Morbus Crohn, Colitis ulcerosa und Reizdarm – wie kann medizinisches Cannabis helfen?

Autor: Alexandra Latour

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In Deutschland leiden mehr als 300.000 Menschen an Morbus Crohn und mehr als 170.000 Menschen an Colitis ulcerosa. Mehrere Millionen Menschen sind zudem vom Reizdarmsyndrom betroffen. Und noch immer geben chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CED) den Medizinern Rätsel auf, denn die Ursachen sind nach wie vor unklar. Dennoch steigt der Bedarf an Medikamenten an, die nebenwirkung ärmer sind als die derzeit verfügbaren Arzneimittel. Cannabis wird seit Jahrtausenden gegen Darmerkrankungen eingesetzt und mittlerweile nehmen auch Forscher an, dass die Cannabinoide aus der Hanfpflanze Potenzial besitzt, positiv auf chronisch-entzündliche Darmerkrankungen zu wirken.

Morbus Crohn, Colitis ulcerosa und Reizdarm – wie kann medizinisches Cannabis helfen?

In den USA und Kanada wurden Patienten mit Colitis ulcerosa und Morbus Crohn befragt, die Cannabis gegen ihre Beschwerden konsumierten. Diese beschrieben mehrheitlich, dass Cannabis gegen Bauchschmerzen, Bauchkrämpfe, Übelkeit und Durchfall half.

Im April 2017 erklärten auch Forscher der Medical University of Graz in Österreich, dass medizinisches Cannabis immer öfter zur Linderung von Bauchschmerzen, Durchfall und Appetitlosigkeit erfolgreich eingesetzt wird. Für diese Wirkung seien die Cannabinoide der Hanfpflanze, insbesondere das psychoaktive Delta-9- Tetrahydrocannabinol (THC) und das nicht-psychoaktive Cannabidiol (CBD) verantwortlich.

Obwohl noch viele klinische Studien zum Nachweis der Wirksamkeit erforderlich sind, sehen die Forscher bereits schon jetzt, dass medizinisches Cannabis bei CEDs hilfreich sein könnte. Bevor jedoch weiter auf die aktuellen Forschungen eingegangen wird, sollen zunächst die Erkrankungen Morbus Crohn, Colitis Ulcerosa und das Reizdarmsyndrom näher beschrieben werden.

Was ist Morbus Crohn?

Bei der chronischen Darmerkrankung Morbus Crohn können alle Abschnitte des Darms einschließlich der Speiseröhre von Entzündungen betroffen sein. Zudem können durch Morbus Crohn verursachte Entzündungen gleichzeitig in mehreren Darmabschnitten auftreten, die durch kleinere oder größere Darmabschnitte voneinander getrennt sind (segmentaler diskontinuierlicher Befall).

Am häufigsten zeigen sich Entzündungen in den folgenden Bereichen:

  • Übergang vom Dünndarm zum Dickdarm (in etwa 45 Prozent)
  • Dickdarm und Analkanal (25 Prozent)
  • unterer Dünndarmabschnitt (25 Prozent)
  • andere Darmabschnitte (5 Prozent)

Morbus Crohn: Ursachen

Zu chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und ihrer Entstehung ist wenig bekannt bzw. sind die Ursachen bis heute nicht geklärt. Vermutet wird, dass verschiedene Faktoren als Auslöser infrage kommen. Da die Darmentzündung in einigen Familien gehäuft auftritt, wird angenommen, dass die erbliche Veranlagung eine Rolle spielt.

Unterstützt wird diese Annahme durch die Tatsache, dass bei ungefähr der Hälfte aller Morbus Crohn-Erkrankten Veränderungen an der Erbanlage (Mutation am Gen NOD2/CARD15) festgestellt werden können. Ebenso sind weitere Gene bekannt, die mit dem Risiko für eine Darmentzündung verbunden sind. Alle diese Gene beeinflussen die Darmflora, die als wichtiger Auslöser für Morbus Crohn gilt.

Verantwortlich für die Entstehung von Morbus Crohn ist eine gestörte Barrierefunktion der Darmschleimhaut. Diese Barriere hindert in der Regel Bakterien daran, in die Darmwand eindringen. Wenn die Bakterien hingegen diese Darmbarriere überwinden können, entsteht in der Darmwand in eine Immunreaktion, da der Körper die Bakterien als Krankheitserreger eingestuft, obwohl sie keine krankmachenden Bakterien sind. Infolge dessen werden im Körper unterschiedliche Entzündungszellen aktiviert, wodurch die Darmentzündung entsteht.

Es wird davon ausgegangen, dass neben den Erbfaktoren auch die folgenden Einflüsse einen Morbus Crohn mitverursachen:

  • Zusammensetzung der Darmflora
  • Ernährungsweise
  • Rauchen
  • vielfache antibiotische Behandlung in der Jugend

Psychische Ursachen werden zwar ausgeschlossen, jedoch ist bekannt, dass die Psyche den Krankheitsverlauf von Morbus Crohn beeinflussen kann. Beispielsweise können Stress oder seelische Belastungen Schübe auslösen oder sogar einen aktuellen Schub noch verstärken.

Morbus Crohn: Symptome

Die typischen Morbus Crohn-Symptome zeigen sich in Form von Durchfall, der mit krampfartigen Schmerzen im rechten Unterbauch einhergeht. Blut oder Schleim ist dem Stuhl nur selten beigemengt. Weitere mögliche Symptome können Fieber, Anämie (Verminderung des roten Blutfarbstoffs) und Leukozytose (Anstieg der weißen Blutkörperchen) sein.

Durch die häufig auftretenden Schübe verspüren Morbus Crohn-Patienten häufig ein allgemeines Krankheitsgefühl, Müdigkeit, Abgeschlagenheit und Appetitlosigkeit. Auch eine Gewichtsabnahme aufgrund der häufigen Durchfälle ist typisch für Morbus Crohn.

Bei rund 40 Prozent der Patienten treten je nach Krankheitsverlauf und -aktivität weitere Symptome auf, wie zum Beispiel Gelenkbeschwerden, Nierensteine, Augenentzündungen, Hautirritationen oder Osteoporose. Viele Betroffene entwickeln aufgrund der belastenden Erkrankung auch Depressionen.

Morbus Crohn: Diagnose, Krankheitsverlauf und Komplikationen

Bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen erfolgt meist keine Stuhluntersuchung, sondern direkt eine Darmspiegelung (Endoskopie), bei der auch gleich eine Gewebeprobe entnommen wird. Zudem werden bei entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn auch die Blutwerte labortechnisch untersucht, um die Entzündungswerte zu prüfen.

Der Krankheitsverlauf der chronischen Erkrankung verläuft unterschiedlich in Schüben und häufig sind bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn mehrfache Operationen erforderlich. Bei der chronisch entzündlichen Darmerkrankung Morbus Crohn ist eine Heilung jedoch ausgeschlossen. Im Rahmen der Erkrankung können außerdem folgende Komplikationen auftreten:

  • Bei etwa 30 bis 50 Prozent der Patienten bilden sich innere oder äußere Fisteln, die sehr schlecht heilen und immer wieder auftreten können. Schmerzen verursachen diese in aller Regel nicht. Anzeichen einer solchen Fistelbildung sind beispielsweise Stuhl im Urin oder Stuhlabgänge über die Scheide.
  • Bei etwa 20 Prozent der Betroffenen bilden sich Abszesse im Analbereich, die äußerst schmerzhaft sein können.
  • Im Darm können sich Narben oder Schwellungen infolge der Entzündungen bilden, die zu einem Darmverschluss führen können. Möglich ist auch ein Darmdurchbruch, der eine lebensgefährliche Komplikation darstellt und sofort operiert werden muss.
  • Ein Konglomerattumor (Geschwulstbildung) bildet sich, wenn die entzündeten Darmschlingen miteinander verkleben. Häufig ist dieses gutartige Geschwulst auf der Bauchdecke tastbar.

Morbus Crohn: Behandlung und Therapie

Ziel der Therapie von Morbus Crohn ist es, die Beschwerden zu lindern, die Häufigkeit der Schübe zu verringern, Komplikationen zu vermeiden und Operationen so weit wie möglich hinauszuschieben. Neben einer Ernährungsumstellung auf leicht verdauliche Kost stellen bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen Medikamente einen wichtigen Bestandteil der Therapie dar.

Folgende Medikamente können bei Morbus Crohn zum Einsatz kommen:

  • Kortikosteroide: Bei einem akut auftretenden Schub werden entzündungshemmende Kortison-Medikamente gegeben, die sich jedoch nicht für eine Dauertherapie eignen.
  • Aminosalicylate: Bei Befall des Dickdarms eignen sich Mesalazin und Sulfasalazin in Tabletten- oder Zäpfchenform.
  • Antibiotika: Treten Abszesse oder Fisteln auf, werden diese meist mit einem Antibiotikum wie Metronidazol behandelt.
  • Methotrexat: In einigen Fällen wird der Wirkstoff Methotrexat zur Hemmung des Zellwachstums gegeben.
  • Immunsuppressiva: Wenn die Entzündungsaktivität besonders hoch ist, kommen meist Immunsuppressiva wie 6-Mercaptopurin (6-MP) oder Azathioprin zum Einsatz, die das Immunsystem unterdrücken, dafür aber die Infektionsanfälligkeit erhöhen.
  • Biologika (monoklonale Antikörper): Der Botenstoff Tumornekrosefaktor alpha (TNF-alpha) ist an den Entzündungsreaktionen beteiligt und kann mit Adalimumab und Infliximab geblockt werden.

Was ist Colitis ulcerosa?

Die Entzündung bei der chronisch-entzündlichen Darmerkrankung Colitis ulcerosa ist auf den unteren Darmabschnitt des Dickdarms (Mastdarm) begrenzt. Nur in seltenen Fällen tritt eine Entzündung am Ende des Dünndarms auf. Dafür kann sich die Entzündung im Dickdarm unterschiedlich weit ausbreiten. In einigen Fällen ist sogar der gesamte Dickdarm entzündet (Pankolitis).

Colitis ulcerosa: Ursachen

Genau wie bei Morbus Crohn sind auch bei der Colitis ulcerosa die Ursachen unbekannt. Auch hier können genetische und umwelttechnische Einflüsse als auch Ernährungsgewohnheiten bei der Entstehung eine Rolle spielen.

Gleiches gilt für die gestörte Darmflora, wobei bei Patienten mit Colitis ulcerosa beobachtet wurde, dass die Darmschleimhaut sehr dünn ist, wodurch die Abwehrfunktion gestört und die Bakterien leichter in die Schleimhaut eindringen können. Hierauf reagiert das Immunsystem dann mit Entzündungen.

Colitis ulcerosa: Symptome

Typische Beschwerden bei Colitis ulcerosa sind Schmerzen, die vor oder auch nach dem Stuhlabgang (Tenesmen) auftreten sowie mehrmalige Stuhlgänge am Tag (bis zu 30 Stuhlgänge). Zusätzlich können Symptome wie Müdigkeit, körperliche Schwäche, Appetitlosigkeit, Fieber, Gewichtsverlust sowie das Gefühl, aufgebläht zu sein, auftreten. Bei einem akuten Schub findet sich auch Blut und Schleim im Stuhl, sodass einige Patienten unter einer Blutarmut und/oder einem Eisenmangel leiden.

In einigen Fällen löst die Darmerkrankung auch Entzündungen in anderen Körperbereichen aus (extraintestinale Symptome). Auch hier sind die Ursachen unbekannt. Betroffen sind häufig Körperregionen wie die Gelenke, Augen, Haut und die Leber.

Colitis ulcerosa: Diagnose, Krankheitsverlauf und Komplikationen

Zur chronisch-entzündlichen Darmerkrankung-Diagnostik erfolgt auch hier die Darmspiegelung und die Entnahme einer Gewebeprobe.

Zum Krankheitsverlauf ist zu sagen, dass dieser nicht vorhersehbar ist. Während einige Patienten nur wenige Schübe erleiden, haben andere Patienten mit wesentlich mehr Schüben zu kämpfen oder der Darm ist sogar dauerhaft entzündet.

Je nachdem wie weit sich die Entzündung im Darm ausbreitet, können unterschiedliche Komplikationen auftreten:

  • Infolge einer stark entzündeten Darmwand wird der Darm stark gedehnt (toxisches Megakolon). Hier besteht die Gefahr eines Darmdurchbruchs (Perforation), weshalb eine sofortige Operation notwendig ist. Es handelt sich hierbei um eine lebensgefährliche Komplikation!
  • Infolge eines toxischen Megakolons können starke Darmblutungen auftreten, die in manchen Fällen eine Bluttransfusion erforderlich machen. Die Entfernung eines entzündeten Darmabschnitts ist nur selten notwendig.
  • Im Darm können durch die häufigen Entzündungen Narben entstehen, die zu einer Verengung des betroffenen Abschnitts führen kann, was mit starken kolikartigen Schmerzen einhergeht. Im schlimmsten Fall kommt es zu einem lebensgefährlichen Darmverschluss.
  • Das Risiko, an Darmkrebs zu erkranken, ist deutlich erhöht. Betroffene sollten deshalb in regelmäßigen Abständen zur Darmspiegelung gehen, damit Veränderungen im Darm rechtzeitig erkannt werden können.

Colitis ulcerosa: Behandlung und Therapie

Auch bei der Colitis ulcerosa besteht das Therapieziel darin, die Symptome zu lindern, die Entzündung einzudämmen, Schübe hinauszuzögern und Komplikationen zu verhindern. Hilfreich kann hier unter anderem eine ausgewogene Vollwertkost sein.

Eine medikamentöse Behandlung mit entzündungshemmenden Präparaten ist jedoch das wichtigste Element der Behandlung. Ähnlich wie bei Morbus Crohn kommen auch bei der entzündlichen Darmerkrankung Behandlung Medikamente wie Aminosalicylate, Kortisonpräparate, Biologika und Immunsuppressiva zum Einsatz.

Es hat sich herausgestellt, dass viele Patienten einen Schub mit hilfe von speziellen Bakterien vorbeugen können. Empfohlen werden hier Escherichia coli Bakterien mit dem Stamm Nissle 1917. Ein akuter Schub kann hiermit jedoch nicht behandelt werden.

Was ist das Reizdarmsyndrom?

Mehr als 12 Millionen Menschen leiden in Deutschland unter dem Reizdarmsyndrom (RDS), das auf keine körperlichen Ursachen zurückgeführt werden kann und nicht gefährlich ist. Dennoch ist der „Reizdarm“ für die Betroffenen eine starke Belastung.

Hinter dem Reizdarmsyndrom stehen verschiedene Beschwerden, die immer wiederkehren. Oftmals funktioniert der Transport der Nahrung im Dickdarm (Kolon) nicht einwandfrei, weshalb der Reizdarm auch als Reizkolon bezeichnet wird. Aber nicht nur der Dickdarm, sondern auch der Magen und der Dünndarm können beim Reizdarmsyndrom betroffen sein.

Typische Symptome des Reizdarms sind:

  • Druckgefühl im Unterbauch
  • krampfartige Bauchschmerzen
  • Blähungen
  • Völlegefühl
  • Stuhlunregelmäßigkeiten (Durchfall/Verstopfung
  • Beimengung von Schleim im Stuhl
  • Schmerzen bei Stuhlentleerung
  • Besserung der Schmerzen nach Stuhlentleerung

Die Ursache des Reizdarms ist bis heute nicht geklärt. Mediziner vermuten, dass folgende Faktoren eine Rolle spielen:

  • erbliche Veranlagung
  • Störungen in der Darmmuskulatur
  • gestörte Darmflora
  • Überempfindlichkeit der Darmschleimhaut
  • Stress / psychische Erkrankungen

Wenn die Beschwerden länger als drei Monate anhalten oder im Stuhl Blut sichtbar sein sollte, ist eine ärztliche Abklärung dringend notwendig. Derartige Symptome können auch Anzeichen für eine Nahrungsmittelunverträglichkeit, Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa sein.

Eine standardisierte Behandlung gibt es beim Reizdarm nicht, da bei jedem Patienten verschiedene Symptome im Vordergrund bestehen. Die Psyche spielt eine wesentliche Rolle bei dieser Erkrankung, weshalb Betroffene beobachten sollten, in welchen Situationen sich die Beschwerden verstärken.

Hilfreich kann hier das Führen eines Reizdarm-Tagebuchs sein. Mögliche Auslöser der Symptome können beispielsweise Stress, Schlafmangel, bestimmte Lebensmittel oder Bewegungsmangel sein.

Viele Betroffene konnten auch mit einer Ernährungsumstellung positive Erfahrungen machen und die Beschwerden abschwächen. Hier können Betroffene entweder selbst austesten, welche Lebensmittel sie gut vertragen oder einen Ernährungsberater zur Hilfe nehmen.

Ob Medikamente gegen Verstopfung, Durchfall und Bauchkrämpfe kommen, richtet sich immer nach der Schwere der Beschwerden und sollten nur nach Rücksprache mit dem Arzt eingenommen werden.

Was ist eine Divertikulitis?

Divertikel sind im Grunde harmlos. Es handelt sich hierbei um kleine Ausstülpungen der Dickdarmschleimhaut, die sich vor allem bei Menschen bilden, die an Verstopfung leiden. In den meisten Fällen bereiten die Divertikel keine Darmbeschwerden. Entzünden sie sich jedoch, wird von einer Divertikulitis, also einer Darmschleimhautentzündung gesprochen.

Die typischen Symptome dieser entzündlichen Darmerkrankung Divertikulitis äußern sich durch starke Bauchschmerzen, Darmbeschwerden, Verdauungsstörungen und Fieber. Unterschieden wird zwischen den folgenden Verlaufsformen:

  • entzündliche Darmerkrankung ohne Symptome (Divertikulose)
  • akute entzündliche Darmerkrankung bzw. Divertikulitis mit entzündeten Divertikeln
  • akute entzündliche Darmerkrankung bzw. Divertikulitis mit entzündeten Divertikeln und Komplikationen wie Darmperforation, Bauchfellentzündung oder Abszess
  • chronische entzündliche Darmerkrankung bzw. Divertikulitis mit wiederkehrenden Schüben

Ursachen dieser entzündlichen Darmerkrankung sind Stuhlpartikel in den Divertikeln. Diese drücken auf die Darmschleimhaut und verursachen eine Entzündung. Begünstigt wird diese Darmschleimhautentzündung durch eine fleischlastige und ballaststoffarme Ernährung, Bewegungsmangel, Nikotin- und Alkoholkonsum.

Leichte Darmschleimhautentzündungen heilen in der Regel von alleine und erfordern keine Therapie. Treten starke Beschwerden auf, so erfolgt eine auf chronisch entzündlichen Darmerkrankungen basierende Therapie mit Antibiotika, Schmerzmitteln und krampflösenden Mitteln.

THC- und CBD-Wirkung bei chronischen Darmerkrankungen

Es konnte bereits nachgewiesen werden, dass Entzündungen vom (körpereigenen) Endocannabinoid System gesteuert werden. Da sich im Magen-Darm-Trakt die Cannabinoidrezeptoren CB1 und CB2 befinden, wird angenommen, dass THC und CBD diese aktivieren und somit entzündungshemmend wirken. Forscher der britischen University of Bath gehen davon aus, dass gerade der CB2-Rezeptor hier eine wichtige Rolle spielt.

Die Aktivierung des CB1-Rezeptors scheint Durchfallsymptome lindern zu können. Es wird angenommen, dass hier der Neurotransmitter Acetylcholin aus dem peripheren Nervensystem gehemmt wird. Bekannt ist, dass Acetylcholin die Darmtätigkeit anregt.

Darüber hinaus ist Cannabis möglicherweise in der Lage, Schmerzen, die im Rahmen von Morbus Crohn und Colitis ulcerosa auftreten, zu lindern, indem es als entzündungshemmender Stoff wirkt und die Spasmen des Darms sowie die Flüssigkeitsausscheidung reduziert. Bestätigt wird dies beispielsweise durch eine CED-Pilotstudie in Kalifornien aus dem Jahr 2005.

Im Jahr 2016 untersuchten Forscher der University of Naples Federico II in Italien an Mausmodellen die Wirkung eines standardisierten Cannabis-Sativa-Extraktes mit einem hohen Gehalt des nicht-psychoaktiven Cannabinoids CBD. Bei den Versuchsmäusen wurde eine Colitis ulcerosa mit hilfe von Dinitrobenzolsulfonsäure (DNBS) indiziert. Zusammenfassend erklärten die Forscher, dass die Entzündungen im Darm durch das CBD abgeschwächt werden konnten.

Medizinisches Cannabis gegen Darmerkrankungen: Studien belegen Wirksamkeit

Forscher der University of Hertfordshire in Großbritannien stellten im Jahr 2010 an Versuchsratten mit Colitis ulcerosa fest, die mit THC und CBD behandelt wurden, dass sich die Symptome besserten und die Entzündungen zurück bildeten.

Im Jahr 2012 untersuchten Wissenschaftler der Tel Aviv University, ob sich das Inhalieren von medizinischem Cannabis auf Patienten mit einer chronischen Darmentzündung positiv auf die Krankheitsaktivität und die Lebensqualität auswirkt.

Im Ergebnis heißt es, dass sich die 13 teilnehmenden Patienten nach einer dreimonatigen Cannabis-Therapie (50 Gramm Cannabis pro Monat) gesünder fühlten und weniger Schmerzen hatten. Auch die Stimmung habe sich verbessert und die Patienten nahmen durchschnittlich vier Kilogramm an Gewicht zu.

Noch interessanter ist eine israelische Studie aus dem Jahr 2013. Von 21 Patienten, die an Morbus Crohn litten, erhielten 11 Probanden zweimal täglich Cannabis in Form eines Joints und 10 Patienten einen Joint mit Cannabisblüten ohne THC.

10 von den 11 Probanden, die THC erhielten, berichteten über eine deutliche Verbesserung der Symptomatik, einem gesteigerten Appetit und einer besseren Schlafqualität. Drei Probanden, die vorher dauerhaft Kortison einnehmen mussten, konnten dieses absetzen.

Die gleichen israelischen Forscher hatten bereits zwei Jahre zuvor 30 Patienten mit Morbus Crohn interviewt, die ein- bis dreimal täglich Cannabis konsumierten. Bei 21 Befragten konnte festgestellt werden, dass sich ihr Zustand deutlich verbesserte.

Statt einem mäßigen Schub hatten die Betroffenen durch die Verwendung von Cannabis nur noch einen milden Schub. Auch das Wohlbefinden habe sich gebessert und die Anzahl der Stuhlgänge reduzierte sich durchschnittlich von acht auf fünf Stuhlgänge pro Tag.

Die aktuellen Studien lassen den Schluss zu, dass sich Cannabinoide möglicherweise zur Behandlung der Beschwerden im Rahmen entzündlicher Darmerkrankungen eignen. Noch fehlt es jedoch an klinischen Forschungen mit einer größeren Anzahl an Probanden, um die Wirksamkeit von Cannabis vollständig zu bestätigen. Dennoch machen die aktuellen Studienergebnisse Mut.

Quellen:

Division of Gastroenterology, Hepatology and Endoscopy, Department of Medicine, Brigham and Women’s Hospital, Boston, Massachusetts, USA, Jessica Ravikoff Allegretti, MD, at al., 2013, “Marijuana Use Patterns Among Patients with Inflammatory Bowel Disease

Division of Gastroenterology, Department of Medicine, University of Calgary and; †Division of Gastroenterology, Department of Medicine, University of Munich, Storr M1 et al., 2014, “Cannabis use provides symptom relief in patients with inflammatory bowel disease but is associated with worse disease prognosis in patients with Crohn’s disease

Institute of Experimental and Clinical Pharmacology , Medical University of Graz , Graz , Austria, Hasenoehrl C1 et al., 2017, “Cannabinoids for treating inflammatory bowel diseases: where are we and where do we go?

Department of Pharmacy and Pharmacology, University of Bath, Bath, UK, Wright KL1 et al., 2008, “Cannabinoid CB2 receptors in the gastrointestinal tract: a regulatory system in states of inflammation

Department of Experimental Pharmacology, University of Naples Federico II, via D Montesano 49, 80131 Naples, Italy, Izzo AA1, Coutts AA., 2005, “Cannabinoids and the digestive tract

Jeff Hergenrather, MD, Kalifornien, 2005, “Cannabis Alleviates Symptoms of Crohn’s Disease

School of Life Sciences, University of Hertfordshire, Hatfield, Hertfordshire, UK, Jamontt JM1 et al., 2010, “The effects of Delta-tetrahydrocannabinol and cannabidiol alone and in combination on damage, inflammation and in vitro motility disturbances in rat colitis

Department of Gastroenterology and Hepatology, Meir Medical Center and Sackler Faculty of Medicine, Tel Aviv University, Kfar Saba, Israel, Naftali T1 et al., 2013, “Cannabis induces a clinical response in patients with Crohn’s disease: a prospective placebo-controlled study

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