Miris Herzensgeschichten: Die Leafly.de Kolumne von Heilpraktikerin und Sterbebegleiterin Mirian Lamberth

Autor: Uta Melle

Verõffentlicht am: 12. Oktober 2017

Geändert am: 23. November 2017

Mirian Lamberth ist Heilpraktikerin und Sterbebegleiterin. In ihrer Kolumne "Miris Herzensgeschichten" wird sie ab sofort für Leafly.de über ihre Alltagssituationen schreiben.

Miris Herzensgeschichten: Die Leafly.de Kolumne von Heilpraktikerin und Sterbebegleiterin Mirian Lamberth

Miris Herzensgeschichten

Wenn Mirian „Miri“ anfängt von ihren Erfahrungen zu erzählen, füllt sich das Herz mit Freude. Wache, offene Augen sehen einen an, eine ihrer Hände liegt zärtlich auf dem Arm des Gesprächspartners, so dass man sofort einen Draht miteinander hat. Und sie hat viel zu erzählen. Miri ist ein Herzensmensch.

Die geborene Berlinerin ging früh nach New York City. Ihren Lebensunterhalt verdiente sie mit Mode, den Sinn ihres Lebens füllte sie jedoch parallel schon sehr früh mit Yogastunden. Daraus wuchs ihre Leidenschaft zu der alternativen Medizin. Es gab kaum eine Schulung auf ihrem Weg, die sie nicht mitnahm, kaum eine Lehre, die sie nicht interessierte. Neugierig ging sie jeden Weg, der sie in den letzten Jahren zur ausgebildeten Yoga Therapeutin, Akupunktur Spezialistin, Heilpraktikerin und Sterbehelferin gebracht hat. Speziell hat sie hier Kinder und Frauen im Fokus. „Ich weiß nicht woran es liegt, aber die Männer kommen eher selten“ sagt sie.

Der Tod gehört für Miri zum Leben

Ihr großes Thema ist der Tod, denn obwohl wir das Thema Tod gern aus unserem Leben verbannen – wir werden ihn alle erleben. Die Konfrontation kam durch Zufall: Sie meldete sich zur ehrenamtlichen Betreuung in einem New Yorker Kinderhospiz und es stellte sich sehr schnell heraus, dass sie dafür geboren war. Es folgte eine Palliativklinik und seit längerem erfreut sich das Kinderhospiz Sonnenhof in Berlin über ihre tolle ehrenamtliche Arbeit, die sie immer mit einem Lächeln auf den Lippen begleitet. Sie erfüllt letzte Wünsche, betreut die Kinder und ihre Familien leidenschaftlich und versprüht dabei gern eine Prise Humor.

Dronabinol bringt Lebensqualität für sterbenskranke Kinder

Im Hospiz wird inzwischen viel mit medizinischem Cannabis gearbeitet. Sie sagt: „Für die Kids ist das ein großes Geschenk“. Sie hat erlebt, wie ein kleiner Patient kaum noch andere Medikamente benötigte – das medizinische Cannabis hat fast alles ersetzt. Es entspannt die Kinder, nimmt ihnen die Schmerzen und bringt ihnen wieder Freude in ihre letzten Tage. Sie hat schon sehr viele Menschen sterben sehen, doch sie meint, dass das Sterben unter medizinischem Cannabis oft sehr viel weicher ist. Die Sterbenden krampfen kaum und können besser loslassen.

Auch die basale Stimulation (ein pädagogisch / therapeutisches und pflegerisches Konzept, das durch ganzheitliche, körperbezogene Kommunikation schwer beeinträchtigte Menschen unterstützt und ihre Wahrnehmungs-, Kommunikations-, und Bewegungsfähigkeiten fördert) gelingt ihrer Meinung nach mit Hilfe von medizinischem Cannabis viel gezielter.

Als sehr gewissenhafte Heilpraktikerin kann sie medizinisches Cannabis natürlich nicht verschreiben, sie wundert sich jedoch sehr, warum so viele, auch namhafte Ärzte sich immer noch davor scheuen, medizinisches Cannabis zu verschreiben. Sie sieht tagtäglich, wie kleine Kinder an viele Schläuchen hängen, Morphine und Opiate ihnen die Seele nehmen. Dabei könnte es auch oft anders gehen.

Leafly.de Experten-Interview

Leafly.de: Seit wann hast Du Erfahrungen mit der Anwendung von medizinischem Cannabis?

Mirian: Das erste Mal durfte ich im Herbst 2010 die wunderbar erdende Wirkung von medizinischem Cannabis miterleben. Meine damalige Patientin Susanne (Name geändert) lag seit Wochen auf der schönen Palliativ Station des Krankenhauses in dem ich damals arbeitete. Sie befand sich im Endstadium ihres in 2009 Diagnostizierten Pankreaskarzinom (Bauchspeicheldrüsenkrebs). Das Atmen tat ihr weh, die Verstopfungen machten ihr zu schaffen und der innige Wunsch an der frischen Luft samt Rollstuhl mit mir einen Spaziergang zu machen, konnte wegen ihrer starken Schmerzen nicht erfüllt werden. Bis ihr Sohn eigenverantwortlich nach einigem hin und her das Cannabis Öl zu der Zeit noch Illegal auftreiben konnte. Direkt nach der ersten Verabreichung konnte der heiß ersehnte Spaziergang losgehen. Das Öl hat Susannes letzte Wochen sehr viel angenehmer gestaltet und sie konnte nachdem alle Wünsche erfüllt waren, ruhig und in Frieden loslassen. Auch ihre Familie war sehr dankbar für dieses Geschenk.

Leafly.de: Gegen was/welche Symptome wird bei Deinen Patienten medizinisches Cannabis eingesetzt?

Mirian: Sehr oft gegen verschiedenste Epilepsien, Krampfanfälle, Tourette Syndrom und andere Krankheiten des Gehirns und des Nervensystems. Oft auch während Krebs-Therapien zur Förderung von Hunger und zur Verminderung von Nebenwirkungen. Dann natürlich insgesamt um allgemeine Schmerzlinderung herbei zu führen und den Patienten ein wenig von den vielen psychologischen Belastungen / Ängsten zu befreien.

Leafly.de: Was sind Deine erstaunlichsten Beobachtungen nach Beginn des Einsatzes von medizinischem Cannabis?

Mirian: Da ich ja die meiste Erfahrung mit dem Öl in der Palliativen Begleitung habe, fällt mir ganz besonders auf, dass es scheint als ob eine natürliche körperliche und psychische Ruhe eintritt und der Patient anders als es oft bei Opiaten der Fall ist, trotzdem aufnahmefähig und klar ist, was oft sehr wichtig für alle Beteiligten ist.

Leafly.de: Scheuen Ärzte den Einsatz von medizinischem Cannabis?

Mirian: Ja das habe ich schon öfter erlebt aber ich glaube es geht hier tatsächlich oft nur um Unwissenheit / Unsicherheit – zu wenig Aufklärung und oft fehlen die Erfahrungswerte. Ich sehe jedoch wie sich das langsam aber sicher ändert und finde die Arbeit von Leafly.de deswegen auch so unwahrscheinlich wichtig.

Leafly.de: Wie reagieren die Ärzte, die neue Erfahrungen mit dem Einsatz von medizinischem Cannabis haben, auf die neuen Erfahrungen?

Mirian: Das was ich bis jetzt beobachten durfte ist sehr positiv – Nur dauert es immer seine Zeit bis der PUNKT des Vertrauens erreicht ist, das ist aber normal glaube ich.

Leafly.de freut sich, dass die wunderbare Miri unser Team bereichert!

Ähnliche Artikel

Cannabis als Medizin bei Asthma

Cannabis als Medizin bei Asthma

Bei Asthma handelt es sich um eine chronische Atemwegserkrankung. Infolge einer chronischen Entzündung verengen sich die Atemwege und die Schleimproduktion wird angeregt. Asthmatiker leiden typischerweise unter Hustenanfällen, Atemnot und einer pfeifenden Atmung. Häufig leiden Betroffene auch unter wiederkehrenden oder chronischen Atemwegsinfektionen, die die Asthmaerkrankung verschlimmern. Schon vor Jahrtausenden wurde Cannabis zur Behandlung von Atemwegserkrankungen angewendet. Bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts empfahlen Mediziner ebenfalls ihren Patienten Cannabis, wenn sie unter Asthma litten. Laut den Studien aus den 70er Jahren und auch den aktuellen Studien können die Cannabinoide aus der Cannabispflanze bei Asthmatikern genauso Bronchien erweiternd wirken wie klassische Asthmamedikamente. Die genauen Asthma Ursachen sind mehr…

Cannabis ist nach wie vor Droge Nummer Eins in Deutschland: Grüne fordern neue Drogenpolitik

Cannabis ist nach wie vor

Cannabis ist unverändert die am häufigsten konsumierte illegale Droge bei Jugendlichen wie Erwachsenen in Deutschland. Unter den 12- bis 17-Jährigen gaben 7,3 Prozent an, in den letzten 12 Monaten wenigstens einmal Cannabis konsumiert zu haben. Bei den 18- bis 64-Jährigen waren es 6,1 Prozent. Über die letzten 25 Jahre hinweg zeigt der Cannabiskonsum in der Bevölkerung einen insgesamt zunehmenden Trend. Der Jahresbericht der Bundesregierung zur Drogensituation in Deutschland – früher bekannt unter dem Namen „REITOX-Bericht“ – ist das Standardwerk zur Situation illegaler Drogen. Er wird jährlich durch die Deutsche Drogenbeobachtungsstelle als Beitrag zum Europäischen Drogenbericht verfasst. Dr. Kirsten Kappert-Gonther von mehr…

Erstes Cannabis-Institut in Merseburg geplant

Erstes Cannabis-Institut in Merseburg geplant

Interdisziplinäres Forschen zu Cannabis in Merseburg – Vorbild Kalifornien Dr. Gundula Barsch, Professorin an der Hochschule Merseburg in Sachsen-Anhalt, hat sich ein ambitioniertes Ziel gesetzt: Sie will ein interdisziplinäres Cannabis-Forschungsinstitut ins Leben rufen – das erste seiner Art in Deutschland. Um dieses Projekt voranzutreiben, haben sich Ende November Experten aus Wissenschaft, Forschung und Entwicklung aus Sachsen-Anhalt und angrenzenden Regionen zu einem Kick-off-Meeting zusammengefunden. Vorbild des geplanten Cannabisinstituts ist das HiiMR, Humboldt Institute for Interdisciplinary Marihuana Research, in Arcata (Kalifornien). Professorin Dr. Barsch, die Expertin auf dem dem Gebiet der Drogenforschung ist, verbrachte hier ein Forschungssemester. Aber auch Neugründungen wie das mehr…

Welche Cannabismedikamente sind in Deutschland legal? Der Leafly.de Überblick

Welche Cannabismedikamente sind in Deutschland

Verschreibungspflichtige Cannabismedikamente, die in Deutschland erhältlich sind         Cannabisblüten verschiedener Importeure         Canemes-Tabletten (Wirkstoff: Nabilon)         Sativex Mundspray (Wirkstoff: Naxibimol)         Dronabinol (THC-Öl)         Cannabis-Vollspektrum-Extrakte Tilray THC25 und THC10:CBD10 Cannabissorten, Cannabisblüten Wir möchten zunächst auf die medizinischen Cannabissorten eingehen. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat die Cannabisagentur eingerichtet, die den staatlich kontrollierten Cannabisanbau in Deutschland überwachsen soll. Jedoch ist vor den Jahren 2019/2020 nicht damit zu rechnen, dass Cannabisblüten auf den Markt kommen, weshalb diese von verschiedenen Unternehmen nach Deutschland importiert werden müssen. Abgegeben werden die Cannabisblüten in den Apotheken in Dosen von 5 oder 10 Gramm. Folgende Cannabissorten sind erhältlich: Cannabissorte THC-Gehalt mehr…

Weltgesundheitsorganisation WHO gibt grünes Licht für Cannabidiol CBD

Weltgesundheitsorganisation WHO gibt grünes Licht

Die WHO entschied, dass internationale Verbote gegen reines Cannabidiol nicht gerechtfertigt sind, da sie keine Gefahr für die öffentliche Gesundheit darstellen. Der Sachverständigenausschuss kam im November 2017 zusammen, um mehrere psychoaktive Substanzen zu bewerten. Ein vollständiger Überblick über Cannabidiol, von dem man annimmt, dass es medizinisch genutzt wird, wurde auf Mai 2018 verschoben. Dann werden auch CBD-Extrakte unter die Lupe genommen. Leafly.de berichtete. Aufgrund des zunehmenden weltweiten Interesses, Cannabis und seine Wirkstoffe (Cannabinoide) als Medizinprodukte zu verwenden, hat die WHO damit begonnen, wissenschaftliche Beweise zu sammeln, um zu entscheiden, ob diese Substanzen unter internationale Kontrolle gestellt werden sollen. Der Novemberausschussbericht mehr…

Cannabis als Medizin bei Asthma

Cannabis als Medizin bei Asthma

Bei Asthma handelt es sich um eine chronische Atemwegserkrankung. Infolge einer chronischen Entzündung verengen sich die Atemwege und die Schleimproduktion wird angeregt. Asthmatiker leiden typischerweise unter Hustenanfällen, Atemnot und einer pfeifenden Atmung. Häufig leiden Betroffene auch unter wiederkehrenden oder chronischen Atemwegsinfektionen, die die Asthmaerkrankung verschlimmern. Schon vor Jahrtausenden wurde Cannabis zur Behandlung von Atemwegserkrankungen angewendet. Bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts empfahlen Mediziner ebenfalls ihren Patienten Cannabis, wenn sie unter Asthma litten. Laut den Studien aus den 70er Jahren und auch den aktuellen Studien können die Cannabinoide aus der Cannabispflanze bei Asthmatikern genauso Bronchien erweiternd wirken wie klassische Asthmamedikamente. Die genauen Asthma Ursachen sind mehr…

Cannabis im Studium: Sollten Studenten mehr über Medizinalhanf lernen?

Cannabis im Studium: Sollten Studenten

Seit März 2017 kann Cannabis als Medizin von Ärztinnen und Ärzten verschrieben werden. Viele Schwerkranke haben lange darauf gewartet und wünschen sich eine Cannabisbehandlung. Allerdings kennen sich die meisten Mediziner beim Thema Cannabis nicht aus. Woher auch? Vor März 2017 könnten Betroffene Medizinalhanf nur mit einer Ausnahmeregelung erhalten. Daher spielte Cannabis bisher im Medizinstudium sowie bei ärztlichen Weiter- und Fortbildungen praktisch keine Rolle. Das Gleiche gilt auch für andere medizinische Berufe: Apotheker, PTAs, MTAs sowie Krankenschwestern und Pfleger lernen bisher in ihrer Ausbildung bzw. ihrem Studium kaum etwas über Cannabis als Medizin. Amerikanische Studie zum Thema Cannabis im Medizinstudium Eine mehr…

Gras in Graz: Erster Coffeeshop eröffnet

Gras in Graz: Erster Coffeeshop

"Wir verkaufen gepresste Pollen, Blüten, Öl und einiges mehr", so Bastian Knabl. Knabl und seine Kolleg/innen Stefan Ehrenreich, Julia Staud und Lukas Hiegelsberger bringen damit ein bisschen Amsterdam in die Landeshauptstadt Graz. Dort eröffneten sie am 1. Dezember 2017 ihre "Die Graslerei", einen Coffeeshop. "Die Graslerei" bietet seit dem Anfang Dezember in der Leonhardstraße 42 nicht nur Tee, Kaffee und Kuchen, sondern verkauft auch Cannabis. „Unsere Blüten und unser Hasch sind zu 100 Prozent legal, da sie einen garantierten THC-Wert von unter 0,2 Prozent haben.“, erklärt Stefan Ehrenreich, Mitgründer des Coffeeshops. Somit ist auch der Verkauf des EU-zertifizierten Cannabis in mehr…