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Natürliche/synthetische Cannabinoide gegen Krebs?

Was wirkt besser gegen Krebs - pures THC, ein Vollextrakt aus der Pflanze oder synthetische Cannabinoide? Dieser Frage sind Wissenschaftler auf unterschiedliche Weise auf den Grund gegangen.

Natürliche/synthetische Cannabinoide gegen Krebs?

Über die Wirkungen von Cannabis und Cannabinoiden, insbesondere in Bezug auf natürliche und synthetische Cannabinoide, bei der Behandlung von Nebenwirkungen einer Krebstherapie wurde bereits einiges geforscht und viel geschrieben. Für die Therapie von Übelkeit und Erbrechen oder Appetitlosigkeit durch eine Chemotherapie liegen gute Ergebnisse vor. Auch gegen manche Schmerzen scheint Cannabis als Medizin gut wirksam zu sein.

Doch mindestens ebenso spannend ist die Frage, ob Cannabinoide gegen den Krebs direkt, die entarteten Zellen und Tumore, wirken kann. Immer wieder haben Untersuchungen in der Vergangenheit eine Antitumorwirkung gezeigt. Trotzdem ist die Wissenschaft noch nicht überzeugt. Denn was sich in Krebszellen in einer Kulturschale zeigen lässt, muss im menschlichen Körper – leider – nicht zwangsläufig auch so funktionieren. Dazu kommt immer die Frage, welches Cannabinoid in welcher Menge, einzeln oder in Kombination am besten wirkt.

Es gibt 300 Arten von Krebs. Im grundsätzlichen Entstehungsvorgang mögen sie sich gleichen, im Detail sind sie sehr verschieden. Aus diesem Grund ist es auch schwierig, aus Untersuchungen an einem Krebs(zell)typ Aussagen zu treffen, die für alle Krebsarten gelten.

Welche Rolle in der Krebsbehandlung – und zwar nicht nur der Behandlung der Krankheitssymptome, sondern auch der Behandlung des Tumors – natürliche und synthetische Cannabinoide spielen können, wird an vielen Orten der Welt erforscht. Zwei ganz unterschiedliche Ansätze, die  zeigen, wie breit die Ideen gefächert sind, sollen im Folgenden vorgestellt werden.

Pures THC oder Vollextrakt aus Blüten – was wirkt besser bei Brustkrebs?

Die mit großem Abstand häufigste Krebsart bei Frauen ist der Brustkrebs. In den letzten Jahren haben sich durch frühzeitigere Diagnose und die Entwicklung neuer Therapien die Prognose und Überlebenswahrscheinlichkeit deutlich erhöht. Besonders die Klassifizierung von Tumoren nach ihrer Empfindlichkeit gegenüber bestimmten Hormonen (Östrogenrezeptor und Progesteronrezeptor) und dem Wachstumsfaktor HER2 hat die Behandlungsmöglichkeiten enorm verbessert. Doch es gibt auch ungünstige Prognosen. Liegt ein Triple-negativer Brustkrebs vor, also ein Krebstyp, der weder östrogen-, noch Progesteron- noch HER2-empfindlich ist und zudem sehr aggressiv, so gibt es keine speziell zugeschnittenen Therapiemöglichkeiten. Zur Verfügung steht die klassische Chemotherapie.

Auch bei tendenziell gut behandelbaren Brustkrebsarten kann es sein, dass der Krebs zurückkehrt oder unempfindlich gegen die Therapie wird. Aus diesem Grund wird weiterhin nach Möglichkeiten gesucht, die Krebszellen in Schach zu halten.

Bessere Antitumor-Wirkung durch Entourage Effekt?

Cannabinoide könnten diese Lücke möglicherweise füllen – wenn die Forschungen frühere Ergebnisse bestätigen und die Behandlungsansätze auch im Menschen sicher wären. Eine Studie an verschiedenen Brustkrebs-Zelllinien und Tiermodellen hat nun untersucht, ob die Antitumorwirkung besser ist, wenn reines THC verwendet wird oder wenn ein Extrakt aus der Cannabispflanze verwendet wird, in dem alle Inhaltsstoffe enthalten sind. Die Forscher konfrontierten die Krebszellen bzw. die Tumore in Mäusen entweder mit einer bestimmten Menge puren THCs oder mit einer Menge des Pflanzenextrakts, in der dieselbe Menge an THC enthalten war.

Es zeigte sich, dass die Wirkung des Extrakts dem puren THC überlegen war – die Antitumorwirkung was besser. Dieses Ergebnis spricht auch für die viel untersuchten, aber noch immer nicht endgültig belegten Entourage Effekt. Unter dem Entourage Effekt versteht man die Beobachtung, dass die Wirkungen einzelner Cannabinoide verstärkt oder modifiziert werden, wenn sie nicht einzeln, sondern im Verbund mit allen anderen in der Cannabis-Pflanze enthaltenen Substanzen zusammen verabreicht wird. In diesem Fall wäre die Anwesenheit der zahlreichen weiteren, wenig bekannten, Cannabinoide und der Terpene von großer Bedeutung.

Allerdings zweifeln immer noch viele Forscher die Existenz des Entourage Effekts an, weil andere Studien keine günstigen Effekte eines Vollextrakts gegenüber Einzelsubstanzen zeigen konnten. Und auch die vorliegende Studie hat Schwächen. So geben die Autoren nicht an, welchen Cannabis-Stamm sie für die Untersuchung/den Extrakt verwendet haben. Seltsam erscheint auch, dass in der Analyse der Inhaltsstoffe des Extrakts kein CBD nachgewiesen werden konnte. Eine weitere Schwierigkeit im Zusammenhang mit dem Entourage Effekt und solchen Arten von Forschungen liegt darin, dass jede Cannabissorte eine andere Zusammensetzung an Cannabinoiden und Terpenen besitzt. Es ist schwer herauszufinden, ob es einen universal nützlichen Stamm gibt (was unwahrscheinlich ist), bzw. welcher Stamm für welche Krebszellen am wirksamsten ist.

Synthetische Cannabinoide gegen Darmkrebszellen

Auch Darmkrebs ist eine häufige Krebsart. Frauen wie Männer sind gleichermaßen betroffen. Obwohl die Vorsorgemöglichkeiten durch die Darmkrebsvorsorge gut sind, erkranken und sterben viele Menschen an Darmkrebs.

In der vorliegenden Untersuchung wählten die Forscher sieben Darmkrebszelllinien und testeten 370 synthetische Cannabinoide auf ihre Fähigkeit, die Überlebensfähigkeit der Krebszellen zu vermindern. Dabei legten die Wissenschaftler Wert darauf, Substanzen auszuwählen, die möglichst bei allen sieben Zelllinien wirksam sind. Das war ihnen wichtig. Denn die Zelllinien tragen typische Mutationen in sich, wie sie bei Patienten mit einem kolorektalen Karzinom häufig vorkommen. Beim kolorektalen Karzinom sind in aller Regel Gene des sogenannten Wnt/β-catenin-Wechselweges mutiert. Die Mutationen können in unterschiedlichen Genen auftreten, aber im Endeffekt zur gleichen Wirkung, nämlich zur Entartung zu einer Krebszelle, führen.

10 von 370 wirksam in allen Krebszellen – THC und CBD nur mäßig wirksam

Von den 370 getesteten Substanzen blieben am Ende 10 Stück übrig, die bei allen Zelllinien wirksam waren. Zusätzlich testeten die Forscher auch die Wirkung von THC und CBD auf die Zelllinien. Bei der niedrigsten getesteten Konzentration (10µM) hatte interessanterweise THC keinen Effekt auf das Überleben der Krebszellen. Erst bei höheren Konzentrationen war es in einigen Zelllinien wirksam. CBD verringerte das Zellüberleben nur in zwei Zelllinien.

Folglich scheinen die gefundenen synthetischen Cannabinoide gute Ansatzpunkte zu sein. Synthetische Cannabinoide waren in allen getesteten Zelllinien wirksam gegen die Krebszellen. Allerdings – das darf nicht verschwiegen werden – verringerte die beste der Substanzen die Überlebensfähigkeit der Krebszellen um maximal 10 bis 15 %. Das kann verschiedene Ursachen haben, die die Forscher noch genauer untersuchen müssen.

Ein weiterer interessanter Aspekt ist, dass die identifizierten synthetischen Cannabinoide in den 6 von 7 Fällen nicht über die bekannten Rezeptoren (CB1, CB2, GRP55, TRPV1) auf das Zellgeschehen Einfluss nehmen, sondern über bislang unbekannte Mechanismen.

Die beiden Studien, so unterschiedlich sie auch sein mögen, zeigen deutlich, dass es noch ein weiter Weg ist, bis pflanzliche oder synthetische Cannabinoide einzeln, in Kombination oder als Extrakt aus der Cannabispflanze gegen Krebs im klinischen Alltag eingesetzt werden können. Auch sind bereits die Ergebnisse in  Zellkulturen nicht so eindeutig, wie man sie sich wünschen würde, z. B. wie gezeigt für THC und CBD. Dennoch tragen beide Studien dazu bei, neue Einblicke in das komplexe System der Cannabinoidwirkung in Kombination mit dem komplexen System Krebs zu erhalten.

 

Hinweis: In diesem Artikel berichten wir über rezeptpflichtiges CBD oder auch Cannabidiol. Dieser Artikel macht zur möglichen Zweckbestimmung keinerlei Vorschlag. Nutzversprechen bleiben den Apothekern überlassen.

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