Neue Forschungsergebnisse zu Endocannabinoiden gegen Schmerzen, Entzündungen und Angst

Autor: Alexandra Latour

Verõffentlicht am: 29. November 2017

Geändert am: 5. Januar 2018

Ein Forscherteam des Nationalen Forschungsschwerpunktes (NFS) „Transcure“ in Bern hat neue Wege gefunden, um das Endocannabinoidsystem zu beeinflussen. Mithilfe von Tiermodellen konnten schmerzstillende, entzündungshemmende und angstlösende Effekte beobachtet werden.

Neue Forschungsergebnisse zu Endocannabinoiden gegen Schmerzen, Entzündungen und Angst

Bei den körpereigenen Cannabinoiden (Endocannabinoide) handelt es sich um fettsäureähnliche Substanzen, die vom Körper selbst hergestellt werden und Cannabinoidrezeptoren aktivieren. Zudem können Endocannabinoide unter anderem schmerzstillend und entzündungshemmend wirken. Einen ähnlichen Effekt zeigen die Cannabinoide aus der Cannabispflanze wie Tetrahydrocannabinol (THC). Hingegen werden körpereigene Endocannabinoide nur in den Zellen produziert, wenn der Körper sie benötigt. Eine Überdosierung ist hier also ausgeschlossen.

In der Forschung gilt das Endocannabinoidsystem zur Entwicklung neuer Therapiemöglichkeiten als vielversprechend, wie zum Beispiel bei Erkrankungen des Nervensystems. Das Forschungsteam um Jürg Gertsch vom Institut für Biochemie und Molekulare Medizin der Universität Bern untersucht seit vielen Jahren im Rahmen SNF-finanzierten Forschungsschwerpunktes „Transcure“ die Möglichkeit, körpereigene Cannabinoide im Gehirn selektiv zu aktivieren, um verschiedene neuropsychiatrische Erkrankungen, wie zum Beispiel Angstzustände, behandeln zu können.

Dem Forscherteam ist es jetzt erstmals gelungen, im Gehirn von Labormäusen mithilfe neuartiger Hemmstoffe (Inhibitoren) den Transportweg von körpereigenen Endocannabinoiden zu blockieren, was einen positiven Effekt auf das Immunsystem und das Stressverhalten der Mäuse hatte. Beobachtet wurden schmerzstillende, entzündungshemmende und Angst lösende Effekte.

Seit Jahren wird vermutet, dass in den Immun- und Nervenzellen ein Endocannabinoidtransportsystem existiert, was die Forscher jetzt wissenschaftlich nachweisen konnten. Gegenüber dem Onlinemagazin „LABORPRAXIS“ führte Gertsch zu den Ergebnissen aus:

„Ich bin überzeugt, dass neben der Verabreichung von körperfremden Cannabinoiden künftig für therapeutische Zwecke auch das Endocannabinoidsystem gezielt aktiviert werden kann.“

In Zusammenarbeit Chemikern der ETH Zürich und der Industrie wurden zahlreiche Endocannabinoid-Transportinhibitoren künstlich hergestellt, um hieraus optimale pharmakologische Eigenschaft zu entwickeln. Inspirieren ließen sich die Forscher beispielsweise aus den Naturstoffen des Sonnenhutes, die teilweise über das Endocannabinoidsystem wirken.

Die neu entwickelten Hemmstoffe blockieren die Endocannabinoidaufnahme durch die Membran von Zellen, wodurch die Cannabinoidrezeptoren auf den Immun- und Nervenzellen aktiviert werden. Infolge dessen kommt es bei Stress- und Entzündungserkrankungen zu einer Art „Bremse“ im Gehirn sowie im Immunsystem, was die Wiederherstellung des physiologischen Gleichgewichts zur Folge hat.

Erstautor der Studie Andrea Chicca ist zuversichtlich und erklärt, dass der molekulare Mechanismus des Endocannabinoidtransports in den kommenden Jahren entschlüsselt werden kann.

„Der Entwicklung neuer Medikamente steht dann nichts mehr im Weg“, so Chicca.

Quellen:

http://www.pnas.org/content/114/25/E5006.abstract

https://www.laborpraxis.vogel.de/koerpereigene-cannabinoide-gegen-angst-schmerzen-und-entzuendungen-a-614246/

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