Miris Herzensgeschichten: Griechenland und Cannabis

Autor: Mirian Lamberth

Verõffentlicht am: 15. August 2018

Geändert am: 15. August 2018

Griechenland liebe ich aus vielen unterschiedlichen Gründen. Die Ruhe, der Frieden, die Düfte, alles vereint sich zu einer Symphonie der Sinne und Entspannung. Ich habe dort viel Zeit nachzudenken, so auch darüber, wurde im antiken Griechenland eigentlich medizinisches Cannabis angebaut und genutzt? Und wie ist die Lage jetzt? Darum geht es in meiner heutigen Miris Herzensgeschichte.

Miris Herzensgeschichten: Griechenland und Cannabis

Auch diesen Sommer verbringe ich in Griechenland auf einer Insel. Die heiße und trockene Mittagszeit überdauere ich in meiner schattigen Hängematte auf der Terrasse und spiele mit der optischen Täuschung zwischen Meer und Himmel, da das Ägäische Blau sanft fließend von Element zu Element wie Wasserfarbe verschwimmt. Immer wenn ich hier bin, habe ich das Gefühl eine kleine Zeitreise zu begehen und lasse meine Gedanken gern in die Richtung der alten Götter und Philosophen schweifen.

Ich schaue weiter auf das fruchtbare Land mit seinen endlosen Hügel, Olivenbäume und die vielfältigen mediterranen Kräuter. Und mir kommt automatisch die Frage nach medizinischem Cannabis in Griechenland in den Sinn. Wie war das in der Antike? Wurde es angebaut und genutzt und wenn ja, wie?

Cannabis als Medizin im antiken Griechenland

Als Heilpraktikerin fühle ich mich natürlich angezogen von den Mythen griechischer Heilkunst, die die Naturheilkunde und auch die klassische Medizin so sehr geprägt haben.

Meine Frage stieß sprichwörtlich auf fruchtbaren Boden, denn mein Freund und Nachbar Jorgos ließ mich sofort wissen, dass es keine bessere Erde und kein geeigneteres Klima für das gute Gedeihen von Cannabis, gäbe als die hiesige! Und Elena, eine ausgemachte Expertin für Permakultur und nachhaltige Landwirtschaft verweist auf die einzigartige Tradition von Hanfanbau im alten Griechenland. Ich bin neugierig und fange an zu forschen.

Zuerst stolpere ich über das große Buch der Heilpflanzen MATERIA MEDICA was 70 n. Chr. von einem griechischen Arzt namens Dioskurides geschrieben wurde. Insgesamt dokumentierte er 600 Griechische Heilpflanzen darunter auch Cannabis Sativa (abgeleitet vom Griechischen Kanabes).

In seinem Werk beschreibt er, wie nützlich es für die Herstellung von Seilen ist und das die Säfte der Samen für die Linderung von Ohrenschmerzen, Entzündungen, Bandwürmer und der Verringerung des sexuellen Verlangens verwendet werden kann. Sein Buch war sehr erfolgreich und für die nächsten 1500 Jahre ein wichtiges Schlüsselwerk der Medizin.

Auch kann ich mich gut an meine Heilpraktiker Ausbildung erinnern, an meine sehr versierte Dozentin für Pflanzenheilkunde, die davon sprach, dass es in der griechischen Literatur Hinweise gäbe, die bis zu 400 v. Chr. zurückreichen und die u. a. die Verwendung von Cannabis bei Rückenschmerzen empfehlen.

Altes Wissen um eine alte Pflanze, überliefert von einer Generation zur nächsten

Mein Nachbar Jorgos wiederum weiß zu berichten, dass Cannabis schon seit 1890 in Griechenland nicht mehr angebaut oder verkauft werden darf. Trotzdem gäbe es immer noch ein paar wenige Dörfer in den Bergregionen, die bis heute dem Gesetz trotzen.

Es soll sogar noch ein paar Aufzeichnungen des Französischen Autor und Abenteurer Henry Monfried geben, der die Haschisch-Erzeugung der peloponnesischen Bauern gegen 1915 mit grosser Sorgfalt recherchierte. Nach seinen Darstellungen hatte jeder Bauernhof seinen eigenen Stempel und Jahrgang und genauso wie beim Wein gab es auch gute und schlechte Jahre.

Das Griechische Cannabis war damals sehr beliebt und von bester Qualität, es hatte einen exzellenten Ruf, berichtet Jorgos mit leuchtenden Augen.

Und wie steht es um Medizinalhanf in Griechenland jetzt?

Zurück in der Gegenwart scheint der Hanf-Mythos des antiken Griechenland’s aber wieder schnell zu verblassen. Oder etwa nicht? Die immer gleichen Schlagzeilen über Griechenland: Staatsverschuldung, Arbeitslosigkeit und Flüchtlingskrise beherrschen das Bild in den Medien.

Da scheint es nur eine Randnotiz zu sein, dass Premierminister Alexis Tsipras bereits im Sommer 2017 die medizinische Nutzung von Cannabis legalisiert und als notwendige Modernisierungsmaßnahme öffentlich eingestuft hat. Leafly.de berichtete.

Laut Vize und Landschaftsminister Gianni Tsironis soll es eine Expertengruppe geben, die den Grundstein legen soll, um die Tür für den Cannabis-Anbau wieder zu öffnen. Das alles könnte zwar eine ganze Weile dauern, signalisiert aber zumindest einen sehr positiven Schritt in die richtige Richtung.

Und während mein Blick wieder über das fruchtbare, gesunde und weite Tal meiner Lieblingsinsel schweift, wird mir auf einmal bewusst, welch enormes Potenzial hier brach liegt. Ich bin jedenfalls optimistisch und könnte mir vorstellen, dass der Anbau von medizinischem Cannabis ein interessanter Wachstumsmotor für mein geliebtes Griechenland sein könnte, so wie schon vor 1000 Jahren.

Sonnengrüsse aus Paros

Miri

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