching auf Abruf oder rappende Pfleger.

Ich bin mir sicher, dass Rituale und Traditionen ihren wohlverdienten Platz in unserem Leben haben. Ich möchte sie auch niemanden nehmen. Ich wünsche nur uns allen, dass wir unsere Rituale bewusst und mit Freude wahrnehmen und sie wahrhaftig gestalten.

Und wenn wir schon mal dabei sind, können wir uns auch gleich von den unbewussten Mustern lösen, die wir nicht mehr mit ganzem Herzen zelebrieren. Auch wenn es für andere unbequem sein mag. Denn Veränderung macht frei.

Herzensgrüße

Miri

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