Morbus Crohn: Cannabisöl kann helfen

Autor: Gesa Riedewald

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Cannabisöl kann die Symptome von Morbus Crohn lindern und die Lebensqualität der Patienten deutlich verbessern. Das zeigt eine aktuelle Studie aus Israel. Interessant ist allerdings auch, dass Cannabis anscheinend nicht die Entzündung des Darms verbessert. Warum werden die Symptome der Erkrankung weniger? Dafür bedarf es weiterer Studien.

Morbus Crohn: Cannabisöl kann helfen

Eine aktuelle Studie aus Israel zeigt, dass Cannabisöl die Symptome von Morbus Crohn signifikant verbessern kann. Die Untersuchung wurde auf der Europäischen Gastroenterologie-Konferenz vorgestellt, bisher aber noch nicht in einer von Experten begutachteten Zeitschrift veröffentlicht, wie das Medium Heathline berichtet.

Morbus Crohn: chronisch-entzündliche Darmerkrankung (CED)

Morbus Crohn ist eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung (CED), die sich auf jeden Teil des Gastrointestinaltrakts auswirken kann. Meistens betrifft sie jedoch den Dünndarm. Symptome der Erkrankung sind Fieber, Bauchschmerzen, rektale Blutungen und blutiger Durchfall. Bei länger anhaltenden Schüben kann es zu Gewichtsverlust, Müdigkeit und Schwäche kommen. Patienten mit Morbus Crohn haben auch ein erhöhtes Darmkrebsrisiko.

Cannabisstudie: Cannabisöl lindert Symptome von Morbus Crohn

Die israelische Studie ist die erste randomisierte, Placebo-kontrollierte Studie dieser Art. Die Forscher rekrutierten 46 Personen mit mittelschwerer Morbus Crohn-Erkrankung für die Cannabisstudie. Nach acht Wochen Behandlung mit Cannabisöl führte die Therapie bei mehr als der Hälfte der Studienteilnehmer zu klinischen Verbesserungen ihrer Beschwerden.

Eine Teilnehmergruppe erhielt zwei Monate lang Cannabisöl mit 15 Prozent CBD und 4 Prozent THC. Bei 65 Prozent der Patienten dieser Gruppe verbesserten sich die Krankheitssymptome deutlich. Von den Patienten, die ein Placebo erhielten, beobachteten 35 Prozent eine Verbesserung. Studienteilnehmer, die Cannabisöl erhielten, berichteten zudem über eine signifikante Verbesserung ihrer Lebensqualität im Vergleich zur Placebo-Gruppe.

Die Darmentzündung wurde mithilfe eines Endoskops und durch Überprüfung von Entzündungsmarkern in Blut- und Stuhlproben untersucht.

Keine Verbesserung der Entzündung im Darm

„Wir haben bereits früher gezeigt, dass Cannabis die Symptome von Morbus Crohn messbar verbessern kann. Zu unserem Erstaunen sahen wir jedoch keine statistisch signifikanten Verbesserungen der endoskopischen Werte oder der Entzündungsmarker in der Cannabisöl-Gruppe im Vergleich zur Placebo-Gruppe“, so Dr. Timna Naftali, leitende Forscherin der Studie und Spezialistin für Gastroenterologie am Meir Hospital und der Kupat Holim Clinic in Tel Aviv, Israel.

Für Naftali deutet dieser Befund darauf hin, dass es nicht die bekannte entzündungshemmende Wirkung von Cannabis ist, die zur Linderung der Symptome beiträgt.

„Wir wissen, dass Cannabinoide tiefgreifende entzündungshemmende Wirkungen haben können, aber diese Studie zeigt, dass die Verbesserung der Symptome möglicherweise nicht mit diesen entzündungshemmenden Eigenschaften zusammenhängt“, so Naftali.

Die Wissenschaftlerin räumt aber auch ein, dass die aktuelle Studie nur eine geringe Anzahl von Teilnehmern hatte. Um zu verstehen, wie Cannabis bei Morbus Crohn hilft, sind “in der Zukunft größere und längere Studien erforderlich“.

Leafy.de hat vor einigen Monaten darüber berichtet, dass eine Cannabisstudie aus den USA erstmals gezeigt hat, wie Cannabis bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen hilft. Die Wissenschaftler dieser Studie gingen davon aus, dass Cannabis die Endocannabinoide ersetzen kann und dadurch entzündungshemmende Wirkungen wie diese natürlichen Cannabinoide hervorruft.

Morbus Crohn – Ursache ist unbekannt

Auch wenn die Frage, wieso Cannabis bei Morbus Crohn hilft, noch nicht geklärt ist – die Belege sind vorhanden, dass es hilft. Vor allem bei dem unangenehmen Symptom des Durchfalls bringt Cannabis als Medizin Erleichterung:

„Neben der Steigerung des Appetits kann Cannabisöl die Passage von Nahrungsmitteln durch den Darm verlangsamen und die Darmsekretion verringern, was Durchfall reduziert“, erklärt Dr. Naftali.

Morbus Crohn kann schwerwiegende Komplikationen wie Unterernährung, bakterielles Überwachsen, Darmblockaden und Geschwüre mit sich bringen.

„60 bis 75 Prozent der Crohn-Patienten benötigen möglicherweise im Verlauf ihrer Krankheit eine Operation aufgrund von eventuellen Komplikationen. Die Art des Eingriffs variiert je nach Schweregrad und Ort der Erkrankung im Darm“, so Naftali.

Die Wissenschaftlerin fügt hinzu, dass Morbus Crohn bis heute kaum verstanden wird. Bisher ist nur bekannt, dass Morbus Crohn chronisch ist und dass es das Ergebnis einer Wechselwirkung verschiedener Faktoren sein könnte. Diese beinhalten Vererbung, Umwelt oder eine Überreaktion des Immunsystems.

Kein Heilmittel – nur Verbesserung der Symptome

Zu den herkömmlichen Behandlungsmethoden von Morbus Crohn zählen Antibiotika und Kortikosteroide. Forscher warnen davor, dass diese Medikamente starke Nebenwirkungen hervorrufen können. Darüber hinaus steigern sie das Risiko, an einem Lymphom zu erkranken.

Neuere Forschungen legen nahe, dass Cannabisöl viel sicherer ist und keine schwerwiegenden Nebenwirkungen aufweist – verglichen mit anderen Medikamenten, die zur Behandlung dieser Erkrankung eingesetzt werden.

Bisher gibt es keine Heilung für chronisch-entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn. Das schließt die klassischen Therapie-Methoden wie auch Cannabis als Medizin ein. Eine Verbesserung des subjektiven Wohlbefindens und der Lebensqualität sind daher die wichtigsten Ziele einer Therapie. Und Cannabisöl hat gezeigt, dass es die Lebensqualität einiger Menschen mit Morbus Crohn verbessern kann.

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