Cannabis-Therapie: Krankenkassen übernehmen Kosten nur nach Prüfung

Veröffentlicht am: 2. August 2017

Geändert am: 18. November 2017

Viele Krankenkassen übernehmen die Kosten nach ärztlicher Verordnung von medizinischem Cannabis nicht. Die BMG-Staatssekretärin Annette Widmann-Mauz stellt klar, dass kein Weg an den Krankenkassen vorbeiführt. Voraussetzung für die Verordnung sind schwerwiegende Erkrankungen und eine realistische Verbesserung der Symptome durch die Behandlung. Problematisch sei die notwendige arzneimittelrechtliche Verordnung, welche bisher noch nicht existiert.

Krankenkassen verweigern zunehmend Kostenübernahme

Es gibt immer wieder Berichte von Patienten, die Schwierigkeiten mit der Kostenübernahme ihrer Krankenkassen haben, selbst wenn ein Arzt ihnen ein Rezept für Cannabis-Medizin ausgestellt hat.

Auf Anfrage des Linken-Politikers Frank Tempel daraufhin stellte BMG-Staatssekretärin Annette Widmann-Mauz klar, dass bei der Verordnung von Medizinalhanf stets die jeweilige Krankenkasse involviert werden muss und kein Weg an ihr vorbei führt.

Seit März ist eine Verordnung von Medizinalhanf nach Paragraf 31 Absatz 6 SGB V möglich. Die Voraussetzung für eine solche Therapie seien eine schwerwiegende Erkrankung und eine realistische Aussicht auf eine spürbare Verbesserung des Verlaufs oder zumindest der Symptome durch die Behandlung.

Formale Probleme bei der Kostenerstattung

Schon „beim Erstantrag wird dem Ausnahmecharakter der Regelung Rechnung getragen“, wie Widmann-Mauz schreibt. Denn eine Kostenerstattung setzt normalerweise eine arzneimittelrechtliche Zulassung voraus, die es bei Cannabis-Präparaten derzeit noch nicht gebe.

Das  Selbsthilfenetzwerk Cannabis Medizin (SCM) hatte die Genehmigungspraxis der deutschen Krankenkassen in einer Online-Umfrage beleuchtet: demnach sind von 412 Anträgen auf Kostenübernahme 226 abgelehnt und nur 93 Anträge anerkannt worden. Bei über 45 Anträgen der Umfrage-Teilnehmer ist die Prüfung noch nicht abgeschlossen.
Leafly.de hat hierzu ebenfalls bei den Krankenkassen angefragt und ähnliche Ergebnisse erhalten.

Quelle:

Ärztezeitung 

Leafly.de

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