Neue Studie: Aktueller Forschungsstand zu Risiken und Potenzialen von Cannabis

Autor: Alexandra Latour

Verõffentlicht am: 6. Dezember 2017

Geändert am: 7. Dezember 2017

Wissenschaftler haben im Rahmen eines Forschungsprojektes den aktuellen Forschungsstand zu den Risiken des Cannabiskonsums sowie dem medizinischen Potenzial von Cannabis zusammengetragen. Die interessanten Ergebnisse wurden jetzt veröffentlicht.

Neue Studie: Aktueller Forschungsstand zu Risiken und Potenzialen von Cannabis

Die Autoren der Studie „Cannabis: Potenzial und Risiken – eine wissenschaftliche Analyse“ der Universität München (Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie) und des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit in Mannheim werteten mehr als 27 Millionen Einzelveröffentlichungen sowie über 2100 wissenschaftliche Publikationen aus. Gefördert wurde das Forschungsprojekt vom Bundesgesundheitsministerium. Ziel war es, den aktuellen wissenschaftlichen Kenntnisstand zu den Risiken des Cannabiskonsums sowie der Potenziale von Cannabis als Medizin zu analysieren und darzustellen und in einem konsolidierten Forschungsstand darzustellen.

Die Ärzte-Zeitung fasst die Ergebnisse der Studie wie folgt zusammen:

  • Bei der Behandlung von chronischen Schmerzen waren Cannabis-Präparate den Placebos um mindestens 30 Prozent überlegen. Dabei ist das am besten untersuchte Cannabis-Präparat Nabiximols. Für eine leichte Schmerzreduktion sowie unterschiedliche Verbesserungen in Sekundärmaßnahmen liegen überwiegende Belege vor. Hingegen liegt für eine Schmerzreduktion um mindestens 50 Prozent keine Evidenz vor.
  • Bei Spastiken im Rahmen einer Multiple Sklerose und Paraplegie konnte die Wirksamkeit von Cannabis als Medizin mit objektivierbaren Prüfkriterien nicht belegt werden.
  • Beim Reizdarmsyndrom sowie Morbus Crohn konnte keine Verbesserung der Primärsymptomatik gezeigt werden.
  • In vier von fünf Studien konnte bei HIV/AIDS eine gewichtsstimulierende Wirkung festgestellt werden. Zudem wirkt Cannabis als Medizin gegen Erbrechen und Übelkeit bei HIV/AIDS sowie im Rahmen einer Chemotherapie.
  • Bei Cannabis-Präparaten können Nebenwirkungen „durchaus gehäuft auftreten“. Diese sind jedoch meist transient und nicht schwerwiegend.

Die Ergebnisse in Bezug auf Cannabis als Rauschmittel werden von der Ärzte-Zeitung wie folgt zusammengefasst:

  • Das akute Konsumieren von Cannabinoiden kann zu kognitiven Beeinträchtigungen in der Gedächtnisleistung, der Psychomotorik sowie der Aufmerksamkeit führen.
  • Der regelmäßige Cannabiskonsum führt ebenso zu diesen Beeinträchtigungen, vor allem in der Gedächtnisleistung. Eine Intelligenzminderung durch den regelmäßigen Cannabisgebrauch kann nicht belegt werden. Auch scheinen kognitive Funktionsdefizite durch den chronischen Konsum nur vorübergehend zu sein.
  • Der chronische Cannabiskonsum kann das Risiko für respiratorische Symptome erhöhen. Akutes Konsumieren erweitert die Blutgefäße, beschleunigt den Puls und erhöht den Blutdruck. Die Risikobewertung für den chronischen Cannabiskonsum kann aufgrund der vorliegenden Evidenz nicht erfolgen.
  • Der chronische Cannabiskonsum verursacht vermutlich strukturelle Veränderungen im Gehirn, vor allem in der Amygdala sowie im Hippocampus, also den Teilen des Gehirns, die unter anderem für die Gedächtnisbildung zuständig sind.
  • Der Cannabiskonsum während einer Schwangerschaft kann die Entwicklung des Fötus stören.
  • Der akute Cannabiskonsum erhöht das Verkehrsunfallrisiko, vor allem bei Mischkonsum mit Alkohol
  • Das Risiko für Depressionen und Angststörungen sowie psychotischen Störungen wird durch den Cannabiskonsum leicht erhöht.

Quellen:

https://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/neuro-psychiatrische_krankheiten/suchtkrankheiten/article/948450/capris-studie-gross-chancen-risiken-cannabis.html

http://www.klinikum.uni-muenchen.de/Klinik-und-Poliklinik-fuer-Psychiatrie-und-Psychotherapie/download/de/forschung/poster2016pdf/Keller_Poster-CaPRis.pdf

 

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