Miris Herzensgeschichten: Schmerz kann heilen

Autor: Mirian Lamberth

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Sind wir noch wir, wenn wir unsere Schmerzen betäuben? Oder umgekehrt sind wir noch wir, wenn der Schmerz uns betäubt? Oder wer würden wir eigentlich ohne unsere unterschiedlichen Schmerzen sein?

Miris Herzensgeschichten: Schmerz kann heilen

Das Thema Schmerz lässt mich nicht in Ruhe, egal wohin ich schaue, der Schmerz ist immer allgegenwärtig. Da gibt es die Kopfschmerzen, Regelschmerzen, Rückenschmerzen, Gelenkschmerzen, Zahnschmerzen, Bauchschmerzen, Phantomschmerzen, Ohrenschmerzen, Knochenschmerzen, Herzschmerzen, Nackenschmerzen … akuten Schmerzen, chronischen Schmerzen und sogar seelischen Schmerzen, im Grunde kann uns so ziemlich alles Schmerzen bereiten.

In unserer modernen selbstoptimierten Zeit sind Schmerzen unwillkommen, bisweilen sogar ein Tabu. Wir leiden oft heimlich still und leise, versuchen stark zu sein und uns so wenig wie möglich anmerken zu lassen, dass etwas weh tut. Am besten gar nicht erst auf das große Aua warten, sondern prophylaktisch die Ibuprofen einschmeißen oder nach einer wilden Nacht vorsichtshalber Aspirin nehmen, damit sich der nächste morgen so anfühlt, als wäre nichts gewesen.

Und genau hierin liegt das Problem, denn der Schmerz möchte uns ja auf etwas aufmerksam machen wie eine Art Vorsicherung oder ein Ventil. Wenn wir ihn dann systematisch unterdrücken, bzw. ausschalten, muss er sich mittel- bis langfristig ein anderes Ventil suchen, entweder einen neuen Schmerz oder gleich ein chronisches Leiden.

In meiner Arbeit als Heilpraktikerin ist der SCHMERZ sehr wichtig, manchmal vordere ich ihn regelrecht durch Akupressur und Akupunktur heraus, um einen „Los-Lass-Effekt“ auszulösen, der sich beispielweise in einem tiefen Seufzer ausdrückt und dazu beiträgt, die Energie wieder frei fließen zu lassen.

Schmerz kann also auch heilen!

Insbesondere wenn man sich überlegt, dass der Schmerz einer subjektiven Wahrnehmung entspringt. Das interessante am Schmerz ist ja auch wie verschieden und individuell er wahrgenommen wird – da merken die einen wochenlang nicht mal den gebrochenen Zeh, während die anderen sofort mit schmerzverzerrtem Gesicht zur Notaufnahme eilen.

Was bestimmt denn eigentlich unsere verschiedenen Wahrnehmungen?

Wenn wir zum Beispiel frisch verliebt sind und die Sonne scheint, dann sind unsere Kopfschmerzen oft weniger merkbar, als an einem regnerischen Tag, an dem wir unser Handy verlegt haben … Die Antwort ist wie so oft Stress! Nicht nur individuell, auch geschlechtsspezifisch und sogar interkulturell gibt es Unterschiede dabei, wann ein Mensch „Aua“ schreit und wie stark er leidet.

Mir ist bei meiner Hospiz-Arbeit aufgefallen das sich das Schmerzempfinden oft auch je nach Herkunft der Patientinnen unterscheidet. Wenn meine türkische Patientin auf die Frage, wo es wehtut, antwortet, ihr tue alles weh, sie sei schließlich krank, kann ich damit gut umgehen und weiß genau was damit gemeint ist. Deswegen ist bei der Untersuchung ausländischer Patienten eine transkulturelle Kompetenz unbedingt gefordert.

Würde ich als Heilpraktikerin darauf keine Rücksicht, nehmen wären Stress, Hilflosigkeit und damit wiederum erhöhte Schmerzempfindlichkeit oft die Folgen. Leider haben viele Schulmediziner dies bezüglich oft zu wenig Zeit, sich mit dem individuellen Schmerzempfinden ihrer diversen Patientengruppen auseinanderzusetzen und verschreiben oft „one fits all“ Medikamente. Man sollte auch nicht vergessen das mehr als 500 Millionen Euro jährlich mit OTC (over the Counter) Schmerzmitteln alleine in Deutschland umgesetzt werden, es ist also auch ein lukratives Geschäft.

Als Naturheilkundlerin biete ich eine bunte Palette an natürlichen Schmerztherapien wie zum Beispiel: Akupunktur, Akupressur, Massage, Taping, Homöopathie, CBD-Öl, Meditation, Atemtherapie, Yogatherapie, Aromatherapie oder Hypnose und ganz wichtig, aber oft übersehen, Ernährungsberatung und Fitness an. Je nach Schmerzpersönlichkeit und Bioindividualität suche ich gemeinsam mit meinen Patienten die richtige Schmerztherapie aus.

In der naturheilkundlich palliativen Schmerztherapie wird sehr oft in Kombination mit schmerzlindernden Medikamenten die Basale Stimulation gewünscht.
Die Basale Stimulation hilft Menschen, deren Bewegungs-, Wahrnehmungs- oder Kommunikationsfähigkeiten durch Schmerz und Krankheiten eingeschränkt oder nicht mehr vorhanden sind.

Ich versuche damit die verschiedenen Sinne anzusprechen, um so einen Kontakt zum Erkrankten herzustellen. Zum Einsatz kommen häufig Reize wie Musik, Gerüche, Vibrationen, Farben oder sehr oft Berührungen, etwa mit unterschiedlichen Ölen, Stoffen und Texturen. Man kann aber auch viele weitere Elemente nutzen und eigene Ideen entwickeln.

Positive Schmerzbehandlung mit Cannabis als Medizin

Viele meiner Patientinnen sind sehr zufrieden mit dem medizinischen Cannabis im Rahmen einer Schmerzbehandlung, Immer mehr Hausärzte verschreiben Cannabis als Medizin und sind überzeugt von der natürlichen Wirkung.

Ich habe oft erlebt, dass Patientinnen sogar alle anderen Schmerzmittel ausleiten konnten und mit dem medizinischen Cannabis alleine sehr gut klargekommen sind.
Mir ist auch aufgefallen, dass meine Patienten zudem gegenwärtiger und selbstbestimmter agieren konnten.

Ich finde, dass man medizinisches Cannabis nicht wirklich mit Morphin vergleichen kann oder sollte, meiner Meinung nach gibt es viele unterschiedliche Schmerzmuster, die auf individuelle Art und Weise von einem guten Schmerztherapeuten angesprochen und eingestellt werden müssen.

Medizinisches Cannabis ist keineswegs ein Universalschmerzmittel, aber für bestimmte Patientinnen einfach optimal geeignet und sehr effektiv, besonders bei jenen, denen der Schmerz nicht mehr aus dem Sinn zu gehen scheint. Er hat sich also fast chronisch festgesetzt. Diesen Prozess der Übererregung, etwa bei Trauma-Patienten, deren Schmerzkontrolle beeinflusst wurde, schaltet das Cannabis-System ab. Das habe ich schon oft beobachten dürfen – was für eine Bereicherung!

Was mich am medizinischen Cannabis am meisten beeindruckt, ist dass der Schmerz oft grundlegend anders wahrgenommen wird, eher unterschwellig und leise, so dass sich der Patient entspannen kann, ohne jedoch den Zugang zu sich selbst zu verlieren. Besonders in der Palliativmedizin ist das für alle Beteiligten eine große Hilfe.

Warum ist der Schmerz eigentlich so wichtig und sollte erst Mal begrüßt werden?

Unser individueller Schmerz weist auf gesundheitliche Gefahren und Verletzungen hin und sorgt dafür, dass wir alles tun, um diese zu verhindern oder zu beheben. Unser instinktiver Wunsch nach Schmerzlinderung sorgt dafür, dass wir eine zielführende Entscheidung für unseren Körper treffen: Die Hand von der heißen Herdplatte nehmen, einen kariösen Zahn entfernen lassen oder eine frische Wunde nicht zu stark belasten.

Darüber hinaus ist die Art des Schmerzes bei der Diagnose der Leidensursache oft ausgesprochen aufschlussreich. Je nachdem, wie der Schmerz sich anfühlt, kann ich erkennen, wie das Leiden zu beheben ist. Deshalb frage ich immer nach, wie es sich anfühlt – pochend, stechend, drückend, usw., um herauszufinden, was den Schmerz auslöst, bzw. Maßnahmen angemessen sein können.

Schmerz kann außerdem äußerst lehrreich sein: Schon ein einziges schmerzhaftes Erlebnis reicht oft aus, um bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Niemand von uns wird willentlich zum zweiten Mal die Hand auf die heiße Herdplatte legen – so lernen wir schnell, was wehtut und wie man es vermeidet.

Oder wie Marie von Ebner-Eschenbach es im 19. Jahrhundert so schön gesagt hat: „Der Schmerz ist der große Lehrer der Menschen. Unter seinem Hauche entfalten sich die Seelen.“

Schmerzpatienten finden unter anderem hier Hilfe und Rat: Deutsche Schmerzliga

Herzensgrüsse,

Eure Miri

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